Karthauses Bücherwelt …

25. Januar 2010

Jo Nesbø – Leopard

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:55
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Leopard
Jo Nesbø
Originaltitel: Panserhjerte
Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Verlag: Ullstein HC
ISBN-13: 978-3550087745

Nach seinem letzten Fall um den Schneemann brauchte Harry Abstand, Abstand zur Polizei, Abstand zu Norwegen, Abstand zu seinem bisherigen Leben. Die Trennung von Rakel und deren Sohn hat ihn sehr mitgenommen. Unterschlupf hat er in Hongkong gefunden. Aber in Ruhe leben kann er auch dort nicht. Alkohol, Opium und Pferdewetten sind für ihn zum Lebensinhalt geworden. Wegen seiner Schulden bei den Tiraden, der chinesischen Mafia, kann er auch das Land nicht verlassen, denn sie haben ihm seinen Pass als Pfand abgenommen. Die junge norwegische Ermittlerin Kaja Solness fliegt im Auftrag von Gunnar Hagen, Leiter des Morddezernates, nach Hongkong, um Hole zurück nach Norwegen zu holen, denn dort treibt erneut ein vermeintlicher Serienmörder sein Unwesen. Dies sind aber nicht die einzigen Handlungsorte, der Leser verfolgt die Ermittlungen noch in Ruanda, im Kongo und in Leipzig.

Gleich zu Beginn des Romans wird man Zeuge eines äußerst grausamen und perfide ausgeklügelten Mordes an einer Frau. War „Schneemann“ schon nichts für Zartbesaitete, empfand ich „Leopard“ im Vergleich zum Vorgängerbuch noch einmal als eine deutliche Steigerung.

Die Handlung verläuft in verschiedenen Strängen. Neben den Ermittlungen in den Mordfällen ging es in diesem Thriller auch um das Kompetenzgerangel zwischen dem Morddezernat und dem Kriminalamt.

Temporeich erzählt Jo Nesbø vom Fortschreiten der Ermittlungen, von Fehlschlägen und der behördlichen Rivalität. Mikael Bellman, Chef des Kriminalamtes und selbsternannter Platzhirsch, will mit seinem Team allein die Fälle lösen und erkennt die Kompetenz des Morddezernates nicht an. Ruhe kommt in dieses Buch immer dann, wenn Harry Hole seinen todkranken Vater am Sterbebett besucht. Es ist ein leises Abschiednehmen von Vater und Sohn, dass gefühlvoll und eindringlich beschrieben wurde. Eine weiter Handlungsebene ist die unvermeidliche Lovestory. Die gehört wohl einfach zu diesem Genre.

Prinzipiell hat mir „Leopard“ recht gut gefallen. Der Spannungsbogen wurde kontinuierlich aufgebaut und auch bis zum Ende hin gehalten. Die Morde sind zwar brutal, aber gerade noch erträglich und auch die Ermittler sind nicht zimperlich und müssen einiges einstecken. Jo Nesbø erzählt gekonnt und baut geschickte Cliffhanger ein, so lässt er dem Leser Zeit zum Durchatmen und zum stillen Weiterfiebern und hält ihn so vor allen Dingen bei der Stange. Der Thriller ist leicht und flüssig zu lesen, zieht den Leser schnell in seinen Bann und entwickelt dann eine gewisse Eigendynamik. Mir fiel es doch recht schwer, das Buch zur Seite zu legen. Nesbø nutzt intelligent die Zutaten, die einen guten Thriller ausmachen, durchkonstruierte Morde als Grundlage, ein bisschen Liebesgeflüster fürs Gefühl und einige unverhoffte Wendungen für die Spannung. Einzig die Figur des Harry Hole hat mir in diesem Fall nicht so zugesagt. Zwar gelingt es dem Autor gut, seine Sucht und Schwächen zu beschreiben, aber den Widrigkeiten seines Berufsalltags kann er trotzen, obwohl er psychisch und physisch sehr mitgenommen scheint. Nicht jeder kann seine persönlichen Defizite so gut überspielen.

Mein Fazit: „Leopard“ ist der 8., gut in Szene gesetzte Fall des Ermittlers Harry Hole. Wer sich nicht an der Spezifik des Ermittlers stört, rasante und blutige Kriminalromane bevorzugt und Liebhaber dieses Genres ist, für den wird dieses Buch kein Fehlgriff sein.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Jo Nesbø (* 23. März 1960 in Oslo) ist ein norwegischer Musiker und Autor.

Nach einer Ausbildung als Diplom-Kaufmann und Finanzanalyst an der Norwegischen Handelshochschule Bergen war er neben seiner Aufgabe als Sänger und Komponist der Popgruppe Di Derre als Makler und Journalist tätig.

Hauptperson von Nesbøs bisherigen Kriminalromanen ist der alkoholkranke, alleinstehende Hauptkommissar Harry Hole, der zumeist brutale Mordfälle lösen muss.

Nesbø erhielt als Auszeichnung den norwegischen Riverton-Preis und den skandinavischen Krimipreis (Glasnøkkelen) für seinen Debütroman Flaggermusmannen. Sein Roman Rotkehlchen brachte ihm 2000 den norwegischen Buchhandelspreis ein und wurde 2004 zum besten norwegischen Krimi aller Zeiten (Tidenes beste norske krim) gewählt. Seine Werke wurden in die schwedische, finnische, dänische, englische, niederländische, französische, polnische und deutsche Sprache übersetzt.

Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:

  1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
  2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
  3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
  4. Die Fährte (Sorgenfri)
  5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
  6. Der Erlöser (Frelseren)
  7. Schneemann (Snømannen)
  8. Leopard (Panserhjerte)

26. Januar 2009

Jo Nesbø – Schneemann

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:41
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Harry Hole ist ein erfahrener Osloer Polizist mit seinen kleinen Eigenheiten. In seinem 7. Fall jagt er einen äußerst brutalen Serienmörder, der es auf auf junge Frauen mit Kindern abgesehen hat. Vier tötet er auf bestialische Weise. Als Markenzeichen hinterlässt er einen Schneemann in den Gärten der Opfer. Nach und nach wird klar, dass die Morde direkt mit den Kindern im Zusammenhang stehen müssen. Aber Hole ist bei diesem Fall auch persönlich involviert, der Täter hat seine Geliebte im Visier.

Dies war der erste Roman, den ich von Jo Nesbø gelesen haben. Dass es bereits der 7. Fall des Ermittlers Harry Hole war, beeinträchtigte mein Lesevergnügen keineswegs. Auch bei der Person des Ermittlers wurden keine Kenntnisse vorausgesetzt, sondern Informationen über dessen Vergangenheit geschickt mit der Handlung verbunden. Der Autor hat einen fantastischen Spannungsbogen hergestellt und gehalten. Die Taten waren realistisch beschrieben und forderten vom Leser schon eine gewisse Härte. Die Idee des Krimis war komplex, gut ausgefeilt und sorgte für einige Überraschungen. Bereits in der ersten Hälfte des Buches hatte ich einen Verdacht, wer der Schneemann sein könnte. Aber im Verlauf der Handlung kam mir diese so abstrus vor, dass ich sie verwarf – nur, um am Ende festzustellen, so falsch lag ich nicht. Genau das machte diesen Krimi aus. Unverhoffte Wendungen, die nicht an den Haaren herbeigezogen waren, sondern vom Autor logisch gefügt wurden. Die Sprache war so wie ich sie mir für einen Kriminalroman wünsche, leicht und flüssig zu lesen, schnörkellos, nichts soll den Lesefluss hemmen. Einzig kritikwürdig empfand ich das Ende, das war mir – wie bei vielen anderen Büchern dieses Genres – zu actionlastig. Hatte da der Autor vielleicht ein eventuelles Drehbuch im Hinterkopf?

Mein Fazit: „Schneemann“ ist ein sehr spannender Kriminalroman, der Lust auf seine Vorgänger gemacht hat. Für Krimileser ist er ein absoluter Buchtipp. Für mich war es nicht der letzte Nesbø.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Der erfolgreichste Autor Norwegens ist längst auch international ein Bestsellerautor, seine Romane um Kommissar Harry Hole werden in dreißig Sprachen übersetzt. Schneemann wurde – wie schon Nesbøs Debüt Der Fledermausmann – in der Kategorie “Bester Kriminalroman des Jahres” mit dem “Buchhändler-Preis” (Bokhandlerprisen) ausgezeichnet sowie mit dem “Buchclub-Leserpreis” (Bokklubben Nye Bøkers leserpris) als “Bester Roman des Jahres”. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Zur Reihe um den Ermittler Harry Hole gehören:

  1. Der Fledermausmann (Flaggermusmannen)
  2. Kakerlaken (Kakerlakkene)
  3. Rotkehlchen (Rødstrupe)
  4. Die Fährte (Sorgenfri)
  5. Das fünfte Zeichen (Marekors)
  6. Der Erlöser (Frelseren)
  7. Schneemann (Snømannen)

OT: Snømannen * Gebundene Ausgabe: 512 Seiten * Verlag: Ullstein Hc * ISBN-13: 978-3550087578

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