Karthauses Bücherwelt …

27. Oktober 2012

Ich lese gerade:

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“Die Liebe in groben Zügen” von Bodo Kirchhoff.

Der erste Satz:

“Sehnsucht nach Liebe ist die einzige  schwere Krankheit, mit der man sehr alt werden kann, sogar gemeinsam.”

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Der 1948 geborene Bodo Kirchhoff veröffentlichte Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Romane, zuletzt erschien sein Monolog für Hannelore Elsner “Mein letzter Film”. Der Autor lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee.

20. September 2012

Elke Heidenreich – Die schönsten Jahre

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Die schönsten Jahre

Heidenreich, Elke

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten

Verlag: Sanssouci Verlag

ISBN-13: 978-3725413751

 

“Wir wollten alle keine Kinder – der Krieg lag ja mit im Bett.”

Nina hat ein kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter. Jedes Treffen endet im Streit. Die Besuche bei der Mutter ergeben sich aus Pflichtgefühl. Liebt die Mutter sie eigentlich? Diese Frage beschäftigt Nina häufig. Nein, so werden wie ihre Mutter will sie nie. Kann sie ja auch gar nicht, denn selbst die Mutter erklärt Nina immer wieder, sie sei wie ihr schon vor langer Zeit gestorbener Vater, der in Mutters Achtung nicht sehr hoch rangiert. Vor einer Reise nach Mailand, Nina ist frisch verliebt und will sich mit Flores dort treffen, besucht sie die Mutter und erzählt ihr von der angeblichen Geschäftsreise. Alles ist wie immer, Diskussionen, Unverständnis. Da kann sie doch der Mutter nicht erzählen, dass sie eine Frau liebt. Aber Mutter will mit nach Mailand und die gemeinsame Reise gestaltet sich entspannter als erwartet.

Das schwierige Verhältnis zwischen Nina und ihrer Mutter beschreibt Elke Heidenreich lebensnah, überzeugend und sensibel. Deutlich zeigt sie die Zweifel auf, die die Tochter, die um die Liebe der Mutter buhlt, plagen. Sie möchte ihr alles recht machen, ist aber voller Resignation, weil die Mutter ihr nicht so viel Gefühl entgegenbringt, wie sie sich erhofft. Spät, zu spät wird Nina bewusst, dass sie ihrer Mutter doch ähnlicher ist, als sie es je dachte.

Dieses dünne Büchlein mit seinen nur 64 Seiten hat mich emotional sehr berührt. Fast körperlich konnte Ninas Zweifel spüren, ihre Gedanken konnte ich nachempfinden. Sehr viel Unausgesprochenes liegt zwischen beiden, das ist von Beginn an deutlich, ganz leise Andeutungen lassen ahnen, so verschieden sind beide nicht. Was das Verbindende dann aber letztlich ist, wird erst am Ende des Buches klar.

In „Die schönsten Jahre“ erzählt Elke Heidenreich sehr warmherzig, nicht ohne Witz und Biss, mit viel Tiefe von einer nicht ganz gewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung, vom Schweigen, von Missverständnissen, von Liebe, von zwischenmenschlichen Spannungen und Zwiespälten. Ich habe das Buch sehr gern gelesen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Elke Heidenreich, geboren 1943 im hessischen Korbach, lebt heute in Köln. Sie studierte Germanistik, Theatergeschichte und Religionswissenschaft in München, Hamburg und Berlin und arbeitete jahrelang bei Hörfunk und Fernsehen als Drehbuch- und Hörspielautorin, Literaturexpertin und Moderatorin. Zudem war sie früher Kabarettistin und wurde als Verkörperung der “Else Stratmann” deutschlandweit bekannt. 1992 erschienen ihre ersten Erzählungen für Erwachsene, “Kolonien der Liebe”, gefolgt von einigen Kinderbüchern. Von 1983 bis 1999 schrieb Heidenreich die “Also …”-Kolumnen für die Zeitschrift “Brigitte”, von 2003 bis 2008 moderierte sie die ZDF-Sendung “Lesen!”. Seit 2008 ist sie Herausgeberin einer eigenen Edition bei C. Bertelsmann.

22. Juli 2012

Nicole C. Vosseler – Jenseits des Nils

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Jenseits des Nils

Nicole C. Vossler

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Bastei-Lübbe

ISBN-13: 978-3785724477

Sommer 1881. Nicole C. Vosseler lässt zu Beginn ihres Romans die elitäre Welt des englischen Adels aufleben. Die jungen Männer beendeten gerade ihr Studium am Royal Military College in Sandhurst, wer aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht kommt hat es schwer. Die Damen leben das luxuriöse Leben gehobener Töchter aus gutsituiertem Hause. Nur Ada war auf einer längeren Europareise und möchte gern ihren eigenen Weg gehen und auf eigenen Beinen stehen. Ein wenig fühlt man zurückversetzt in die Welt der Jane Austen. Fünf junge Männer, Jeremy, Stephen, Leonard, Simon und Royston, gerade haben sie das Royal Military College in Sandhurst beendet und vier junge Ladies verlebten einen letzten unbeschwerten Sommer voller Ausgelassenheit, Sommerfeste erster tiefer Gefühle in Surrey. Bereits im Herbst ziehen die jungen Männer für das Empire in den ersten Sudankrieg und werden mit den Schrecken des Krieges in aller Konsequenz konfrontiert. Für die Daheimgebliebenen beginnt eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens und der Hoffnung. Für alle ist dieser Krieg eine Zeit der Veränderung und des Umbruchs und alle in den Krieg gezogenen erleiden Blessuren an Leib und/oder Seele, nicht alle kehren zurück nach Hause.

Leicht und heiter beginnt Nicole C. Vosseler diesen Roman. Man meint den Sommer zu spüren und die Ausgelassenheit der jungen Hauptfiguren mitzuerleben. Doch der Sommer endet und der Hebst beginnt. Damit beginnt für die jungen Leute der Ernst des Lebens. Die Kadetten müssen in den Sudan und erleben den Krieg an eigenen Leib. Diesen beschreibt Nicole C. Vosseler sehr gekonnt, eindringlich, unverblümt und direkt und mit allen Schrecken und Gräueln, die man damit verbindet. Sie schafft es, dass ich mich als Leserin in die Männer hinein versetzen, die Schrecken und Leiden im Kampf und der Gefangenschaft nachvollziehen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, von einer Autorin solch sachkundige und detaillierte Szenen von Schlachten und Gemetzeln gelesen zu haben. Aber ebenso eindrucksvoll schildert Nicole C. Vosseler die Bilderbuchkulisse des englischen Landadels, die langsam Risse bekommt, die Erwartungen, Hoffnungen und Träume der Frauen, aber auch deren Sorgen und Ängste.

Dieser Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus Historie, Abenteuer und Liebe. Wobei die Autorin immer die wahre Geschichte als Gerüst benutzt, in die sie ihre Romanhandlung einfügt. Die in diesem Roman enthaltene(n) Liebesgeschichte(n) sind unaufdringlich und stimmig in die Handlung eingebaut und gleiten nicht ins Kitschige ab. Der Krieg im Sudan, das Leben in Surrey, die Sehnsucht nach den Söhnen und Verlobten – all das spiegelt das Leben auf den Landsitzen der englischen Adligen zum Ende des 19. Jahrhunderts wider. „Jenseits des Nils“ lebt wie alle Romane der Autorin besonders von ihrer sehr bildreichen ausdrucksstarken Sprache, die wesentlich dazu beiträgt, diesen Roman zu einem Wohlfühlroman werden zu lassen.

Auch wenn die Romanbiografie der Emily Ruete „Sterne über Sansibar“ immer noch mein Lieblingsroman der Autorin ist, erscheint mir dieser Roman als ihr komplexester, weil das Denken und Tun der Handelnden nicht vorhersehbar war, es viele unverhoffte Wendungen gab und die Charaktere lebensecht und glaubhaft agierten. Ich wünsche diesem Roman noch viele begeisterte Leser. 4,5 Sterne

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Nicole Vosseler stammt aus Villingen-Schwenningen. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz. Sie lebt und arbeitet in Konstanz.

16. September 2010

Anita Shreve – Eine Hochzeit im Dezember

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Klappentext:

Die winterlichen Berkshire Hills in Neuengland sind der Schauplatz einer besonderen Begegnung: Nach 27 Jahren treffen sich sieben alte Schulfreunde wieder, um die späte Hochzeit von Bill und Bridget zu feiern. Doch statt Ausgelassenheit herrscht angespannte Nervosität. Denn nun wird in ihnen allen das tragische Ereignis wieder lebendig, das sie seit ihrer Schulzeit auf schicksalhafte Weise miteinander verbindet und ihr Leben für immer verändert hat.

Meine Meinung:

Die Presse feierte diesen Roman als explosiven Gefühlscocktail, der elegant, mitreißend und pointiert erzählt wird. Das nenne ich doch mal eine Ankündigung. Ich las dieses Buch bereits im Juni diesen Jahres. Aufgrund von mangelnder Zeit kam ich erst jetzt dazu, die Eindrücke in eine entsprechende Form zu bringen. Dabei merkte ich mit Erstaunen, dass ich zu diesem Buch ohne meine Notizen nicht einmal mehr den Inhalt erzählen könnte. Aus diesen entnahm ich dann, dass die Geschichte Längen hatte und mich nicht wirklich begeisterte. Deshalb belasse ich es bei diesem knappen Statement.

7. August 2010

David Grossman – Eine Frau flieht vor einer Nachricht

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Eigentlich war Ofers Militärdienst gerade zu Ende und er wollte gemeinsam mit Ora, seiner Mutter, eine Wanderung durch Galiläa machen. Eigentlich. Doch dann meldet er sich freiwillig für weitere 28 Tage zu einem Kriegseinsatz ins Westjordangebiet. Ora weiß was der Krieg und seine Folgen aus den Menschen machen kann. Sie ist entsetzt und denkt an das Schlimmste, das eintreten könnte. Aber ihre Gedanken gehen weiter. Was ist, wenn sie nicht daheim ist, wenn die Nachricht kommt? So überredet sie Avram, ihren alten Freund, Geliebten und Vater von Ofer, dazu, mit ihr gemeinsam zu wandern. Sie will über Ofer sprechen und Avram den Sohn näher bringen, den er so gar nicht kennt. Sie denkt, so lange sie über ihn spricht, muss er am Leben sein, eine gegenteilige Nachricht kann sie ja nicht erreichen. Avram ist ein gebrochener Mann, die Kriegsgefangenschaft hat ihn psychisch und physisch schwer zugesetzt. Aber diese Wanderung, die auch etwas von einer Pilgerreise hat, bringt die beiden einander wieder näher. Anfangs hört Avram nur zwangsläufig die Erzählungen Oras über ihr Leben mit Ofer, seinen Bruder Adam und ihrem Mann, Ilan, von dem sie inzwischen getrennt ist und der wiederum auch mit Avram befreundet war. Aber nach und nach wächst sein Interesse an der Unterhaltung. Er trägt seinen Teil dazu bei, erzählt von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und in der Gefangenschaft. So laufen sie fernab aller Nachrichten und ein wenig auch jenseits der Zeit.

Mit diesem Buch, meinem ersten des Autors, legt David Grossman ein beeindruckendes Werk gegen den Krieg und für die Aussöhnung vor. Eindrucksvoll schildert er förmlich nebenbei den Alltag in Israel. Er berichtet vom schwierigen Leben der Palästinenser, von der ständigen Angst vor Terroranschlägen in der israelischen Bevölkerung und von den Ängsten, die Frauen und Mütter ausstehen, wenn ihre Männer und Söhne zu Kriegseinsätzen gehen und er widmet den Problemen der Palästinenser, die sich illegal in Israel aufhalten, einen kurzen Abschnitt. Aber er schildert eben auch die andere Seite. Er macht die Schrecken des Krieges am Beispiel von Avram und Ilan deutlich. Was die beiden erleben müssen, kommt dem Begriff Hölle schon recht nahe.

Besonders imponiert mir jedoch, wie der Autor es schafft, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Protagonistin Ora, die ihr Leben lang zwischen den zwei Männern steht, hineinzuversetzen. Psychologisch feinfühlig beschreibt er ihre Gemütsverfassung, ihre Ängste und Hoffnungen.

Die Wanderung zieht sich als roter Faden durch die Handlung, immer wieder wird sie durch Dialoge und Monologe unterbrochen. Aber ich fühlte mich ständig als stiller Begleiter und Zuhörer an der Seite von Ora und Avram. „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist ein äußerst intensiver und dichter Roman, der von Beginn an eine gewisse bedrückende Stimmung vermittelt, die jedoch immer wieder durch charmante Anekdoten aus der Vergangenheit unterbrochen wird. Trotzdem ist die alltäglich Bedrohung fast körperlich spürbar. Dabei urteilt oder verurteilt David Grossman nicht. Er ergreift nicht Partei. Er führt allerdings dem Leser die Sinnlosigkeit von Kriegen eindrucksvoll vor Augen, nachdrücklich, prägnant, greifbar. Auf der anderen Seite schreibt er über die Kraft der Liebe, einfühlsam, sensibel, mitfühlend. Er bedient sich eines ganz wunderbaren Sprachstils, der auch durch die Übersetzung nicht abgeschwächt wurde.

Mein Fazit: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ ist eines der Bücher, die mich bisher am meisten beeindruckten. Es hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. Ich wünsche dem Buch eine große, weltweite Leserschar.

Über den Autor

David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, ein dezidierter Verfechter einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts, gehört wegen seiner differenzierten politischen Haltung und ungewöhnlichen Erzählphantasie zu den herausragenden Schriftstellern der jüngeren Generation.

Originaltitel: Ischa borachat me-bessora * Gebundene Ausgabe: 736 Seiten * Verlag: Hanser Belletristik * ISBN-13: 978-3446233973

21. März 2010

David Nicholls – Zwei an einem Tag

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 14:45
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Es ist der 15. Juli 1988. Emma und Dexter, beide 20 Jahre alt, verbringen nach ihrer Abschlussfeier am College eine gemeinsame Nacht. Tags darauf geht jeder seiner Wege, aber die Zwei wollen Freunde fürs Leben bleiben, nicht mehr und nicht weniger. Für beide beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Dexter, ein gutaussehender, charismatischer, junger Mann aus begütertem Hause, genießt das Leben. Er wechselt die Frauen und seine Aufenthaltsorte häufig, ist auf den Partys ein gern gesehener Gast, ist Drogen und dem Alkohol nicht abgeneigt und findet irgendwann eine Anstellung bei einem Fernsehsender. Kurzum, er ist oberflächlich und geht dem Ernst des Lebens gern aus dem Weg und wird nur schwer erwachsen. Die bodenständige, kluge und aus einfachen Verhältnissen stammende Emma ist der krasse Gegensatz zu ihm, sie ist das hässliche Entlein, die graue Maus mit der dicken Hornbrille. Beharrlich geht sie ihren Weg, der nicht nur geradlinig nach oben führt. Sie erkämpft sich Erfolge. Und als er auf Karriereleiter nach unten steigt, veröffentlicht sie ihr erstes Buch.

20 Jahre macht David Nicholls eine Art Hausbesuch bei den beiden Protagonisten, immer am 15. Juli schaut er auf deren Leben und erzählt von den Veränderungen und Entwicklungen, der beiden, die sich nie vergessen konnten. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder, nur um kurz darauf wieder auseinander zu gehen. Aber gänzlich reißt der Kontakt zwischen ihnen nie ab, wenn es auch gelegentliche Funkstillen gibt.

Christine Westermann sagte zu dem Roman: „Eine herrliche Liebesgeschichte. Das schönste Buch des Jahres!“ Dem kann ich mich leider nicht anschließen, auch den gesamten Hype um dieses Buch kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Die Idee an sich fand ich sehr gut. Deshalb freute ich mich sehr, als ich dieses Buch endlich in den Händen hielt. Das war es dann aber auch mit meiner Begeisterung, denn die Umsetzung der Idee hat mich nicht überzeugt. Die ganze Geschichte ist sehr einfach geschrieben und hatte für mein Empfinden deutliche Längen. Die Protagonisten wurden eher schablonenhaft beschrieben, Emma war recht konsequent und zielstrebig auf dem Weg nach oben, Dexter war nach einem Höhenflug auf der entgegengesetzten Spur des Lebens. Beide treffen und trennen sich immer wieder, aber was sie miteinander verband, konnte ich nicht so richtig nachvollziehen. Und auch das Ende, hat mich dann nicht verwundert. Eine dramatische Steigerung musste es schließlich noch geben. Obwohl jedoch in jedem Jahr immer nur ein Tag im Leben der beiden Protagonisten beleuchtet wurde, hatte ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Es gelang dem Autor die Geschichte trotzdem stimmig zu erzählen. Schade, ich hatte einfach mehr von diesem Buch erwartet.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

DAVID NICHOLLS, geboren 1966, war Schauspieler, bevor er Drehbuchautor von so beliebten Serien wie Cold Feet, I Saw You und Rescue Me wurde. Bei Kein & Aber erschien 2005 sein erster, erfolgreicher Roman Keine weiteren Fragen (Starter for Ten). Dessen Verfilmung erfolgte im Herbst 2005 durch Tom Hanks Produktionsfirma Playtone, welche die Filmrechte des zweiten Romans, Ewig Zweiter (The Understudy), ebenfalls erworben hat. David Nicholls lebt als Drehbuchautor und Autor in London.

13. März 2010

Belinda Seaward – Über den Wolken von Afrika

Einsortiert unter: 2010,Liebesroman — Karthause @ 11:27
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Über den Wolken von Afrika
Belinda Seaward
Originaltitel: Hotel Juliet
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442467105

Umschlagtext

Schottland, 1972: Zu ihrer Hochzeit bekommen Elise und Paul Cougan zwei Flugtickets nach Sambia geschenkt. Schon kurz nach ihrer Ankunft begegnen sie Max Searle, einem Engländer, der eine Kaffeeplantage betreibt und für die Kinder des Dorfes eine Schule baut. Seine ganze Leidenschaft aber gilt dem Fliegen, und Elise genießt es, bei ausgedehnten Flügen die Faszination des schwarzen Kontinents zu entdecken. Bald sind die drei unzertrennlich, und als eines Tages die Dorfschule niederbrennt, beschließen Elise und Paul, Max beim Wiederaufbau zu helfen. Dabei machen sie die Bekanntschaft des kleinen Waisenmädchens Memory, das ihnen ganz besonders an Herz wächst. Doch die Tage der ungetrübten Freundschaft sind gezählt – und schließlich kommt es zu einer verhängnisvollen Nacht im Busch, die in einer Katastrophe endet.

London, 1996: Memory Cougan steht kurz vor ihrer Hochzeit, als sie plötzlich Zweifel überkommen. Sie hat das Gefühl, diesen Schritt erst tun zu können, wenn sie sich Gewissheit verschafft hat über ihre ungeklärte Vergangenheit. Denn ihre Mutter Elise ist stets ausgewichen, wenn Memory mehr wissen wollte über die Geschichte ihrer Herkunft. Memory beschließt, nach Sambia zu fliegen und Max zu suchen, um endlich die Wahrheit zu erfahren über das, was sich damals ereignet hat …

Meine Meinung

Ein eisigkaltes Winterwochenende wollte ich nutzen, um in einem schönem Afrika-Schmöker abzutauchen. Das Titelbild ließ auf Afrika pur hoffen. Das war es dann aber auch. Die Autorin erzählt die Geschichte von Elise, Paul und Max aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu kommen Zeitsprünge, so dass der Leser sich eigentlich in jedem Kapitel auf andere Gegebenheiten einstellen muss. Die Umstellung an sich war nicht das wirkliche Problem. Den durchgehenden roten Faden vermisste ich. Die Geschichte wirkte dadurch sehr zerrissen. Auch das typische Afrika-Feeling kam bei mir zu keinem Zeitpunkt auf. Bei diesem Roman habe ich keine hohe Literatur erwartet, ich hoffte auf pure Unterhaltung. Die Handlung war aber so vorhersehbar und die Dialoge so oberflächlich, dass ich von diesem Buch eigentlich nur enttäuscht war. Schade. Ich habe das Buch beendet und siehe da, meine Vorahnungen bezüglich des Endes der Story bewahrheitete sich tatsächlich.

26. Oktober 2008

Nicole C. Vosseler – Unter dem Safranmond

Einsortiert unter: 2008,Liebesroman — Karthause @ 11:28
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Oxford 1853. Maya Greenwood ist die älteste Tochter gut situierter Eltern. Eigentlich ist es aber schon längst Zeit, die Zukunft der Tochter zu planen. Aber Maya ist anders als andere Mädchen ihres Alters. Sie will lernen, am liebsten studieren und fremde Länder bereisen. Aber die Universitäten bleiben ihr verschlossen, weil sie kein Mann ist. Als ihr Bruder auf Heimaturlaub nach Hause kommt, ist sie nicht nur von seinen Berichten über für sie exotische Länder fasziniert. Sie verliebt sich auch in seinen Begleiter, Ralph Garret. Als dieser um Mayas Hand anhält, wird er von den Eltern abgewiesen. Daraufhin brennen beide durch, heiraten in Schottland und gehen nach Arabien, wo Ralph seinen Dienst antreten muss. In der Fremde zeigt sich, ob beide wirklich für einander geschaffen sind.

Nach „Südwinde“ und „Der Himmel über Darjeeling“ war „Unter dem Safranmond“ nun der dritte Roman, den ich von Nicole Vosseler las. Wie schon in ihren anderen Romanen ist die akribische Recherche der Autorin auch in diesem Buch deutlich spürbar. Wahre Begebenheiten verknüpft sie gekonnt mit der fiktiven Handlung. Die Protagonisten sind interessant gezeichnet. Sie wirken sehr lebendig und menschlich und ihre Handlungen lassen sich vom Leser gut nachvollziehen. Besonders überzeugend waren der Wunsch Mayas nach Freiheit und deren enormer Wissenshunger geschildert,

Unter dem Safranmond“ ist eine sehr gefühlvolle Liebesgeschichte, die berührt und mitfühlen lässt. Leider haben Liebesgeschichten den Nachteil, dass sie zum Ende etwas vorhersehbar werden.

Nicole Vosseler hat einen ganz ungewöhnlichen Schreibstil. Sie verwendet sehr viele Adjektive. Dadurch werden ihre Geschichten sehr bildhaft geschildert und das Kopfkino setzt schnell ein. So waren Hitze und Sand, Gerüche und Geräusche förmlich spürbar. Stellenweise verlor sich die Autorin aber in ihren Beschreibungen und ihre Erzählung wirkte detailverliebt. Das störte meinen Lesefluss mitunter ein wenig.

Mein Fazit: „Unter dem Safranmond“ ist eine sehr unterhaltsame Liebesgeschichte, die mich an einem verregneten Wochenende mit auf die Reise in ferne Länder nahm. Dieses Buch wird sicher vornehmlich Leserinnen ansprechen und denen, die gern in Gedanken auf gefühlvolle Reisen gehen, kann ich es vorbehaltlos empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 588 Seiten * Verlag: Luebbe Verlagsgruppe * ISBN-13: 978-3785723302

29. Oktober 2007

Nicole Vosseler – Südwinde

Einsortiert unter: 2007,History — Karthause @ 20:32
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“Südwinde“ von Nicole Vosseler ist ein wunderbar recherchierter historischer Roman. Auszüge aus den Tagebüchern von James Cook machen den Roman zu einem Zeitdokument, das dem Leser das entbehrungsreiche und gefährliche Leben auf See und die Entdeckung unbekannter Gebiete sehr anschaulich nahe brachte. Die Mitglieder der Besatzung haben fast alle wirklich gelebt, einzig Brittany, die weibliche Protagonistin, entsprang dem Kopf der Autorin. Die Liebesgeschichte zwischen Brittany und Hicks belastete die Handlung des Buches nicht, sie war schmückendes Beiwerk zu einem fast Tatsachenroman.

Besonders gut hat mir das Ende gefallen. In einem Epilog wurde auf das spätere Leben der Hauptpersonen kurz eingegangen. So konnte ich noch etwas meinen Gedanken nachhängen und mir die eine oder andere Entwicklung ausmalen.

Dieses Buch war der erste Roman von Nicole Vosseler, einer Autorin, auf deren Bücher ich auch künftig mit großem Interesse schauen werde.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag:
Scherz; Auflage: 1 (2001)
ISBN-10:
3502118051
ISBN-13:
978-350211805
Gelesen: Juli 2007

Simone Behnke – Federspiel

Einsortiert unter: 2007,Liebesroman — Karthause @ 19:10
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Von Liebesromanen bin ich eigentlich ja nur sehr schwer zu überzeugen, deshalb lese ich sie auch nur recht selten. Häufig wird alles zu rosarot und vorhersehbar geschildert. “Federspiel” aber war einer der besten Liebesromane, die ich gelesen habe. Elaine, die Journalistin aus der Großstadt und Thoralf, der naturverbundene Falkner, kamen als Menschen daher, jeder war in seinem Leben verwurzelt, hatte eigene Wertvorstellungen und Träume, Stärken und auch Schwächen. Vor allem die Schwächen haben es mir angetan. Sie waren weder gekünstelt noch wirkten sie aufgesetzt.

Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen und es geht darin um viel mehr als “nur” um die romantische Liebe, es geht in dem Buch auch um den Sinn des Lebens, die Angst aufeinander zuzugehen und sich zu verlieren. Diese doch sehr tiefgehenden Gedanken finden insbesondere im 2. Teil des Buches ihren Niederschlag. Das und auch das überraschende Ende waren für mich eine angenehme Überraschung.

Dieses Buch habe ich sehr gern gelesen. Es hat mir über einige Stunden gute Unterhaltung geboten. Die Erzählungen rund um die Falknerei waren für mich das Sahnehäubchen.

Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag:
Lübbe
ISBN-13: 978-3404152612

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