Karthauses Bücherwelt …

4. Januar 2012

Ursula Poznanski – Saeculum

Einsortiert unter: 2011,Bücher,Jugendbuch — Karthause @ 19:10
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Bastian, Medizinstudent und der Sohn eines bekannten Chirurgen, wird von seiner Freundin zu einem im Mittelalter angesiedelten Live-Rollenspiel eingeladen. Eigentlich fühlt er sich verpflichtet, seinem Studium die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen, aber schon um sich von seinem erfolgs- und karriereorientierten Vater abzugrenzen, sagt er zu. Erst als die Gruppe schon unterwegs ist, wird der Ort für diese Convention bekannt und ein erster Schatten fällt auf das Vorhaben. Schnell macht eine alte Sage die Runde, der zu Folge auf dem Wald ein Fluch liegen soll. Im Wald angekommen, müssen sich die Teilnehmer von den Utensilien der Gegenwart trennen, erlaubt sind nur noch Gegenstände, die es auch schon im 14. Jahrhundert gab, Handy, Feuerzeug, Brillen, Medikamente – alles ist verboten. Jeder der Teilnehmer schlüpft in eine von ihm festgelegte Rolle und die entsprechende Kleidung, damit kann das Spiel beginnen, 5 Tage werden sie nun wie in der Vergangenheit leben. Aber schon bald kommt es zu mysteriösen Vorfällen, Spieler verschwinden spurlos, immer wieder finden die Verbliebenen rätselhafte Nachrichten. Der Fluch scheint sich zu bewahrheiten, langsam kippt die Stimmung im Team und mit ernster werdender Situation zeigen die Spieler ihren wahren Charakter, das Ganze läuft aus dem Ruder.

Nach „Erebos“ war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Ursula Poznanski. Schon das Äußere sprach mich an. Das Cover ist ganz einfach in schwarz und weiß gehalten, der Buchschnitt ist schwarz eingefärbt. Es macht zwar einen etwas düsteren Eindruck, der passt aber ausgezeichnet zur Atmosphäre des Romans, der dunkle Wald, das Wetter, die zunehmend sich verschlechternde Stimmung der Spieler. Den Einstieg in die Handlung gestaltete die Autorin ruhig, aber stetig. Sie ließ sich Zeit ihre Figuren vorzustellen und zu positionieren. Die Charaktere wurden von der Autorin sehr vielfältig gestaltet. Es gab kaum Stereotypen. Einzig Bastian war mir ein wenig zu sehr als Sympathieträger angelegt. Aber in ihrem Handeln und Denken wirkten sie glaubhaft und lebensecht. Der Spannungsbogen wurde recht konsequent aufgebaut. Allerdings wandelte sich etwa ab der Mitte des Buches die Stimmung, das Flair vom Mittelalter konnte in der Konfliktsituation von den Spielern nicht weitergetragen werden. Aber das scheint logisch, schließlich nahmen sie an einem Spiel teil, aus dem plötzlich bitterer Ernst wurde. Mir war eigentlich die ganze Lesezeit über klar, dass es für die sich ereignenden Mysterien eine logische Erklärung gab. Deshalb überkam mich auch nicht das Gruseln und der letztendlichen Lösung kam ich in Gedanken überraschend nahe. Allerdings bin ich auch den Altersempfehlungen des Verlags etwas entwachsen und darüber hinaus geübte Thrillerleserin. Trotzdem fühlte ich mich sehr gut unterhalten und von der Autorin sehr angenehm durch die Welt des Rollenspiels geleitet. Sehr eindrucksvoll beschrieb sie neben den Empfindungen ihrer Protagonisten, auch deren Umfeld, die Natur, und die örtlichen Gegebenheiten. Als Leser konnte ich mich sehr gut in die Teilnehmer der Saeculum-Convention hineinversetzen. Dieses Jugendbuch von Ursula Poznanski war sehr angenehm und unterhaltsam und spannend zu lesen, nicht nur Jugendlichen, auch ihren interessierten Eltern und Großeltern empfehle ich es gern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Süden von Wien.

24. Oktober 2011

Janne Teller – Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Einsortiert unter: 2011,Jugendbuch — Karthause @ 11:06
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  Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

 Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier in Europa. Die demokratische Politik ist gescheitert und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen. Wer kann, flieht in den Nahen Osten, wie der 14-jährige Protagonist aus Deutschland. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht er mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, kein Arabisch lernen, keine Arbeit finden. Er fühlt sich als Außenseiter und sehnt sich nach Hause. Doch wo ist das? Nach dem Bestseller “Nichts” eine neue erschreckende Vision von Janne Teller zu hochaktuellen Themen wie Flucht, Migration und Fremdenfeindlichkeit.

 Meine Meinung

In Form eines EU-Passes präsentiert sich Janne Tellers „Krieg“. Das schafft Nähe. Noch unvermittelter wird das Ganze mit der persönlichen Aufforderung, der Leser wird direkt angesprochen, sich das für uns inzwischen, zum Glück, Unvorstellbare vorzustellen. Zerbombte Häuser, Terror, Verfolgung, Flucht, Tod, Krieg – mitten in Deutschland, eine zerbrochene Europäische Union, Frankreich und Griechenland als Feinde der Deutschen, die Asylsuche in Ägypten. Das Besondere dabei ist, dass dieses Büchlein für die deutsche Übersetzung speziell an die hier herrschenden Bedingungen und die Besonderheiten Deutschlands angepasst wurde. So entsteht eine nahezu lebensechte Fiktion, die einem eine Gänsehaut verursacht. So werden die Themen Flucht und Migration aus einem uns unbekannten Blickwinkel inszeniert. Sehr gut zu diesem Buch passen die Illustrationen von Helle Jensen. Auf nur 64 Seiten schafft es die Autorin, den Leser persönlich anzusprechen, ihn in diese Fiktion aufzunehmen und ihm die Probleme der Migranten in der fremden Kultur, mit unbekannter Sprache und die Ablehnung bei den Einheimischen vor Augen zu führen und unsere „heile Welt“ auf den Kopf zu stellen. Andererseits finde ich es ein wenig schade, dass Janne Teller sich mit diesen wenigen Seiten zufrieden gibt. Der Stoff hat Potential für so viel mehr.

„Krieg“ ist ein sehr dünnes Büchlein, berührt aber ungemein und hat ein hohes Diskussionspotential, es rüttelt auf und macht einem deutlich, wie glücklich wir uns schätzen können, in relativer Sicherheit zu leben. Ich empfehle dieses Buch jungen und erwachsenen Lesern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Janne Teller, geb. 1964, ist ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin. Sie lebt derzeit in Paris.

8. Februar 2011

Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Einsortiert unter: 2010,Jugendbuch — Karthause @ 18:11
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Nichts
Was im Leben wichtig ist
Janne Teller
Originaltitel: Intet
Broschiert: 139 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235960
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

“Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.” Mit diesem, die Schüler der 7. Klasse einer dänischen Kleinstadt, schockierenden Satz, verlässt Pierre Anthon die Schule und sitzt von nun an auf einem Pflaumenbaum, beschimpft seine ehemaligen Schulkameraden, wirft ihnen seine Wahrheiten an den Kopf, lacht sie aus und provoziert. Sind die Schüler zunächst irritiert, steigert sich das über Beunruhigung bis hin zur Angst. Dann aber werden sie aktiv. Sie beginnen in einem alten Sägewerk die Dinge zusammenzutragen, die für sie im Leben wichtig sind. So wollen sie einen Berg von Bedeutung sammeln, um Pierre zu beweisen, dass er Unrecht hat. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle, sie eskaliert. Und am Ende des Buches steht die Erkenntnis: “Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.”

Auf dieses Buch wurde ich zunächst durch „Die Vorleser“ aufmerksam, kurz darauf bekam ich die Empfehlung dafür auch von anderen Seiten. Die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Janne Teller ließ die Sammlung der für die Jugendlichen bedeutsamen Sachen mit eigentlich recht belanglosen Dingen beginnen, um sie dann aber konsequent so zu steigern, dass die Schüler sich gegenseitig existentiell Bedeutungsvolles abverlangten. Als das Experiment dann letzten Endes immer brutaler wurde und schließlich aus dem Ruder lief, kamen unweigerlich Assoziationen zu Morton Rhue’s „Die Welle“ auf.

Als recht unbefriedigend empfand ich die Zeichnung der Personen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin bewusst zurückgehalten hat, Charaktere herauszuarbeiten, um eben das Augenmerk auf den eigentlichen Kern der Geschichte zu lenken, oder ob es ihr einfach nicht gelungen ist, lebensnahe Figuren zu beschreiben. Ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Buch mehr als nur 139 Seiten umfasst, um mehr Raum für eine philosophisch fundierte Tiefe zu haben. Als philosophisches Werk sehe ich das Jugendbuch von Janne Teller nicht an, dafür genügt es nicht, Bedeutung als Begriff nur anzureißen. Eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung liefert sie damit allemal. Schon die Widersprüchlichkeit des Titels bietet für eine ausgiebige Diskussion die Grundlage.

Aber auch sprachlich hat mich dieses Buch nicht überzeugt. Besonders die sich ständig wiederholenden Steigerungen störten mich.

Dieses Buch ist es durchaus wert, kontrovers diskutiert zu werden. Es ist für junge Leser ab 14 Jahre geeignet, es wäre aber in jedem Fall empfehlenswert, mit den Jugendlichen nach oder während der Lektüre Grundzüge und Geschehnisse des Buches gemeinsam mit Erwachsenen zu erörtern.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Janne Teller wurde 1964 geboren. Die ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin lebt derzeit in Paris.Sigrid Engeler, geboren 1950 in Wolfenbüttel, lebt heute in Kiel. Sie übersetzte aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen.

 

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