Karthauses Bücherwelt …

15. Februar 2010

Anita Nair – Das Salz der drei Meere

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 13:08
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Das Salz der drei Meere
Anita Nair
Originaltitel: Ladies Coupe
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3423135078

Akhila hat ihr Leben der Familie geopfert. Als der Vater starb, verdiente sie das Geld und verheiratete die jüngeren Geschwister. Für einen Ehemann und die Liebe hatte sie nie Zeit. Als 45-Jährige ist sie immer noch unverheiratet, fühlt sich nun an einem Scheideweg und macht sich deshalb auf die Suche nach sich selbst. Um Abstand zu ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, begibt sie sich auf die Reise nach Kanyakumari, dem Küstenort, an dem sich drei Meere treffen.

Den Damen-Schafwagen, wie in Indien zur Zeit der Handlung noch üblich, teilt sie sich mit fünf weiteren Frauen. Alle Frauen berichten freimütig über ihr Leben, von Wünschen und Träumen, erzählen von Höhen und Tiefen ihrer Ehen, oder gar wie es sich als Frau allein ohne männlichen Schutz lebt. Wäre das eine Alternative für Akhilas Zukunft?

In Anita Nairs Roman wird der Blick des Lesers auf das Alltagsleben und die Lebenssituation der Frauen in Indien gelenkt. Wer eine blumige Liebesgeschichte im Bollywoodstyle erwartet, wird sicher bitter enttäuscht sein, in diesem Buch wird vom realen Leben und Erleben der sechs ganz unterschiedlichen Frauen berichtet. Nacheinander schildern sie ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Die Berichte werden nur von Akhilas Gedanken unterbrochen, so dass in dem Romanaufbau die innere Logik schnell ersichtlich ist, da die Kapitel immer abwechselnd von Akhila und einer der Frauen handeln.

„Das Salz der drei Meere“ ist ein sehr gefühlvolles, melancholisches und nachdenklich machendes Buch, in die einzelnen Frauen konnte ich mich gut hinein versetzen. Ihre Erzählungen wirkten auf mich nachvollziehbar und authentisch. Mit den erzählten Geschichten erfuhr ich von unterschiedlichen Traditionen, Moralvorstellungen und Lebensumständen. So wurde nicht nur Ahilas Horizont während dieser Reise erweitert. Auch ich habe einen tiefen Einblick in die indische Gesellschaft und den schwierigen Stand der Frauen in dieser bekommen. Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb von zwei Tagen gelesen.

An sich ist dieses Buch gut und flüssig lesbar, allerdings fehlt diesem Buch ein Glossar, das die häufig verwendeten landestypischen Begriffe erklärt. Nicht immer war aus dem Text heraus ersichtlich, welche Bedeutung diese haben. Das störte dann stellenweise den Lesefluss. Nicht so glücklich gewählt, empfinde ich den Titel der deutschen Ausgabe des Romans. „Das Salz der drei Meere“ ist zwar nicht an den Haaren herbeigezogen, aber der englische Titel „Ladies Coupe“ erscheint mir passender.

Mein Fazit: „Das Salz der drei Meere“ ist ein schöner (Frauen)Roman, der dem Leser ein anderes Indien erschließt, als es in vielen Filmen und Büchern beschrieben wird. Wer sich an den unübersetzten Begriffen nicht stört und keinen oberflächlichen Liebesroman erwartet, wird mit einem interessanten, vielschichtigen Buch mit gedanklicher Tiefe belohnt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Anita Nair lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Bangalore. Geboren und aufgewachsen in Shoranur in der Provinz Kerala, studierte sie englische Sprache und Literatur und lebte danach eine Zeit lang in den USA, bevor sie nach Indien zurückkehrte. Sie arbeitete zunächst als Journalistin, veröffentlichte 1997 ihren ersten Erzählungsband »Satyr of the Subway and eleven other stories« und 2000 ihren ersten Roman, »Ein besserer Mann«. 2001 folgte bereits ihr zweiter Roman, »Ladies Coupé«, der auf Anhieb in sieben Länder verkauft wurde und im Herbst 2002 beim Hoffmann & Campe Verlag unter dem Titel »Das Salz der drei Meere« erscheinen wird. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Anita Nair als Werbetexterin.

3. Juni 2009

Vikas Swarup – Rupien! Rupien!

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 16:17
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Rupien! Rupien!

Vikas Swarup

Originaltitel: Q & A

Broschiert: 344 Seiten

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN-13: 978-3462037388

8,85 EUR

Ram Mohammed Thomas, ein armer indischer Kellner, kann bei der Quizshow „Wer wird Milliardär“ alle zwölf Fragen richtig beantworten. Doch wie kann das sein? Wie kann ein ungebildeter Waisenjunge, noch dazu ein Analphabet, der im Slum lebt, über dieses Wissen verfügen? Der Fernsehsender vermutet Betrug und so wird Ram verhaftet. Wie aus heiterem Himmel taucht eine Anwältin bei ihm im Gefängnis auf, sie übernimmt seine Verteidigung. Gemeinsam schauen sie sich die Aufzeichnung der Show an und Ram berichtet aus seinem Leben und erklärt damit,warum er genau diese Fragen beantworten konnte.

Der Roman von Vikas Swarup folgt konsequent dem von der Show vorgegebenen Schema, 12 Fragen – 12 Antworten – 12 Kapitel. Zu Beginn eines jeden Kapitels erzählt Ram Mohammed Thomas eine Begebenheit aus seinem Leben, die genau zur richtigen Lösung der Frage führt. Dann wird geschildert wie die Zwei das Video ansehen und er den Moderator immer mehr in Erstaunen versetzt wird. Der Ausgang des Buches ist von Beginn an klar und doch bleibt es interessant, mehr über das Leben des jungen Inders zu erfahren. Swarup schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch und malt so ein recht realistisches Bild der Lebensumstände im Indien unserer Zeit.

„Rupien! Rupien!“ habe ich sehr gern gelesen. An keiner Stelle kam Langeweile auf, nie war es langatmig. Im Gegenteil, die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten erzählt, jung, frisch, stellenweise witzig, oder auch bedrückend und traurig. Die gesamte Klaviatur der Gefühle wird angesprochen, der Erzähler driftet aber nie ins Pathetisch-Kitschige ab, erzählt aber mit so viel Charme und transportiert trotz der eigentlich ja eher traurigen Geschichte sehr viel Lebensfreude zum Leser. Der Film ist inzwischen in den deutschen Kinos gespielt worden und ich überlege immer noch, ob ich ihn mir ansehe, oder ob ich es beim Lesen belassen werde.

Über den Autor

Vikas Swarup hat als indischer Diplomat in der Türkei, in den USA, Äthiopien und Großbritannien gearbeitet. Zurzeit ist er beim Außenministerium in Neu Delhi beschäftigt. »Rupien! Rupien!« ist sein erster Roman.


 

21. Mai 2009

Gregory David Roberts – Shantaram

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 15:51
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Shantaram

Gregory David Roberts

Hardcover: 1.088 Seiten

Goldmann Verlag

ISBN: 978-3442311538

24,95 EUR

Es gibt eine Wahrheit, die tiefer liegt als Erfahrung. Man findet sie jenseits dessen, was wir sehen und fühlen. Diese Form der Wahrheit unterscheidet das aufrichtige Empfinden von einfacher Klugheit. Für gewöhnlich fühlen wir uns hilflos, wenn wir ihr begegnen; und der Preis, den wir für das Wissen um sie bezahlen, ist, wie der Preis für das Wissen um die Liebe, manchmal höher, als das Herz zu geben bereit ist. Sie kann uns nicht immer helfen, die Welt zu lieben, doch sie bewahrt uns davor, die Welt zu hassen. Und der einzige Weg, diese Wahrheit zu erleben, besteht darin, sie zu offenbaren, von Seele zu Seele…“

Nach einem aufsehenerregenden Ausbruch aus einem australischen Hochsicherheitsgefängnis ist Lindsay – so sein Name in seinem gefälschten Pass – auf der Flucht. Über Umwege landet er in Bombay und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Kurz nach seiner Ankunft lernt er den Inder Prabaker kennen. Dieser zeigt Linbaba, wie er Lindsay freundschaftlich nennt, sein Indien auf seine ganz persönliche Weise. So lernt er nicht nur das Land, sondern auch die Menschen zu schätzen. Er findet sowohl eine Heimat als auch Freunde und lernt deren Sprachen, Hindi und Marathi. Schicksalhaft sind die Begegnungen mit Karla, Khaled Ansari und Khaderbhai, sie werden sein weiteres Leben bestimmen. Im Slum, in dem Lin zunächst lebt, wird er aufgrund seiner Ausbildung in Erster Hilfe zum Arzt auserkoren. So wird er zum Shantaram, dem Mann des Friedens. Er erlebt alle Facetten des menschlichen Lebens von ehrlicher Liebe bis zu familiären Gewalt. Kleiner und größere Gesetzesverstöße, Alkohol und Drogen bestimmen das Leben vieler, er lernt Missstände aller Art kennen und ganz langsam gerät er immer mehr unter den Einfluss eines mächtigen Mafiabosses. Aber dann wird er plötzlich aus unerklärlichen Gründen verhaftet…

In eine fiktive Form gebracht, erzählt Gregory David Robert mit diesem Buch seine eigene unglaubliche Lebensgeschichte. Lange bin ich um dieses Buch geschlichen, denn 1088 Seiten sind auch für mich, einer bekennenden Liebhaberin von dicken Wälzern, kein Pappenstil. Und mir drängte sich immer wieder die Frage auf, kann ein 1952 Geborener so viel erlebt haben, dass er diese Seiten ohne große Längen füllen kann. Roberts kann das und, wie ich meine, in beeindruckender Form. Die Sprache ist einfach und leicht zu lesen und so schmökerte ich mich durch ein Buch, das Indien sehr detailliert und facettenreich beschrieb. Beim Lesen hatte ich oft den Eindruck direkt dabei zu sein. Mit sehr gelungenen Beschreibungen von Land und Leuten und den unübersehbaren Gegensätzen entstand in meinem Kopf ein beeindruckend farbenprächtiges Bild des indischen Subkontinents. Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich zum letzten Mal mit einem Protagonisten so mitfieberte und -litt.

Mein Fazit: „Shantaram“ ist ein Indienepos der besonderen Art. Es ist Roberts’ Liebeserklärung an das Land, beeindruckend, mitreißend, aufwühlend. Ich wünschte es gäbe mehr solcher Romane.

Über den Autor www.amazon.de

Gregory David Roberts wurde 1952 in Melbourne, Australien, geboren. Während seiner Studienjahre beging er mehrere bewaffnete Raubüberfälle und wurde zu einer 19-jährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Nach seiner spektakulären Flucht ließ sich Gregory David Roberts in Bombay nieder. Dort gründete er unter anderem seine eigene Castingagentur für Bollywood-Filmproduktionen und eine Rockband. Seine Kontakte zur lokalen Mafia führten schließlich zu seiner Festnahme in Frankfurt. Gregory David Roberts wurde nach Australien zurückgeschickt, wo er weitere sechs Jahre im Gefängnis verbrachte – zwei davon in Einzelhaft. In dieser Zeit begann er seine Arbeit an seinem ersten Roman “Shantaram”, der mittlerweile zu einem weltweiten sensationellen Erfolg avanciert ist. Heute lebt Gregory David Roberts mit seiner Familie in Genf.

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