Karthauses Bücherwelt …

22. Februar 2011

Sabine Weigand – Die silberne Burg

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Die silberne Burg
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 572 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt
ISBN-13: 978-3810526649

1390 – 1428. Infolge des Judenschuldenerlasses wurde der jüdische Geldverleiher Levi Lämmlein über Nacht mittellos und musste Nürnberg verlassen. In Köln fand er mit seiner Frau und der Tochter Sara eine neue Heimat. Bereits in ihrer Kindheit freundeten sich Sara und Salo an. Als sie dann Jahre später heirateten, schien das Glück nahezu perfekt und sie waren ihrer silbernen Burg als Ort des Schutzes und des Friedens sowie Stätte des Seelenglücks sehr nahe. Doch schon ein halbes Jahr später starb Salo und nach einem Jahr musste Sara Chajim, den älteren Bruder Salos, heiraten, wie die Tradition es erforderte. Als sie seine Misshandlungen nicht mehr ertragen konnte, floh Sara nach München zu ihrem Onkel Jehuda, der dort ein anerkannter Medicus war. Auch in Sara erwachte das Interesse an der Medizin und nach einigem Zögern wurde Jehuda für seine Nichte zum Lehrmeister.

Ezzo ist der illegitime Sohn des Grafen von Rieden. Nach dessen unerwartetem Tod erhob der Bruder des Grafen Anspruch auf den Besitz, er verbrannte das Testament, woraufhin Ezzo die Burg verließ und sich als Ritter in die Dienste der ungarischen Königin stellte, aber den Kampf um sein Erbe gab er nicht auf.

Ciaran, der irische Mönch, der lange Zeit im Ungewissen über seine Herkunft war, wurde von den Lollarden in die Bestrebungen um eine Reform der katholischen Kirche hineingezogen. Mit einem geheimen Papier von John Wyclif, das seine Eltern hinterließen, machte er sich auf den Weg zu Jan Hus.

Die Wege der drei Protagonisten kreuzten sich. Gemeinsam mit fahrenden Gauklern traten sie die gemeinsame Reise zum Konzil von Konstanz an.

Zu Beginn dieses historischen Romans verlaufen die Handlungsstränge um die Medica, den Ritter und den Mönch parallel. So war ich eine ganze Weile gespannt, was die Drei verbinden könnte. Dieser Ausgangspunkt wurde von Sabine Weigand sehr geschickt gewählt. Der Leser wird Zeuge von christlicher Gewalt bei den Judenpogromen, von Vorurteilen aufgrund des unterschiedlichen Glaubens und von der vorlutherischen Reformationsbewegung innerhalb der katholischen Kirche. Die Autorin gibt aber auch einen sehr guten Einblick in die mittelalterliche Medizingeschichte. So kämpft die jüdische Ärztin Sara, sie ist historisch verbürgt, gegen überlieferte, aber unwirksame Heilmethoden an, die nur dem Geldbeutel der sogenannten Heiler gut taten und setzt mutig und erfolgreich auf Neues. Ausführlich werden jüdische Rituale beschrieben und die Unterschiede und Ähnlichkeiten von jüdischem und christlichem Glauben herausgearbeitet. Aber auch die Geschichte des unter dem Eindruck von John Wyclif’s Lehren stehenden Jan Hus, der für seine offene Kritik an der verweltlichten Kirche und der Lasterhaftigkeit der Kirchenmänner während des Konzils von Konstanz als Ketzer verbrannt wurde, ist in diesem Roman vortrefflich erzählt worden. Wie bereits in den anderen mir bekannten Romanen von Sabine Weigand sind in diesem die Personen sehr natürlich und menschlich mit Stärken und (nicht immer liebenswerten) Schwächen ausgestattet und passen sich auch sprachlich sehr gut ihrer Zeit an. Neben fiktiven Figuren bereicherten zahlreiche historisch verbürgte die Handlung. Aber alle wirkten real und lebensecht und in ihren Gefühlen sehr glaubhaft und nachvollziehbar. Zwischen den einzelnen Kapitel waren immer wieder Zeitdokumente, Behandlungsanweisungen für die Ärzte und Gedichte eingeschoben. Das lockerte die Handlung nicht nur auf sonder erhöhte die Authentizität des Romans. Besonders gut hat mir das Ende des Romans gefallen. Nachdem im Titel und auch zu Beginn der Handlung die silberne Burg thematisiert wurde, findet sich dieses Motiv zum Ende hin wieder und schließt somit den Handlungskreis. Ungewöhnlich, aber sehr gut , fand ich die Erzählperspektive. Die einzelnen Handlungsstränge berichten in der 3. Person von ihren Protagonisten. Die Erzählart wechselt aber in den eingeschobenen Kapiteln, in denen Sara in der Ich-Form direkt ihre Sicht der Dinge schildert.

„Die silberne Burg“ ist ein wirklich hervorragend komponierter und sehr ausgewogener Roman, der alle Anforderungen, die ich an einen wirklich historischen Roman stelle, voll erfüllt. Er ist unterhaltend, spannend, äußerst informativ und historisch korrekt.

Diese Bücher von Sabine Weigand habe ich schon gelesen:

Seelen im Feuer

Die Markgräfin

11. Dezember 2010

Sabine Weigand – Die Markgräfin

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Die Markgräfin
Sabine Weigand
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596159352

Als im Fränkischen Kulmbach bei Bauarbeiten den ca. 400 Jahre alte Leichnam eines Säuglings entdeckt wird, beginnen die örtlichen Hobbyhistoriker mit ihren Nachforschungen. Langsam forschen sie sich durch die Geschichte der Burg, bis sie auf Barbara von Ansbach stoßen. Die Markgräfin wurde 1495 als Tochter des Markgrafen Friedrich des Älteren von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth geboren. Noch im Kindesalter wird sie mit dem alten Herzog von Groß Glogau verheiratet. Schon zwei Jahre später stirbt der Herzog und Barbara kehrt zu ihrer Familie zurück. Daraufhin wird per procurationem die Ehe mit dem König von Böhmen arrangiert, die jedoch nie vollzogen wird. 5 lange Jahre wartet Barbara ab, bevor sie um Auflösung dieser Ehe ersucht. Daraufhin wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg gefangen gehalten.

Sabine Weigand verknüpft in ihrem Roman einen Handlungsstrang aus der Gegenwart mit dem, der sich mit dem Leben der Barbara von Ansbach befasst. Geschickt hat sie beide miteinander verwoben. Denn erst durch die in unserer Zeit vorgenommen Untersuchungen und Forschungen der drei Freizeithistoriker, die man nicht immer richtig ernst nehmen konnte, kommt eine gewisse Spannung in die Geschichte. Es zog sich etwas, ehe ich mit „Die Markgräfin“ warm wurde und zum Highlight hat sich das Buch bis zum Ende hin nicht entwickelt. Dafür besticht es durch exakte Beschreibungen von Lebensstil und Brauchtum des ausgehenden Mittelalter. Leider geht dies zu lasten der agierenden Personen, die mir die gesamte Zeit über fremd und farblos erschienen.

Mein Fazit: „Die Markgräfin“ war das Debüt von Sabine Weigand. Auch wenn es von mir noch die eine oder andere Kritik gibt, ist es ein durchaus lesenswerter historischer Roman.

 

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin im Museum von Schwabach. Die Spur der Markgräfin entdeckte sie bei ihren Forschungen zur Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, einer der größten Festungsanlagen Nordeuropas – dem Schauplatz ihres Romans.. “Die Markgräfin” ist ihr erster Roman.

18. November 2009

Sabine Weigand – Seelen im Feuer

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Seelen im Feuer
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Krüger
ISBN-13: 978-3810526632

Klappentext

Jeder kann verdächtigt werden, jeder wird verhört, jeder kann brennen. Die Angst geht um in Deutschland. 1626 ist es die Angst vor dem Teufel, der Zauberei, den Hexen. Es ist ein Ringen um Gut und Böse, aber auch ein Kampf um die Macht. Der intrigante Fürstbischof von Bamberg will die freien Bürger der Stadt in ihre Schranken weisen. Neben den einfachen Leuten hat er es deshalb besonders auf die Stadträte abgesehen. Sie werden verhört und verurteilt. Sie werden verbrannt. Mit der jungen Apothekerstochter Johanna schauen wir in eine Welt, in der der Hexenwahn Wirklichkeit ist. Auch sie droht in den Teufelskreis zu geraten, aus dem keiner entrinnt. Gelingt ihr die Flucht ins weltoffene Amsterdam? Bekommen die Bürger von Bamberg endlich Hilfe bei Kaiser und Papst, um dem Brennen ein Ende zu machen?

Meine Meinung

Gleich vorweg, dies war das erste Buch, welches ich von Sabine Weigand gelesen habe, aber auf weitere freue ich mich schon. Der Grund dafür ist die professionelle Recherche, die dem Buch Leben eingehaucht hat. Oft kann man als Leser nur erahnen, welchen Aufwand der Autor bei seinen Nachforschungen betrieben hat. Aber in diesem Buch ist es spürbar. Endlos viele kleine Details, die manchmal nur am Rande vermerkt wurden, lassen die Hexenverfolgung real werden.

„Seelen im Feuer“ beleuchtet ein Zeitfenster von 1626 – 1632. In diesen 6 Jahren, in denen bei der Bevölkerung Angst und Schrecken ständige Begleiter waren. Es wurden so viele Menschen denunziert, angeklagt, gefoltert und verurteilt, dass ganze Straßenzüge ausstarben und ein normales Leben nicht mehr stattfand. Ursache für diese nicht enden wollende Hexenjagd war die Wichtigtuerei des Bürgermeistersohnes Hansi Moorhaupt. Nachdem er die „Historia von D. Johann Fausten…“ gelesen hatte, behauptete er, auch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Damit begann ein Schreckenszenario, das über Jahre hinweg, das Leben der Menschen in Bamberg bestimmen sollte und unzählige unschuldige Opfer zur Folge hatte. Gekonnt fügte die Autorin Zeitdokumente in ihren Roman, dadurch wurde die Authentizität nochmals erhöht: Auch wenn diese in altem Deutsch eingefügten Texte den Lesefluss ein wenig hemmten, empfand ich sie als sehr informativ und für den gesamten Roman als bedeutend.

Erschreckend gut nachvollziehbar waren die Schilderungen der Folter, die Qualen und Ängste, die die Beschuldigten durchlebten. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, es ist einfach zuviel, Handlungen wiederholten sich. Aber wie soll andererseits dem Leser klar werden, wie grausam die Hexenjagd war und wie unsagbar viele – nicht nur Frauen – zum Opfer wurden.

Die Charaktere der im Roman vorkommenden Person waren sehr realistisch und fein gezeichnet. Ihr Tun war nachvollziehbar und glaubhaft.

Mein Fazit: „Seelen im Feuer“ ist ein ausgezeichneter historischer Roman, das betrifft sowohl die Erzählweise als auch die Geschichtstreue. Er ist ein Zeitdokument. Auch die in die Handlung aufgenommene Liebesgeschichte schmälert den äußerst positiven Gesamteindruck nicht, sie rundet die Geschichte ab.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus der Stadtgeschichte von Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans »Das Perlenmedaillon«, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman »Die Königsdame« zugrunde. Schon bei ihrem ersten Erfolgsroman »Die Markgräfin« lieferte die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach die historische Vorlage.

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