Karthauses Bücherwelt …

18. Mai 2013

Kevin Powers – Die Sonne war der ganze Himmel

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 09:17
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Die Sonne war der ganze Himmel

Powers, Kevin

Originaltitel: The Yellow Birds

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

Verlag: S. FISCHER

ISBN-13: 978-3100590299

Kurzbeschreibung

Das aufsehenerregendste amerikanische Debüt seit Jahren: die ergreifende Geschichte einer Freundschaft im Irakkrieg

Die beiden jungen Amerikaner John Bartle, 21, und Daniel Murphy, 18, haben keine Zeit erwachsen zu werden. Als Soldaten werden sie gemeinsam in den Irak geschickt, in einen Krieg, auf den sie niemand vorbereitet hat. Was John und Daniel in der glühenden Hitze der Wüste am Leben hält, ist ihre Angst – und ein Versprechen, das John Daniels Mutter gegeben hat: Er wird auf Daniel aufpassen, was immer kommen mag…
Ein großer Roman, wie wir ihn noch nicht gelesen haben, der uns ein Land im Krieg von seiner nahbaren, verletzlichen Seite zeigt. Vor allem aber die Geschichte einer Freundschaft: klar, poetisch und schmerzlich schön erzählt.

Über den Autor

Kevin Powers war von 2004 bis 2005 als US-Soldat im Irak stationiert, wo er als Maschinengewehrschütze in Mosul und Tal Afar kämpfte.
Aufgewachsen in Richmond, Virginia, studierte er an der Virginia Commonwealth University und der University of Texas, Austin, wo er Poetry Fellow am Michener Center war. ›Die Sonne war der ganze Himmel‹ ist sein Romandebüt. Es wurde zum New York Times-Bestseller und mit dem Guardian First Book Award, dem Hemingway Foundation/PEN Award, dem Flaherty-Dunnan First Novel Prize und dem American Academy of Arts and Letters’ Sue Kaufman Prize for First Fiction ausgezeichnet.

Meine Meinung

“Der Krieg wollte uns im Frühling töten.”

Mit diesen Worten beginnt dieser beeindruckende und aufwühlende Roman. Aber schnell wird deutlich, er tötet nicht nur im Frühling, er ist allgegenwärtig und mit ihm der Tod. Das wird dem Leser auf beklemmende Weise deutlich gemacht. Der 21-jährige John Bartle war schon vor dem Kriegseinsatz bei der Army, als es plötzlich ernst wurde:

„Es war eine ganz gute Zeit gewesen, die Army bot mir die Möglichkeit, abzutauchen. Ich muckte nicht auf und tat, was man mir auftrug. Niemand erwartete viel von mir, und ich verlangte wenig. Ich hatte so gut wie nie einen Gedanken an einen Kriegseinsatz verschwendet, und nun, da er kurz bevorstand, suchte ich vergeblich nach einem Gefühl innerer Dringlichkeit, das den Ereignissen entsprach, die sich in meinem Leben zu entfalten begannen.“

John Bartle, Protagonist des Romans, kann ohne weiteres als Alter Ego des Autors angesehen werden. Kevin Powers war wie er von 2004 bis 2005 im Irak stationiert. In diesem Roman verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen auf literarische Weise. Beeindruckend ist der sprachliche Stil, der durch die Übersetzung ins Deutsche kaum Schaden genommen zu haben scheint. Der Übersetzer Henning Ahrens hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Auf schon fast poetische Weise beschreibt der Autor die Schrecken des Irak-Krieges, die Gluthitze in der Wüste und die Ängste der Soldaten und ihrer Angehörigen. Dies scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein, Kevin Powers beweist aber eindringlich, auch das Grauen hat schöne Worte verdient und wird dadurch nur noch empathischer und bedrückender. Ich kann mich nicht erinnern in den letzten Jahren einen Roman gelesen zu haben, bei dem sich Schönheit und Gräuel so hervorragend ergänzten.

Der Leser begleitet den Private John Bartle in der Zeit von 2003 bis 2009 und bekommt Einblicke ins Leben und Sterben der us-amerikanischen Kampfeinheit. Aber das Leben ist ein blanker Überlebenskampf und das Sterben ein Verrecken. Powers entreißt dem Irak-Krieg jede Art von Glorifizierung und Mythos, er stellt ihn dar, wie er ist, grauenvoll, brutal, unmenschlich.

Diese Geschichte erzählt Kevin Powers nicht chronologisch, sondern wechselt zwischen den verschiedenen Zeitebenen. In den Kapiteln, die die Zeit nach Bartles Irakeinsatz betreffen, wird deutlich, dass der Krieg die Soldaten nicht nur physisch, sondern auch psychisch zerstört.

Kevin Powers hat mit „Die Sonne war der ganze Himmel“ ein beeindruckendes Romandebüt abgeliefert. Er schont den Leser nicht und führt sie sprachgewaltig in die Welt des Krieges, des Tötens und getötet Werdens, der Angst und des Schreckens. Dieser unglaublich intensive Roman hat mich tief berührt und nachhaltig beeindruckt. Dieser wichtige Roman ist eine unbedingte Leseempfehlung von mir.

22. April 2013

Jeffery Deaver – Die Angebetete

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 07:07
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Die Angebetete

Deaver, Jeffery

Originaltitel: XO (K.Dance 3)

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764504700

Kayleigh Towne ist Vollblutmusikerin. „Your Shadow“ ist ihr aktueller Hit. Auf ihren Konzerten wird sie von den Fans gefeiert, aber einer von ihnen fühlt sich von ihren Songs ganz besonders angesprochen und meint an ihn gerichtete Botschaften in den Texten zu finden. Edwin Sharp ist besessen von Kayleigh, er stalkt sie. Die Sängerin hat aber noch ein anderes Problem, ihr Vater. Dieser war selbst Musiker, hat inzwischen seine Stimme durch zu viel Alkohol und Nikotin ruiniert und setzt nun seinen gesamten Ehrgeiz und Einfluss daran, die Tochter bestmöglich zu vermarkten. Kathryn Dance, Körpersprache-Expertin, nutzt ihren Urlaub, um für ihre Musik-Homepage neue Titel aufzunehmen und Zeit mit ihrer Freundin Kayleigh zu verbringen. Als sie von dem Stalker erfährt und zugleich noch ein Mord geschieht, beginnt sie mit den Ermittlungen…

„Die Angebetete“ ist der 3. Teil der Reihe um die Kinesiologin Kathryn Dance, die immer noch am Ordnen ihrer privaten Probleme ist. Wie in allen seinen Thrillern hat Jeffery Deaver routiniert eine spannende Handlung mit einem interessanten, aktuellen Thema verknüpft. Hier übt der Autor, der selbst Hobbymusiker ist und Songtexte schreibt, massive Kritik an der Musikindustrie. Den Spannungsbogen baut der Autor ungewohnt langsam auf. Erst im letzten Drittel des Thrillers überschlagen sich dann die Ereignisse, es gibt unverhoffte Wendungen und als mitfiebernder Leser tappt man in die vom Autor ausgelegten Denkfallen. Stellenweise wirken diese aber ein bisschen zu gewollt und konstruiert. Als kleines Schmankerl gibt es einen kurzen Auftritt von Lincoln Rhyme, der Kathryn Dance kurz seine Sichtweise auf den Fall erläutert.

„Die Angebetete“ ist ein, bis auf wenige Stellen, an denen man kleine Längen empfindet, ein flüssig zu lesender und besonders durch den Bezug auf die Musikbranche interessanter Thriller. Es ist ein guter Roman, wenn auch nicht der beste des Autors.

Das besondere Highlight jedoch ist das 40 Seiten umfassende Zusatzmaterial mit den Songtexten der Protagonistin Kayleigh Towne. In die dazugehörige Musik kann man auf der Seite www.jefferydeaverxomusic.com hineinhören und diese downloaden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

10. März 2013

Upton Sinclair – Öl!

Einsortiert unter: 2013,Klassiker/Weltliteratur — Karthause @ 10:22
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Öl! Upton Sinclair

Öl! Upton Sinclair

Öl!

Sinclair, Upton

Originaltitel: Oil!

Gebundene Ausgabe: 768 Seiten

Verlag: Manesse Verlag

ISBN-13: 978-3717522546

„Es ist das umfangreichste meiner Bücher und es ist besonders sorgfältig recherchiert. Es ist voller Abenteuer und sozialer Gegensätze, keine Geschichte könnte wahrer sein.“ Upton Sinclair

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Ein Schlüsselroman über die Tyrannei des Raubtierkapitalismus.

«Öl!» ist das US-Epos über die legendäre Zeit der Ölbarone: übers schnelle Geld und die Faszination jenes Rohstoffs, der wie kein anderer das Antlitz der modernen Zivilisation geprägt hat. Mit ökonomischer Klarsicht schildert Sinclair den Wettlauf ums «schwarze Gold», skrupellose Verteilungskämpfe und das beispiellose Auseinanderdriften von Arm und Reich. Ein Glanzstück welthaltiger, engagierter Romankunst!

J. Arnold Ross hat es mit Ehrgeiz, Gerissenheit und Glück zum Erdölmagnaten gebracht, Sohn Bunny ist zum Erben seines «schmierigen Reichtums» auserkoren. Doch statt sich seiner Privilegien zu freuen, verbringt er jede freie Minute auf den Erdölfeldern Kaliforniens und entdeckt dort seine Sympathien für die einfachen Leute. Fortan pendelt der junge Idealist zwischen den Sphären, ohne in einer davon je ganz heimisch zu werden: weder in den verschwörerischen Machtzirkeln seines Vaters noch im gärenden Arbeitermilieu, aber auch nicht auf dem Universitätscampus, geschweige denn in Hollywoods Glamourwelt. Zwischen allen Fronten stehend, muss er erkennen, dass das Leben ehernen Gesetzen von Habgier und Betrug gehorcht. Selten ist die Frage nach einer menschenwürdigen Gesellschaft literarisch eindringlicher gestaltet worden als am Schicksal des edelmütigen Ölprinzen Bunny Ross.

Meine Meinung

Der Einstieg in die Handlung erfolgt im Jahr 1912. J. Arnold Ross führt seinen zu diesem Zeitpunkt 12jährigen Sohn J. Arnold Ross jun., genannt Bunny, an das Ölgeschäft heran. Er selbst hat den Aufstieg in die hart umkämpfte Branche geschafft und sein Sohn soll einmal weiterführen, wofür der Vater den Grundstein legte. So erfährt schließlich auch der Leser, worauf es in diesem Geschäft ankommt, auf den Einsatz von Ellbogen, auf Geld, ein gutes Händchen für die Probebohrungen und möglichst wenige Skrupel. Aber Bunny ist anders als sein ehrgeiziger Vater. Die Freundschaft mit Paul, einem 4 Jahre älteren Landarbeiterjungen, lässt ihn die Welt auch aus einer anderen Perspektive sehen. So sympathisiert Bunny offen mit Sozialisten und den entstehenden Gewerkschaften. Er beschwert sich über Missstände und prangert die gewissenlose Habgier der Ölmagnaten an. Upton Sinclair gelingt es meisterhaft beide Seiten ausgezeichnet und überzeugend darzustellen. Er beschreibt die unternehmerischen Risiken ebenso wie die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Lohnarbeiter und deren gnadenlose Ausbeutung. Sinclair erklärt die politischen Hintergründe dieser Zeit und gibt damit ein beeindruckendes Bild der Unternehmenskultur in den USA der 1920er Jahre wieder. Von US-Präsident Roosevelt als Muckraker und von W. I. Lenin als „Gefühlssozialist“ bezeichnet, übt Upton Sinclair in seinem Roman „Öl!“ offene Gesellschaftskritik und thematisiert soziale Gegensätze und Ungerechtigkeiten. Dennoch ist sein Werk sehr unterhaltsam, lässt es doch den Leser auch einen Blick hinter die Kulissen der Roaring Twenties werfen und liefert zu dem auch noch eine hochspannende Familiengeschichte mit hervorragend gezeichneten Figuren, die facettenreich charakterisiert und lebensecht dargestellt wurden. Sie haben Stärken und Schwächen, an denen sich der Leser mit Verständnis oder auch Missfallen reiben kann.

Dieser monumentale Roman über den beeindruckenden Siegeszug des Öls und den ungeheuren Einfluss der Ölmagnaten auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat auch in unserer heutigen Zeit nichts an Bedeutung verloren, im Gegenteil, er ist aktueller denn je.

Wer vor dicken Wälzern nicht zurückschreckt, Abhandlungen über technische Gegebenheiten und Technologien nicht scheut, Familiengeschichten mag und gern lebendige Zeitgeschichte erfahren will, wird mit diesem Roman einen Glücksgriff machen. Mich hat er nachhaltig beeindruckt.

Die im Manesse Verlag erschienene Neuübersetzung von Andrea Ott ist sehr dicht an die Entstehungszeit des Romans angelehnt. Auf damals noch nicht ins Deutsche eingesickerte Anglizismen wurde verzichtet. Auch die etwas komplexeren technischen Abschnitte sind leicht lesbar und verständlich. Dieser Ausgabe ist ein äußerst interessantes Nachwort von Ilja Trojanow beigefügt, das den geschichtlichen Hintergrund noch einmal explizit beleuchtet, die Rezeption des Romans in Deutschland beschreibt und näher auf den Autor eingeht.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Upton Sinclair (1878–1968), in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen, war seit seinem Erstling „The Jungle“ als „mudraker“ verschrien: als Autor, der mit seinen Werken Dreck aufwühlt. Über „Oil!“ (1927) ließ der Autor stolz verlauten, dieser Roman „voller Abenteuer und sozialer Gegensätze“ sei sein am gründlichsten recherchiertes Werk überhaupt.

Mein Dank gilt dem Manesse Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

15. Februar 2013

Barry Lyga – Ich soll nicht töten

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:51
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Ich soll nicht töten

Lyga, Barry

Originaltitel: I Hunt Killers

Taschenbuch: 384 Seiten

Verlag: Blanvalet

ISBN-13: 978-3442380435

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Stell dir vor, der berüchtigtste Serienkiller der Welt wäre dein Vater …

Heimlich beobachtet der 17-jährige Jasper »Jazz« Dent ein Ermittlerteam am Schauplatz eines brutalen Mordes. Dem jungen Mann wird sofort klar, dass er in großen Schwierigkeiten steckt. Denn der Killer hat seinem Opfer mehrere Finger abgeschnitten und als Souvenir mitgenommen. Und genau das war das Markenzeichen von Jazz’ Vater. Doch der berüchtigte Serienmörder befindet sich seit Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis. Jazz weiß, dass nun alle ihn für den Täter halten müssen – bis er den wahren Schuldigen zur Strecke bringt.

Meine Meinung

Der 17-jährige Jasper „Jazz“, die Hauptfigur des Romans, musste sich von frühester Kindheit an die grauenhaften Beschreibungen der vom Vater begangenen 124 Morde anhören. Der Vater ist inzwischen zu vielfach lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt worden und verbüßt die Strafe gerade. Jasper selbst ist durch des Vaters Erzählungen zu einem Experten in puncto Serienmörder geworden. So erkennt er vor den ermittelnden Behörden, dass die neuen Morde in der kleinen Stadt einen solchen Killer zuzuschreiben sind. Der Tatverdacht fällt aber recht schnell auf Jazz, frei nach dem Motto: Wie der Vater so der Sohn. Weil er kein Gehör findet, ermittelt Jasper auf eigene Faust.

Der 17-jährige Jasper Dent ist eine interessante Figur. Seine Ängste, zu werden wie der Vater, seine Selbstzweifel, seine innere Zerrissenheit wurden gut dargestellt, trotzdem blieb er für mich ein wenig konturlos und eindimensional. Eine Entwicklung des Jungen, der selbst gern lügt und manipuliert, konnte ich nicht erkennen.

Der Sprachstil ist sehr einfach, somit ist der Thriller leicht und schnell gelesen. Aufgrund der anglizismenlastigen Sprache passt der Roman gut zum jugendlichen Alter des Protagonisten, was aber zur Folge hat, das dieser Thriller stellenweise auch wie ein Jugendbuch wirkt. Das steht jedoch im auffallenden Widerspruch zum Inhalt des Thrillers.

Im Laufe der Handlung kommt es dann zur Zusammenarbeit der Polizei mit Jazz, dieser Part erschien mir nicht glaubwürdig, ebenso wie die Szenen mit der Mitarbeiterin des Jugendamtes. So muteten große Teile des Thrillers für meinen Geschmack sehr überzogen an.

Der Klappentext war vielversprechend, die hinter dem Thriller stehende Idee stimmte mich hoffnungsvoll, wirklich spannungsgeladene Lesestunden vor mir zu haben. Leider habe ich diesen Thriller von der ersten Seite an mit sehr großer Distanz gelesen, durchgehend fehlte es mir an Spannung, auch am Ende kam diese nicht bei mir auf. Vielleicht waren auch einfach meine Erwartungen wegen des Vergleichs mit „Das Schweigen der Lämmer“ zu hoch. Solche Vergleiche hinken immer, dieser war an den Haaren herbeigezogen.

„Ich soll nicht töten“ ist keineswegs ein schlechter Roman, lediglich meinem Geschmack und meinem persönlichen Anspruch an spannende Literatur hat er nicht entsprochen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Barry Lyga hat bereits mehrere in den USA gefeierte Jugendbücher geschrieben. Seit seinen Recherchen für seinen Debüt-Thriller Ich soll nicht töten weiß er beunruhigend gut über alle Methoden Bescheid, wie man eine Leiche verschwinden lässt. Der Autor lebt und arbeitet in New York City.

31. Januar 2013

Tom Wolfe – Back to Blood

Einsortiert unter: 2013,Belletristik — Karthause @ 11:49
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Back to BloodTom Wolfe Gebundene Ausgabe: 768 Seiten Verlag: Karl Blessing Verlag  ISBN-13: 978-3896674890

Back to Blood
Tom Wolfe
Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896674890

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?

Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Meine Meinung

Mit Einwanderern aus Kuba und Haiti, Afroamerikanern, americanos und einem russischem Oligarchen besetzt Tom Wolfe die Hauptfiguren seines Romans „Back to Blood“. Alle sind sie schrill, speziell und alles andere als Normalos und mit ihren Eigenarten erfüllen sie den Roman mit Leben. Aber genauso müssen sie für diese Art von Roman sein. Eine Gesellschaftssatire lebt von Übertreibungen und Überzeichnungen, um auf Missstände und gesellschaftliche Besonderheiten hinzuweisen. Handlungsort dieses Romans ist Miami, die Stadt die von und mit den Immigranten lebt, welche längst die Mehrheit ihrer Einwohner bilden, die Wasp’s aber immer noch das Geld in Händen halten. Im Roman wird gesagt, jeder hasse jeden, alle suchen nach Anerkennung, nach gesellschaftlichem Aufstieg und versuchen diejenigen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören, zu demütigen und zu düpieren. Wolfe stellt dieses Aufeinanderprallen der Kulturen in dem melting pot Miami grandios dar. Obwohl ich Miami nicht kenne, konnte ich mir ein wirklich eindrucksvolles Bild vom Leben in dieser Stadt machen. Für die verschiedenen Stadtteile standen die einzelnen Hauptpersonen, ich lernte trostlose Viertel und die Nobelherbergen der Reichen kennen, sah wie die Armen lebten und die Highsociety sich in Orgien erging. Ebenso wurde ich aber auch an die Widersprüche innerhalb der einzelnen Gruppen herangeführt. Da gab es den Exilkubaner, der im Polizeidienst stehend den kubanischen Flüchtling vom Mast einer Yacht holte, bevor er das Festland erreichte und lernte den Psychiater kennen, der sich seine Patienten sicherte, indem er sie immer wieder ihrem Laster zuführte. Wolfe lästert über alle und jeden, er provoziert und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er verdeutlicht, dass die verschiedenen Kulturen letztlich zusammenhalten (müssen) und diejenigen es schwer haben, die den schützenden Kreis der Gemeinschaft verlassen. Aus dem Grunde bin ich dem Verlag sehr dankbar, dass auf eine Übersetzung des Titels verzichtet wurde, kein anderer könnte treffender sein.

Vom Erzählstil empfand ich diesen Roman als recht ungewöhnlich. Häufig kommt es zu Einfügungen von Gedanken und und groß geschriebenen, wie geschrien wirkenden Einwürfen. Dadurch wirkt dieser Roman schrill und laut. Aber will der Autor nicht genau dieses Empfinden bei seinem Leser auslösen?

Mir hat „Back to Blood“ sehr gut gefallen. Der Roman wird nicht zu unrecht mit dem großen Werk „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verglichen. Er wirkt allerdings wesentlich moderner und ist hoch aktuell. Wollte ich etwas kritisieren, wäre das die ein wenig zu kurz kommende Entwicklung der Protagonisten im Verlauf der Handlung. Da die die Handlung umfassende Zeitspanne aber relativ kurz und der Roman gut durchdacht und aufgebaut ist, fällt dies kaum ins Gewicht. Tom Wolfe lenkt mit „Back to Blood“ das Augenmerk des Leser auf eine weniger bekannte Szenerie der USA, die aber meisterlich geschildert wird und dazu sehr gut unterhält.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für “The Washington Post”, “New York Herald Tribune”, “Esquire” und “Harper’s”. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des “New Journalism”. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit “Fegefeuer der Eitelkeiten” (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman “Ein ganzer Kerl”, mit “Hooking Up” eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman “Ich bin Charlotte Simmons”. Der Autor lebt in New York.

Ich danke dem Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

18. Januar 2013

Matthew Quirk – Die 500

Einsortiert unter: 2013,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:12
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Die 500

Quirk, Matthew

Originaltitel: The 500

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896674722

Henry Davis weiß, Politiker sind manipulierbar, sie sind korrumpierbar. Dieses Wissen macht er sich zu Nutze. 500 der mächtigsten Männer zählen zu den Klienten seiner Beraterfirma. Sein Mittel zum Zweck ist jedoch nicht das Geld, sondern die Leichen, die ein jeder von ihnen im Keller hat. Davis sucht seine Ansatzpunkte bei G.I.E.R. – Geld, Ideologie, Ego und Repression. Er versucht alles, um jede Kleinigkeit aus dem Leben seiner Kunden in Erfahrung zu bringen, Fehler, Geheimnisse und Leidenschaften. Mike Ford wird von Davis angeworben, um die Drecksarbeit zu erledigen. Mikes Vater ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, den Grund dafür kennt er nicht. Er selbst hat eine kriminelle Vergangenheit, hat den Absprung aber noch geschafft und studiert jetzt in Harvard. Davis‘ Angebot kommt für ihn gerade zur rechten Zeit, denn er hat Schulden. In der Firma steigt er schnell auf und durchschaut dabei immer mehr die Geschäfte seines Bosses. Als Henry Davis erfährt, dass Mike Ford kurz davor ist, seine dunkelsten Geheimnisse herauszufinden, beginnt für Mike ein Wettlauf mit gegen die Zeit und den Tod.

Ohne große Einleitung ist der Leser mitten in der Handlung. Es werden nicht erst lang die Personen eingeführt oder deren Vergangenheit beleuchtet. Darüber erfährt man sukzessive im Verlauf der Handlung. Der Leser taucht zeitlich gesehen, kurz vor dem Ende der eigentlichen Geschichte in diesen Thriller ein und erfährt von dem in der Ich-Form erzählenden Mike Ford in einer Art Rückblick die bisherigen Geschehnisse, um dann den Abschluss sozusagen direkt zu verfolgen.

Die Idee hinter dem Buch ist sehr gelungen. Es geht um die Manipulierbarkeit von Politikern. Ein Thema, das sehr ins psychologische geht. Diesen Aspekt, ebenso wie die Feinzeichnung seiner Protagonisten ließ der Matthew Quirk jedoch weitgehend außen vor. Sein Hauptaugenmerk lag auf actionlastigen Szenen und so ließen sich seine Darsteller relativ schnell in Gut und Böse einordnen. Das Erzähltempo hielt der Autor bis auf wenige Ausnahmen hoch. Die erste Hälfte des Romans hat mir auch noch recht gut gefallen. Über die verwendeten Klischees konnte ich ganz gut hinwegsehen. Die letzten 200 Seiten empfand ich allerdings als unglaubwürdig, überzogen und absehbar. Der Protagonist mutierte zum Superhelden, den weder Verletzungen noch Schmerzen aus der Bahn werfen konnten. Dafür jagte eine Actionszene die nächste. Ich habe nichts gegen Action in Romanen oder Filmen. In diesem Fall hätte ich mir aber gewünscht, dass der Autor seinem Helden ein wenig mehr Profil verleiht und dieser blasse und reichlich naive Handlanger des Big Boss zur Persönlichkeit wird. Das Ende des Thrillers war dann in allen seinen Facetten sehr hollywooglike. Eine Verfilmung des Stoffes könnte ich mir gut vorstellen.

Mein Fazit: Wer eine Vorliebe für schnell erzählte und ebenso schnell gelesene Thriller, deren Schwerpunkt im wahrsten Sinne des Wortes im Thrill liegt, hat und wer über Schwächen in der psychologischen Zeichnung der Personen hinwegsehen kann, wird mit diesem nicht schlecht beraten sein. Leider passten das Buch und mein Lesegeschmack nicht so ganz zusammen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Matthew Quirk (31) ist in New Jersey aufgewachsen und hat in Harvard studiert. Anschließend arbeitete er jahrelang als investigativer Journalist für THE ATLANTIC. DIE 500 ist sein erster Roman. Er lebt in Washington D.C.

9. Januar 2013

Ayad Akhtar – Himmelssucher

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 19:43
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Himmelssucher

Akhtar, Ayad

Originaltitel: American Dervish

Broschiert: 384 Seiten

Verlag: carl’s books

ISBN-13: 978-3570585160

Milwaukee, Ende der 1970er Jahre. Ayad Akhtar erzählt die Geschichte des 10-jährigen Hayat, Sohn pakistanischer Einwanderer. Die Eltern haben sich äußerlich weitgehend dem amerikanischen Lebensstil angepasst. Nach der Flucht Minas, der Jugendfreundin der Mutter, fand sie im Haus von Hayats Eltern ein Heim. Schnell entwickelt sich zwischen ihr und dem 10-Jährigen eine enge Beziehung. Mina bringt ihm den Islam nahe. Er will begreifen und wird dadurch in den Zwiespalt zwischen den Regeln des Korans und dem Leben seiner Eltern gezogen. Als Mina sich dann noch in den Juden Nathan Wolfsohn verliebt, gerät Hayats Welt aus den Fugen.

Nach dem Tod seiner Tante Mina, Hayat ist längst ein reifer, erwachsener Mann, erzählt er rückblickend seine Geschichte. Dabei schildert er die Geschehnisse immer aus der Sicht eines 10-jährigen Jungen. Eine Wertung durch den erwachsenen Hayat habe ich ein wenig vermisst. Die Konflikte, in die der Junge geriet, waren die eines Kindes, dem ein echtes Zugehörigkeitsgefühl fehlt. Die Eltern lebten ihr (amerikanisches) Leben, Mina unterwies ihn im Koran. Er war hin- und hergerissen und wusste nicht mehr, was und wem er glauben sollte. Somit ist der im Klappentext beschriebene Verrat eher die Folge der inneren Zerrissenheit des Jungen und keine vorsätzliche Tat. Zwar spielt eine gewisse Eifersucht auch eine Rolle, aber die Folgen seines Handelns konnte Hayat noch nicht abwägen. Er wurde von ihnen förmlich überrollt. Hayat ist in einem gewissen Sinne Sympathieträger, wenn auch kein strahlender Held. Er hat einen groben Fehler begangen, der ihm zeitlebens nachhängt.

Mit dieser Romanhandlung hat der Autor grundlegende religiöse Bezüge verknüpft. Er gibt einen Einblick in das religiöse Leben der pakistanischen Einwandererfamilie und spannt den Bogen vom Islam hin zum Judentum und Christentum. Dieser Roman wird sicher die Gemüter ob des großen Raums, der religiösen Fragen eingeräumt wird, spalten. Immer wieder werden Suren aus dem Koran zitiert. Dabei ist der Autor keineswegs unkritisch, er glorifiziert nicht. Ich hätte mir an dieser Stelle jedoch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Durch die Erklärungen Minas versucht der Autor zwar die Sicht eines Erwachsenen zu verdeutlichen, kommt dabei über das Niveau eines guten Jugendbuches nicht hinaus und das meine ich keineswegs despektierlich.

Sehr gut und eindringlich beschrieb er die Situation der Frau im Islam. Er thematisiert die Anwendung von Gewalt gegenüber Frauen und bezieht dazu Stellung.

Schaut man in die Biografie des Autors, von der der Verlag nur sehr wenig preisgibt, kann man schon einige Parallelen zum Protagonisten erkennen. Ayad Akhtar weiß, wie sich ein Einwandererkind fühlt, dass in einer neuen Kultur Fuß fassen muss und hat dies auch hervorragend in seinem Roman zum Tragen gebracht.

Für mich öffnete sich mit diesem Buch wieder einmal ein Fenster in eine mir nicht so vertraute Welt. Allerdings halte ich Vergleiche zu Husseinis „Drachenläufer“, wie es sie auf dem Umschlagtext zu lesen gibt, für zu weit hergeholt. Jeder Roman sollte für sich gesehen und gelesen werden.

Mir hat dieser Roman gut, aber nicht sehr gut, gefallen. Er hat mich auf der emotionalen Ebene nicht so angesprochen, wie ich es von einem sehr guten Roman erwarte. Er war aber flüssig zu lesen, vermittelte einiges an Informationen für mich und wird mir in Erinnerung bleiben. Auf weitere Werke des Autors warte ich gespannt.

3. Juni 2012

Joyce Carol Oates – Vergewaltigt. Eine Liebesgeschichte

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 12:46
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Vergewaltigt. Eine Liebesgeschichte

Oates, Joyce Carol

Originaltitel: Rape. A Love Story

Broschiert: 165 Seiten

Verlag: Fischer (Tb)

ISBN-13: 978-3596167074

 

“In dem Moment, da deine Mutter und du ins Bootshaus im Rocky Point Park geschleift wurdet, fing dein Leben im Danach an. Nie wieder würdest du im Davor leben. Die Zeit deiner Kindheit war für immer vorbei, weit weg wie eine Szenerie, die man von ferne betrachtet, die wie Nebel entschwindet vor deinen sehnsüchtigen Augen.”

Am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, wird in Niagara Falls gefeiert. Für Teena Maguire und ihre 12-jährige Tochter, Bethie ist es spät geworden, sie sind auf dem Weg nach Hause, als sie in einem dunklen Park einer Gruppe unter Drogen stehender junger Männer begegnen. Es wird gepöbelt, gerempelt, gegrapscht, beide werden in ein Bootshaus gezerrt und schließlich wird Teena von den Männern auf brutalste Weise vergewaltigt und danach, als sie nicht einmal mehr wimmern konnte, blutüberströmt, dem Tod näher als dem Leben, liegengelassen. Bethie konnte einen unachtsamen Moment der Täter ausnutzen und sich verstecken. Sie war es auch, die, nach dem die Männer verschwunden waren, Hilfe holte. So konnte Teena Maguire überleben.

Dies ist nicht das erste Buch, in dem sich Joyce Carol Oates mit dem Thema Gewalt auseinandersetzt, in diesem Fall geht es um Gewalt gegenüber Frauen. Teena ist Opfer und das in mehrfacher Hinsicht, da ist zum einem die Gruppenvergewaltigung, andererseits ist sie ein Opfer der Menschen, die auf die Geschehnisse, mit Worten, wie: sie hat es ja herausgefordert und sie wollte es nicht anders oder sie hat es für Geld getan, reagieren und damit psychisch gegenüber Teena Gewalt anwenden. Aber für mich ist sie auch ein Opfer us-amerikanischer Justiz, sie kann schließlich nicht beweisen, dass sie es nicht wollte.

Joyce Carol Oates erzählt ihre 165 Seiten umfassende Novelle in einem stakkatoartigen Stil in kurzen und kürzesten Kapiteln aus unterschiedlichen Blickwinkeln, hauptsachlich aber aus der Sicht Bethies. Der Erzählstil war zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber dann las ich fast atemlos die Schilderungen der Tat und der Zeit danach. Die endgültige Wirkung setzte jedoch erst ein, als ich das Buch beendet hatte und über das Gelesene nachdachte. Es hallt noch heute in mir nach. Es ist eines dieser Bücher, die man nicht so schnell vergisst. Die Autorin beschreibt das Geschehen direkt, ohne zu beschönigen, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen und ohne den Leser zu schonen, aber auch ohne das letzte Detail der Tat zu erwähnen. Sie verurteilt nicht nur Gewalt und Voreingenommenheit, sie prangert auch das Rechtssystem der USA an, in dem scheinbar noch ausschließlich die Männer das Sagen haben. Sehr gerieben habe ich mich an der Figur des John Dromoor. Einst kämpfte er im Golfkrieg, heute ist er als Cop im Einsatz. Er ist die Lichtgestalt, der Helfer in der Not und der allgegenwärtige Heilsbringer. Bethie verliebt sich schlagartig in ihren Retter und für ihn wird der Fall schnell mehr als nur ein Fall, er wird immer tiefer in das Geschehen involviert. So kommt es zu einem Ende, das ich so nicht erwartet hätte und das mich nicht so richtig zufrieden stellt. Warum das so ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht ausführen, da ich auf Spoiler verzichten möchte. Der von einem Widerspruch geprägte Titel erschließt sich dem Leser bei der Lektüre, ob er in jedem Fall nachvollziehbar ist, sei dahingestellt. Er war wirkungsvoll genug, mich zum Kauf dieses Buches anzuregen.

“Vergewaltigt. Eine Liebesgeschichte“ ist ein Buch, das berührt, erschüttert und tief unter die Haut geht. Wer sich dem stellen möchte, dem möchte ich es empfehlen und ans Herz legen.

 Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Joyce C. Oates, geb. 1938 in Lockport (NY), zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre zahlreichen Romane und Erzählungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Book Award. Joyce C. Oates lebt in Princeton, New Jersey, wo sie Literatur unterrichtet.

5. Mai 2012

T. C. Boyle – Wenn das Schlachten vorbei ist

Einsortiert unter: 2012,Belletristik — Karthause @ 15:43
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Wenn das Schlachten vorbei ist

T. C. Boyle

Originaltitel: When the Killing`s Done

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag

ISBN-13: 978-3446237346

Naturschützer vs. Tierschützer

Der Mensch als Schützer von Natur und Umwelt, so sieht T. C. Boyle seine Helden in seinem neuen Roman mit dem martialisch anmutenden Titel „Wenn das Schlachten vorbei ist“. Auf den Channel Islands vor der kalifornischen Küste ist die Umwelt empfindlich gestört worden. Das ökologische Gleichgewicht wurde durch eingeschleppte Ratten und Schweine aus dem Gleichgewicht geraten. Zwei Gruppen von Umweltschützern mit entgegengesetzten Auffassungen liefern sich nun einen erbitterten Kampf. Soll man die eingeschleppten Tiere gnadenlos töten oder hat jedes Tier, auch das eingeschleppte, letzten Endes eine Daseinsberechtigung, auch wenn das die Vernichtung des ursprünglichen Tierbestands und der Pflanzenwelt zur Folge hätte.

Dieser Roman war mein erster des Autors T. C. Boyle. Nicht sofort konnte ich mich in der Handlung zurechtfinden. Begann der Roman doch mit einem in der Vergangenheit liegenden Schiffbruch. Aber schnell wurden die Zusammenhänge klar und das Buch ließ mich nicht mehr los. Die Grundfrage des Romans ‘Wie viel Tierschutz verträgt die Natur?’ mag auf den ersten Blick etwas verwirrend klingen. Aber je weiter man sich durch den Roman liest, desto nachvollziehbarer werden die Positionen von Natur- und Tierschützern. Als Leser beginnt man, sich selbst Fragen zu stellen und wird schnell feststellen, dass deren Beantwortung alles andere als leicht ist. Und somit ist auch die Lektüre dieses Romans nicht unbedingt leichte Kost. Das bezieht sich aber keineswegs auf den Schreibstil des Autors, sondern ausschließlich auf das Thema, bei dessen Behandlung es schon mal “gut zur Sache geht”. Der Roman ist in zwei Teile untergliedert. Kern des ersten sind die Bemühungen, die Insel Anacapa von eingeschleppten Ratten zu befreien. Im zweiten Teil sollen die Schweine, die durch Siedler auf die Nachbarinsel Santa Cruz gebracht wurden, entfernt werden. Beide Tierarten haben sich durch ihre invasive Vermehrung, es fehlte ihnen an natürlichen Feinden, den Lebensraum erobert und bedrohen inzwischen die einheimische Fauna und Flora. In immer wieder eingeschobenen kleinen Geschichten, wird berichtet, wie diese Tiere auf die Inseln kommen und dort Fuß fassen konnten.

Die beiden Hauptpersonen, Alma und Dave, sind in ihren völlig konträren Ansichten sehr glaubhaft beschrieben. Bei beiden hat man das Gefühl, sie handeln aus innerer Überzeugung, aus Berufung. Dabei sind sie lebensecht mit Stärken, Schwächen und Ängsten gezeichnet. Boyle schreibt neutral und für den Leser erscheinen die Positionen beider Seiten gut nachvollziehbar.

Das Buch hatte ein paar Längen, aber wirklich gelangweilt habe ich mich beim Lesen nie, denn Boyle ist ein guter, sprachgewaltiger Erzähler und weiß auch mit scheinbar Nebensächlichem den Leser gut zu unterhalten.

Wie nebenbei vermittelt T. C. Boyle dem Leser umfangreiches Wissen über Ökologie, das Zusammenspiel von Fauna und Flora. Er regt zum Nachdenken an, will aber an keiner Stelle belehren. Ich vermag nur ansatzweise zu erahnen, welch umfangreiche Recherchen hinter diesem Roman stecken mögen.

Romane, die den Erhalt des Ökosystems unserer Erde thematisieren scheinen gegenwärtig gefragt zu sein. Wenn sie es schaffen, die Menschen ein wenig wachzurütteln, haben sie ihre volle Daseinsberechtigung. Dieser Roman macht das und ist dazu äußerst lesens- und empfehlenswert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

T. C. Boyle, geb. 1948 in Peekskill, New York im Hudson Valley, war Lehrer an der dortigen High-School und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten. Heute lebt er in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles Creative Writing.

Dieses Buch habe ich mit einer sehr lieben Lesefreundin begonnen, leider konnten wir es nicht gemeinsam beenden.

Servus, liebe Christine, danke für deine Freundschaft, ich werde dich immer in bester Erinnerung behalten,
du warst so eine starke Frau.

23. April 2012

Nelson DeMille – Der Löwe

Einsortiert unter: 2012,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:18
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Der Löwe

Nelson DeMille

OT: The Lion

Gebundene Ausgabe: 554 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe

ISBN-13: 978-3455403060

 

Vor drei Jahren verschwand Asad Khalil, libyscher Terrorist mit dem Namen „Der Löwe“, spurlos von der Bildfläche nachdem er einen tödlichen Rachefeldzug quer durch die USA absolvierte. Jetzt ist er wieder aufgetaucht, er hat noch einige Rechnungen offen und wieder hinterlässt er eine unübersehbare Blutspur. Ganz weit oben auf seiner Liste stehen seine alten Gegenspieler der Anti-Terror-Task-Force John Corey und seine Partnerin und Ehefrau Kate.

„Der Löwe“ ist der fünfte Thriller, in dessen Mittelpunkt John Corey steht und der zweite, in dem er es mit Asad Khalil, dem libyschen Terroristen, aufnehmen muss. Aber auch ohne die Vorgänger zu kennen, findet man problemlos in die Geschichte, frühere Ereignisse werden wie nebenbei in der laufenden Handlung erklärt. Der Roman wird aus zwei Perspektiven erzählt. John Corey berichtet in der Ich-Form über seine Sicht der Dinge. Das wirkt sehr persönlich und authentisch. Sein Gegenspieler, Asad Khalil, steht im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstranges, der in der 3. Person geschrieben ist. Der Thriller ist in sieben Teile und insgesamt 49 Kapitel gegliedert, die Abschnitte in denen der Leser Khalil direkt begleitet, sind immer etwas kürzer gehalten als die, die Ermittlungen zu dessen Morden betreffen. Die Hauptfiguren lassen sich zwar problemlos in gut und böse einordnen, sie sind aber trotzdem nicht rundweg stereotyp. John Corey empfand ich an so mancher Stelle als etwas nervend in seiner Selbsteinschätzung, die nur gelegentlich durch Selbstironie gemildert wurde. Dessen ungeachtet er nicht der Unsympath an sich, stellenweise zeigte er sich sogar sehr menschlich. Sein loses Mundwerk hat mir gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht gemalt. Trotzdem hatte ich mit seiner zynisch-sarkastischen und häufig rassistischen Art immer wieder kleine Probleme. Seine Vorbehalte gegenüber Anhängern des islamischen Glaubens gründen sich in den Ereignissen des 11. September 2001, die er selbst nur knapp überlebte. Er ist eben alles, aber kein geschniegelter Durchschnittsermittler und ganz sicher wird er die Leserschaft spalten, entweder man mag ihn, oder man lehnt ihn ab. Asad Khalil ist ein Psychopath ersten Ranges, er mordet unter dem Deckmantel der Rache aus reinem Vergnügen, egal ob Landsmann und Helfer, Amerikaner und Feind, Mensch oder Tier. Trotz der gekonnt geschilderten äußerst brutalen Morde blitzt immer wieder ein feiner, von mir sehr geschätzter Humor auf. Die Taten an sich waren intelligent konstruiert, einfallsreich und häufig ungewöhnlich. Die Spannung hielt von der ersten bis zur letzten Seite an, auch wenn der Thriller ein von mir nicht unerwartetes Ende fand und recht geradlinig aufgebaut war, würde ich ihn nicht als vorhersehbar bezeichnen. Aber für das ganz besondere Leseerlebnis fehlten mir ein paar irreführende Wendungen. Besonders gefallen hat mir der ungetrübte, kritische, aber auch subjektive Blick des Autors auf die USA, ihre Politik und die inneren Zustände.

Diesen actionreichen, brutalen und sehr flüssig zu lesenden Thriller empfehle ich allen Liebhabern dieses Genres, die eine Lektüre bevorzugen, in der es auch mal etwas blutiger zugehen darf. Mich hat dieser Thriller sehr gut unterhalten.

In der John-Corey-Reihe sind bisher erschienen:

Goldküste
Das Spiel des Löwen
Nachtflug
Operation Wild Fire
Der Löwe

Über den Autor (Quelle: amazon.de -gekürzt)
Nelson DeMille wurde 1943 in Jamaika geboren. 1966 bis 1969 war er als Oberleutnant der amerikanischen Armee in Vietnam. Danach studierte er Politik und Geschichte. Seit 1974 schreibt er Spannungsromane und gehört seit langem zu den erfolgreichsten Thrillerautoren Amerikas. Seine Werke sind regelmäßig auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten.

11. März 2012

Susan Beth Pfeffer – Die Welt, wie wir sie kannten

Einsortiert unter: 2012,Jugendbuch — Karthause @ 19:32
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Die Welt, wie wir sie kannten

Susan Beth Pfeffer

Originaltitel: Life as we knew it

Gebundene Ausgabe: 412 Seiten

Verlag: Carlsen Verlag GmbH

ISBN-13: 978-3551582188

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 17 Jahre

Ich will mir ab jetzt jeden Tag einen Augenblick Zeit nehmen, dankbar für alles zu sein, was ich habe.“ (S. 351).

Miranda ist 16 Jahre und lebt mit ihrer Familie, der Mutter, zwei Brüdern und einer Katze, in einer amerikanischen Kleinstadt. Ihr Leben verläuft völlig normal. Sie bewegen die üblichen Probleme eines Teenagers, sie schwärmt für einen Eiskunstläufer und ist von der Schule genervt, in der sich alles nur noch um das bevorstehende astronomische Ereignis dreht. In allen Fächern gibt es Hausaufgaben nur zu diesem einen Thema. Am 18. Mai um 21:37 Uhr ist es dann so weit. Auf den Straßen herrscht Volksfeststimmung, alle wollen dabei sein und beobachten wie ein Asteroid auf dem Mond einschlägt. Aber anders als von den Wissenschaftlern vorhergesagt, bleibt dies für die Menschheit nicht ohne Folgen. Der Mond wird aus seiner Umlaufbahn katapultiert und ist der Erde viel näher gekommen. Nicht nur, dass er nun unwirklich groß erscheint, in Folge dessen entstehen Sturmfluten ähnlich Tsunamis, es gibt mächtige Unwetter, die Erde bebt und auch längst erloschen geglaubte Vulkane brechen aus. An einen normalen Alltag ist bald nicht mehr zu denken. Die Telekommunikation bricht nach und nach zusammen. Der Strom fällt immer öfter aus und bleibt irgendwann ganz weg. Lebensmittel müssen beschafft werden. Als sich dann im August aufgrund der Vulkanausbrüche die Sonne hinter einer dichten, undurchdringlichen Staub- und Aschewolke versteckt, beginnt es zu schneien, die Temperaturen fallen rasant, deutlich unter den Gefrierpunkt. Es herrscht Chaos und es geht nur noch ums Überleben…

Susan Beth Pfeffer schildert diese Dystopie aus Sicht der 16-jährigen Miranda. Das Mädchen schreibt ein Tagebuch und dem Leser öffnen sich ihre Welt, ihre Sicht auf die Ereignisse und ihre Empfindungen. Vom 7. Mai bis zum 20. März des Folgejahres (konkrete Jahreszahlen sind nicht erwähnt) begleitet man diese amerikanische Familie und die von der Autorin gewählte Tagebuchform erzeugt eine sehr große Nähe, denn man erhält einen direkten Einblick in diesen Mikrokosmos. Sehr eindringlich schildert Susan Beth Pfeffer die sich langsam aber stetig verschlechternden Lebensbedingungen, den zunehmenden Hunger, die wachsende Verzweiflung und die kippende Stimmung. Diese gefühlte Nähe zu den Protagonisten macht deren Entscheidungen so nachvollziehbar und die Ausweglosigkeit der Situation fast körperlich spürbar. So verwundert es auch nicht, dass man in Gedanken kalkuliert, wie lange die eigenen Vorräte ausreichen würden, wie die eigenen Reaktionen ausfallen würden und wie wichtig mach selbstverständlich gewordene Kleinigkeit sein könnte. Sehr gelungen und passend zur Handlung ist das Cover des Buches, ein riesiger Mond, ein einsames Gehöft in winterlicher Landschaft unter einem bedrohlich dunklen, grauen Himmel. Auch die Gliederung des Romans in die einzelnen Jahreszeiten unterstreicht anschaulich das Geschehen. Das von der Autorin geschilderte Weltuntergangsszenario wirkt nicht künstlich und actiongeladen, es erscheint erschreckend realistisch, glaubhaft und nah. Aber auch in dem schier hoffnungslosen Überlebenskampf der Familie wird deutlich, dass es die kleinen Dinge des Lebens sind, die den Menschen die Kraft geben, den nächsten Tag anzugehen und an das Morgen zu glauben. Das wird besonders durch den einfachen, fast sachlichen Sprachstil des Romans betont.

Die Welt, wie wir sie kannten“ ist ein beindruckender, fesselnder Jugendroman, der auch den erwachsenen Leser in seinen Bann zieht und zum Nachdenken anregt.

Über den Autor

Susan Beth Pfeffer (* 1948 in New York) ist eine US-amerikanische Kinderbuch- und Science-Fiction-Autorin. Sie lebt in Middletown, New York.

Die Moon-Crash-Trilogie:

1. Die Welt, wie wir sie kannten
2. Die Verlorenen von New York
3. Das Leben, das uns bleibt (erscheint im März 2012)

18. September 2011

Tom Rob Smith – Agent 6

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 13:27
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Kurzbeschreibung (Quelle: amazon)

Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.

 Meine Meinung

„Agent 6“ ist nach „Kind 44“ und „Kolyma“ bereits der dritte Roman um Leo Demidow. Wieder stehen er und seine Entwicklung im Mittelpunkt des Geschehens und der Zuordnung zum Genre des Thrillers kann ich nur bedingt zustimmen. Das ist aber eine Nebensächlichkeit. Betrachte ich den Roman rückblickend, kann ich sagen, dass es Tom Rob Smith gut gelungen ist, die Arbeit der verschiedenen Geheimdienste, neben dem KGB spielen auch die CIA und das pakistanische Pendant ISI eine Rolle, darzustellen. Für mich, die ich nur über literarische Geheimdiensterfahrungen verfüge, stellten sich diese Sachverhalte so dar, als hätte es sie in der Realität so gegeben. Der gesamte Roman, egal ob der Handlungsort die damalige Sowjetunion, die USA oder auch Afghanistan war, wirkte von Beginn an sehr düster und bedrückend auf mich. Die persönliche Entwicklung, die Leo Demidow nahm, war zwar menschlich nachvollziehbar beschrieben, manche Abschnitte wirkten aber trotzdem überzogen auf mich. „Agent 6“ lebt von und mit vielen Zeitsprüngen, Was in diesen ausgesparten Jahren geschah, weiß der Leser teils aus den Vorgängerromanen, teil bleiben die Geschehnisse auch im Dunkeln. Das fand ich ein wenig schade. Aber die Zeit, die der Leser den Protagonisten durch die verschiedenen Schauplätze begleitet, sind großteils spannend, actiongeladen und mitunter schon fast hollywoodlike. Besonders die letzten 100 Seiten waren so geschrieben, als hätte der Autor bereits eine Verfilmung im Hinterkopf, sozusagen ein finale grande, um dann (zu) schnell und einfach einen Schlusspunkt zu setzen.

Mein Fazit: „Agent 6“ ist ein schlüssig aufgebauter Roman, der auf den vorhergehenden Büchern aufbaut und mich trotz des etwas schwachen Endes gut lesen ließ.

Über den Autor (Quelle: amazon)

Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien und arbeitete anschließend als Drehbuchautor. Mit seinem Debüt »Kind 44« gelang Tom Rob Smith auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er wurde u. a. mit dem »Steel Dagger« ausgezeichnet, für den »Man Booker Prize« nominiert und bisher in 30 Sprachen übersetzt. Nach »Kolyma« legt der Autor mit „Agent 6“ nun den dritten und letzten Band um den Geheimdienstoffizier Leo Demidow vor.

Originaltitel: Agent 6 * Gebundene Ausgabe: 544 Seiten * Verlag: Manhattan * ISBN-13: 978-3442546770

31. Mai 2011

Sara Gruen – Das Affenhaus

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 17:33
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Das Affenhaus
Sara Gruen
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Kindler
ISBN-13: 978-3463406022

Isabel Duncan ist Wissenschaftlerin. In einem Institut für Menschenaffen arbeitet sie mit Bonobos, die mittels ASL, einer Gebärdensprache, mit den Menschen kommunizieren können. Über diese Sensation will der Journalist John Thigpen berichten und war deshalb für ein Interview mit Isabel im „Affenhaus“. Als er gerade in die Redaktion zurückgekehrt ist, erfährt er von der Bombenexplosion an dem Institut, in deren Folge Isabel schwer verletzt wurde und die Affen entkamen. War das das Werk der auf dem Parkplatz vor dem Institut demonstrierenden Tierschützer?

Die Grundidee für dieses Buch fand ich großartig und der Roman beginnt, ganz meinen Erwartungen entsprechend, fulminant. Aber dann wurde der Leser immer mehr an Nebenschauplätze geführt und in die sekundäre Handlung verstrickt. Man las von den Karriere- und Eheproblemen des Reporters und von der schwierigen Kindheit Isabels. Diese Handlungsstränge erschienen mir zu ausgedehnt und trotz des guten Plots spielte ich schon mit dem Gedanken, das Buch zur Seite zu legen. Aber dann waren die Bonobos wieder da und die Handlung nahm wieder Fahrt auf. Vieles entwickelte sich zwar vorhersehbar. Aber die Geschichte rund um die Affen hat mich begeistert. Die Idee, die Bobobos im Reality-TV zu präsentieren fand ich stark. Stellenweise hatte ich das Empfinden, Sara Gruen hat ihre tierischen Protagonisten besser charakterisiert als die menschlichen Darsteller. Diese kamen mir mitunter sehr aufgesetzt, manchmal auch farblos vor. Nachdem ich meine Erwartungen etwas zurückgenommen hatte, war das Buch gut zu lesen und bot gute Unterhaltung. Die Geschichte um das Sprachlabor mit den Affen schien mir – als Laien – gut recherchiert zu sein, und wurde von der Autorin spannend umgesetzt. Die Handlung endete mit der gekonnten Zusammenführung aller Handlungsebenen in einem furiosen Finale, das schon filmisch vorbereitet scheint.

Mein Fazit: „Das Affenhaus“ ist ein unterhaltsamer Roman, der mir persönlich zu viel Mensch und zu wenig Affe beinhaltete. Aber er war leicht zu lesen und wäre, würde er in der Mitte um 100 Seiten gekürzt, deutlich besser.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Die gebürtige Kanadierin Sara Gruen zog es zunächst aus beruflichen Gründen in die USA. Als sie dort den Job verlor, begann sie zu schreiben. Ihr dritter Roman, „Wasser für die Elefanten“, wurde einer der größten Überraschungs-Bestseller des Jahrzehnts. Sara Gruen lebt zusammen mit ihrem Mann, drei Kindern, zwei Pferden, zwei Hunden, vier Katzen und einer Ziege in der Nähe von Chicago.

12. April 2011

Rebecca Skloot – Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks

Einsortiert unter: 2011,sonstiges — Karthause @ 17:39
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Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks
Rebecca Skloot
OT: The Immortal Life of Henrietta Lacks
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Irisiana
ISBN-13: 978-3424150759

Henrietta Lacks war Mutter von fünf Kindern und spürte seit geraumer Zeit einen Knoten am Muttermund. Als es zu Blutungen kam, ging sie zur gynäkologischen Untersuchung ins John Hopkins Hospital. Der Befund war eindeutig: Gebärmutterhalskrebs. Henrietta war Afroamerikanerin und in den Genuss einer über das Allernotwendigste hinausgehenden Bildung kam sie nie. Auch im Krankenhaus erklärte ihr niemand, welche Untersuchungen erforderlich seien, warum sie wie therapiert würde und sie stellte keine Fragen. Ohne ihre Zustimmung wurden ihr zwei Gewebeproben entnommen, mit denen der Wissenschaftler Georg Gey forschte und mit denen es ihm als Ersten gelang, menschliche Zellen am Leben zu erhalten. Henrietta Lacks starb am 4. Oktober 1951, ihre Zellen leben heute noch und sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken.
HeLa-Zellen sind weltweit in allen Forschungslaboratorien unabdingbar. Sowohl die Medizin- als auch die Genforschung sind ohne sie nicht mehr vorstellbar. Sie wurden ins Weltall transportiert, um an ihnen die Wirkung der Schwerelosigkeit zu erforschen und wurden atomarer Strahlung ausgesetzt, um deren Folgen abschätzen zu können. Sie dienen der Erforschung von Impfstoffen ebenso wie der Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs und AIDS. Rebecca Skloot hat sich mit ihrem Buch einem äußerst interessanten Thema zugewandt und es für die Leser sehr ansprechend und allgemeinverständlich umgesetzt. Als Sachbuch konzipiert, bietet es neben der Wissensvermittlung noch gute Unterhaltung. Leser, die sich für belletristisch umgesetzte Medizingeschichte interessieren, werden auch an diesem Werk Freude haben, denn es ist gleichzeitig eine Familiengeschichte. Die Impertinenz ehrgeiziger Mediziner wird in diesem Buch ebenso thematisiert wie ethische Fragen der Wissenschaft und der zu damaliger Zeit in den USA vorherrschende Rassismus. Rebecca Skloot macht öffentlich, was bislang nicht bekannt war. Sie schreibt von den immensen Summen, die mit diesen Zellen verdient wurden und werden und von der Armut der Familie Lacks, die davon keinen Cent sah und verdeutlicht damit die Kernfrage, wem gehören diese Zellen. Die Autorin bereitet dieses Thema nicht chronologisch auf. Aber als Orientierung ist zu Beginn eines jeden Kapitels am oberen Seitenrand ein Zeitstrahl abgedruckt, der über die in diesem Abschnitt behandelte Zeit Auskunft gibt. Außerdem enthält das Buch auf Fotos der Familie Lacks, ausführliche Anmerkungen und ein Personenregister.
„Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks“ ist ein wissenschaftliches, spannendes und zutiefst menschliches Buch. Es informiert, macht nachdenklich und lässt sich darüber hinaus noch ausgezeichnet lesen. Ich empfehle es gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Rebecca Skloot hat Biologie und Kreatives Schreiben studiert. Sie ist prämierte Wissenschaftsjournalistin und Bloggerin, deren Artikel unter anderem im „New York Times Magazine“, Discover Magazine“ und in „The Oprah Magazine“ veröffentlicht wurden. Als Korrespondentin hat sie für NPR’s RadioLab und PBS’s Nova ScienceNOW gearbeitet. Sie unterrichtet Naturwissenschaftler im kreativen Schreiben an der University of Memphis und an der University of Pittsburgh und hält zahlreiche Vorträge. “Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks“ ist ihr erstes Buch, an dem sie 10 Jahre gearbeitet hat und dem auf Anhieb der Sprung unter die Top Ten der New-York-Times-Bestellerliste gelang.

4. April 2011

Alia Yunis – Feigen in Detroit

Einsortiert unter: 2011,Belletristik — Karthause @ 18:36
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Feigen in Detroit
Alia Yunis
Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN-13: 978-3351033224

Vor 992 Nächten zog die 82-jährige Fatima von Detroit zu ihrem Lieblingsenkel Amir, der auf die große Karriere als Schauspieler hofft, nach Los Angeles. Seit dem erscheint ihr in jeder Nacht Scheherezade, die jedoch für alle anderen unsichtbar ist und lässt sich von Fatima die Geschichten ihres Lebens erzählen und Fatima hat davon viele. Sie berichtet von ihren beiden Ehemännern, Marwan, der früh verstarb und Ibrahim, von dem sie annahm, er hätte sie nur aus Pflichtgefühl heraus geheiratet und von dem sie sich nach über 50 Ehejahren trennte, von ihren 10 Kindern, die alle ihre eigenen Wege gehen und über die ganzen USA verteilt leben und sie schwelgt in Erinnerungen an ihr Haus in Deir Zeitoun im Libanon. Da sie sich sicher ist, nach der 1001. Nacht sterben zu müssen, hat sie in der verbleibenden Zeit noch viel zu erledigen, sie muss eine Frau für den schwulen Amir finden, damit sie ihm das Haus im Libanon vererben kann und auch für ihre anderen Besitztümer sind geeignete Erben zu finden. Zwischen den nächtlichen Unterhaltungen reist Scheherezade mit ihrem fliegenden Teppich zu den Kindern und Enkeln. Sie schaut wie es ihnen ergeht und begleitet sie auf einem kurzen Stück ihres Lebensweges.

Bei Scheherezade laufen die Handlungsfäden dieses Romans zusammen. Sie ist es, die Fatimas Erzählungen lauscht, um sich kurz darauf zu einem der Kinder oder Enkel zu begeben. So lernt der Leser nach und nach die gesamte Familie Fatimas kennen, ein im Buch enthaltener Stammbaum erleichtert dabei die Orientierung. Die Kinder sind sich fremd, nur Amir informiert hin und wieder die „Fatima-Angehörigen“ per E-Mail, in der jedoch das Wetter die bedeutendste Rolle spielt, schließlich will er die Familienmitglieder nicht beunruhigen oder gar mit zusätzlichen Problemen belasten. Zugegebenermaßen hatte ich zu Beginn des Romanes ein kleines Problem mit der durch Scheherezade und ihr Reisegefährt entstandenen Märchenhaftigkeit dieses Buches. Im Laufe der Zeit fand ich aber Gefallen an dieser Erzählweise, kam so doch ein zusätzlicher arabischer Hauch in die Handlung. Das Märchenhafte wurde aber auch dadurch abgemildert, dass die Autorin die zeitgeschichtlichen Aspekte nie ganz aus dem Blick verlor und die Handlung gut damit verknüpfte.

Alia Yunis Romanfiguren sind mit Leben erfüllt. Sie haben eigene Charaktere, wirken mitunter schrullig und sehr speziell und sind die Puzzleteilchen für ein facettenreiches Bild einer Großfamilie, die sich ein wenig aus den Augen und aus dem Herzen verloren hat.

Die Autorin hat mit ihrem Debütroman einen Familienroman geschrieben, der nicht die heile Familie in dem Mittelpunkt rückt. Tief in sich trägt  jedes der Familienmitglieder zwar eine Harmoniesehnsucht, in der Realität sind jedoch Entfremdung, Nichtverstehen, Einsamkeit in der Großfamilie und unterschiedlicher Umgang mit der Familientradition vordergründig. Ein für diesen Roman bedeutungsvolles Thema ist die Integration der arabischen Einwandererfamilie in die us-amerikanische Gesellschaft, von Familienangehörigen, die amerikanischer sind als die Amerikaner, bis hin zu denen, die nur soweit wie nötig integriert sind, findet der Leser alle Abstufungen.

Alia Yunis erzählt Geschichten zum Schmunzeln und Lachen, zum Nachdenken und Weinen. Urkomische Szenen und sehr nachdenklich machende stehen in einem sehr guten Verhältnis und ließen mich diesen Roman sehr gern lesen. „Verhörgerät“ und „Gackermolke“ sind für mich die Wortschöpfungen des Buches. Auch wenn der Roman in der zweiten Hälfte ein wenig abflacht, so steigert die Autorin die Spannung zum Ende hin noch einmal und verabschiedet die Leser mit einem bittersüßen Finale.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Alia Yunis, Tochter eines libanesischen UN-Diplomaten, aufgewachsen im Mittleren Westen der USA und im Mittleren Osten, arbeitete als Journalistin und Filmemacherin in Los Angeles und ist zurzeit Dozentin für Kommunikationswissenschaft an der Universität von Abu Dhabi. Sie ist Mitglied der PEN Emerging Voices.

22. Dezember 2010

Jeffery Deaver – Allwissend

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 14:08
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Wie zur Erinnerung an einen Autounfall steht am Straßenrand ein Kreuz, geschmückt mit roten Rosen. Allerdings steht darauf als Todesdatum das Datum des folgenden Tages. Als tags darauf eine im Kofferraum ihres Autos eingesperrte junge Frau in der steigenden Flut gefunden wird, übernimmt Kathryn Dance den Fall. Die junge Frau überlebt nur ganz knapp. Immer mehr solcher mysteriöser Kreuze werden an den Straßenrändern Kaliforniens gefunden und in einem Blumengeschäft wurden 12 Sträuße rote Rosen gestohlen. Auch bei den weiteren Opfer werden deren Ängste genutzt, um sie zu quälen. Unter großem Zeitdruck muss Kathryn Dance ermitteln, den jeden Tag kann es neue Opfer geben. Schnell wird man auf den Chilton-Report aufmerksam, und der Täter scheint enttarnt. Aber auch privat steht die Ermittlerin unter enormem Druck, ihre Mutter wird verdächtigt, bei einem ihrer Patienten Sterbehilfe geleistet zu haben.

In diesem Thriller um die Verhör- und Kinesikexpertin Kathryn Dance begibt sich Jeffery Deaver Online, in die Welt des Internets, der Blogs und der Rollenspiele. Wie von ihm nicht anders gewohnt, schreibt Deaver sehr flüssig. Trotzdem gibt es in der Handlung gelegentliche Längen, die mich nicht unbedingt an das Buch fesselten. Denen folgten allerdings auch wieder Kapitel, in denen ich unter keinen Umständen gestört werden wollte. Ähnlich, wie es mir beim Lesen erging, erlebte auch die Ermittlerin ihre up and downs. Das IT-Thema behandelt der Autor sehr anschaulich, so dass auch die Leser, die sich in diesen Gefilden nicht so heimisch fühlen, keine Verständnisprobleme haben werden. Leicht verständlich beschreibt er, wie schnell sich Nachrichten und Information mittels moderner Medien streuen lassen. Auch seine Protagonisten wirken lebendig und realitätsnah. Ihre Charaktere lassen sie menschlich erscheinen, sie haben sowohl gute als auch weniger gute Seiten. Die Ermittlerin wurde von Jeffery Deaver bereits in dem Rhyme/Sachs-Thriller „Der gehetzte Uhrmacher“ eingeführt, mit „Die Menschenleserin“ hatte sie ihren ersten Auftritt als Ermittlerin. In „Allwissend“ erfährt der Leser wiederum ein wenig mehr über ihren privaten Hintergrund. Aber wie schon beim Vorgängerroman wurde ich mit diesem Thriller nicht so warm wie mit mit denen um Lincoln Rhyme. Die Spannung war nicht so präsent und der gesamte Roman nicht so temporeich wie die von mir so gern gelesenen Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

16. Dezember 2010

Anita Shreve – Die Nacht am Strand

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 19:08
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Die Nacht am Strand
Anita Shreve
Originaltitel: Body Surfing
Broschiert: 339 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492258807

Sydney ist 29 Jahre alt und ihr Leben ist aus den Fugen geraten. Ihre erste Ehe mit dem Piloten wurde geschieden, weil sie ständig um sein Leben fürchtete. Ihr zweiter Mann, ein Arzt, starb ganz überraschend im Dienst. Um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, nimmt sie an der Küste New Hampshires den Job einer Privatlehrerin bei den Edwards an. Julie, die Tochter, soll es mit Sydneys Hilfe schaffen an DEM College aufgenommen zu werden. Wenig später kommen die erwachsenen Söhne der Edwards, Ben und Jeff, zu Besuch. Gemeinsam mit ihnen verbringt Sydney eine ausgelassene Nacht am Strand und sie bemerkt recht schnell, dass sie sich zu Jeff, dem Jüngeren der Brüder, hingezogen fühlt, während sie zu Ben stets eine gewisse kühle Distanz hält. Die Dinge entwickeln sich recht zügig. Jeff trennt sich von seiner Freundin Victoria, kommt mit Sydney zusammen und die Hochzeitsplanungen laufen auf Hochtouren. Aber unter Oberfläche brodelt es, in der Familie haben sich Spannungen aufgebaut. Und so nimmt eine Geschichte eine Wendung, die man in dieser Art nicht erwartet hätte.

Als ich zu diesem Buch griff erwartete ich einen Liebesroman mit typisch amerikanischen Touch, eine heile Welt, eine Prise Kitsch, süßliches Liebesgeflüster und Protagonisten ohne Fehl und Tadel. Schnell bemerkte ich, von fast allen Vorurteilen muss ich mich trennen. Eine heile Welt fand ich nur zu Beginn des Romanes vor. Sehr schnell spürte ich die unterschwelligen Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, die eigentlich kaum thematisiert wurden, sondern eher zwischen den Zeilen zu finden waren. Ich empfand es auch als sehr auffällig, dass die Autorin das Geschehen sehr distanziert, von einer Art Außenperspektive her schildert. Dadurch war eine Identifikation mit den Hauptpersonen kaum möglich, was aber den Vorteil hat, dass man als Leser dem Geschehen mit größerer Neutralität gegenüber steht. Mit hat diese Sicht der Dinge sehr gut gefallen. Allerdings bediente sich Anita Shreve auch einiger Klischees, so gab es den liebenswerten, netten und verständnisvollen Vater und als Gegenstück dazu die ständig unzufriedene, mürrische und mäkelnde Mutter, oder die gut geratenen Söhne und den Sorgen bereitenden Nachkömmling. Was ich aber am positivsten in Erinnerung behalten werde, „Die Nacht am Strand“ ist keine der typischen Herz-Schmerz-Geschichten. Es ist eine schöne Liebesgeschichte, eine Alltagsgeschichte, die nicht kitschig wirkte und auch nicht auf die Tränendrüsen drückte. Anita Shreve legte mit diesem Buch einen leichten, gut und flüssig zu lesenden, aber keineswegs seichten Roman vor. Durch die immer nur angedeuteten innerfamiliären Schwierigkeiten erhielt dieser Roman schon ein gewisses Maß an Tiefe.

Mein Fazit: „Die Nacht am Strand“ habe ich gern gelesen. Wer Spaß an klaren und schnörkellosen Liebes- und amerikanischen Familiengeschichten hat, wird mit diesem Buch gut unterhalten werden.

Über den Autor (Quelle: Amazon)

Anita Shreve, geboren 1947, gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der USA. Sie lebt mit ihrem Mann in Boston/ Massachusetts. Mit ihren Romanen, die von der Kritik für ihre kühle Eleganz gefeiert werden, erreicht sie weltweit ein Millionepublikum. Zu ihren größten Erfolgen gehören »Das Gewicht des Wassers«, »Die Frau des Piloten« und »Olympia« sowie »Eine Hochzeit im Dezember«. Zuletzt erschien von ihr »Die Nacht am Strand«.

16. September 2010

Anita Shreve – Eine Hochzeit im Dezember

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Klappentext:

Die winterlichen Berkshire Hills in Neuengland sind der Schauplatz einer besonderen Begegnung: Nach 27 Jahren treffen sich sieben alte Schulfreunde wieder, um die späte Hochzeit von Bill und Bridget zu feiern. Doch statt Ausgelassenheit herrscht angespannte Nervosität. Denn nun wird in ihnen allen das tragische Ereignis wieder lebendig, das sie seit ihrer Schulzeit auf schicksalhafte Weise miteinander verbindet und ihr Leben für immer verändert hat.

Meine Meinung:

Die Presse feierte diesen Roman als explosiven Gefühlscocktail, der elegant, mitreißend und pointiert erzählt wird. Das nenne ich doch mal eine Ankündigung. Ich las dieses Buch bereits im Juni diesen Jahres. Aufgrund von mangelnder Zeit kam ich erst jetzt dazu, die Eindrücke in eine entsprechende Form zu bringen. Dabei merkte ich mit Erstaunen, dass ich zu diesem Buch ohne meine Notizen nicht einmal mehr den Inhalt erzählen könnte. Aus diesen entnahm ich dann, dass die Geschichte Längen hatte und mich nicht wirklich begeisterte. Deshalb belasse ich es bei diesem knappen Statement.

20. August 2010

Kristof Magnusson – Das war ich nicht

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 10:58
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Das war ich nichtKristof MagnussonGebundene Ausgabe: 288 SeitenVerlag: KunstmannISBN-13: 978-3888975820

Meike ist Übersetzerin. Sie verlässt ihren Partner, ihr Leben ist ihr zu weichgespült, sie nimmt den Notausgang. In Nordfriesland kauft sie sich ein ziemlich heruntergekommenes Häuschen direkt hinter dem Deich. Dort will sie auf den neuen Roman von Henry LaMarck warten, den sie übersetzen soll. Als ihre Finanzen zur Neige gehen, reist sie kurz entschlossen von ihrem letzten Geld nach Chicago, um das Manuskript persönlich abzuholen

Anlässlich des 60. Geburtstags von Henry LaMarck hat sein Verlag in Chicago eine Überraschungsparty ausgerichtet. Von allen Seiten wird er auf den erwarteten Roman angesprochen, der den 11. September zum Thema haben soll. Schon wird er mit dem Pulitzerpreis in Verbindung gebracht, den er bereits einmal erhielt. Aber er hat noch nicht einmal damit begonnen, er wird wohl auch nie damit beginnen. Deshalb verlässt er die Party durch die Hintertür und taucht ab.

Jasper Lüdemann, ein junger Banker, der es von Bochum bis nach Chicago geschafft hat, wurde nach Jahren im Back-Office-Bereich einer großen Investmentbank in den Tradersaal befördert. Nun will er zeigen, was er kann. Hilfsbereit übernimmt er einen kleinen Verlust, den ein Kollege bei einem Geschäft erwirtschaftet hat und will ihn ausgleichen. Damit bringt er einen Stein ins Rollen, der als Lawine endet.

In Chicago trifft Meike Jasper, Jasper trifft Henry und auch Meike und Henry treffen sich und im Folgenden werden die Abhängigkeiten geschildert, die die Drei miteinander verbinden.

Auf diesen Roman wurde ich durch einen Wirtschaftstalk im TV aufmerksam, ein recht ungewöhnlicher Ort für Literaturtipps. Aber ich wurde nicht enttäuscht. Noch nie habe ich einen Roman gelesen, der die Börse mit ihren Finanztransaktionen und -manipulationen so allgemeinverständlich erklärt und dabei noch sehr unterhaltsam ist. Die Story ist intelligent konstruiert und spannend geschrieben. Die drei die Handlung bestimmenden Charaktere, die sich in gewissen gegenseitigen Abhängigkeiten befinden, sind recht einfach gehalten. Aber genau das macht den Reiz dieses Romans aus. Sie sind in ihrem Tun berechenbar und so hat der Leser keine Probleme , sich in die Protagonisten hinein zu versetzen. In nicht zu langen Kapiteln erzählen die drei Hauptdarsteller, andere Personen sind wirklich nur Randfiguren, abwechselnd in der Ich-Form ihre Sicht der Ereignisse und lassen den Leser so an ihrem Denken und Handeln teilhaben. Dadurch kommt es mitunter zu Überschneidungen, um die persönliche Sichtweise zu unterstreichen. So beschreibt der Autor auf sehr anschauliche Weise den Mikrokosmos seiner Helden. Dabei sind manche Szenen schon fast Slapsticks, andere lassen den Laien staunen, was an der Börse alles möglich ist. Humor und Ernst haben sich in diesem Roman im rechten Maß gefunden und geben eine wunderbare Paarung ab. Die finanzwirtschaftlichen Schilderungen zeugen davon, dass der Autor intensiv recherchiert hat. Inhaltlich korrekt und trotzdem amüsant zu lesen, haben besonders diese Szenen mich vom Können des Autors überzeugt.

Mein Fazit: „Das war ich nicht“ ist eine gelungene Mischung aus Wirtschaftskrimi und Komödie. An keiner Stelle trocken oder langweilig, sondern stets spritzig witzig und gut zu lesen. Voller Sachverstand, erklärt Kristof Magnusson in seinem Roman ganz nebenbei die Hintergründe der Wirtschafts- und Finanzkrise. Dieses Buch empfehle ich gern weiter.

Über den Autor

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, arbeitete in der Obdachlosenhilfe in New York, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Lebt als Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Seine Komödie »Männerhort« lief an über 30 Theatern im In- und Ausland, unter anderem in Berlin mit Christoph Maria Herbst und Bastian Pastewka. Sein Debütroman »Zuhause« (Kunstmann 2005) wurde 2006 mit dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.

„Das war ich nicht“ wurde auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis nominiert.

29. Juni 2010

Beth Harbison – Kaufrausch

Einsortiert unter: 2010,ChicLit — Karthause @ 12:48
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Kaufrausch
Beth Harbison
Originaltitel: Secrets of a Shoe Addict
Broschiert: 356 Seiten
Verlag: Fischer (Tb)
ISBN-13: 978-3596183364

Tiffany, Abby und Loreen begleiteten ihre Kinder zu einem Wettbewerb nach Las Vegas. Tiffany war bis zu ihrer ausufernden Shoppingtour eine ganz normale amerikanische Hausfrau und Mutter, bis sie für Designermode ein Vermögen ausgibt. Loreen lässt sich etwas naiv auf einen Gigolo ein, nach dem sie ihn bezahlen musste, versuchte sie, den Verlust beim Glücksspiel auszugleichen, es wird aber alles noch viel schlimmer. Abby, die Ehefrau eines Pfarrers, wird in der Wüstenmetropole von ihrer unrühmlichen und von ihr geheim gehaltenen Vergangenheit eingeholt. Damon, ihr früherer Liebhaber, erkennt und erpresst sie. So haben die drei Frauen binnen kürzester Zeit einen Schuldenberg von insgesamt 20.000 Dollar angehäuft. Geld muss herangeschafft werden. Der Verkauf von selbstgebackenem Kuchen oder eine Autowäscheaktion wird kaum in der kurzen Zeit zum Erfolg führen. Dann wird ihnen ein Vorschlag unterbreitet. Können sie durch Telefonsex ihre Schulden tilgen? Die „Happy Housewives“ geben alles.

Chic-Lit ist eigentlich nicht das Genre, in dem ich mich wohl fühle. So stand ich diesem Buch mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber. Aber vielleicht haben gerade meine kaum vorhandenen Erwartungen dazu beigetragen, dass ich mich beim Lesen doch recht gut amüsiert habe. Klar, mit den drei Weibchen, die jedem Klischee entsprechen, habe ich relativ wenig Gemeinsamkeiten. Aber die Sicht auf die Frauen, wenn diese auch ziemlich überspitzt war, bot recht nette, leichte Unterhaltung. Der Roman ist sehr dialoglastig und aufgrund des flüssigen Schreibstils war das Buch schnell gelesen. Für ein wenig Spannung war durch die zwielichtige Vergangenheit Abbys gesorgt. Die großen Überraschungen und Wendungen blieben aus und wie vorhergesehen, gestaltete sich dann auch das Ende.

Mein Fazit: Wer „Sex in the City“ oder „Desperate Housewives“ gern sieht, wird dieses Buch mit Sicherheit mögen. Anderenfalls bietet es leicht verdauliche Unterhaltung sowie den einen oder anderen Lacher und kann über ein verregnetes Wochenende gut hinweg trösten.

Über den Autor

Elizabeth (Beth) Harbison stammt aus der Nähe von Washington, D.C. Sie studierte Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaften in London und Washington. Dann arbeitete sie als Koch in der amerikanischen Hauptstadt und veröffentlichte drei Sachbücher zu diesem Thema. Seit ihrer Kindheit schreibt sie Geschichten und ist als Autorin mehrerer romantischer Komödien erfolgreich.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Washington, D.C.

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