Karthauses Bücherwelt …

21. Juni 2010

Jodi Picoult – Das Herz ihrer Tochter

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 18:27
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Das Herz ihrer Tochter
Jodi Picoult
Originaltitel: Change of Heart
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3492053006

New Hampshire 1996. Die schwangere June Nealson wurde vom Schicksal schwer getroffen. Ihr erster Ehemann kam vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Ihr zweiter Mann, der Polizist Kurt, und ihre Tochter Elizabeth wurden von Shay Bourne ermordet, der im Haus der Familie kleinere und größere liegen gebliebene Reparaturen durchgeführt hat. Von einem Geschworenengericht wurde er zum Tod durch die Giftspritze verurteilt.

11 Jahre später. Junes Tochter Claire, die kurz nach dem schrecklichen Ereignis geboren wurde, ist schwer herzkrank, sie wartet auf ein Spenderorgan und die Zeit wird knapp. Unterdessen wartet der Todeskandidat Shay auf die Vollstreckung des Urteils. Er erfährt von der Krankheit des Mädchens und fühlt sich berufen, ihr sein Herz zu spenden, das rein zufällig nach Größe und medizinischen Parametern bestens geeignet ist. Nur die Giftspritze macht sein Herz für eine Transplantation unbrauchbar. In einem erneuten Prozess soll entschieden werden, ob die Art der Vollstreckung noch geändert werden kann.

Wie auch schon in ihren anderen Romanen erzählt Jodi Picoult diese Geschichte abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln aus der Perspektive von vier unmittelbar beteiligten Personen, wodurch der Roman gut strukturiert wirkt. Da ist June, die gleichzeitig die Stimme ihrer todkranken Tochter ist und zweifelt, ob das Herz eines Mörders wirklich ihre Tochter retten soll. Maggie, die Gegnerin der Todesstrafe, berichtet von ihrer Arbeit als Shay’s Anwältin. Michael war bereits Geschworener bei Shay’s 1. Prozess und jetzt kümmert er sich als Pfarrer um dessen Seelenheil. Und Lucius, Shay’s aidskranker Zellennachbar, lässt den Leser am Gefängnisalltag teilhaben. Shay selbst kommt nicht zu Wort.

Auch in diesem Roman greift die Autorin wieder interessante und brisante Themen auf, für meinen Geschmack sind es allerdings zu viele. Während die Todesstrafe und die Organspende noch halbwegs glaubwürdig, wenn auch sehr zufallsbehaftet, behandelt wurden, war für mich die Messiasgeschichte um Shay an den Haaren herbei gezogen und nur schwer zu ertragen. Die von ihm ausgehenden Wunder waren unglaubwürdig, abstrus und nicht nachvollziehbar. Auch ihr angenehmer Schreibstil half nicht über jede Länge hinweg, so dass ich doch manche Seite nur noch oberflächlich las. Wie auch in ihren anderen Romanen kommt es auch in diesem zur (inzwischen erwarteten) unerwarteten Wendung. Von Jodi Picoult habe ich schon einige Romane gelesen, die jedoch alle dem gleichen Muster entsprachen, mit der Zeit verliert das jeden Reiz, dieser Roman war mit Abstand ihr schwächster.

Mein Fazit: „Das Herz ihrer Tochter“ ist ein thematisch überladener Roman, der von Zufällen und Wundern lebt. Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.

Über den Autor

Jodi Picoult, geb. 1967 auf Long Island, veröffentlichte 1992 ihren ersten Roman, der sofort zu einem großen Erfolg wurde. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Mit dem Roman ‘Beim Leben meiner Schwester’, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, gelang ihr der Durchbruch in den USA. Sie gehört inzwischen zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde 2007 in England zur Autorin des Jahres gewählt.

13. Januar 2009

Jodi Picoult – 19 Minuten

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 18:27
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In neunzehn Minuten kann man den Rasen vor dem Haus mähen, sich die Haare färben, Brötchen backen, sich vom Zahnarzt eine Füllung machen lassen oder die Wäsche für eine fünfköpfige Familie zusammenlegen.
Neunzehn Minuten dauert die Fahrt mit dem Auto von der Grenze Vermonts nach Sterling in New Hampshire. In neunzehn Minuten kann man einem Kind eine Gutenachtgeschichte vorlesen oder einen Ölwechsel machen lassen. Man kann eine Meile gehen. Man kann einen Saum nähen.
In neunzehn Minuten kann man die Welt anhalten oder einfach von ihr abspringen.
In neunzehn Minuten kann man Rache nehmen.“

Der Tag in Sterling in New Hampshire begann wie viele andere zuvor auch, nur Peter Houghton wusste bereits am Morgen, dass dieser Tag allen in Erinnerung bleiben würde. Der 17jährige wurde vom ersten Schultag an von anderen Schülern gemobbt. Er hatte keine Freunde, Josie Cormier, in die er verliebt war, gehörte zur Gruppe der Angesehen an der Sterling High School und hatte sich von ihm abgewendet. Von seinen Eltern wurde er geliebt. Aber auch dies stellte er in Frage, denn nach dem Unfalltod seines älteren Bruders hatte dieser in den Herzen der Eltern einen ganz besonderen Platz. So kam es, dass innerhalb von 19 Minuten aus einem ganz normalen Morgen ein grauenhaften Tag werden konnte. Peter lief Amok. 10 Menschen starben, 19 wurden zum Teil schwer verletzt.

19 Minuten“ hat mich schnell in seinen Bann gezogen, allerdings kann ich nicht so richtig erklären, warum. Viele der Protagonisten sind nicht besonders fein charakterisiert, sondern eher skizziert. Die Autorin nähert sich diesem Amoklauf auf verschiedenen Zeitebenen. Sie betrachtet die Entwicklung Peters vom Kind zum Jugendlichen, die Tat selbst und die Zeit danach. Sie berichtet von der Gerichtsverhandlung, denn der Täter wurde lebend gestellt. Aus Kenntnis anderer Bücher dieser Autorin war mir jedoch klar, so einfach kann die Story nicht ausgehen, sie muss noch einen Haken haben, den hatte sie dann auch, sogar in der Richtung, die ich vermutete. Trotzdem konnte ich von dem Buch nur schwer Finger und Augen lassen, so dass ich es in kurzer Zeit ausgelesen hatte. Wahrscheinlich ist es der Stil von Jodi Picoult, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu schildern, der mich immer bei der Sache bleiben ließ. Sie schaffte es die Gefühlswelt der betroffenen Personen so zu schildern, dass der Leser versteht´und nicht pauschal verurteilt. Es gibt bei ihr nicht nur schwarz oder weiß, sondern vorwiegend Grautöne und diese in allen Schattierungen. Besonders beeindruckt hat mich die Schilderung von Lacy Houghton, Peters Mutter. Ihre Gedanken und Gefühle und auch die Selbstvorwürfe konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ein bisschen flach fand ich, dass dieses Buch nicht ohne die Liebesgeschichte zwischen der Richterin Alex Cormier und dem Ermittler Patrick DuCharme auskommen konnte, aber das ist sicher reine Geschmackssache.

Mein Fazit: „19 Minuten“ ist ein packender Roman, der mich irgendwo zwischen Verstehen und Verurteilen gepackt hat und der mir einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt dieses jungen Amokläufers gab. Wie bisher in allen Büchern von Jodi Picoult bleibe ich mit ein paar Fragen zurück, zu denen ich gern noch Antworten gehabt hätte. Aber alles in allem wurde ich gut unterhalten und hatte spannende Lesestunden.

Über den Autor

Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, veröffentlichte 1992 ihren ersten Roman, der sofort zu einem großen Erfolg wurde. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Mit dem Roman »Beim Leben meiner Schwester«, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, gelang ihr der Durchbruch in den USA. Sie gehört inzwischen zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde 2007 in England zur Autorin des Jahres gewählt. Zuletzt erschienen auf Deutsch »Die Wahrheit meines Vaters« und »Neunzehn Minuten«.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Piper – ISBN-13: 978-3492050807

31. Dezember 2008

Jodi Picoult – In einer regnerischen Nacht

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 13:35
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Maggie MacDonald hat Krebs im Endstadium. Als ihr Ehemann, Jamie, das Leiden seiner Frau nicht mehr ertragen kann, erfüllt er ihr ihren letzten Wunsch, er tötet sie. Nach seiner Tat stellt er sich der Polizei. Dazu fährt er in den Ort, in dem sein Cousin Cameron MacDonald Polizeichef ist. Cameron verhaftet Jamie, er kann den Mord auf Verlangen nicht akzeptieren. Seine Frau Allie versteht das Handeln des Familienangehörigen und ergreift offen für Jamie Partei. So kommt es zu einem tiefen Riss in der vorher scheinbar intakten Beziehung. Als Allie dann noch erfährt, dass Cameron mit ihrer Angestellten ein Verhältnis hat, ist die Beziehung am Ende. Sehr kontrovers verläuft auch die Gerichtsverhandlung. Denn es galt für Jamie und seinen Anwalt klar zumachen, dass sich Mord und und Tötung auf Verlangen durch eine Sache unterscheiden – durch die Liebe.

Wieder hat Jodi Picoult für ihren Roman ein brisantes Thema aufgegriffen, Tötung auf Verlangen. Dabei hat sie alle Seiten der Problematik sehr gut dargestellt. Die Charaktere werden realistisch und lebensnah gezeichnet. So gelingt es ihr auch die Protagonisten zu diesem Thema argumentieren zu lassen, ohne dass dem Leser eine endgültige Meinung präsentiert wird. Es bleibt ausreichend Platz für eigene Gedanken und am Ende des Buches steht fest, es gibt darin weder Richtig noch Falsch. Es gibt weder Belehrungen noch wird der moralische Zeigefinger erhoben. Als Leser wird man unauffällig gedrängt sich zu positionieren – egal wie. Der Schreibstil der Autorin war wie gewohnt gut. Allerdings fehlte es der Handlung ein wenig an Schwung. Da der Klappentext auch wieder deutlich mehr verriet als ihm zuträglich war, ging ein Stück der Spannung verloren und so hat das Buch auch die eine oder andere Lesepause vertragen.

Mein Fazit: „In einer regnerischen Nacht“ ist ein gut zu lesendes Buch zu einer interessanten Thematik. Es ist eine schöne Liebesgeschichte mit einem tragischen Ausgang. Mir hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Broschiert: 504 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492250603

 

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