Karthauses Bücherwelt …

12. April 2011

Rebecca Skloot – Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks

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Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks
Rebecca Skloot
OT: The Immortal Life of Henrietta Lacks
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Irisiana
ISBN-13: 978-3424150759

Henrietta Lacks war Mutter von fünf Kindern und spürte seit geraumer Zeit einen Knoten am Muttermund. Als es zu Blutungen kam, ging sie zur gynäkologischen Untersuchung ins John Hopkins Hospital. Der Befund war eindeutig: Gebärmutterhalskrebs. Henrietta war Afroamerikanerin und in den Genuss einer über das Allernotwendigste hinausgehenden Bildung kam sie nie. Auch im Krankenhaus erklärte ihr niemand, welche Untersuchungen erforderlich seien, warum sie wie therapiert würde und sie stellte keine Fragen. Ohne ihre Zustimmung wurden ihr zwei Gewebeproben entnommen, mit denen der Wissenschaftler Georg Gey forschte und mit denen es ihm als Ersten gelang, menschliche Zellen am Leben zu erhalten. Henrietta Lacks starb am 4. Oktober 1951, ihre Zellen leben heute noch und sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken.
HeLa-Zellen sind weltweit in allen Forschungslaboratorien unabdingbar. Sowohl die Medizin- als auch die Genforschung sind ohne sie nicht mehr vorstellbar. Sie wurden ins Weltall transportiert, um an ihnen die Wirkung der Schwerelosigkeit zu erforschen und wurden atomarer Strahlung ausgesetzt, um deren Folgen abschätzen zu können. Sie dienen der Erforschung von Impfstoffen ebenso wie der Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs und AIDS. Rebecca Skloot hat sich mit ihrem Buch einem äußerst interessanten Thema zugewandt und es für die Leser sehr ansprechend und allgemeinverständlich umgesetzt. Als Sachbuch konzipiert, bietet es neben der Wissensvermittlung noch gute Unterhaltung. Leser, die sich für belletristisch umgesetzte Medizingeschichte interessieren, werden auch an diesem Werk Freude haben, denn es ist gleichzeitig eine Familiengeschichte. Die Impertinenz ehrgeiziger Mediziner wird in diesem Buch ebenso thematisiert wie ethische Fragen der Wissenschaft und der zu damaliger Zeit in den USA vorherrschende Rassismus. Rebecca Skloot macht öffentlich, was bislang nicht bekannt war. Sie schreibt von den immensen Summen, die mit diesen Zellen verdient wurden und werden und von der Armut der Familie Lacks, die davon keinen Cent sah und verdeutlicht damit die Kernfrage, wem gehören diese Zellen. Die Autorin bereitet dieses Thema nicht chronologisch auf. Aber als Orientierung ist zu Beginn eines jeden Kapitels am oberen Seitenrand ein Zeitstrahl abgedruckt, der über die in diesem Abschnitt behandelte Zeit Auskunft gibt. Außerdem enthält das Buch auf Fotos der Familie Lacks, ausführliche Anmerkungen und ein Personenregister.
„Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks“ ist ein wissenschaftliches, spannendes und zutiefst menschliches Buch. Es informiert, macht nachdenklich und lässt sich darüber hinaus noch ausgezeichnet lesen. Ich empfehle es gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Rebecca Skloot hat Biologie und Kreatives Schreiben studiert. Sie ist prämierte Wissenschaftsjournalistin und Bloggerin, deren Artikel unter anderem im „New York Times Magazine“, Discover Magazine“ und in „The Oprah Magazine“ veröffentlicht wurden. Als Korrespondentin hat sie für NPR’s RadioLab und PBS’s Nova ScienceNOW gearbeitet. Sie unterrichtet Naturwissenschaftler im kreativen Schreiben an der University of Memphis und an der University of Pittsburgh und hält zahlreiche Vorträge. “Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks“ ist ihr erstes Buch, an dem sie 10 Jahre gearbeitet hat und dem auf Anhieb der Sprung unter die Top Ten der New-York-Times-Bestellerliste gelang.

18. März 2009

Gilbert Sinoué – Die Straße nach Isfahan

Einsortiert unter: 2009,History — Karthause @ 20:22
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In „Die Straße nach Isfahan“ erzählt Gilbert Sinoué vom wechselvollen Leben des Abu Ali ibn Sina, auch bekannt als Avicenna. Dieser war bereits in jungen Jahren der bekannteste Mediziner seiner Zeit. Aber er war nicht nur auf dem Gebiet der Medizin sachkundig, sondern auch auf dem des Rechts und der Astronomie. Von seiner Kindheit an ordnete er dem Erwerb von Wissen alles andere unter. Er erlebte die Ehren des schnellen Aufstiegs und die Schmach des tiefen Falls. Mehr als einmal musste er flüchten, weil sein Leben bedroht war.

Nachdem ich mich an den Stil Sinoués und das Namengewirr gewöhnt hatte, fand ich einen gut zu lesenden und hoch interessanten historischen Roman vor. Ich bekam Einblicke in die Medizintechnik des Mittelalters und war zugleich erstaunt, über welche Kenntnisse man zu damaliger Zeit bereits verfügte. Da aber der Protagonist nicht nur Mediziner war, erfährt der Leser viele interessante Details aus den anderen Wissensgebieten. Besonders gut haben mir die Ausführungen zum Zusammenleben der verschiedenen Religionen gefallen. Zeigen diese Abschnitte doch Probleme auf, die sich auch in unserer Zeit wiederfinden lassen. Sinoué lässt einen Erzähler sprechen, Al-Djudzani, Freund und Vertrauter des Abu Ali ibn Sina, und beschränkt sich bis auf wenige Ausnahmen auf die historischen Fakten. Nur an einigen Stellen fügt er die Meinung und Interpretation des Erzählers ein. So wirkt das gesamte Buch sehr authentisch und ich erhielt gute Einsichten in die Lebensumstände des 11. Jahrhunderts. Ein paar Längen gab es bei der Schilderung der Schlachten, in die der Protagonist involviert war. Aber mein Gesamteindruck von diesem Buch ist ein sehr guter. Informativ, unterhaltsam und historisch korrekt, so muss ein solcher Roman geschrieben sein. All das trifft auf diesen zu.

Mein Fazit: „Die Straße nach Isfahan“ kommt meinen Erwartungen an einen historischen Roman sehr nahe. Wer leichte, lockere Unterhaltung erwartet, wird vielleicht eine Enttäuschung erleben. Allen anderen Lesern dieses Genres kann ich dieses Buch empfehlen.


Der Autor (Quelle: Verlag Droemer Knaur)

Gilbert Sinoué, 1947 in Ägypten geboren, gilt als Meister des historischen Romans. Die Straßen nach Isfahan machte ihn berühmt. Der blaue Stein bescherte ihm 1996 den Prix des libraires. In Frankreich zählt Sinoué zu den erfolgreichsten Autoren des Landes.


Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Bechtermünz * ISBN-10: 3860475142

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