Karthauses Bücherwelt …

22. April 2013

Jeffery Deaver – Die Angebetete

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 07:07
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Die Angebetete

Deaver, Jeffery

Originaltitel: XO (K.Dance 3)

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764504700

Kayleigh Towne ist Vollblutmusikerin. „Your Shadow“ ist ihr aktueller Hit. Auf ihren Konzerten wird sie von den Fans gefeiert, aber einer von ihnen fühlt sich von ihren Songs ganz besonders angesprochen und meint an ihn gerichtete Botschaften in den Texten zu finden. Edwin Sharp ist besessen von Kayleigh, er stalkt sie. Die Sängerin hat aber noch ein anderes Problem, ihr Vater. Dieser war selbst Musiker, hat inzwischen seine Stimme durch zu viel Alkohol und Nikotin ruiniert und setzt nun seinen gesamten Ehrgeiz und Einfluss daran, die Tochter bestmöglich zu vermarkten. Kathryn Dance, Körpersprache-Expertin, nutzt ihren Urlaub, um für ihre Musik-Homepage neue Titel aufzunehmen und Zeit mit ihrer Freundin Kayleigh zu verbringen. Als sie von dem Stalker erfährt und zugleich noch ein Mord geschieht, beginnt sie mit den Ermittlungen…

„Die Angebetete“ ist der 3. Teil der Reihe um die Kinesiologin Kathryn Dance, die immer noch am Ordnen ihrer privaten Probleme ist. Wie in allen seinen Thrillern hat Jeffery Deaver routiniert eine spannende Handlung mit einem interessanten, aktuellen Thema verknüpft. Hier übt der Autor, der selbst Hobbymusiker ist und Songtexte schreibt, massive Kritik an der Musikindustrie. Den Spannungsbogen baut der Autor ungewohnt langsam auf. Erst im letzten Drittel des Thrillers überschlagen sich dann die Ereignisse, es gibt unverhoffte Wendungen und als mitfiebernder Leser tappt man in die vom Autor ausgelegten Denkfallen. Stellenweise wirken diese aber ein bisschen zu gewollt und konstruiert. Als kleines Schmankerl gibt es einen kurzen Auftritt von Lincoln Rhyme, der Kathryn Dance kurz seine Sichtweise auf den Fall erläutert.

„Die Angebetete“ ist ein, bis auf wenige Stellen, an denen man kleine Längen empfindet, ein flüssig zu lesender und besonders durch den Bezug auf die Musikbranche interessanter Thriller. Es ist ein guter Roman, wenn auch nicht der beste des Autors.

Das besondere Highlight jedoch ist das 40 Seiten umfassende Zusatzmaterial mit den Songtexten der Protagonistin Kayleigh Towne. In die dazugehörige Musik kann man auf der Seite www.jefferydeaverxomusic.com hineinhören und diese downloaden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

15. März 2013

Titus Müller – Nachtauge

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 07:48
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Nachtauge

Müller, Titus

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

Verlag: Karl Blessing

ISBN-13: 978-3896674586

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Seit drei Jahren macht der britische Geheimdienst MI5 Jagd auf “Nachtauge”. Hinter diesem Codenamen verbirgt sich eine deutsche Spionin, die Schienen und Brücken zerstört und Verfolger kaltblütig umbringt. Jetzt steht sie vor ihrem größten Coup: der Aufdeckung einer womöglich kriegsentscheidenden großen Operation der britischen Luftwaffe. Diese bereitet die Bombardierung der größten deutschen Stauseeanlagen vor. Erstes Ziel: die Möhnetalsperre.

Hier arbeiten über tausend ukrainische Frauen unter entwürdigenden Bedingungen in einer Munitionsfabrik. Im Lager unterstehen sie dem Befehl von Georg Hartmann. Er gerät unter Druck, weil Gerüchte kursieren, dass er nicht hundertprozentig auf Parteilinie sei. Tatsächlich ist er bei den Arbeiterinnen weit weniger gefürchtet als die brutalen Männer vom Werkschutz. Ahnt Hartmann, dass einige Frauen, unter ihnen auch die ihm sympathische Nadjeschka, einen spektakulären Fluchtversuch planen?

Meine Meinung

In „Nachtauge“ gibt es zwei, lange Zeit parallel verlaufende Handlungsstränge, die der Autor geschickt miteinander verknüpft. Lesern, denen die Geschehnisse des 16./17. Mai 1943 im Kreis Soest nicht geläufig sind, erschließt sich erst recht spät der Zusammenhang der beiden Geschichten, so ist Spannung garantiert.

Vor 100 Jahren wurde die Möhnetalsperre erbaut und vor 70 Jahren von der britischen Luftwaffe bombardiert und zerstört. Die Ereignisse im deutschen Neheim und den verzweifelten Kampf der britischen Spionageabwehr thematisiert Titus Müller in diesem Roman. Sehr bildhaft schildert er das Leben und den Alltag im Lager der ukrainischen Zwangsarbeiterinnen und die Versuche Georg Hartmanns, ihnen das Leben wenigstens ein kleines bisschen zu erleichtern. Er versucht, so unauffällig wie möglich Vorschriften zu umschiffen, schmuggelt Romane russischer Klassiker ins Lager, bittet um größere Essensrationen und bessere medizinische Betreuung. Sein Tun bleibt aber nicht lange unbemerkt. Den Blockwart hat er bereits verärgert, weil er es bisher umgehen konnte, zu spenden. Als dieser in daraufhin denunziert, wurde es auch für Axel Rottländer schwer, seine schützende Hand über den Schwager zu halten. Als dieser sich dann auch noch mit der Ukrainerin in der Öffentlichkeit zeigt, läuft die Gestapo-Maschinerie an. Auch der in England angesiedelte Teil der Romanhandlung um die Jagd auf die kaltblütige deutsche Agentin war durchaus überzeugend. Die Angst vor dem Scheitern der kriegsentscheidenden Operation wurde sehr glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben.

Durch seine gekonnte, der Zeit angemessene Wortwahl und die angenehme sprachliche Gestaltung des Romans bekommt der Leser ein gutes Gefühl für die Zeit. Seine Protagonisten hat Titus Müller sehr facettenreich charakterisiert. Alle hatten Stärken und Schwächen. Ihr Handeln war nachvollziehbar und, was ich ganz besonders schätze, sie machten im Laufe der Handlung eine Entwicklung durch.

Sowohl die Operation Chastise als auch die Liebesgeschichte von Georg und Nadjeschka haben einen wahren Hintergrund. Letztere wurde sehr gefällig in die Romanhandlung eingefügt und wirkte weder aufgesetzt noch in irgendeiner Weise kitschig, sondern einfach sehr natürlich. Die Angst und Zweifel waren logisch und nachvollziehbar.

„Nachtauge“ las ich fast an einem Stück. Ich konnte den Roman nicht aus der Hand legen bevor die letzte Seite gelesen war. Er war spannend und hat mich von Anfang bis zum Ende gefesselt. Ich hatte das Gefühl, dem Bericht von Zeitzeugen zu lauschen. In dem Buch sind noch Anmerkungen des Autors zu den historischen Ereignissen und Hintergründen enthalten. Dadurch wird die wirklich spannende Lektüre abgerundet. Ich empfehle diesen Roman sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 begründete er die Literaturzeitschrift “Federwelt”. 2002 war er Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman “Quo vadis”. Im gleichen Jahr veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten Roman: “Der Kalligraph des Bischofs”. Es folgten weitere historische Romane wie “Die Brillenmacherin” (2005).Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis- Preis und den Sir Walter-Scott-Preis ausgezeichnet. 2011 erschien im Blessing Verlag sein Roman über den Untergang der Titanic: “Tanz unter Sternen”.

Mein besonderer Dank gilt dem Karl Blessing Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

15. Februar 2013

Barry Lyga – Ich soll nicht töten

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:51
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Ich soll nicht töten

Lyga, Barry

Originaltitel: I Hunt Killers

Taschenbuch: 384 Seiten

Verlag: Blanvalet

ISBN-13: 978-3442380435

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Stell dir vor, der berüchtigtste Serienkiller der Welt wäre dein Vater …

Heimlich beobachtet der 17-jährige Jasper »Jazz« Dent ein Ermittlerteam am Schauplatz eines brutalen Mordes. Dem jungen Mann wird sofort klar, dass er in großen Schwierigkeiten steckt. Denn der Killer hat seinem Opfer mehrere Finger abgeschnitten und als Souvenir mitgenommen. Und genau das war das Markenzeichen von Jazz’ Vater. Doch der berüchtigte Serienmörder befindet sich seit Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis. Jazz weiß, dass nun alle ihn für den Täter halten müssen – bis er den wahren Schuldigen zur Strecke bringt.

Meine Meinung

Der 17-jährige Jasper „Jazz“, die Hauptfigur des Romans, musste sich von frühester Kindheit an die grauenhaften Beschreibungen der vom Vater begangenen 124 Morde anhören. Der Vater ist inzwischen zu vielfach lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt worden und verbüßt die Strafe gerade. Jasper selbst ist durch des Vaters Erzählungen zu einem Experten in puncto Serienmörder geworden. So erkennt er vor den ermittelnden Behörden, dass die neuen Morde in der kleinen Stadt einen solchen Killer zuzuschreiben sind. Der Tatverdacht fällt aber recht schnell auf Jazz, frei nach dem Motto: Wie der Vater so der Sohn. Weil er kein Gehör findet, ermittelt Jasper auf eigene Faust.

Der 17-jährige Jasper Dent ist eine interessante Figur. Seine Ängste, zu werden wie der Vater, seine Selbstzweifel, seine innere Zerrissenheit wurden gut dargestellt, trotzdem blieb er für mich ein wenig konturlos und eindimensional. Eine Entwicklung des Jungen, der selbst gern lügt und manipuliert, konnte ich nicht erkennen.

Der Sprachstil ist sehr einfach, somit ist der Thriller leicht und schnell gelesen. Aufgrund der anglizismenlastigen Sprache passt der Roman gut zum jugendlichen Alter des Protagonisten, was aber zur Folge hat, das dieser Thriller stellenweise auch wie ein Jugendbuch wirkt. Das steht jedoch im auffallenden Widerspruch zum Inhalt des Thrillers.

Im Laufe der Handlung kommt es dann zur Zusammenarbeit der Polizei mit Jazz, dieser Part erschien mir nicht glaubwürdig, ebenso wie die Szenen mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes. So muteten große Teile des Thrillers für meinen Geschmack sehr überzogen an.

Der Klappentext war vielversprechend, die hinter dem Thriller stehende Idee stimmte mich hoffnungsvoll, wirklich spannungsgeladene Lesestunden vor mir zu haben. Leider habe ich diesen Thriller von der ersten Seite an mit sehr großer Distanz gelesen, durchgehend fehlte es mir an Spannung, auch am Ende kam diese nicht bei mir auf. Vielleicht waren auch einfach meine Erwartungen wegen des Vergleichs mit „Das Schweigen der Lämmer“ zu hoch. Solche Vergleiche hinken immer, dieser war an den Haaren herbeigezogen.

„Ich soll nicht töten“ ist keineswegs ein schlechter Roman, lediglich meinem Geschmack und meinem persönlichen Anspruch an spannende Literatur hat er nicht entsprochen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Barry Lyga hat bereits mehrere in den USA gefeierte Jugendbücher geschrieben. Seit seinen Recherchen für seinen Debüt-Thriller Ich soll nicht töten weiß er beunruhigend gut über alle Methoden Bescheid, wie man eine Leiche verschwinden lässt. Der Autor lebt und arbeitet in New York City.

18. Januar 2013

Matthew Quirk – Die 500

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:12
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Die 500

Quirk, Matthew

Originaltitel: The 500

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896674722

Henry Davis weiß, Politiker sind manipulierbar, sie sind korrumpierbar. Dieses Wissen macht er sich zu Nutze. 500 der mächtigsten Männer zählen zu den Klienten seiner Beraterfirma. Sein Mittel zum Zweck ist jedoch nicht das Geld, sondern die Leichen, die ein jeder von ihnen im Keller hat. Davis sucht seine Ansatzpunkte bei G.I.E.R. – Geld, Ideologie, Ego und Repression. Er versucht alles, um jede Kleinigkeit aus dem Leben seiner Kunden in Erfahrung zu bringen, Fehler, Geheimnisse und Leidenschaften. Mike Ford wird von Davis angeworben, um die Drecksarbeit zu erledigen. Mikes Vater ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, den Grund dafür kennt er nicht. Er selbst hat eine kriminelle Vergangenheit, hat den Absprung aber noch geschafft und studiert jetzt in Harvard. Davis‘ Angebot kommt für ihn gerade zur rechten Zeit, denn er hat Schulden. In der Firma steigt er schnell auf und durchschaut dabei immer mehr die Geschäfte seines Bosses. Als Henry Davis erfährt, dass Mike Ford kurz davor ist, seine dunkelsten Geheimnisse herauszufinden, beginnt für Mike ein Wettlauf mit gegen die Zeit und den Tod.

Ohne große Einleitung ist der Leser mitten in der Handlung. Es werden nicht erst lang die Personen eingeführt oder deren Vergangenheit beleuchtet. Darüber erfährt man sukzessive im Verlauf der Handlung. Der Leser taucht zeitlich gesehen, kurz vor dem Ende der eigentlichen Geschichte in diesen Thriller ein und erfährt von dem in der Ich-Form erzählenden Mike Ford in einer Art Rückblick die bisherigen Geschehnisse, um dann den Abschluss sozusagen direkt zu verfolgen.

Die Idee hinter dem Buch ist sehr gelungen. Es geht um die Manipulierbarkeit von Politikern. Ein Thema, das sehr ins psychologische geht. Diesen Aspekt, ebenso wie die Feinzeichnung seiner Protagonisten ließ der Matthew Quirk jedoch weitgehend außen vor. Sein Hauptaugenmerk lag auf actionlastigen Szenen und so ließen sich seine Darsteller relativ schnell in Gut und Böse einordnen. Das Erzähltempo hielt der Autor bis auf wenige Ausnahmen hoch. Die erste Hälfte des Romans hat mir auch noch recht gut gefallen. Über die verwendeten Klischees konnte ich ganz gut hinwegsehen. Die letzten 200 Seiten empfand ich allerdings als unglaubwürdig, überzogen und absehbar. Der Protagonist mutierte zum Superhelden, den weder Verletzungen noch Schmerzen aus der Bahn werfen konnten. Dafür jagte eine Actionszene die nächste. Ich habe nichts gegen Action in Romanen oder Filmen. In diesem Fall hätte ich mir aber gewünscht, dass der Autor seinem Helden ein wenig mehr Profil verleiht und dieser blasse und reichlich naive Handlanger des Big Boss zur Persönlichkeit wird. Das Ende des Thrillers war dann in allen seinen Facetten sehr hollywooglike. Eine Verfilmung des Stoffes könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Fazit: Wer eine Vorliebe für schnell erzählte und ebenso schnell gelesene Thriller, deren Schwerpunkt im wahrsten Sinne des Wortes im Thrill liegt, hat und wer über Schwächen in der psychologischen Zeichnung der Personen hinwegsehen kann, wird mit diesem nicht schlecht beraten sein. Leider passten das Buch und mein Lesegeschmack nicht so ganz zusammen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Matthew Quirk (31) ist in New Jersey aufgewachsen und hat in Harvard studiert. Anschließend arbeitete er jahrelang als investigativer Journalist für THE ATLANTIC. DIE 500 ist sein erster Roman. Er lebt in Washington D.C.

19. Oktober 2012

Andreas Gruber – Todesfrist

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 08:08
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Todesfrist

Andreas Gruber

413 Seiten

Zeilenreich

Bestellnummer: 119246700

Das 48-Stunden-Rätsel

Die 26-jährige Sabine Nemenz ist eine junge und ehrgeizige Kriminalkommissarin, deren Traum es ist, einmal als Profilerin beim BKA zu arbeiten. Privat bereitet ihr die schon länger zurückliegende Scheidung ihrer Eltern Sorgen. Dann taucht der Vater bei ihr auf und berichtet, die Mutter sei vor gut 48 Stunden entführt worden und er hätte vom Entführer eine rätselhafte Botschaft erhalten.

»Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.«

Aber die Zeit war bereits abgelaufen, dieser Wettlauf war für sie verloren. Als die Ermittler von dem schwierigen Verhältnis der Eltern erfahren, fällt der Verdacht auf den Vater. Als sich der Fallanalytiker des BKA, Maarten S. Sneijder, dieses Falles annimmt, wird schnell klar, diese Tat ist keine Einzeltat und der Mörder stellt auf perfide Art und Weise Szenen des „Struwelpeter“ nach.

Andreas Gruber verwendete für seinen Thriller altbekannte Zutaten. Eine junge Ermittlerin, die privat ein paar Probleme hatte und die durch die Ermordung ihrer Mutter in den Fall persönlich involviert war, wurde sie von den Ermittlungen in diesem Fall abgezogen. Zuerst ermittelte sie auf eigene Faust, dann an der Seite des BKA-Analytikers. Man sollte meinen, den Leser erwartet einen der üblichen 08/15 Thriller, aber weit gefehlt. Der Autor hat seinen Thriller äußerst intelligent konstruiert. Anleihen nahm er bei einem Kinderbuch, anhand dessen er die Taten förmlich inszenierte. Die Opfer waren in Köln, Dresden, Leipzig, München und Wien zu Hause und immer bekam eine ihm nahestehende Person eine Art Hinweis, verbunden mit einem Rätsel und einer Frist von 48 Stunden. Konsequent wurde der Spannungsbogen aufgebaut und durchgehend bis zum Ende hin gehalten, die äußerst brutalen und wohl durchdachten Morde sind dafür nur ein Mittel zum Zweck. Daneben wurde durch die dauernden Geplänkel um den etwas sonderbaren Fallanalytiker Sneijder eine gewisse Lockerheit in seine Story gebracht, die den Leser immer wieder durchatmen lassen und andererseits die Neugier auf die weiteren Ermittlungen steigerte. Neben dem Handlungsstrang um die eigentlichen Taten existierte parallel ein weiterer, der den Leser in die Praxis einer Psychotherapeutin führte. Beide Stränge werden im Laufe der Handlung geschickt miteinander verwoben.

“Todesfrist” ist sehr flüssig zu lesen, ständig verspürte ich den Drang, mehr wissen zu wollen. Die Idee des Autors, das Kinderbuch als Mordvorlage zu nehmen, fand ich ebenso unkonventionell wie originell. Nicht zuletzt trugen die Personen, die dem Alltag entschlüpft zu sein schienen, zu dem sehr gelungen Thriller bei.

Wer gern Thriller mit gut ausgetüftelten Morden liest, sich von grausamen, perfiden und blutigen Taten nicht abschrecken lässt und genügend Zeit für 400 Seiten Spannung hat – den aus der Hand konnte ich das Buch nicht legen – wird mit “Todesfrist” sehr gut beraten sein. Ich bewerte es mit 5 Sternen.

 

Mein Dank gilt Blog dein Buch und zeilenreich für das zur Verfügung stellen des Buches, welches hier bestellt werden kann.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und arbeitet halbtags für einen Pharma-Konzern. Mit seiner Familie und vier Katzen lebt er in Grillenberg in Niederösterreich. Er ist zweifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises.

13. Oktober 2012

Antti Tuomainen – Der Heiler

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:58
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Der Heiler

Tuomainen, Antti

OT: Parantaja

Broschiert: 224 Seiten

Verlag: List Hardcover

ISBN-13: 978-3471350829

Helsinki in naher Zukunft. In der Stadt herrscht Chaos. Die Menschen leiden unter den Folgen der Klimaveränderungen, die Strom- und Wasserversorgung funktioniert nicht mehr, es wird geplündert und Willkür herrscht vor, kurz – die Stadt ist im Ausnahmezustand. Die Situation verschärft sich, da ein selbsternannter Heiler, als eine Art Rächer, die aus seiner Sicht für die Situation Verantwortlichen samt ihrer Familien auf brutalste Art und Weise hinrichtet. Die Journalistin Johanna Lethinen war ihm auf der Spur. Aber seit 24 Stunden hat ihr Ehemann, Tapani, kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten, obwohl sie sonst bei Recherchen wenigstens per E-Mail oder SMS den Kontakt hielten. Weder die Polizei, noch Johannas Chef und auch die Freunde können oder wollen Tapani helfen. Er stößt auf eine Mauer des Schweigens und beginnt auf eigene Faust, seine Frau zu suchen. Dabei muss er erkennen, seine Frau hatte eine Vergangenheit, die ihm bislang unbekannt war.

Antti Tuomainen zeichnet in seinem Roman ein düsteres Bild der nahen Zukunft. Es herrscht eine Art Weltuntergangsstimmung, alles ist trostlos, beängstigend und hoffnungslos. Dies beschreibt er außerordentlich überzeugend und realistisch. Er erklärt die Ursachen für dieses Szenario, auch dies erscheint glaubhaft.

Der Ich-Erzähler in diesem Thriller ist Tapani Lethinen. Über ihn erfährt der Leser, dass Johanna die Liebe seines Lebens ist, beide sind seit 10 Jahren verheiratet, aber ihm wird schnell klar, Johannas Vergangenheit ist ihm unbekannt. Auch das Bild von seinen Freunden wandelt sich im Laufe seiner gut 2 Tage andauernden Suche. Tapani ist ein Lyriker, zeigt aber nur wenige Gefühlsregungen und wirkt eher unterkühlt. Das passt so gar nicht zusammen. Er versucht schließlich die Liebe seines Lebens zu retten. All das geschieht in einer relativ kurzen Zeitspanne. Der in Ermittlungssachen ungeübte Ehemann kämpft an einsamer Front gegen alle, vor allem gegen das Schweigen und kommt doch überraschend schnell zu ersten Erfolgen.

Die Sprache wirkt teilweise gehetzt und abgehackt. Manche Szenen werden staccato artig erzählt. Man sollte meinen, dass dies für den Spannungsbogen, der zu Beginn auch gut ausgeprägt war, hilfreich sei. Das empfand ich leider nicht so. Trotz der Themenvielfalt und des durchaus für einen Thriller nicht unüblichen Schreibstils empfand ich etliche Passagen als langatmig.

Die Figuren waren für meinen Geschmack sehr oberflächlich charakterisiert. Sie waren auswechselbare Stereotype.

Obwohl der Thriller mit nur 224 Seiten bei recht großer Schrift sehr schnell gelesen war, wurde ich mit ihm nicht richtig warm.

Aus der Themenvielfalt und dem Plot hätte eine großartige Story entstehen können, leider spann der Autor die durchaus vorhandenen positiven Ansätze nicht konsequent zu Ende. Für die geringe Seitenzahl waren die Themen wohl zu vielfältig und komplex oder im Umkehrschluss, der Autor hatte, für das, was er dem Leser mitteilen wollte, zu wenig Raum. 100 Seiten mehr hätten dem Thriller gut getan.

„Der Heiler“ ist ein Mischung aus Dystopie und Thriller, der schnell gelesen ist und über wirklich gute und nachdenkenswerte Ansätze verfügt, jedoch bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Antti Tuomainen wurde 1971 geboren und war früher als Werbetexter tätig. Heute arbeitet er als Autor und freier Journalist. Der Heiler wurde 2011 mit dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, dem angesehensten Medienpreis für Kriminalliteratur. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

20. August 2012

Buch der Woche (32. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 10:26
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Nullzeit“ von Juli Zeh.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

Erscheinungstermin: 1. August 2012
Eigentlich ist die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten Theo auf die Insel gekommen, um sich auf ihre nächste Rolle vorzubereiten. Als sie Sven kennenlernt, entwickelt sich aus einem harmlosen Flirt eine fatale Dreiecksbeziehung, die alle bisherigen Regeln außer Kraft setzt. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze. Sven hat Deutschland verlassen und sich auf der Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Keine Einmischung in fremde Probleme – das ist sein Lebensmotto. Jetzt muss Sven erleben, wie er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird. Bis er endlich begreift, dass er nur Teil eines mörderischen Spiels ist, in dem er von Anfang an keine Chance hatte. Juli Zehs neuer Roman ist ein meisterhaft konstruierter Psychothriller in der Tradition von Patricia Highsmith, bei dem der Leser, genau wie Sven, alle Gewissheiten verliert. Zugleich gelingt Juli Zeh ein brillantes und hellsichtiges Kammerspiel über Willensfreiheit, Urteilsfindung, Schuld und Macht.

Über den Autor

Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr 1. Staatsexamen machte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut (DLL), an das sie später als Dozentin zurückgekehrt ist. Nach ihrem Diplom am DLL folgte 2003 das 2. Staatsexamen. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis, dem Ernst-Toller-Preis und dem Solothurner Literaturpreis.

28. Mai 2012

Marc Raabe – Schnitt

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:55
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Gabriel Nauman arbeitet bei einem Security-Unternehmen. Am Abend des 1. September fährt er für einen Kollegen zu einem mysteriösen Einsatz. Vor Ort findet er Spuren eines Einbruchs und ein schwarzes Kleid. Er kann den Einsatz aber nicht beenden, weil er einen Notruf von seiner Freundin Liz erhält. Sie ist überfallen worden. Am genannten Ort angekommen, ist die Polizei schon mitten in den Ermittlungen, allerdings in einer Mordsache an einem jungen Mann. Die junge, schwangere Frau ist spurlos verschwunden. Schnell gerät Gabriel unter Mordverdacht und wird festgenommen. Er flieht und sucht nach einer Spur von Liz. Er wird sie aber nur retten können, wenn er sich erinnert, was vor 29 Jahren, am 13. Oktober 1979, geschah…

Bereits mit der ersten Seite entwickelte dieser Thriller einen Sog, der den stetigen Wunsch in weckte, mehr zu erfahren. Der Leser, der im Prolog erfährt, dass der 11-jährige Gabriel, als er heimlich in das sich im Keller befindende Labor des Vaters schlich, Schreckliches erlebt hat, tappt somit bis fast zum Schluss über die wirklichen Ereignisse im Dunkeln.

Sehr gut hat mir die Charakterisierung der Figuren gefallen, besonders die von Gabriel. Seine innere Zerrissenheit kam nicht zuletzt durch die häufigen Zwiegespräche mit Luke Skywalker, die Gabriel in seinen Gedanken führte, sehr gut zum Tragen.

Jedes neue Kapitel ist mit Datum und Uhrzeit versehen, so wusste ich minutiös den Ablauf der Dinge einzuordnen und hatte das Gefühl, in die Suche direkt involviert zu sein.

Dieser in einen Prolog und 58 Kapitel gegliederte Psychothriller war stilistisch sehr gut und flüssig zu lesen, er war blutig, er war brutal und er war das, was er vorgab zu sein, er war ein wirklicher Psychothriller. Dazu ist er durchgehend spannend und in einem hohen Erzähltempo gehalten. Ein wenig hadere ich mit dem Ende des Thrillers. Mir war die Auflösung ein wenig zu simpel.

Thrillerleser, die den Psychoaspekt bevorzugen und vor brutalen und blutigen Stories nicht zurückschrecken, sind mit diesem Debütroman von Marc Raabe sicher gut beraten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion. Schnitt ist sein erster Psychothriller. Marc Raabe lebt mit seiner Familie in Köln.

1. Mai 2012

Buch der Woche (17. KW 2012)

Einsortiert unter: Allgemeines,Empfehlungen — Karthause @ 17:23
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In dieser Woche empfiehlt der mdr figaro „Die Nacht des Zorns“ von Fred Vargas.

Amazon schreibt dazu:

Kurzbeschreibung

„Fred Vargas ist zurück – in Bestform.“ LE FIGARO LITTÉRAIRE Ein jahrhundertealter Mythos führt Kommissar Adamsberg in die dunklen Wälder der Normandie. Ein Heer aus Schattengestalten soll dort wüten und ungesühnte Verbrechen strafen. Lina, eine junge Frau aus der Normandie, hat es jüngst in der Nacht über den Waldweg reiten sehen. Und nicht nur das: Die Reiter hatten vier Menschen in ihrer Gewalt, deren Tage – der Legende nach – gezählt sind. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis das erste Opfer des Wütenden Heeres stirbt. Adamsberg ist überzeugt, dass sich jemand der mittelalterlichen Sage bedient, um ungestört zu morden. Wieder einmal findet sich in diesem Roman alles, was die unnachahmliche und inzwischen sprichwörtliche Magie Vargas ausmacht: wunderbare Charaktere, ein intelligenter Plot, eine subtile Handlungsführung, gefärbt mit einem sprühenden Funken Humor. „Wenn Vargas Musikerin wäre, wäre sie allein ein ganzes Orchester.“ ELLE „Eine ganz große Vargas!“ LE MONDE

Über den Autor

FRED VARGAS, geb. 1957 und von Haus aus Archäologin. Sie ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin und eine Schriftstellerin von Weltrang. 2004 erhielt sie für „Fliehe weit und schnell“ den Deutschen Krimipreis. Ihre Werke sind in über 40 Sprachen übersetzt und liegen sämtlich bei Aufbau in Übersetzung vor: Im Schatten des Palazzo Farnese Die schöne Diva von Saint-Jacques Der untröstliche Witwer von Montparnasse Das Orakel von Port-Nicolas Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord Bei Einbruch der Nacht Fliehe weit und schnell Der vierzehnte Stein Die dritte Jungfrau Die schwarzen Wasser der Seine Das Zeichen des Widders Der verbotene Ort Die Tote im Pelzmantel Die Nacht des Zorns (Frühjahr 2012)

23. April 2012

Nelson DeMille – Der Löwe

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:18
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Der Löwe

Nelson DeMille

OT: The Lion

Gebundene Ausgabe: 554 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe

ISBN-13: 978-3455403060

 

Vor drei Jahren verschwand Asad Khalil, libyscher Terrorist mit dem Namen „Der Löwe“, spurlos von der Bildfläche nachdem er einen tödlichen Rachefeldzug quer durch die USA absolvierte. Jetzt ist er wieder aufgetaucht, er hat noch einige Rechnungen offen und wieder hinterlässt er eine unübersehbare Blutspur. Ganz weit oben auf seiner Liste stehen seine alten Gegenspieler der Anti-Terror-Task-Force John Corey und seine Partnerin und Ehefrau Kate.

„Der Löwe“ ist der fünfte Thriller, in dessen Mittelpunkt John Corey steht und der zweite, in dem er es mit Asad Khalil, dem libyschen Terroristen, aufnehmen muss. Aber auch ohne die Vorgänger zu kennen, findet man problemlos in die Geschichte, frühere Ereignisse werden wie nebenbei in der laufenden Handlung erklärt. Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. John Corey berichtet in der Ich-Form über seine Sicht der Dinge. Das wirkt sehr persönlich und authentisch. Sein Gegenspieler, Asad Khalil, steht im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstranges, der in der 3. Person geschrieben ist. Der Thriller ist in sieben Teile und insgesamt 49 Kapitel gegliedert, die Abschnitte in denen der Leser Khalil direkt begleitet, sind immer etwas kürzer gehalten als die, die Ermittlungen zu dessen Morden betreffen. Die Hauptfiguren lassen sich zwar problemlos in gut und böse einordnen, sie sind aber trotzdem nicht rundweg stereotyp. John Corey empfand ich an so mancher Stelle als etwas nervend in seiner Selbsteinschätzung, die nur gelegentlich durch Selbstironie gemildert wurde. Dessen ungeachtet er nicht der Unsympath an sich, stellenweise zeigte er sich sogar sehr menschlich. Sein loses Mundwerk hat mir gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Trotzdem hatte ich mit seiner zynisch-sarkastischen und häufig rassistischen Art immer wieder kleine Probleme. Seine Vorbehalte gegenüber Anhängern des islamischen Glaubens gründen sich in den Ereignissen des 11. September 2001, die er selbst nur knapp überlebte. Er ist eben alles, aber kein geschniegelter Durchschnittsermittler und ganz sicher wird er die Leserschaft spalten, entweder man mag ihn, oder man lehnt ihn ab. Asad Khalil ist ein Psychopath ersten Ranges, er mordet unter dem Deckmantel der Rache aus reinem Vergnügen, egal ob Landsmann und Helfer, Amerikaner und Feind, Mensch oder Tier. Trotz der gekonnt geschilderten äußerst brutalen Morde blitzt immer wieder ein feiner, von mir sehr geschätzter Humor auf. Die Taten an sich waren intelligent konstruiert, einfallsreich und häufig ungewöhnlich. Die Spannung hielt von der ersten bis zur letzten Seite an, auch wenn der Thriller ein von mir nicht unerwartetes Ende fand und recht geradlinig aufgebaut war, würde ich ihn nicht als vorhersehbar bezeichnen. Aber für das ganz besondere Leseerlebnis fehlten mir ein paar irreführende Wendungen. Besonders gefallen hat mir der ungetrübte, kritische, aber auch subjektive Blick des Autors auf die USA, ihre Politik und die inneren Zustände.

Diesen actionreichen, brutalen und sehr flüssig zu lesenden Thriller empfehle ich allen Liebhabern dieses Genres, die eine Lektüre bevorzugen, in der es auch mal etwas blutiger zugehen darf. Mich hat dieser Thriller sehr gut unterhalten.

In der John-Corey-Reihe sind bisher erschienen:

Goldküste
Das Spiel des Löwen
Nachtflug
Operation Wild Fire
Der Löwe

Über den Autor (Quelle: amazon.de -gekürzt)
Nelson DeMille wurde 1943 in Jamaika geboren. 1966 bis 1969 war er als Oberleutnant der amerikanischen Armee in Vietnam. Danach studierte er Politik und Geschichte. Seit 1974 schreibt er Spannungsromane und gehört seit langem zu den erfolgreichsten Thrillerautoren Amerikas. Seine Werke sind regelmäßig auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten.

2. April 2012

Stephan M. Rother – Ich bin der Herr deiner Angst

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:13
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Ich bin der Herr deiner Angst

Stephan M. Rother

Taschenbuch: 576 Seiten

Verlag: rororo

ISBN-13: 978-3499258695

Im Mittelpunkt dieses in Hamburg angesiedelten Thrillers stehen die Ermittler Jörg Albrecht und Hannah Friedrichsen. Sie ermitteln in einer Serie äußerst bizarrer und grausamer Morde. Die ersten beiden Opfer sind Kollegen, das dritte Opfer ist eine bekannte TV-Moderatorin, die für einen Privatsender als Berichterstatterin immer in erster Reihe stand. Die Ermittler stehen unter Druck, denn die Fälle haben die Öffentlichkeit wach gerüttelt, gab es doch zu Beginn von Jörg Albrechts Polizeikarriere ähnlich gelagerte Serienmorde. Der damalige Täter sitzt jedoch inzwischen in der Psychiatrie.

Der in 12 Kapitel gegliederte Thriller wird von einem Vorspiel eingeleitet, von mehreren Zwischenspielen unterbrochen und endet mit einem Nachspiel. Die Haupthandlung wird aus der Sicht der beiden Ermittler geschildert, dabei ist Hannah Friedrichsen die Ich-Erzählerin und die Sichtweise ihres Vorgesetzten, Jörg Albrecht, wird dem Leser in der dritten Person erzählt. Diese beiden Erzählperspektiven tun dem Roman sehr gut, der Blickwickel des Lesers wird dadurch scheinbar größer und der Einblick in die Ermittlertätigkeit lässt die Protagonisten in ihrem Tun überzeugender wirken. Auch wenn beide Ermittler nicht meine Sympathie erlangten, Albrecht kehrte für meine Begriffe zu oft den Bildungsbürger heraus, Friedrichsens Affäre mit dem Staranwalt war völlig unnötig, führten sie mich doch gekonnt zur Aufklärung dieser eigenwilligen Mordserie, bei der sich die Angst der Opfer immer in ihrem Tod widerspiegelte. Der Spannungsbogen wird von Beginn an ziemlich konstant gehalten. Sprachlich ist der Roman sehr ansprechend und flüssig zu lesen. Die Aufklärung der Morde ist intelligent konstruiert, wobei mir besonders die psychologische Komponente sehr gut gefiel.

Thrillerleser, die ihre Lektüre abseits der bluttriefenden Massenware suchen und ihr Augenmerk eher auf das Subtile richten, werden mit „Ich bin der Herr deiner Angst“ sicher angenehme, spannende und unterhaltsame Lesestunden verbringen können.

Mein besonderer Dank gilt dem rororo Verlag für das Rezensionsexemplar.

 Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Stephan M. Rother wurde 1968 im niedersächsischen Wittingen geboren, ist studierter Historiker und war fünfzehn Jahre lang als Kabarettist unterwegs. Seit einem Jahrzehnt veröffentlicht er erfolgreich Romane, darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig. Stephan M. Rother ist verheiratet und lebt in einem verwinkelten Haus voller Bücher und Katzen am Rande der Lüneburger Heide.

14. März 2012

William Boyd – Eine große Zeit

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 18:24
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Eine große Zeit

William Boyd

Originaltitel: Waiting for Sunrise

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

Verlag: Berlin Verlag

ISBN-13: 978-3827010667

1913-1915. Lysander Rief, ein junger und kurz vor der Hochzeit stehender Schauspieler aus London, kam nach Wien, um sich durch eine Psychoanalyse seines sehr speziellen Problems zu entledigen. Im Wartezimmer von Dr. Bensimon lernte er Hettie Bull kennen und verliebte sich in sie. Hettie gewährte Lysander Eintritt die Wiener Künstlerszene und in ihr Bett, zeigte ihn dann aber wegen Vergewaltigung an. Zwei britische Agenten retteten ihn vor der Verurteilung und dem Gefängnis, fordern aber später Spionage für Großbritannien als Gegenleistung von ihm.

Mit „Eine große Zeit“ ist William Boyd ein wirklich großer Roman gelungen. Spannung, Zeitgeschichte und Unterhaltung verbindet der Autor auf sehr gekonnte Art und Weise. So war es nicht schwer, die Zeit um 100 Jahre zurückzudrehen, um sich in Lysander Riefs Welt zu orientieren. Detailliert und authentisch beschreibt Boyd seine Handlungsorte und schon nach kurzer Lesezeit baute sich die Kulisse des Romans vor dem inneren Auge auf. Dem „Kopfkino“ stand nichts mehr entgegen. Mit Lysander Rief wurde ein glaubwürdiger und sympathischer Held geschaffen, den man als Leser gern durch die Stationen seines Lebens begleitet, mit dem man mitfiebert und –hofft. Aber auch die anderen handelnden Personen waren gut gezeichnet und Kinder ihrer Zeit. Die Handlung war spannungsgeladen. Durch die zwei Erzählebenen, in einer berichtet ein Erzähler und in den „Autobiographischen Untersuchungen“ schildert der Protagonist seine persönlichen Eindrücke, erhält der Leser eine komfortable Außen- und Innenwahrnehmung der Handlung und der Persönlichkeiten. Dadurch wurde es förmlich möglich mit den Protagonisten die Handlung zu erleben. Das Zusammenspiel von fein gezeichneten Charakteren, spannender Handlung und hervorragenden Beschreibungen von Ort und Zeit erfüllen den Zeitraum von 1913 – 1915 mit Leben und lassen den Leser in der Vergangenheit auftauchen, so dass er das Gefühl hat, Augenzeuge zu sein. So schafft er es auf beeindruckende Weise ein wirklichkeitsnahes Zeitgefühl zu vermitteln. Wie nebenbei erklärt der Autor dabei auch noch politische Hintergründe und den Stand der Technik zu Beginn des Ersten Weltkrieges.

Sprachlich ist der Roman von William Boyd auf einem hohen Niveau angesiedelt, kraftvoll und mitreißend, das findet man bei diesem Genre eher selten, deshalb ist es besonders erwähnenswert.

„Eine große Zeit“ ist ein echter Boyd. Mich hat das Buch gefesselt und aufs angenehmste unterhalten. Dieser Roman bekommt meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

William Boyd, 1952 in Ghana geboren, gehört zu den überragenden europäischen Erzählern der Gegenwart. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher und wurde vielfach ausgezeichnet.William Boyd lebt mit seiner Frau in London und Südfrankreich.

6. März 2012

Jussi Adler-Olsen – Das Alphabethaus

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:14
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Das Alphabethaus

Jussi Adler-Olsen

Originaltitel: Alfabethuset
Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3423248945

1944. Während eines Aufklärungsfluges im deutschen Luftraum stürzen James und Bryan, beide englische Piloten, in der Nähe von Dresden ab. Bei ihrer Flucht retten sie sich vor ihren Verfolgern in einen Lazarettzug voller Soldaten mit Kriegsneurosen und schlüpfen in die Identität zweier deutscher SS-Angehöriger, die sie kurzerhand verschwinden lassen. Die Fahrt endet im Freiburger „Alphabethaus“, in dem die Soldaten wieder kriegstauglich gemacht werden sollen. James und Bryan müssen nun unter allen Umständen vermeiden, enttarnt zu werden, aber sie sind nicht die einzigen Simulanten in der Klinik…
Im Jahr 1972, ist Bryan anlässlich der Olympischen Spiele wieder in Deutschland und macht sich auf die Suche nach seinem Freund James, den er vor 28 Jahren im Breisgau zurück ließ. Dabei trifft er auf alte Bekannte, die nicht erfreut sind, dass er Vergangenes ans Tageslicht bringt.

„Das Alphabethaus“ ist der Debütroman von Jussi Adler-Olsen, der nach den Erfolgen seiner Thriller um den Ermittler Mørck in Deutschland veröffentlicht wurde. Unglückerweise assoziiert das Cover einen Zusammenhang zur Mørck-Reihe. Das ist aber nicht der Fall, dieser Roman, den ich nur bedingt ins Thriller-Genre einordnen würde, steht für sich allein.
Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Handlung gefangen genommen und im 1. Teil wurde die Spannung stetig gesteigert. Leider blieb das nicht durchgehend so. Zu Beginn des 2. Teils, der im Jahr 1972 spielt, empfand ich ein paar Längen und las ich den Roman mit deutlich mehr Distanz. Spannung kam zwar nach ein paar ein paar Kapiteln wieder auf, dem Autor gelang es jedoch bis zum Ende hin nicht mehr, mich so zu fesseln wie zu Beginn des Buches, obwohl in dieser Teil deutlich mehr Thrillerelemente aufwies.
Beeindruckend waren für mich die glaubhaft beschriebenen Abschnitte in der psychiatrischen Klinik, der Alltag, die Behandlungsmethoden und Charakteristiken der Erkrankungen wurden sehr gekonnt und detailreich in Szene gesetzt. Jussi Adler-Olsens Roman ist sprachlich sehr einfach gestaltet, er verzichtet auf sehr actiongeladene und blutige Beschreibungen, dafür steht das Zwischenmenschliche für ihn in diesem Roman im Vordergrund, was ich als sehr angenehm empfand. Kurze, prägnante Sätze bestimmen seinen Stil. Seine Protagonisten waren recht gut charakterisiert, ließen sich jedoch recht offensichtlich in gut oder böse einordnen.
Trotz meiner angeführten Kritikpunkte und einiger kleinerer Ungereimtheiten habe ich diesen Roman von Jussi Adler Olsen gern gelesen. Er hat mir angenehme Lesestunden beschert und mich gut unterhalten.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 1997 erschien sein erster Roman ›Das Alphabethaus‹ (ab Februar 2012 auch in Deutschland). Er erreichte in Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen die Spitzen der Bestsellerlisten. Es folgten die Romane ›Firmaknuseren‹ (2003) und ›Washington Dekretet‹ (2006), bevor er 2007 mit dem ersten Fall für Carl Mørck, ›Erbarmen‹, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit ›Schändung‹, dem zweiten Fall für Carl Mørck, 2009 mit ›Erlösung‹, dem dritten Fall für Carl Mørck, und 2010 mit ›Verachtung‹, dem vierten Fall für Carl Mørck, (in DK: ‘Jounal 64′; ab September 2012 auch in Deutschland) die Bestsellerlisten. Die auf zehn Teile angelegte Carl-Mørck-Serie wird ab 2012 im Rahmen einer europäischen Co-Produktion (Zentropa und ZDF) für Kino und Fernsehen verfilmt. Jussi Adler-Olsen wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Harald-Mogensen-Krimipreis 2009 für ›Erlösung‹, dem Reader’s Bookprize 2010, einem der bedeutendsten Literaturpreise Dänemarks, dem Glass Key Award 2010 – dem bedeutendsten Krimipreis Skandinaviens. Jussi Adler-Olsen ist außerdem Preisträger des Goldenen Lorbeers 2011, der wichtigsten literarischen Auszeichnung Dänemarks für das Gesamtwerk eines Autors. ‘Erlösung’ ist Jahresbestseller 2011 in Deutschland. Jussi Adler-Olsen ist Dauergast auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

16. Februar 2012

Ursula Poznanski – Fünf

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 20:24
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Beatrice Kasparin und ihr Kollege Florin Wenninger, beide sind Ermittler bei LKA in Salzburg, werden zu einem Tatort auf einer Kuhweide gerufen. Eine tote Frau wurde am Fuß eines Felsen gefunden. Ein Selbstmord ist auszuschließen, sie war gefesselt. An den Fußsohlen finden die Ermittler eine Art Code tätowiert. Schnell wird herausgefunden, dass es sich dabei um GPS-Koordinaten handelt. Am angegebenen Ort angelangt, finden sie nach einiger Suche den Cache, eine Box, die unter anderem eine abgetrennte Hand enthält. Es gibt also mehr als nur ein Todesopfer. Der Täter inszeniert eine mörderische Schnitzeljagd, bei der auch die junge Kommissarin ins Visier des Mörders gerät, denn er weiß etwas über ihre Vergangenheit.

Mit „Fünf“ habe ich den ersten Nichtjugendroman von Ursula Poznanski gelesen. Mit ihrem Ermittlerduo erweckt sie zwei unverbrauchte Kommissartypen zum Leben, die beide auch mitten in selbigem stehen. Beatrice Kasparin ist alleinerziehende Mutter, die von ihrem Ex-Mann ständig unter Druck gesetzt wird. Weder tags noch nachts verschont er sie vor seinen Telefonterror. Bei den Kindern macht er sie schlecht. Die Trennung mag er nicht akzeptieren. Der Spagat zwischen Job und Privatleben ist für sie alles andere als leicht. Sie ist überlastet. Eine gestresste Kommissarin ist nicht unbedingt neu, aber trotzdem lässt die Autorin um Beatrice Kasparin einen interessanten Nebenschauplatz entstehen. Den Thriller rund um das Geocaching aufzubauen, war dagegen neu und ziemlich genial. Zwar hatte ich von diesem Hobby schon gehört, mich aber noch nie damit auseinandergesetzt. Ursula Poznanski hat mich aber sehr gut mit dieser Thematik vertraut gemacht. Gemeinsam mit den Ermittlern näherte sich auch der Leser diesem Thema, die Spannung litt keinen Moment unter den Erklärungen. Schon im Prolog wurde ein Spannungsbogen aufgebaut und diese wurde bis zum Ende hin gehalten. Einzig in der Mitte des Thriller gab einen kleinen Hänger. Als Leser konnte man mitfiebern und ermitteln und war eigentlich nie schlauer als das Ermittlerpaar. Zwischendrin durchzuckte mich mal ein Gedanke, in dem ich einer Person ein Motiv zuordnete. Von dieser Spur wurde ich aber schnell wieder abgelenkt. Am Ende bekommt der Leser das Motiv der Morde auch noch aus Tätersicht geschildert. Eine Sache, die ich eigentlich nicht besonders mag. In diesem Fall hat es mich nicht gestört, weil es sich in die Handlung einerseits gut einfügte und es andererseits nicht belehrend wirkte. Der Thriller war flüssig zu lesen und zog mich in eine Art Lesesog. Ich konnte und wollte das Buch nicht aus der Hand legen. An die jeweiligen Tatorte wurden die Ermittler mittels der entsprechenden GPS-Koordinaten gelockt. Sie bilden auch die Überschriften der Kapitel. Ich habe diese Koordinaten in eine Suchmaschine eingegeben und konnte mir die Tatorte und deren Umgebung ansehen. Das machte das Gelesene noch ein wenig authentischer.

Nach „Erebos“ und „Saeculum“ war „Fünf“ der dritte Roman, den ich von Ursula Poznanski las. Ebenso wie in ihren Jugendbüchern wählte sie für diesen Thriller ein Hobby als Hintergrund der Romanhandlung, in das sie ihre Leser gekonnt einführte. Das Buch war spannend, logisch aufgebaut, mitreißend und äußerst unterhaltsam. Ich freue mich auf weitere Bücher dieser Autorin.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universitäten und landete schließlich als Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag. Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendromans “Erebos” widmet sie sich nun hauptsächlich dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.

4. Januar 2012

Ursula Poznanski – Saeculum

Einsortiert unter: 2011,Bücher,Jugendbuch — Karthause @ 19:10
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Bastian, Medizinstudent und der Sohn eines bekannten Chirurgen, wird von seiner Freundin zu einem im Mittelalter angesiedelten Live-Rollenspiel eingeladen. Eigentlich fühlt er sich verpflichtet, seinem Studium die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen, aber schon um sich von seinem erfolgs- und karriereorientierten Vater abzugrenzen, sagt er zu. Erst als die Gruppe schon unterwegs ist, wird der Ort für diese Convention bekannt und ein erster Schatten fällt auf das Vorhaben. Schnell macht eine alte Sage die Runde, der zu Folge auf dem Wald ein Fluch liegen soll. Im Wald angekommen, müssen sich die Teilnehmer von den Utensilien der Gegenwart trennen, erlaubt sind nur noch Gegenstände, die es auch schon im 14. Jahrhundert gab, Handy, Feuerzeug, Brillen, Medikamente – alles ist verboten. Jeder der Teilnehmer schlüpft in eine von ihm festgelegte Rolle und die entsprechende Kleidung, damit kann das Spiel beginnen, 5 Tage werden sie nun wie in der Vergangenheit leben. Aber schon bald kommt es zu mysteriösen Vorfällen, Spieler verschwinden spurlos, immer wieder finden die Verbliebenen rätselhafte Nachrichten. Der Fluch scheint sich zu bewahrheiten, langsam kippt die Stimmung im Team und mit ernster werdender Situation zeigen die Spieler ihren wahren Charakter, das Ganze läuft aus dem Ruder.

Nach „Erebos“ war ich sehr gespannt auf den neuen Roman von Ursula Poznanski. Schon das Äußere sprach mich an. Das Cover ist ganz einfach in schwarz und weiß gehalten, der Buchschnitt ist schwarz eingefärbt. Es macht zwar einen etwas düsteren Eindruck, der passt aber ausgezeichnet zur Atmosphäre des Romans, der dunkle Wald, das Wetter, die zunehmend sich verschlechternde Stimmung der Spieler. Den Einstieg in die Handlung gestaltete die Autorin ruhig, aber stetig. Sie ließ sich Zeit ihre Figuren vorzustellen und zu positionieren. Die Charaktere wurden von der Autorin sehr vielfältig gestaltet. Es gab kaum Stereotypen. Einzig Bastian war mir ein wenig zu sehr als Sympathieträger angelegt. Aber in ihrem Handeln und Denken wirkten sie glaubhaft und lebensecht. Der Spannungsbogen wurde recht konsequent aufgebaut. Allerdings wandelte sich etwa ab der Mitte des Buches die Stimmung, das Flair vom Mittelalter konnte in der Konfliktsituation von den Spielern nicht weitergetragen werden. Aber das scheint logisch, schließlich nahmen sie an einem Spiel teil, aus dem plötzlich bitterer Ernst wurde. Mir war eigentlich die ganze Lesezeit über klar, dass es für die sich ereignenden Mysterien eine logische Erklärung gab. Deshalb überkam mich auch nicht das Gruseln und der letztendlichen Lösung kam ich in Gedanken überraschend nahe. Allerdings bin ich auch den Altersempfehlungen des Verlags etwas entwachsen und darüber hinaus geübte Thrillerleserin. Trotzdem fühlte ich mich sehr gut unterhalten und von der Autorin sehr angenehm durch die Welt des Rollenspiels geleitet. Sehr eindrucksvoll beschrieb sie neben den Empfindungen ihrer Protagonisten, auch deren Umfeld, die Natur, und die örtlichen Gegebenheiten. Als Leser konnte ich mich sehr gut in die Teilnehmer der Saeculum-Convention hineinversetzen. Dieses Jugendbuch von Ursula Poznanski war sehr angenehm und unterhaltsam und spannend zu lesen, nicht nur Jugendlichen, auch ihren interessierten Eltern und Großeltern empfehle ich es gern.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ursula Poznanski, geboren in Wien, studierte sich einmal quer durch das Angebot der dortigen Universität, bevor sie nach zehn Jahren die Hoffnung auf einen Abschluss begrub und sich als Medizinjournalistin dem Ernst des Lebens stellte. Nach der Geburt ihres Sohnes begann sie Kinderbücher zu schreiben. Mit ihrer Familie lebt sie im Süden von Wien.

2. Dezember 2011

Frank Schätzing – Der Schwarm

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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In Peru und Argentinien verschwanden Fischer auf hoher See. Vor der mittelamerikanischen und australischen Küste sterben Menschen, weil sie in Kontakt mit in Massen auftretenden hochgiftigen Quallen kamen. In Frankreich platzten in einem Sterne-Restaurant Hummer, verbreiteten eine gallertartige Masse, Menschen starben. Gastanker explodierten, ein Forschungsschiff verschwand spurlos. Wale trafen verspätet auf ihren Wanderungen vor der kanadischen Westküste ein. Als sie dann doch endlich ankamen, waren sie aggressiv und griffen Menschen und Schiffe an. Im norwegischen Schelfgebiet vermehrten sich massenhaft Borstenwürmer, die sich von methanabbauenden Bakterien ernährten, die ihrerseits das eisförmige Methanhydrat in großen Mengen abbauten. Dadurch wurde der Kontinentalhang vor Norwegens Küste instabil, kam ins Rutschen und verursachte einen gewaltigen Tsunami, der die Küstenregionen Nordeuropas verwüstete. Der Golfstrom kam zum Erliegen. In der Tiefsee verlegte Glasfaserkabel wurden zerstört, eine Kommunikation zwischen den Kontinenten war nur noch eingeschränkt möglich. Das freigesetzte Methan beschleunigte den Treibhauseffekt. Vor der Ostküste der USA wanderten Krebse mit giftigen Bakterien besetzt an Land. Das Gift gelangte ins Abwasser, giftige Gase stiegen auf und töteten die Menschen in ihren Häusern. Vor den Kanaren droht die instabile Westflanke des Cumbre Vieja durch die methanfressenden Bakterien abzurutschen und einen Megatsunami zu verursachen. Die Menschheit ist in ihrer Existenz bedroht. Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Ländern, unter Federführung der USA, führen einen fieberhaften Kampf gegen die Bedrohung. Immer klarer wird, dass diese im Zusammenhang mit der überall gefundenen gallertartigen Masse, die von den Forschern Yrr genannt wurde, steht. Die Forschung läuft auf Hochtouren.

Die Menschen fliegen ins All, suchen nach intelligentem Leben außerhalb der Erde. Aber wie gut kennen sie den eigenen Planeten? Die Tiefsee ist mehr oder weniger unerforschtes Gebiet. Das nutzt Frank Schätzing in seinem Roman und siedelt eine unbekannte Lebensform mit kollektiver Intelligenz in den Tiefen der Ozeane an. Gekonnt verknüpft er verschiedene Wissenschaftsgebiete wie Meeresbiologie, Zoologie, Ökologie, Vulkanologie und Klimaforschung und erklärt die angerissenen Themen allgemeinverständlich. Außerdem werden philosophische und völkerkundliche Ansätze, religiöse Gedanken und ausführliche Informationen zu technischen Fragen der Ölförderung und der Tiefseeforschung nicht ausgelassen. Auch an Handlungsorten mangelt es in Schätzings „Der Schwarm“ nicht. Trotz der beeindruckenden Themenfülle und Schauplatzvielfalt wird der Leser nicht überfordert. Der Roman ist gut strukturiert, in 5 Teile, einen Prolog und einen Epilog untergliedert. Zwischenüberschriften geben dem Leser Auskunft über den Zeitverlauf und der Ort der Handlung. Ein Kritikpunkt sind die recht eindimensional gestalteten Charaktere, die schon so manch gängigem Klischee entsprechen und sich grob in gut und böse einordnen lassen, das wird durch die abwechslungsreiche Handlung aber gut kompensiert. Denn den Hauptprotagonisten an sich gibt es nicht. Es sind etwa ein Dutzend Personen, davon einige real existierende, die die Handlung maßgeblich vorantreiben. Aus einer umfangreichen Recherche schöpfend, die auch noch in „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ einflossen, schuf Frank Schätzing einen äußerst interessantern und spannungsgeladenen Thriller. Den ersten Teil, in dem die Welt zunächst mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert wurde, fand ich nahezu genial. Als dann in der zweiten Hälfte der Existenzkampf der Menschheit geschildert wurde, konnte mich der Autor nicht mehr hundertprozentig packen. Da gab es Szenen, die mir zu konstruiert und zu hollywoodlike erschienen und damit einfach nicht ganz meinem Geschmack entsprachen. Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die wissenschaftlichen Fakten erdrückten die Handlung nicht. Ich empfehle „Der Schwarm“ gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Frank Schätzing, Jahrgang 1957, lebt gleich mehrere Leben. Als Kreativchef einer Werbeagentur, Musiker und Musikproduzent, begeisterter Hobbykoch und seit Mitte der Neunziger als Schriftsteller. Mit „Der Schwarm“ hat sich Schätzing, selber ausgebildeter Taucher, einen Traum erfüllt, nachdem er die Idee der Geschichte tatsächlich Jahre zuvor geträumt hatte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.

25. November 2011

Mani Beckmann – Moorteufel

Einsortiert unter: 2011,History — Karthause @ 12:35
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Moorteufel
Mani Beckmann
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3404142729

Ahlbeck im Münsterland, 1814. Der junge Jeremias Vogelsang, Sohn des Ahlbecker Magisterbauern, hat sich in die Tochter des Amtmannes verliebt. Trotz der Standesunterschiede träumt er von einer gemeinsamen Zukunft. Doch dann gerät die Welt der Ahlbecker ins Wanken. Der Amtmann beginnt eine Hetzjagd auf die jungen Männer, die sich dem Kriegsdienst entzogen haben. Auch Jeremias ist einer dieser Deserteure. Der Amtmann möchte nun zwei Fliegen mit einer Klappe fangen, kann er Jeremias festnehmen, ist er auch gleichzeitig den unstandesgemäßen Verehrer seiner Tochter Lotte los. Jeremias flüchtet ins Moor. Im alten Gesindehaus des abgebrannten Moorbauernhofs findet er Unterschlupf, allerdings muss er schnell feststellen, diese Behausung ist auch schon von anderen zwielichtigen Gestalten entdeckt worden. Während Jeremias sich nun im Moor versteckt hält, kommt er alten Geschichten auf die Spur, die auch ihn selbst und die Umstände seiner Geburt betreffen.

Vor dem Hintergrund der napoleonischen Befreiungskriege erzählt Mani Beckmann vom Konflikt zwischen den Nachbardörfern Ahlbeck und Oldendorf. Eine Geschichte, die besonders von deren Hauptpersonen, den einfachen Dorfbewohnern, lebt. Sehr bildhaft stellt er die schwierige Lebenssituation der Bauern dar. Die Armut wird greifbar, das Leben ist alles andere als leicht, sie haben nur das Notwendigste zum Überleben. Marodierende Banden nehmen von dem Wenigen noch das, was sie brauchen oder zu brauchen denken. Sehr gut hat mir auch die Beschreibung der einzelnen Schauplätze gefallen. Das Moor, die Höfe, alles entstand klar und deutlich in meiner Fantasie. Jeremias Vogelsang, der Hauptakteur und Ich-Erzähler, ist ein gelungener Charakter, gegen den es die anderen Personen etwas schwer haben, richtig zur Geltung zu kommen. Er war ein junger Mann, mit Träumen, die zerplatzten und aus denen wieder neue entstanden. Allerdings war er mir manchmal ein wenig zu naiv. Sein „Da hätte ich selbst drauf kommen können“ wurde etwas zu sehr strapaziert. Dagegen hätte ich mir den historischen Hintergrund ein wenig mehr beleuchtet gewünscht. Das hätte die Geschichte „runder“ gemacht. Das Geschehen wurde sehr ruhig erzählt, trotzdem fehlte es nicht an Spannung. Als Leser wusste man nie mehr als der Protagonist, so konnte man mit ihm ahnen, spekulieren und wieder Gedanken verwerfen.

„Moorteufel“ habe ich recht gern gelesen, mich hat das Buch gut unterhalten. Der Roman führte mich in eine Gegend, die eher selten zum Handlungsort auserkoren wird. So werde ich mich in absehbarer Zeit wieder auf die literarische Reise nach Ahlbeck begeben und den beiden Folgebänden („Die Kapelle im Moor“ und „Teufelsmühle“) meine Beachtung schenken.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Mani Beckmann, 1965 in Alstätte/Westfalen geboren, studierte Film- und Fernsehwissenschaft und Publizistik in Berlin. Er ist freier Filmjournalist und Drehbuchlektor sowie Autor von Kriminalromanen und historischen Romanen. Mani Beckmann ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

6. Oktober 2011

Wolfram Fleischhauer – Torso

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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Torso
Wolfram Fleischhauer
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198537

In einem Abrisshaus im Osten von Berlin findet die Polizei einen grausig mit Tierteilen dekorierten zur Schau gestellten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger hat so etwas in seiner langjährigen Laufbahn als Kripo-Beamter, sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland, noch nicht gesehen. Während er mitten in den Ermittlungen steckt, kämpft Elin Hilger darum, die Ermittlungen um den als Selbstmord abgetanen Tod ihres Bruders Eric, er war IT-Spezialist, wieder aufrollen zu lassen. Dazu braucht sie Zellangers Unterstützung, er war mit diesem Fall betraut. Gleichzeitig verschwindet die Bankierstochter Inga Zieten, deren Vater unter allen Umständen die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten will.
Wolfram Fleischhauers Genre-Palette ist weit gefächert. Mit „Torso“ gab er sein Debüt als Thriller-Autor. Mit viel Thrill begann er auch die Handlung, die um das Jahr 2002 in Berlin angesiedelt ist. Die Beschreibung des makaber in Szene gesetzten Torsos ist sicher nichts für Zartbesaitete und Leser mit schwachen Nerven, sie ist ungeschönt, grauenhaft und dabei sehr gut vorstellbar. Dann baut er um die drei Handlungsstränge eine intelligent konstruierte, vielschichtige und gleichzeitig komplexe Geschichte auf. So werden Machenschaften in der Finanzwelt, Korruption, organisiertes Verbrechen, Stasivergangenheit thematisiert, ohne den Thriller damit zu überladen. Im Mittelpunkt von „Torso“ steht nicht wie üblich die Ermittlungsarbeit der Polizei, sie wird zwar nie aus dem Auge verloren, es geht aber um mehr, es geht um Moral, Ethik und Verantwortung. So ist auch die auf den ersten Blick recht skurril erscheinende Elin Hilger für diesen Roman in ihrer Andersartigkeit ein Glücksgriff. Weitgehende Konsumverweigerung steht konträr zu der Skrupellosigkeit und der maßlosen Gier der Banker. Auch an anderen Stellen kommt Fleischhauer in seinem Thriller – ungewohnt für dieses Genre, aber deshalb um so bemerkenswerter – ins Philosophieren. Die Charakterisierung der Personen fand ich sehr gelungen. Alle wirkten in ihrem Auftreten ehrlich, echt und glaubwürdig, wenn auch mitunter kauzig, sonderbar und bizarr. Ein wenig vermisst habe ich diesem Thriller den von mir so geschätzten ausgefeilten Sprachstil des Autors, das ist aber wohl eher dem Genre anzulasten als der Schreibkunst Wolfram Fleischhauers. Mich hat dieser Thriller, einschließlich des Nachwortes, sehr gut unterhalten. Lediglich das Ende fand ich etwas zu konstruiert und auch etwas zu schnell herbeigeführt. Nicht alle Fragen wurden direkt geklärt, aber da sei es der Fantasie des Lesers überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen.

Über den Autor (Quelle amazon.de)
Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (“Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller. Mehr Informationen zum Autor unter: www.wolfram-fleischhauer.de

18. September 2011

Tom Rob Smith – Agent 6

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 13:27
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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.

 Meine Meinung

„Agent 6“ ist nach „Kind 44“ und „Kolyma“ bereits der dritte Roman um Leo Demidow. Wieder stehen er und seine Entwicklung im Mittelpunkt des Geschehens und der Zuordnung zum Genre des Thrillers kann ich nur bedingt zustimmen. Das ist aber eine Nebensächlichkeit. Betrachte ich den Roman rückblickend, kann ich sagen, dass es Tom Rob Smith gut gelungen ist, die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste, neben dem KGB spielen auch die CIA und das pakistanische Pendant ISI eine Rolle, darzustellen. Für mich, die ich nur über literarische Geheimdiensterfahrungen verfüge, stellten sich diese Sachverhalte so dar, als hätte es sie in der Realität so gegeben. Der gesamte Roman, egal ob der Handlungsort die damalige Sowjetunion, die USA oder auch Afghanistan war, wirkte von Beginn an sehr düster und bedrückend auf mich. Die persönliche Entwicklung, die Leo Demidow nahm, war zwar menschlich nachvollziehbar beschrieben, manche Abschnitte wirkten aber trotzdem überzogen auf mich. „Agent 6“ lebt von und mit vielen Zeitsprüngen, Was in diesen ausgesparten Jahren geschah, weiß der Leser teils aus den Vorgängerromanen, teil bleiben die Geschehnisse auch im Dunkeln. Das fand ich ein wenig schade. Aber die Zeit, die der Leser den Protagonisten durch die verschiedenen Schauplätze begleitet, sind großteils spannend, actiongeladen und mitunter schon fast hollywoodlike. Besonders die letzten 100 Seiten waren so geschrieben, als hätte der Autor bereits eine Verfilmung im Hinterkopf, sozusagen ein finale grande, um dann (zu) schnell und einfach einen Schlusspunkt zu setzen.

Mein Fazit: „Agent 6“ ist ein schlüssig aufgebauter Roman, der auf den vorhergehenden Büchern aufbaut und mich trotz des etwas schwachen Endes gut lesen ließ.

Über den Autor (Quelle: amazon)

Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien und arbeitete anschließend als Drehbuchautor. Mit seinem Debüt »Kind 44« gelang Tom Rob Smith auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er wurde u. a. mit dem »Steel Dagger« ausgezeichnet, für den »Man Booker Prize« nominiert und bisher in 30 Sprachen übersetzt. Nach »Kolyma« legt der Autor mit „Agent 6“ nun den dritten und letzten Band um den Geheimdienstoffizier Leo Demidow vor.

Originaltitel: Agent 6 * Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Manhattan * ISBN-13: 978-3442546770

3. September 2011

Klaus-Peter Wolf – Ostfriesengrab

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:28
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Ostfriesengrab
Klaus-Peter Wolf
3. Fall Ann-Kathrin Klaasen
Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.)
ISBN-13: 978-3596180493

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)
Im zauberhaften Park von Schloss Lütetsburg wird eine weibliche Leiche gefunden. Der Mörder hat sie wie eine Elfe in den blühenden Sträuchern drapiert. Welche Botschaft will er Kommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihrem Team damit übermitteln? Auch der dritte Kriminalroman mit der beliebten Kommissarin verspricht Spannung pur.

Meine Meinung
Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Krimireihe ausgesprochen gut gefielen, waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch. Wieder hatte die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen einen spektakulären Serienmörder im beschaulichen Ostfriesland dingfest zu machen. Aber die sich auch sonst nicht sklavisch an den Dienstvorschriften festhaltenden Kommissarin begeht einen Fehler, der Verdächtige entkommt und prompt gibt es eine weitere Leiche, die in das Schema des gesuchten Mörders passt. Im weiteren Verlauf nimmt die Handlung, die auch wieder viel die private Seite der Kommissarin und ihres Lebenspartners Frank Weller berührt, immer abstrusere Formen an. Es folgt eine Suspendierung, aber auch die hält die Superkommissarin nicht vom persönlichen Eingreifen in diesen Fall ab. Auch in diesem Teil spielt der Tod ihres Vaters eine nicht unbedeutende Rolle. Aber das hat mich dann schon gar nicht mehr richtig interessiert, ich wollte eigentlich nur noch wissen, ob ich mit meinen „Ermittlungen“ richtig lag. Stilistisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern nichts geändert. Gewohnt routiniert schreibt Klaus-Peter Wolf seinen leicht zu lesenden Kriminalroman. Nur leider konnte er mich mit diesem, sowohl vom Plot als auch von der Dramaturgie her, nicht erreichen.
In Kürze kommt der 4. Teil der Krimi-Reihe „Ostfriesensünde“ zu mir. Ich hoffe, das mir dieser besser gefällt, sonst ist für mich das Kapitel Ann Kathrin Klaasen im Ostfrieslandkrimi abgeschlossen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Laus-Peter Wolf, 1954 in Gelsenkirchen geboren, lebt als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in Norddeutschland. Er schrieb u. a. »Die Abschiebung« (1984), »Traumfrau« (1989) und »Samstags, wenn Krieg ist« (1994) und zählt heute zu den erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache. Seine Bücher und Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Anne-Frank-Preis, dem Erich-Kästner-Preis und dem Magnolia Award Shanghai. Seine Bücher wurden bisher in 22 Sprachen übersetzt und über 8 Millionen Mal verkauft.

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