Karthauses Bücherwelt …

25. April 2011

Sina Beerwald – Das Mädchen und der Leibarzt

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 16:04
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Quedlinburg im Jahre 1802. Die Schwarzen Blattern forderten viele Opfer unter der Bevölkerung. Auch Helena, eine junge Hebamme, muss den Tod ihrer geliebten Großmutter beklagen. Ihr sehnlichster Wunsch war es, ähnlich wie Dorothea Erxleben, sich der Medizin zu widmen zu können und ein Mittel gegen diese Seuche zu finden. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Verlobten verließ sie überstürzt Wernigerode. Auf der Flucht kam Helena der Fürstäbtissin vom Stift Quedlinburg nach einem Unfall zu Hilfe. Diese war beeindruckt vom resoluten Handeln Helenas und ermöglichte ihr die Lehre beim Stiftsarzt, Monsieur Dottore Tobler. Dieser war jedoch von seiner neuen Aufgabe alles andere als begeistert. Für ihn war es unvorstellbar, einer Frau sein Wissen weiterzugeben.

Vor dem Hintergrund der Napoleonischen Kriegen und der drohenden Säkularisation führt die Autorin den Leser in das Quedlinburger Stift. Sehr gut gelingt es Sina Beerwald, die Situation zu schildern, in der sich die dort lebenden Damen befinden. So wird auch schnell deutlich, dass Neid, Missgunst, Ränkespiele und Intrigen zum Tagesgeschehen gehören. Davon ist auch Helena, die ja nur Gast im Stift ist, betroffen. Helena, die fest davon überzeugt war, ein Mittel gegen die Schwarzen Blattern zu finden, geht mit ihren Theorien einen Weg, den der Stiftsarzt, der in seinem traditionellen Medizinerdasein verwachsen ist, nicht gehen will, gern aber einen möglichen Heilerfolg als den seinen verbuchen möchte. Für mich ist dieser griesgrämige, missmutige, egoistische Doktor der herausragende Charakter in dem Roman. Er war so facettenreich und glaubhaft beschrieben, da mussten die anderen Protagonisten – wenn auch nur ein wenig – zurückstecken. Besonders haben mich die medizinhistorischen Passagen erfreut. Der Konflikt zwischen der Anwendung althergebrachter Heilmethoden und der Suche nach neuen wurde von der Autorin sehr unterhaltsam gelöst. Dieser historische Roman war sehr angenehm zu lesen, bot gute Unterhaltung und ließ den Leser die Zeit vor gut 200 Jahren erleben. Einzig der Schluss des Romans hat mir nicht so gut gefallen. Das betrifft weniger die Romanhandlung, sondern vorrangig die Dramaturgie. Die letzten Kapitel erschienen mir etwas ereignisüberfrachtet und ein paar Szenen ein wenig widersprüchlich zu sein.

Mein Fazit: „Das Mädchen und der Leibarzt“ ist ein angenehm zu lesender und gut unterhaltender historischer Roman, der dem Leser ein Fenster in die Vergangenheit öffnet und interessantes Stück Medizingeschichte präsentiert. Bei mir wurde das Interesse an den weiteren Romanen der Autorin geweckt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, studierte Wissenschaftliches Bibliothekswesen. Nach ihren erfolgreichen Romanen „Die Goldschmiedin“, „Die Herrin der Zeit“ und „Das blutrote Parfüm“ liegt mit “Das Mädchen und der Leibarzt” nun ihr vierter historischer Roman vor.

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