Karthauses Bücherwelt …

22. Januar 2011

Dieter Moor – Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht

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Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht
Dieter Moor
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: rororo
ISBN-13: 978-3499624759

Geschichten aus der arschlochfreien Zone

Als Dieter Moor zum erstem Mal mit vollgepacktem Auto samt Anhänger nach Amerika im Brandenburgischen fährt, weiß er noch nicht, was ihn erwartet. Seine Frau hat, mit seiner Zustimmung aber ohne seine vorherige Besichtigung, einen Bauernhof in eben dieser kleinen Gemeinde gekauft. Bei seiner Ankunft waren zwar die Vorbesitzer noch nicht ausgezogen, dafür waren aber schon die eigenen Tiere, Pferde, Esel, Enten, Katzen und Hunde, eingetroffen. So lernt der Neu-Brandenburger schnell, was man in dieser Gegend können muss – improvisieren. Nachdem er erfuhr, dass direkt hinter seinem Grundstück die Landebahn des Flugplatzes endet, ein Nachbar lieber Techno-Partys auf seinem Acker veranstaltet als diesen zu bestellen und vor seinem Haus bald eine Straße entstehen soll, auf der stündlich um die 4000 Kraftfahrzeuge von und nach Berlin verkehren, kommen ihm doch Zweifel, ob die Entscheidung, die Schweiz zu verlassen und ins idyllische Brandenburg zu ziehen, eine gute war. Aber ganz so schlimm, wie er zwischenzeitlich befürchtete, kam es dann doch nicht. Alles wendete sich irgendwie zum Guten. Alles? Naja, fast alles, wenn es das Problem mit der Frischmilch, die es im Dorfkonsum nicht zu kaufen gibt, nicht gäbe.

Zu diesem Buch griff ich aus purer Neugier. Wollte ich doch wissen, was einen Schweizer ausgerechnet ins beschauliche, manchmal verschlafene, gelegentlich öde Brandenburg zieht. (Als Brandenburgerin darf ich das schreiben.) So richtig verstanden habe ich das bis zum Schluss nicht. Gerade Deutschland ist doch bekannt für seine Bürokratie und seinen Regulierungsdrang. Gut, er mag das Preußische, das Geradlinige, das Klare. Leider erfuhr der Leser nicht, was der Autor über seine erste Einkommensteuererklärung in deutschen Landen dachte. Aber genug genörgelt und gewundert. Die Geschichte, die Dieter Moor seinen Lesern erzählt, ist ungemein unterhaltend. Frei von der Leber weg, als wäre er bei einer Stammtischrunde, beschreibt er seine Ankunft in der Fremde, die ihm inzwischen zur Heimat wurde. Dabei kommt er allerdings nicht umhin, so manches Klischee und Vorurteil zu bedienen. Manche relativiert er jedoch oder baut sie gänzlich ab. Ob er die Anekdoten und Anekdötchen wirklich alle so erlebt hat, sei dahingestellt. Letztlich ist es mir auch egal, denn die Lesestunden, die ich mit seinem Buch verbrachte, waren amüsant, obwohl in der zweiten Hälfte des Buches das Erzähltempo deutlich langsamer wurde und die eine oder andere Länge entstand. Er thematisiert u. a. auch die Tierhaltung und das Landleben als Lebensform und legt seine Sicht der Dinge dazu dar. Dieter Moor berichtet aber nicht nur von seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, er erzählt auch die Lebensgeschichte einiger seiner Mitmenschen nach und hinterfragt, warum sie so sind, wie sie sind. So lernt der Leser Bauer Müsebeck, Teddy und seine Brüder, Schwester Alma mit ihrer Tochter und die kittelschürzetragende Besitzerin des Dorfladens und Gattin des Bürgermeisters Frau Widdel näher kennen, alles Originale, aber trotz ihrer Macken allesamt irgendwie liebenswert. Und so hält er dem brandenburger Leser auch schon mal den Spiegel vor die Nase. Macht nischt, so sind wa halt, und wenn der Fettnapf im Weg steht, treten wir auch gern mal rein. Nach zwei Jahren ist Moor der nette (angepasste) Nachbar geworden und hat sich in die Dorfgemeinschaft integriert, das hat nicht jeder Neuzugang Amerikas geschafft.

So ganz glücklich bin ich aber, trotz etlicher Lacher, mit dem Buch nicht geworden. Irgendwie ging seine „Einbürgerung“ zu glatt, oder aber die Schwierigkeiten waren nicht witzig genug, um in dieses Buch einzufließen.

 

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Dieter Moor, 1958 in Zürich geboren, ist Schauspieler und Moderator. Anfang der 90er Jahre moderierte er das preisgekrönte Medienmagazin “Canale Grande” auf VOX. Nach verschiedenen Stationen beim deutschen und eigenen Talkshows im österreichischen und Schweizer Fernsehen präsentiert Dieter Moor seit 2007 das ARD-Kulturmagazin „Titel, Thesen, Temperamente“. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja betreibt er in der Nähe von Berlin einen Demeter-Bauernhof.

 

Im Oktober 2011 erscheinen von ihn neue Geschichten aus der arschlochfreien Zone: „Bauer sucht Frau mit Trecker“

3. April 2009

Michael Gantenberg – Neu-Erscheinung

Einsortiert unter: 2009,sonstiges — Karthause @ 18:33
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Kurzbeschreibung (www.amazon.de)
Paul Elmar Litten lebt in einer sehr überschaubaren Kreisstadt: 50.000 Einwohner, die Hälfte katholisch, die andere das Gegenteil. Paul ist verheiratet, arbeitet als Lokalredakteur beim Westfälischen Heimatboten und will endlich mal zeigen, welches Talent wirklich in ihm schlummert. Er macht einen geheimen Deal mit dem Herausgeber und veröffentlicht als Bella Gabor einen spektakulären Fortsetzungsroman auf Seite 1 des Heimatboten: Die Messias , die Geschichte von Jesu Zwillingsschwester Hannah, die nach zweitausend Jahren Unsterblich- und Enthaltsamkeit endlich das wahre Leben leben will: Sie möchte Liebe finden, Sex haben und vielleicht auch ein paar Kilo abnehmen, möglicherweise sogar gleichzeitig. Das Ganze schlägt ein wie eine Bombe im idyllisch sortierten Westfalen, und auch Pauls Frau ist begeistert nur ahnt sie nicht, wer Bella Gabor wirklich ist …

Meine Meinung
Dieses Buch kam als Wanderbuch zu mir und ich las es in einer Zeit, die nicht wirklich toll für mich war. Schon mit dem quittegelben Umschlag versprach es ein wenig Sonnenschein, der Inhalt hielt dieses Versprechen.
Jesus hatte eine Zwillingsschwester, wer hätte das gedacht. Aber Paul Elmar Litten, Lokalredakteur beim Westfälischen Heimatboten, macht dies zum Plot eines Fortsetzungsromans in der örtlichen Presse. Die Messias will sich natürlich emanzipieren und die Geschichte bekommt eine Aktualität und wird förmlich zum Selbstläufer. Aber es ist nicht nur diese unglaubliche Story, es sind die Geschichten der Leser der Lokalzeitung drumherum, die teilweise skurril, teilweise urkomisch sind. Gantenberg hat ein wunderbares Geschick Menschen zu beobachten und sie im Buch überspitzt darzustellen. Und irgendwie hatte ich schon das Gefühl, solche Typen auch zu kennen. Er nimmt mit Witz die Kleinkarierten, die Frömmler und die Scheinheiligen auf die Schippe, versteht es damit zu unterhalten und von den Alltagsproblemen abzulenken. Für mich war es eine gelungene Abwechslung.

Über den Autor
Michael Gantenberg (* 1961) war WDR-Radiomoderator, Gastgeber des Satiremagazins »Extra 3« und schrieb für DIE ZEIT und die FAZ. Für die RTL-Komödie »Ritas Welt« erhielt er den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Er entwickelte »Alles Atze« und »Nikola« und arbeitete als TV-Autor für den »Großen Deutschtest« (mit Hape Kerkeling). 2008 startet sein erster Kinofilm »U-900« mit Atze Schröder und Yvonne Catterfeld. Michael Gantenberg lebt mit seiner Familie in der Nähe des Sauerlandes.

Gebundene Ausgabe: 364 Seiten * Verlag: Piper Verlag GmbH * ISBN-13: 978-3938060261

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