Karthauses Bücherwelt …

30. September 2012

Nicole C. Vosseler – Das Herz der Feuerinsel

Das Herz der Feuerinsel

Vosseler, Nicole C.

Broschiert: 608 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442477968

 

Der Verlag schreibt über diesen Roman:

Amsterdam 1882. Auf der Überfahrt von Amsterdam nach Batavia schließen zwei Frauen Freundschaft, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die ernsthafte Jacobina, Tochter aus gutem Hause, und die temperamentvolle Floortje aus einfachen Verhältnissen. Beide träumen vom Glück in der Ferne, und berauscht von der exotischen Schönheit der Tropen wähnen sie sich im Paradies. Nach und nach jedoch offenbart der Garten Eden seine Abgründe, und während auf Jacobina ein böser Verdacht fällt, gleitet Floortje ab in die Prostitution. Als der bislang so friedliche Vulkan Krakatau ausbricht, beginnt für die beiden Freundinnen ein Kampf um Leben und Tod …

Meine Meinung:

Die Romane von Nicole C. Vosseler wandern schon fast automatisch kurz nach dem Erscheinen in mein Regal. Auch in diesem nimmt sie den Leser wieder mit auf eine Reise in ein exotisches Land und dessen Vergangenheit. Zwei jungen Frauen, Jacobina und Floortje, folgt man nach Batavia. Während Jacobina als Gouvernante für die beiden Kinder der Familie de Jong zu sorgen hat, sucht Floortje ihr Glück in einer „guten Partie“. Als sie fast am Ziel ihrer Wünsche ist, nimmt das Leben eine entscheidende Wendung, die sie letzten Endes in die Prostitution führt. Dieser Roman, den Nicole C. Vosseler im Goldmann Verlag veröffentlichte, unterscheidet sich nicht nur in der Farbe des Covers von ihren vorherigen Romanen. Er ist um einiges härter und auch stellenweise etwas derber. Das ergibt sich schon aus dem Werdegang Flootjes. Aber auch für Jacobina ist der Weg nicht so eben, wie man auf den ersten 100 Seiten erahnen mag. Sie muss Niederlagen und herbe Enttäuschungen einstecken sowie sich gegen einen bösen Verdacht zur Wehr setzen.

Die einzelnen Personen wurden sehr gut charakterisiert. Sie waren facettenreich wie das Leben selbst und nicht nur eindimensional wie bei vielen anderen Romanen dieses Genres. Beide Protagonistinnen haben eine Entwicklung durchlaufen, als Naivchen kamen sie ins Land und sind an den Hürden, die das Schicksal für sie bereit hielt, gereift. Wunderbar sind die Farbenpracht, Schönheit und Üppigkeit der Natur in die Geschichte eingeflochten. Aber neben all dem Schönen liest man von sich häufenden kleineren Erdbeben, die im zweiten Teil des Romans im Ausbruch des Krakataus münden und damit gleichzeitig mit der Romanhandlung ihren Höhepunkt erleben. Somit werden einem auf sehr anschauliche Weise zwei Seiten eines scheinbaren Paradieses aufgezeigt. Gleich geblieben ist im Vergleich zu den anderen Romanen der Autorin die ihr eigene, wunderbar bildhafte Sprache, mit der sie bei mir das Kopfkino in Gang setzt.

„Das Herz der Feuerinsel“ ist ein Roman über Freundschaft und Liebe, über ein scheinbares Paradies mit all seinen Schattenseiten, über menschliche Abgründe und über einen der bekanntesten Vulkanausbrüche in der Geschichte der Menschheit. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich über den Ausbruch des Krakataus und dessen Folgen gern noch etwas mehr gelesen hätte.

22. Juli 2012

Nicole C. Vosseler – Jenseits des Nils

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:30
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Jenseits des Nils

Nicole C. Vossler

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Bastei-Lübbe

ISBN-13: 978-3785724477

Sommer 1881. Nicole C. Vosseler lässt zu Beginn ihres Romans die elitäre Welt des englischen Adels aufleben. Die jungen Männer beendeten gerade ihr Studium am Royal Military College in Sandhurst, wer aus einer anderen gesellschaftlichen Schicht kommt hat es schwer. Die Damen leben das luxuriöse Leben gehobener Töchter aus gutsituiertem Hause. Nur Ada war auf einer längeren Europareise und möchte gern ihren eigenen Weg gehen und auf eigenen Beinen stehen. Ein wenig fühlt man zurückversetzt in die Welt der Jane Austen. Fünf junge Männer, Jeremy, Stephen, Leonard, Simon und Royston, gerade haben sie das Royal Military College in Sandhurst beendet und vier junge Ladies verlebten einen letzten unbeschwerten Sommer voller Ausgelassenheit, Sommerfeste erster tiefer Gefühle in Surrey. Bereits im Herbst ziehen die jungen Männer für das Empire in den ersten Sudankrieg und werden mit den Schrecken des Krieges in aller Konsequenz konfrontiert. Für die Daheimgebliebenen beginnt eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens und der Hoffnung. Für alle ist dieser Krieg eine Zeit der Veränderung und des Umbruchs und alle in den Krieg gezogenen erleiden Blessuren an Leib und/oder Seele, nicht alle kehren zurück nach Hause.

Leicht und heiter beginnt Nicole C. Vosseler diesen Roman. Man meint den Sommer zu spüren und die Ausgelassenheit der jungen Hauptfiguren mitzuerleben. Doch der Sommer endet und der Hebst beginnt. Damit beginnt für die jungen Leute der Ernst des Lebens. Die Kadetten müssen in den Sudan und erleben den Krieg an eigenen Leib. Diesen beschreibt Nicole C. Vosseler sehr gekonnt, eindringlich, unverblümt und direkt und mit allen Schrecken und Gräueln, die man damit verbindet. Sie schafft es, dass ich mich als Leserin in die Männer hinein versetzen, die Schrecken und Leiden im Kampf und der Gefangenschaft nachvollziehen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, von einer Autorin solch sachkundige und detaillierte Szenen von Schlachten und Gemetzeln gelesen zu haben. Aber ebenso eindrucksvoll schildert Nicole C. Vosseler die Bilderbuchkulisse des englischen Landadels, die langsam Risse bekommt, die Erwartungen, Hoffnungen und Träume der Frauen, aber auch deren Sorgen und Ängste.

Dieser Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus Historie, Abenteuer und Liebe. Wobei die Autorin immer die wahre Geschichte als Gerüst benutzt, in die sie ihre Romanhandlung einfügt. Die in diesem Roman enthaltene(n) Liebesgeschichte(n) sind unaufdringlich und stimmig in die Handlung eingebaut und gleiten nicht ins Kitschige ab. Der Krieg im Sudan, das Leben in Surrey, die Sehnsucht nach den Söhnen und Verlobten – all das spiegelt das Leben auf den Landsitzen der englischen Adligen zum Ende des 19. Jahrhunderts wider. „Jenseits des Nils“ lebt wie alle Romane der Autorin besonders von ihrer sehr bildreichen ausdrucksstarken Sprache, die wesentlich dazu beiträgt, diesen Roman zu einem Wohlfühlroman werden zu lassen.

Auch wenn die Romanbiografie der Emily Ruete „Sterne über Sansibar“ immer noch mein Lieblingsroman der Autorin ist, erscheint mir dieser Roman als ihr komplexester, weil das Denken und Tun der Handelnden nicht vorhersehbar war, es viele unverhoffte Wendungen gab und die Charaktere lebensecht und glaubhaft agierten. Ich wünsche diesem Roman noch viele begeisterte Leser. 4,5 Sterne

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Nicole Vosseler stammt aus Villingen-Schwenningen. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz. Sie lebt und arbeitet in Konstanz.

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