Karthauses Bücherwelt …

30. Mai 2013

Daniel Wolf – Das Salz der Erde

Einsortiert unter: 2013,History — Karthause @ 14:43
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Das Salz der Erde

Wolf, Daniel

Taschenbuch: 1152 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442479474

Über das Buch (Quelle: Goldmann Verlag)

Ein grandioses Mittelalter-Epos … um Liebe, Freiheit und das weiße Gold!

Herzogtum Oberlothringen, 1187. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt der junge Salzhändler Michel de Fleury das Geschäft der Familie. Doch seine Heimatstadt Varennes leidet unter einem korrupten Bischof und einem grausamen Ritter, der die Handelswege kontrolliert – es regieren Armut und Willkür. Als Michel beschließt, Varennes nach dem Vorbild Mailands in die Freiheit zu führen, steht ihm ein schwerer Kampf bevor. Seine Feinde lassen nichts unversucht, ihn zu vernichten. Nicht einmal vor Mord schrecken sie zurück. Und schließlich gerät sogar seine Liebe zur schönen Isabelle in Gefahr…

Über den Autor

Daniel Wolf, geboren 1977, arbeitete u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und im Öffentlichen Dienst, bevor er freier Schriftsteller wurde. Schon als Kind begeisterte er sich für alte Ruinen, Sagen und Ritterrüstungen; seine Leidenschaft für Geschichte und das Mittelalter führte ihn schließlich zum historischen Roman. Er lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einer der ältesten Städte Deutschlands.

Meine Meinung

Herzogtum Oberlothringen 1187 – 1206. Geprägt durch die gemeinsame Flucht mit dem Vater Rémy und den Geschwistern in Kindertagen aus der Leibeigenschaft nach Varenne-Saint-Jaques, wo man nach einem Aufenthalt von einem Jahr und einen Tag die Freiheit erlagt, lernt Michel de Fleury früh den Wert dieser schätzen. Mit viel Fleiß schafft es der Vater, ein Handelsgeschäft zu etablieren, das Michel nach dem Tod des Vaters weiterführt. Der Vater ermöglichte es Michel, in Mailand von der Pike auf zu lernen, was es heißt ein Handeltreibender zu sein. Zurück in Varenne wird Michel schmerzlich klar, wie seine Stadt unter der kirchlichen und weltlichen Herrschaft leidet. Handelswege werden kontrolliert, willkürliche Steuern erhoben, das Geld immer wieder verrufen. Aber Michel hat einen Traum, den vom freien Bürgertum in einer freien Stadt, für diesen lebt und kämpft er.

Daniel Wolf siedelt die Handlung seines historischen Romans in der fiktiven Stadt Varenne-Saint-Jaques an. An deren Beispiel macht er für die Leser erlebbar, wie das aufstrebende Bürgertum um seine Rechte kämpfte. Er schildert die Knechtung der Hörigen, das Festhalten der Oberen an traditionellem Gebaren und den immer stärker werdenden Unmut der Gilden. Kurz, der Autor hat ein umfassendes und glaubhaftes Zeit- und Sittenbild des ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jh. gezeichnet. Die Helden des Romans sind gut entwickelt. Hatte ich zu Beginn meiner Lektüre noch ein paar Bedenken, dass Michel zu sehr zum Gutmenschen werden könnte, relativierte sich das und auch bei ihm wurden die von mir geschätzten menschlichen Seiten sichtbar. Aber auch der böseste Widersacher konnte mir ein Fünkchen Sympathie abringen.

Dieser monumentale, 1152 Seiten dicke Roman ist in fünf Abschnitte untergliedert, welche wiederum in einzelne Kapitel unterteilt sind. Jedes ist mit einer Orts- und Zeitangabe versehen. Wechselt der Handlungsort, hat der Autor Zwischenüberschriften zur besseren Orientierung für den Leser eingefügt. Das Buch enthält auch einen schematischen Stadtplan von Varenne, eine Übersichtskarte, ein Personenregister und ein ausführliches Glossar.

„Das Salz der Erde“ ist ein gelungener Roman, in dem historische Fakten mit Fiktion gekonnt verknüpft werden. Die Handlung wird konsequent vorangetrieben, wobei dem Leser gelegentlich eine Pause zum Durchatmen und Sammeln seiner Gedanken gegönnt wird. Das geschieht in erster Linie durch die gewollte Vorhersehbarkeit einiger Situationen, die in den dem jeweiligen Ereignis vorhergehenden Szenen fast schon angekündigt wurden. Für meinen Geschmack hätte sich der Roman ein wenig mehr am Titel orientieren können und das Salz und dessen Gewinnung etwas mehr in den Mittelpunkt rücken dürfen. Aber das ist nur ein Gedanke am Rande.

Wer komplexe, gut recherchierte und umfangreiche Mittelalterromane mag, wird an „Das Salz der Erde“ sicher seine Freude haben.

12. November 2010

Andrea Schacht – Das Spiel des Sängers

Einsortiert unter: 2010,History — Karthause @ 18:38
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Andrea Schacht führt ihre Leser in diesem Roman auf die Burg Langel zur Zeit der Minnesänger. Dort will Ritter Ulrich wegen des Mordes an dem Burgherren Eberhard die Lehennachfolge klären. Neben den Bewerbern ist auch der Barde Hardo Lautenschläger eingeladen worden. Er soll für eine gute Stimmung in der Runde sorgen. Aber ist die Unterhaltung der Gäste wirklich sein ausschließliches Anliegen? Diese Frage stellt sich nach dem Mord am Burgvogt und einem Anschlag auf Hardo um so dringender. Wer hatte ein Motiv? Oder besser, wer hatte keines? Ritter Ulrich will die Tat auf seine ganz persönliche Art und Weise lösen. Er lässt die Zugbrücke hoch ziehen. Da die Burg nun nicht mehr verlassen werden kann, muss auf Gedeih und Verderb jeder mit jedem auskommen und jeder weiß, eine(r) hat die Tat begangen. Die Spannung zwischen den Gästen nimmt zu, als ihnen bewusst wird, dass die von Hardo allabendlich vorgetragene Minne seine Lebensgeschichte ist, die weit mehr mit der Burg verbandelt ist als viele erwarteten und in der sich einige von ihnen wieder finden.

Andrea Schachts Romane sind für mich inzwischen schon ein Garant für gute Unterhaltung. Sie helfen mir beim Abschalten nach einem stressreichen Arbeitstag. So erging es mir auch mit „Das Spiel des Sängers“. Mit dem ihr eigenen Humor und Wortwitz schafft die Autorin es, die Zeit der Minne vor meinem inneren Auge mit Leben zu erfüllen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihre Charaktere sehr gekonnt und einfühlsam in die Geschichte einbringt. Man spürt, dass die Akteure Andrea Schacht am Herzen liegen und so berichtet sie über Hardo, Ulrich, Engelin, Casta, Margarethe und wie sie alle hießen auch mit einem Augenzwinkern und natürlich taucht auch wieder ein Katerchen in der Handlung auf. Von Beginn an war dieses Buch spannend und auch als das Ende absehbar war, büßte es nichts von seinem Reiz ein. Das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Hardo in seinen Gesängen immer nur häppchenweise Episoden aus seinem Leben preis gibt und dann wieder die Ent- und Verwicklungen der Burggäste thematisiert werden. Dadurch, dass die in der Handlung vorkommenden Personen auf der Burg eingeschlossen sind, berichtet Andrea Schacht über ein sehr abgeschottetes Terrain. Manchmal fühlte ich das Flair der guten, alten englischen Krimis. Dabei hatte ich ja eigentlich einen reinen historischen Roman erwartet. Zu der Krimihandlung und der Historie kam noch die eine oder andere offene oder versteckte Liebelei und somit waren alle Bedingungen für flüssig zu lesende, humorvolle und auch spannende Unterhaltung gegeben. Abgerundet wurde sehr positive Gesamteindruck durch die passend zu Handlung eingefügten Texte alter Minnegesänge und die sehr ansprechende Gestaltung des Buches.

Über den Autor

Andrea Schacht war lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin tätig, hat dann jedoch ihren seit Jugendtagen gehegten Traum verwirklicht, Schriftstellerin zu werden. Ihre historischen Romane um die scharfzüngige Kölner Begine Almut Bossart gewannen auf Anhieb die Herzen von Lesern und Buchhändlern. Mit »Die elfte Jungfrau« kletterte Andrea Schacht erstmals auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, die sie seither mit schöner Regelmäßigkeit immer neu erobert. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in der Nähe von Bonn.

9. Dezember 2008

Ines Thorn – Galgentochter

Einsortiert unter: 2008,History,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:21
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Auf dem Frankfurter Galgenberg wird die Leiche einer Hure neben einem aufgehängten Hund gefunden. Der Richter sieht es als erwiesen an, dass es sich dabei um einen Selbstmord handelt. Auf die Argumentation seiner Frau Hella und deren Mutter Gustelies gibt er nichts. Als kurze Zeit darauf eine Leiche nach der anderen dort aufgefunden wird, immer von einem erhängten Hund begleitet, beginnen die beiden Frauen ihre Ermittlungen auf eigene Faust.

In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens, Tochter einer Hübschlerin, erzählt, die selbst nach der Versteigerung ihrer Jungfräulichkeit, nur knapp dem Hurenhaus entkam.

 

Die Bücher von Ines Thorn habe ich immer gern gelesen. Sie waren gut recherchiert, stilistisch angenehm zu lesen und ihre Figuren waren ausgesprochen lebendig beschrieben. Mit diesem Buch hat die Autorin neues Terrain beschritten, es ist ihr erster Krimi und mich überzeugte er leider gar nicht. Die Figuren passten nicht in ihre Zeit, die beiden ermittelnden Frauen waren für die Mitte des 16. Jahrhundert überzogen emanzipiert, das machte die Geschichte unglaubwürdig. Die Charaktere bekamen in meinen Gedanken keine Gesichter, sie blieben farblos. Die Geschichte um die 13-jährige war mir an vielen Stellen viel zu detailliert. Gewalt kann auch beschrieben werden, in dem man Einzelheiten nicht schildert. Die Rolle des Hundes empfand ich grenzwertig. Dem Mädchen sind Dinge widerfahren, die man keinem Menschen wünscht. Mir fehlte es da am Feingefühl der Autorin. Die Detailtreue bei den Misshandlungen erinnerte fast schon an die Effekthascherei der Boulevardberichterstattung. Daher war ich schon erstaunt, dass die Autorin diese entsetzlichen Szenen in solch einer Ausführlichkeit schilderte. Für mich war auch sehr schnell klar, wer der Mörder ist. Diese Vorhersehbarkeit nahm mir dann auch noch die Spannung.

Ich habe dieses Buch aber trotz aller Kritikpunkte zu Ende gelesen. Das lag an der schönen, flüssigen Schreibweise von Ines Thorn, die ich immer so mochte

Mein Fazit: „Galgentochter“ war der erste Krimi, den ich von Ines Thorn gelesen habe, es war wohl auch der letzte. Mit dem Buch wurde ich von Beginn an nicht warm, zu viel hatte ich zu bemängeln. Schade. Allerdings gibt mein SuB noch ein ungelesenes Buch der Autorin her, auf das ist die Vorfreude ungemindert.

 

Broschiert: 384 Seiten * Verlag: Rowohlt Tb * ISBN-13: 978-3499246036

 

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