Karthauses Bücherwelt …

16. Dezember 2012

Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

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Man schreibt das Jahr 1147. Ermengarda, Vescomtessa von Narbona, muss weiterhin ihre Scheinehe aufrecht erhalten. Sie liebt aber Arnaut de Montalban, einen jungen Landadeligen. Dieses Verhältnis ist ein offenes Geheimnis und als Ermengarda dann noch ein Kind von Arnaut erwartet, scheint das Glück auf ihrer Seite. Sie erleidet jedoch eine Fehlgeburt. Arnaut sieht das als Strafe Gottes für die sündhafte Beziehung zu Ermengarda an und schließt sich dem 2. Kreuzzug ins gelobte Land an.

„Die Hure Babylon“ ist der 3. Teil der Montalban-Reihe, die mit „Der Bastard von Tolosa“ begann und schließt zeitlich direkt an seinen unmittelbaren Vorgänger „Die Comtessa“ an. Allerdings können alle Romane von einander losgelöst gelesen werden, Ulf Schiewe versteht es ganz hervorragend, Inhalte aus den vorherigen Romanen in diesem zu wiederholen, ohne den Leser, dem diese bereits bekannt sind, zu langweilen. Wie bereits von mir erwartet, ist auch „Die Hure Babylon“ erzählerisch äußerst eindrucksvoll geschrieben. Besonders die Erkenntnis Arnauts, dass es bei den Kreuzzügen nicht vorrangig um die Verbreitung des Glaubens sondern um Macht und Territoriengewinn geht, war blendend beschrieben. Der Autor schildert das Gemetzel in den Schlachten intensiv und hält sich dabei eng an die zurzeit zur Verfügung stehenden historischen Quellen. Dadurch wirkt der Roman sehr authentisch, verlangt dem Leser aber einiges ab. Nichts wird geschönt, es wird gemordet, abgeschlachtet, vergewaltigt. Der Kreuzzug wird geschildert als das was er war, ein grausamer, brutaler Krieg unter dem Deckmantel des Glaubens.

Der Roman ist in fünf Teile gegliedert. Jeder einzelne beginnt mit einem Kapitel, das aus der Sicht Ermengardas in der Ich-Form geschrieben wurde. Dadurch behält der Leser auch die Geschehnisse in Narbona im Auge.

Die Personen in diesem Roman sind, wie in allen des Autors, sehr gekonnt charakterisiert. Sie erscheinen wirklichkeitsnah und lebensecht, man hat das Gefühl, der Autor berichtet von guten Bekannten, die Stärken und auch Schwächen haben. Man kann mit ihnen mitfiebern, mitleiden und sich an ihnen reiben. Allesamt sind sie Kinder ihrer Zeit.

Besonders beeindruckt haben mich die Passagen mit den tiefen, fast schon philosophischen Gedanken zum Thema Krieg. Sie gaben diesem im 12. Jahrhundert angesiedelten Roman eine ungemeine Aktualität.

Dem Buch ist ein umfangreiches Glossar beigefügt, das die im Roman verwendeten unbekannten und fremdsprachigen Begriffe sehr gut erklärt. Neben einem Personenverzeichnis, das die urkundlich erwähnten Personen benennt rundet eine Landkarte das Buch ab.

Wer gern gut recherchierte, schlüssig geschriebene, unterhaltsame Romane liest, sich von den Gräueln des Kreuzzuges nicht abschrecken lässt, wird in „Die Hure Babylon“ einen wunderbar opulenten, bild- und sprachgewaltigen historischen Roman finden, mit dem man in die Vergangenheit förmlich eintauchen und seine Geschichtskenntnisse auffrischen kann. Für mich hat dieser Roman alles was ein wirklich gutes Buch benötigt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte.

Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa”, seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.
Mehr Information über den Autor findet man unter www.ulfschiewe.de

3. Dezember 2012

Die Comtessa – Ulf Schiewe

Einsortiert unter: 2012,History — Karthause @ 17:26
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http://ecx.images-amazon.com/images/I/51oxP0X954L._BO2,204,203,200_AA300_SH20_OU03_.jpgDie Comtessa

Schiewe, Ulf

Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198872

Südfrankreich Mitte des 12. Jahrhunderts. Die 15-jährige Ermengarda, Erbin von Narbona, wird aus politischen Gründen zur Ehe mit dem Grafen von Tolosa gezwungen. Ihre Stiefmutter Ermessenda, Vescomtessa und Regentin von Narbona und Bettgefährtin des mächtigen Grafen Alfons, setzt ihren ganzen Ehrgeiz daran, durch diese vorteilhafte Verbindung ihre eigene Position zu stärken. Aber noch vor dem Vollzug der Ehe flieht Ermengarda mit Hilfe der ihr zutiefst ergebenen jungen Ritter, Felipe und Arnaut, in Richtung Spanien. Es beginnt ein Katz und Maus Spiel mit den Verfolgern, die alles daran setzen, die Flüchtige und ihre Begleiter dingfest zu machen.

Bereits Ulf Schiewes Debütroman „Der Bastard von Tolosa“ habe ich mit großer Begeisterung gelesen. „Die Comtessa“ setzt dessen Handlung etwa zwei Generationen später fort. Es ist nicht zwingend erforderlich, den Vorgängerroman gelesen zu haben, der Autor lässt keine Frage zu früherem Geschehen offen, verliert sich aber auch nicht im endlosen Wiederaufwärmen von bereits Bekanntem. Ich habe mich aber sehr gefreut, „alte Bekannte“ wiederzutreffen. Sollte ich diesen Roman kurz charakterisieren fielen mir sofort opulent und bildgewaltig dazu ein. Der Autor lässt seinen Leser das Mittelalter erleben. Er erklärt für jeden verständlich die politische Situation und die Kräfteverteilung der herrschenden Adligen, er beschreibt das Leben der handelnden Personen von den Alltagsaufgaben bis hin zur Verrichtung der Notdurft ohne dabei den Leser zu langweilen oder zu ermüden. Darüber hinaus schildert er die Schönheit der Landschaft und die Härten für den, der in der Natur und von der Natur überleben muss. Auch die zu bestehenden Abenteuer passen sich sehr gut in die Handlung und wirken zu keinem Zeitpunkt übertrieben oder gar unangemessen.

An ein, zwei Stellen waren mir Ermengarda und ihre männlichen Beschützer ein wenig zu modern, sprich, Ermengarda war mir zu emanzipiert, was Filipe und Arnaut ohne aufzubegehren auch hinnahmen. Ich konnte dies nur unter dem Gesichtspunkt akzeptieren, wenn ich bedachte, dass die junge Vescomtessa im Rang über den ihr treu ergebenen Rittern stand.

In die Romanhandlung ist dezent eine sich anbahnende Liebesgeschichte eingeflochten worden. Mich hat das in diesem Fall nicht gestört. Sie erschien mir glaubhaft und war jenseits von Kitsch und flachem Liebesgestammel. Besonders Ermengarda gefiel mir dabei in ihrer inneren Zerrissenheit.

Obwohl man schon rein intuitiv die Protagonisten als sympathisch oder einschätzt, oder sie eher in ihrer Art und Weise ablehnt, nur wenige stehen zwischen den Lagern, ordne ich diesen Roman zu den anspruchsvollen Romanen dieses Genres zu. Das ist nicht zuletzt der der Zeit angepassten Sprache zu verdanken. Dazu gibt es ein umfangreiches Glossar, ein Verzeichnis der urkundlich erwähnten Personen und drei Karten. Diese machte es mir beim Lesen sehr leicht. Die Flüchtenden konnte ich so genau verfolgen und hatte dadurch stets eine geografische Orientierung.

„Die Comtessa“ braucht sich als Roman nicht hinter „Der Bastard von Tolosa“ zu verstecken. Letzterer hat mir nur eine Winzigkeit besser gefallen. Ulf Schiewe hat mit „Die Comtessa“ einen Roman geschrieben, der sowohl von den Handelnden, die eine gelungene Mischung aus fiktiven und verbürgten Personen sind, als auch von der Handlung her der Bezeichnung „historisch“ gerecht wird. Die von Ulf Schiewe inszenierte Reise ins Mittelalter habe sehr gern unternommen und freue mich auf weitere. Ich empfehle den Roman sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Ulf Schiewe wurde 1947 geboren. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, doch statt der “brotlosen Kunst” widmete er sich der Technik und wurde Software-Entwickler und später Marketingmanager für Softwareprodukte. Seit frühester Jugend war Ulf Schiewe eine Leseratte, den spannende Geschichten in exotischer Umgebung faszinierten. Im Lauf der Jahre erwuchs aus der Lust am Lesen der Wunsch, selbst einen großen historischen Roman zu schreiben, der in den “Bastard von Tolosa” , seinen ersten Roman, mündete. Ulf Schiewe ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in München.

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