Karthauses Bücherwelt …

27. Juli 2012

Paolo Bacigalupi – Biokrieg

Einsortiert unter: 2012,SF/Fantasy — Karthause @ 14:50
Tags: , ,

Biokrieg

Paolo Bacigalupi

Originaltitel: The Windup Girl

Taschenbuch: 608 Seiten

Verlag: Heyne Verlag

ISBN-13: 978-3453527577

Klappentext

Die nicht allzu ferne Zukunft. Der Klimawandel und die Profitgier der internationalen Großunternehmen haben die Erde, wie wir sie kennen, zerstört: Der Meeresspiegel ist angestiegen, das Erdöl versiegt und ganze Spezies wurden ausgerottet. Künstlich generierte Krankheiten, Bioterrorismus und Hungersnöte gehören zum Alltag. Die Supermächte sind schon lange untergegangen, stattdessen beherrschen die Lebensmittelkonzerne die globale Marktwirtschaft. Einzig dem Königreich Thailand ist es gelungen, sich durch Isolation und eine rigorose Biopolitik, seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Anderson Lake, Mitarbeiter der Firma AgriGen, wird nach Bangkok geschickt, wo er sich Zugang zu thailändischen Genlaboratorien verschaffen soll – weltweit die einzigen, die noch Stammkulturen unverseuchten Getreidesamens besitzen. Doch Thailands Regierung setzt alles daran, das Eindringen westlicher Konzerne in ihr Land zu verhindern …

Meine Meinung

Spinnt man die Gedanken um globale Erwärmung, Klimaveränderung und Verknappung der Ressourcen ungehemmt weiter, gelangt man unweigerlich an den Punkt, an dem Paolo Bacigalupi mit seiner Romanhandlung einsetzt. Wir sagen, gegenwärtig wäre es 5 Minuten vor 12 Uhr, aber in „Biokrieg“ ist es bereits 15 Minuten später. Es sind schon beeindruckende Gedankenspiele, die der Autor in seinem Roman umsetzt. Aber für mich sind diese nicht zur Gänze verarbeitet. Es gibt ein Energieproblem. Wir wissen, das steht uns auch in der Gegenwart bevor. Aber an keiner Stelle im Roman wird von der Nutzung von Solar- und Windenergie oder Wasserkraft gesprochen. Da wurden Riesenelefanten als „Kraftwerke“ designt und Spannfedern als Energiespeicher genutzt. Das ist unterhaltsam und amüsant zu lesen, mehr aber nicht, ich denke da existieren weitaus mehr Alternativen. Die Story wird aus Sicht von 5 Hauptpersonen, die eher keine Sympathieträger sind und alle verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören, in sich mehr und mehr verflechtenden Handlungssträngen erzählt. Ich fand es nicht einfach mich in dieses Buch einzulesen. Probleme hatte ich mit den Namen der diversen Personen, besonders aber mit den häufig verwendeten Thai-Begrifflichkeiten. Sie erschlossen sich auch nur sehr langsam aus dem Text. Diese Begriffe waren zwar kursiv geschrieben, ein Glossar fehlte jedoch in meiner Taschenbuchausgabe, das wäre sehr hilfreich gewesen. Auch wird die Geschichte nicht chronologisch erzählt, erst zum Ende hinkann man die einzeln gesammelten Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Dadurch war der Roman für mich auch nicht besonders flüssig zu lesen. „Biokrieg“ verlangte mir einiges an Konzentration und Durchhaltevermögen ab. Das hätte ich so nicht erwartet, denn die Grundidee des Romans fand ich außerordentlich gut.

„Biokrieg“ ist auch von der Wirkung her ein typischer Post-Doomsday-Roman, düster, bedrückend und besorgniserregend. Diese Stimmung hat Paolo Bacigalupi sehr gut beschrieben, sie war für mich auch deutlich spürbar und wirkte auch noch nach. Trotzdem überwog die Enttäuschung bei mir, nur aus dichter Atmosphäre, einem exotischen Handlungsort und einer klugen Idee, wird nicht automatisch guter Roman. Mir fehlte ein mitreißendes Element, Spannung oder vielleicht auch nur ein Protagonist, mit dem ich mitfiebern könnte.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Paolo Bacigalupi ist bereits als Kurzgeschichtenautor in Erscheinung getreten bevor er mit Biokrieg seinen ersten Roman veröffentlichte, der vom Time Magazine prompt in die Top Ten der besten Romane des Jahres aufgenommen wurde. Auch für seine Kurzgeschichten erhielt Paolo Bacigalupi schon mehrere Auszeichnungen. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in West Colorado.

15. Mai 2012

Benjamin Stein – Replay

Einsortiert unter: 2012,SF/Fantasy — Karthause @ 16:17
Tags: , , , ,

Ich war immer davon überzeugt, dass eine transparente Gesellschaft auch eine totalitäre Gesellschaft ist.” – Francois Baroin

 

Ed Rosen, von Geburt an gehandicapt, sein rechtes Auge kann er nicht bewegen und damit nicht räumlich sehen, ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. So verwundert es auch nicht, dass er sich als erster Mensch bereit erklärt, sich anstelle seines kranken Auges ein Implantat (Unicom) einsetzen zu lassen und das ständig um neue Features zu erweitern.

Es fiel mir etwas schwer mich in dieses Buch einzulesen. Es wirkte etwas befremdlich auf mich. Aber je weiter ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Sprache und Stil und meine Neugier wurde geweckt.

Der Roman ist in vier Abschnitte untergliedert, zu Beginn eines jeden wacht Ed Rosen auf, um sich sofort wieder in der Vergangenheit zu verlieren. Die Handlung des Buches lebt förmlich von diesen Rückblenden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und als Leser bekommt man ein Bild von einer Gesellschaft, in der Transparenz mehr als nur Programm ist, sie wird gelebt in voller Bandbreite, der gläserne Mensch ist Realität und der Überwachung kann man auch in intimsten Momenten sicher sein. Bezugnahmen auf die gegenwärtig bekannten social Networks erhöhen die Authentizität Buches. Durch den gesamten Roman ziehen sich Anlehnungen an Philosophie und Mythologie. „Replay“ ist sehr sachlich geschrieben, Empathie wird dem Leser überlassen. Ich habe interessiert über das Dasein, die Entwicklung und das Umfeld des Ed Rosen gelesen, konnte mit ihm aber nicht unbedingt warm werden. Ungeachtet dessen, fand ich den Roman unterhaltsam. Er regt zum Nachdenken und zum Nachlesen der angeschnitten Themen an. Ob man wirklich alles möchte, was technisch umsetzbar wäre und die Nutzung dessen wirklich ein größeres Glücksgefühl zu Folge hat, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Für mich ist dieser Roman keine Utopie, zu vieles von dem, was der Autor thematisiert, wird in absehbarer Zukunft möglich sein bzw. ist es schon jetzt.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Ich werde mich im Nachhinein noch etwas mit dem von Benjamin Stein in den Roman gebrachten Konstruktivismus befassen, vielleicht genehmige ich mir danach noch einen re-read von „Replay“ und muss meine aktuelle Bewertung von 3,5 Sternen noch einmal korrigieren.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Benjamin Stein, 1970 in Ost-Berlin geboren, arbeitete nach dem Abitur bis zur Wende als Nachtpförtner. Später studierte er Judaistik und Hebraistik. Sein erster Roman erschien 1995. Benjamin Stein arbeitete als Redakteur und Korrespondent diverser Computerzeitschriften und seit 1998 als Unternehmensberater für Informationstechnologie. Er ist Inhaber des Autorenverlags Edition Neue Moderne und betreibt das literarische Weblog ‘Turmsegler’. Benjamin Stein ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München.

14. Januar 2009

Andreas Eschbach – Quest

Einsortiert unter: 2009,SF/Fantasy — Karthause @ 17:11
Tags: ,

“Die wohl erstaunlichste Entdeckung, die Menschen machten, als sie aufbrachen, um den Weltraum zu erkunden, war die, dass alles Leben im Universum miteinander verwandt ist.”

Im Jahr 18012 ist das Universum von zahllosen Lebensformen dicht besiedelt. Die Herkunft der Menschen ist nur noch Legende und so macht es sich der todkranke Kommandant des Raumschiffes MEGATAO, Eftalan Quest, unter Missachtung aller Befehle und Gesetze zu seiner letzten Aufgabe, diesen Planeten des Ursprungs zu finden, auf dem der Legende nach alles Leben begonnen haben und Gott leben soll. Auf der Suche nach diesem Planeten überfällt er eine alte Bibliothek, von der er sich Antworten auf seine Fragen zum Planeten des Ursprungs erhofft. Um die alten Texte übersetzen zu können, muss der junge Novize Bailan den Eindringlingen folgen und die Reise mit antreten. Nach kurzem Raumflug birgt die Mannschaft ein manövrierunfähiges kleines Raumschiff aus längst vergangen Zeiten. Smeeth, der einzige Überlebende, gibt freiwillig nur sehr ungenau Auskunft über seine Herkunft und das Schicksal der anderen Besatzungsmitglieder. Langsam kommen Zweifel bei der Crew der MEGATAO an den Befehlen ihres Kommandanten Quest und auch an den Aussagen und den Zielen des Fremden Smeeth auf.

„Quest“ ist der zweite SF-Roman, den ich bisher gelesen habe. Denn Science-Fiction ist ein Genre, um das ich gern einen Bogen mache. Aber dem Drängen meines Sohnes gab ich mich irgendwann geschlagen und ich muss zugegeben, die Lektüre hat mir gefallen. Entgegen allen Vorurteilen wurde ich nicht von kleinen grünen Männchen überrannt. Nein, Eschbach baute seinen Roman logisch auf. Bei der Konstruktion der Handlung kam ihm sicher sein Studium der Raumfahrt zugute. So erzählte er schlüssig die Geschichte um die Suche des Planeten des Ursprungs. Dabei griff er ganz nebenbei die Grundfragen nach dem Ursprung an sich, nach dem Sinn des Lebens und die Bedeutung der Wahrheit auf. Er schildert das Leben an Bord des Raumschiffes als sehr klassenbezogen, es gibt Edle, Freie und Niedere. Von einer Klasse in die andere aufzusteigen ist fast aussichtslos. Für den Umgang mit den einzelnen Klassen gibt es äußerst strenge Regeln. Sehr liebevoll beschrieb er die verschieden Menschenwesen. Es war kein Problem, sie bildhaft vor Augen zu haben. Andreas Eschbach war für mich immer ein Garant für Spannung und gute Unterhaltung, diese hohen Erwartungen erfüllte auch „Quest“. Sein Erzählstil war gewohnt flüssig und gut zu lesen. Zu anderen Romanen dieses Genres fehlen mir leider die Vergleiche, aber ich habe dieses Buch sehr gern gelesen.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Andreas Eschbach (* 15. September 1959 in Ulm) ist deutscher Schriftsteller und Bestsellerautor. Waren seine Werke zuerst hauptsächlich der Science-Fiction zuzuordnen, sind manche seiner neueren Werke (Eine Billion Dollar, Der Nobelpreis) außerhalb dieses Genres anzusiedeln.Eschbach studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, schloss dieses Studium jedoch nicht ab, sondern arbeitete stattdessen als Softwareentwickler und Unternehmer, bis sein Erfolg als Schriftsteller es ihm erlaubte, sich auf das Schreiben zu konzentrieren.Inzwischen hat Eschbach für seine Werke einige wichtige Preise erhalten, den Deutschen Science Fiction Preis (1996, 1997, 1998, 1999, 2004), den Kurd-Laßwitz-Preis (1997,1999, 2000, 2002, 2004, 2008), den Deutschen Phantastik Preis (1999, 2004, 2005), den Prix Bob Morane (Belgien, 2000) und den Grand Prix de l’Imaginaire (Frankreich, 2000, 2004). Er ist damit einer der bedeutendsten europäischen Science-Fiction-Autoren.

Taschenbuch: 523 Seiten * Verlag: Heyne (Juli 2005 – ISBN-13: 978-3453520950

Theme: Rubric. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 33 Followern an