Karthauses Bücherwelt …

31. Mai 2011

Sara Gruen – Das Affenhaus

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Das Affenhaus
Sara Gruen
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Kindler
ISBN-13: 978-3463406022

Isabel Duncan ist Wissenschaftlerin. In einem Institut für Menschenaffen arbeitet sie mit Bonobos, die mittels ASL, einer Gebärdensprache, mit den Menschen kommunizieren können. Über diese Sensation will der Journalist John Thigpen berichten und war deshalb für ein Interview mit Isabel im „Affenhaus“. Als er gerade in die Redaktion zurückgekehrt ist, erfährt er von der Bombenexplosion an dem Institut, in deren Folge Isabel schwer verletzt wurde und die Affen entkamen. War das das Werk der auf dem Parkplatz vor dem Institut demonstrierenden Tierschützer?

Die Grundidee für dieses Buch fand ich großartig und der Roman beginnt, ganz meinen Erwartungen entsprechend, fulminant. Aber dann wurde der Leser immer mehr an Nebenschauplätze geführt und in die sekundäre Handlung verstrickt. Man las von den Karriere- und Eheproblemen des Reporters und von der schwierigen Kindheit Isabels. Diese Handlungsstränge erschienen mir zu ausgedehnt und trotz des guten Plots spielte ich schon mit dem Gedanken, das Buch zur Seite zu legen. Aber dann waren die Bonobos wieder da und die Handlung nahm wieder Fahrt auf. Vieles entwickelte sich zwar vorhersehbar. Aber die Geschichte rund um die Affen hat mich begeistert. Die Idee, die Bobobos im Reality-TV zu präsentieren fand ich stark. Stellenweise hatte ich das Empfinden, Sara Gruen hat ihre tierischen Protagonisten besser charakterisiert als die menschlichen Darsteller. Diese kamen mir mitunter sehr aufgesetzt, manchmal auch farblos vor. Nachdem ich meine Erwartungen etwas zurückgenommen hatte, war das Buch gut zu lesen und bot gute Unterhaltung. Die Geschichte um das Sprachlabor mit den Affen schien mir – als Laien – gut recherchiert zu sein, und wurde von der Autorin spannend umgesetzt. Die Handlung endete mit der gekonnten Zusammenführung aller Handlungsebenen in einem furiosen Finale, das schon filmisch vorbereitet scheint.

Mein Fazit: „Das Affenhaus“ ist ein unterhaltsamer Roman, der mir persönlich zu viel Mensch und zu wenig Affe beinhaltete. Aber er war leicht zu lesen und wäre, würde er in der Mitte um 100 Seiten gekürzt, deutlich besser.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Die gebürtige Kanadierin Sara Gruen zog es zunächst aus beruflichen Gründen in die USA. Als sie dort den Job verlor, begann sie zu schreiben. Ihr dritter Roman, „Wasser für die Elefanten“, wurde einer der größten Überraschungs-Bestseller des Jahrzehnts. Sara Gruen lebt zusammen mit ihrem Mann, drei Kindern, zwei Pferden, zwei Hunden, vier Katzen und einer Ziege in der Nähe von Chicago.

21. Februar 2010

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 19:35
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Wasser für die Elefanten
Sara Gruen
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.
ISBN-13: 978-3499248450

Jacob Jankowski ist 90 Jahre alt oder ist er doch schon 93? Aber das ist für ihn auch nicht wichtig. Als eines Tages ein Zirkus seine Zelte vor dem Heim aufbaut, werden Erinnerungen in Jacob geweckt, der tapfer und kauzig zugleich gegen den Einheitsbrei im Altenheim aufbegehrt, der die junge Pflegerin Rosemarie (auch sie hat die 40 schon eine Weile hinter sich gelassen) in sein Herz geschlossen hat und der sehnsüchtig auf die Besuche seiner Angehörigen wartet, obwohl er nie weiß, wer nun eigentlich kommt. Aber an diesem Tag, an dem der Zirkus da ist, wartet er besonders ungeduldig. Und immer wieder gehen seine Gedanken zurück in die Vergangenheit.

Als Jacob mit 23 Jahren kurz vor der Abschlussprüfung zum Tierarzt stand, verunglückten seine Eltern tödlich. Planlos ging er an den Bahngleisen entlang und sprang aus Verzweiflung ohne groß zu überlegen auf den erstbesten Zug auf. So kam er zu „Benzini`s spektakulärster Show der Welt“, einem Wanderzirkus, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Da er ja fast Tierarzt war, der Abschluss war für Onkel Al nur eine reine Formsache, konnte er bleiben. Er fasste schnell Fuß und nach ein paar anfänglichen Problemen fand er auch Freunde. So lernte er die Dressurreiterin Marlena und deren paranoid schizophrenen und äußerst eifersüchtigen Ehemann August kennen, diesen näher als es ihm lieb sein konnte. Eines Tages kaufte Al aus der Konkursmasse eines anderen Zirkus die Elefantendame Rosie. Damit begannen aber erst die richtigen Probleme im Zirkus.

Sara Gruen erzählt die Geschichte des Jacob Jankowski auf zwei Zeitebenen. Sie schildert gegenwärtig sein Leben im Altenheim und blickt immer wieder 70 Jahre zurück und berichtet von Jacobs Leben im Zirkus. Beide Erzählstränge hat sie glaubwürdig mit Leben gefüllt. Die Eintönigkeit des Heimalltages wird so eindringlich geschildert, dass man sich als Leser freut, wenn Jacob seine Lieblingspflegerin zu Gesicht bekommt. Die kleinen Zänkereien zwischen den Heimbewohnern, seine fühlbare Einsamkeit und seine Sehnsucht nach Abwechslung belegen das auf eine sehr einfühlsame Weise. Aber auch das Vergangene wird mit einem sehr ausgeprägten Gespür für die damalige Zeit erzählt. Die Weltwirtschaftskrise und die Prohibition sind mit ihren Auswirkungen auf den um sein Überleben kämpfenden Wanderzirkus überzeugend dargestellt. Als dann noch die verfressene Rosie aufgenommen wurde, die sich zunächst jeder Zurschaustellung ihrer Kunststücke entzog und auch durch August’s Gewaltausbrüche nicht zu Kunststücken bewegt werden konnte, wurden die finanziellen Mittel immer weniger, so dass nicht nur die Arbeiter sondern auch die Artisten nicht mehr bezahlt werden konnten und die Stimmung unter den Zirkusleuten immer angespannter wurde. So werden die Standesunterschiede, die Härten des Zirkusleben, und der Alltag unter wirklich einfachsten, um nicht zu sagen primitivsten, Bedingungen eindringlich dargestellt.

Mit viel Liebe zum Detail lässt die Autorin den Leser am Leben ihres Protagonisten teilhaben, dabei kam aber nie irgendwelche sentimentale Zirkusromantik auf. Sie verstand es gut die gesamte Bandbreite der Emotionen bei mir anzuregen. Das Ende erscheint auf den ersten Blick zwar etwas konstruiert, mir hat es aber trotzdem sehr gefallen. Der Kreis hat sich geschlossen.

Mein Fazit: „Wasser für die Elefanten“ ist ein sehr detailreicher Roman der glaubwürdige Einblicke in das Leben des Jacob Jankowski gibt. Sara Gruen hat es geschafft, mich mit dieser Geschichte zu unterhalten und zu informieren. Für mich war es in diesem Jahr ein erstes Highlight, ein Buch das gern ein paar Seiten hätte mehr haben dürfen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sara Gruen schrieb vor »Wasser für die Elefanten« zwei Jugendromane. Sie lebt mit Mann, drei Kindern, vier Katzen, zwei Ziegen, zwei Hunden und einem Pferd in North Carolina. Derzeit arbeitet sie an ihrem vierten Roman.

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