Karthauses Bücherwelt …

21. Juni 2010

Jodi Picoult – Das Herz ihrer Tochter

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Das Herz ihrer Tochter
Jodi Picoult
Originaltitel: Change of Heart
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag GmbH
ISBN-13: 978-3492053006

New Hampshire 1996. Die schwangere June Nealson wurde vom Schicksal schwer getroffen. Ihr erster Ehemann kam vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Ihr zweiter Mann, der Polizist Kurt, und ihre Tochter Elizabeth wurden von Shay Bourne ermordet, der im Haus der Familie kleinere und größere liegen gebliebene Reparaturen durchgeführt hat. Von einem Geschworenengericht wurde er zum Tod durch die Giftspritze verurteilt.

11 Jahre später. Junes Tochter Claire, die kurz nach dem schrecklichen Ereignis geboren wurde, ist schwer herzkrank, sie wartet auf ein Spenderorgan und die Zeit wird knapp. Unterdessen wartet der Todeskandidat Shay auf die Vollstreckung des Urteils. Er erfährt von der Krankheit des Mädchens und fühlt sich berufen, ihr sein Herz zu spenden, das rein zufällig nach Größe und medizinischen Parametern bestens geeignet ist. Nur die Giftspritze macht sein Herz für eine Transplantation unbrauchbar. In einem erneuten Prozess soll entschieden werden, ob die Art der Vollstreckung noch geändert werden kann.

Wie auch schon in ihren anderen Romanen erzählt Jodi Picoult diese Geschichte abwechselnd in relativ kurzen Kapiteln aus der Perspektive von vier unmittelbar beteiligten Personen, wodurch der Roman gut strukturiert wirkt. Da ist June, die gleichzeitig die Stimme ihrer todkranken Tochter ist und zweifelt, ob das Herz eines Mörders wirklich ihre Tochter retten soll. Maggie, die Gegnerin der Todesstrafe, berichtet von ihrer Arbeit als Shay’s Anwältin. Michael war bereits Geschworener bei Shay’s 1. Prozess und jetzt kümmert er sich als Pfarrer um dessen Seelenheil. Und Lucius, Shay’s aidskranker Zellennachbar, lässt den Leser am Gefängnisalltag teilhaben. Shay selbst kommt nicht zu Wort.

Auch in diesem Roman greift die Autorin wieder interessante und brisante Themen auf, für meinen Geschmack sind es allerdings zu viele. Während die Todesstrafe und die Organspende noch halbwegs glaubwürdig, wenn auch sehr zufallsbehaftet, behandelt wurden, war für mich die Messiasgeschichte um Shay an den Haaren herbei gezogen und nur schwer zu ertragen. Die von ihm ausgehenden Wunder waren unglaubwürdig, abstrus und nicht nachvollziehbar. Auch ihr angenehmer Schreibstil half nicht über jede Länge hinweg, so dass ich doch manche Seite nur noch oberflächlich las. Wie auch in ihren anderen Romanen kommt es auch in diesem zur (inzwischen erwarteten) unerwarteten Wendung. Von Jodi Picoult habe ich schon einige Romane gelesen, die jedoch alle dem gleichen Muster entsprachen, mit der Zeit verliert das jeden Reiz, dieser Roman war mit Abstand ihr schwächster.

Mein Fazit: „Das Herz ihrer Tochter“ ist ein thematisch überladener Roman, der von Zufällen und Wundern lebt. Eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen.

Über den Autor

Jodi Picoult, geb. 1967 auf Long Island, veröffentlichte 1992 ihren ersten Roman, der sofort zu einem großen Erfolg wurde. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Mit dem Roman ‘Beim Leben meiner Schwester’, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, gelang ihr der Durchbruch in den USA. Sie gehört inzwischen zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde 2007 in England zur Autorin des Jahres gewählt.

21. Februar 2010

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Einsortiert unter: 2010,Belletristik — Karthause @ 19:35
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Wasser für die Elefanten
Sara Gruen
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.
ISBN-13: 978-3499248450

Jacob Jankowski ist 90 Jahre alt oder ist er doch schon 93? Aber das ist für ihn auch nicht wichtig. Als eines Tages ein Zirkus seine Zelte vor dem Heim aufbaut, werden Erinnerungen in Jacob geweckt, der tapfer und kauzig zugleich gegen den Einheitsbrei im Altenheim aufbegehrt, der die junge Pflegerin Rosemarie (auch sie hat die 40 schon eine Weile hinter sich gelassen) in sein Herz geschlossen hat und der sehnsüchtig auf die Besuche seiner Angehörigen wartet, obwohl er nie weiß, wer nun eigentlich kommt. Aber an diesem Tag, an dem der Zirkus da ist, wartet er besonders ungeduldig. Und immer wieder gehen seine Gedanken zurück in die Vergangenheit.

Als Jacob mit 23 Jahren kurz vor der Abschlussprüfung zum Tierarzt stand, verunglückten seine Eltern tödlich. Planlos ging er an den Bahngleisen entlang und sprang aus Verzweiflung ohne groß zu überlegen auf den erstbesten Zug auf. So kam er zu „Benzini`s spektakulärster Show der Welt“, einem Wanderzirkus, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Da er ja fast Tierarzt war, der Abschluss war für Onkel Al nur eine reine Formsache, konnte er bleiben. Er fasste schnell Fuß und nach ein paar anfänglichen Problemen fand er auch Freunde. So lernte er die Dressurreiterin Marlena und deren paranoid schizophrenen und äußerst eifersüchtigen Ehemann August kennen, diesen näher als es ihm lieb sein konnte. Eines Tages kaufte Al aus der Konkursmasse eines anderen Zirkus die Elefantendame Rosie. Damit begannen aber erst die richtigen Probleme im Zirkus.

Sara Gruen erzählt die Geschichte des Jacob Jankowski auf zwei Zeitebenen. Sie schildert gegenwärtig sein Leben im Altenheim und blickt immer wieder 70 Jahre zurück und berichtet von Jacobs Leben im Zirkus. Beide Erzählstränge hat sie glaubwürdig mit Leben gefüllt. Die Eintönigkeit des Heimalltages wird so eindringlich geschildert, dass man sich als Leser freut, wenn Jacob seine Lieblingspflegerin zu Gesicht bekommt. Die kleinen Zänkereien zwischen den Heimbewohnern, seine fühlbare Einsamkeit und seine Sehnsucht nach Abwechslung belegen das auf eine sehr einfühlsame Weise. Aber auch das Vergangene wird mit einem sehr ausgeprägten Gespür für die damalige Zeit erzählt. Die Weltwirtschaftskrise und die Prohibition sind mit ihren Auswirkungen auf den um sein Überleben kämpfenden Wanderzirkus überzeugend dargestellt. Als dann noch die verfressene Rosie aufgenommen wurde, die sich zunächst jeder Zurschaustellung ihrer Kunststücke entzog und auch durch August’s Gewaltausbrüche nicht zu Kunststücken bewegt werden konnte, wurden die finanziellen Mittel immer weniger, so dass nicht nur die Arbeiter sondern auch die Artisten nicht mehr bezahlt werden konnten und die Stimmung unter den Zirkusleuten immer angespannter wurde. So werden die Standesunterschiede, die Härten des Zirkusleben, und der Alltag unter wirklich einfachsten, um nicht zu sagen primitivsten, Bedingungen eindringlich dargestellt.

Mit viel Liebe zum Detail lässt die Autorin den Leser am Leben ihres Protagonisten teilhaben, dabei kam aber nie irgendwelche sentimentale Zirkusromantik auf. Sie verstand es gut die gesamte Bandbreite der Emotionen bei mir anzuregen. Das Ende erscheint auf den ersten Blick zwar etwas konstruiert, mir hat es aber trotzdem sehr gefallen. Der Kreis hat sich geschlossen.

Mein Fazit: „Wasser für die Elefanten“ ist ein sehr detailreicher Roman der glaubwürdige Einblicke in das Leben des Jacob Jankowski gibt. Sara Gruen hat es geschafft, mich mit dieser Geschichte zu unterhalten und zu informieren. Für mich war es in diesem Jahr ein erstes Highlight, ein Buch das gern ein paar Seiten hätte mehr haben dürfen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sara Gruen schrieb vor »Wasser für die Elefanten« zwei Jugendromane. Sie lebt mit Mann, drei Kindern, vier Katzen, zwei Ziegen, zwei Hunden und einem Pferd in North Carolina. Derzeit arbeitet sie an ihrem vierten Roman.

9. Januar 2010

Joyce Carol Oates – Zombie

Einsortiert unter: 2010,Krimi/Thriller — Karthause @ 11:23
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Zombie
Joyce Carol Oates
Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
Verlag: DVA
ISBN-13: 978-3421051783

Quentin ist 31 Jahre alt, er ist einsam. Für seine Eltern, der Vater ist Professor, ist er DIE Enttäuschung. Im Ort stößt er wegen seiner Homosexualität auf Ablehnung, nur für seine Großmutter ist er wegen der gelegentlichen Gefälligkeiten ein großartiger Enkel. So gerät er ins Abseits, ist von dem Wunsch beseelt, sich einen Zombie zu schaffen, der ihm hörig ist und wird so zum Serienmörder. Seine Opfer sucht er sich in anderen Ortsteilen oder unter Anhaltern, die in seinem Haus wohnenden Studenten sind tabu. Deren Verschwinden wäre zu auffällig. Er führt an seinen Opfern chirurgische Versuche zur frontalen Lobotomie durch, eine unglaubliche Grausamkeit – auf nähere Erläuterungen möchte hier verzichten.

Joyce Carol Oates hat mit diesem Psychogramm eines Serienmörders ein Buch vorgelegt, das aufgrund der Länge, der Kapiteleinteilung und der eingefügten Skizzen recht schnell zu lesen ist, das aber den Leser auch noch nach der Lektüre beschäftigt. Sie hat den Schwerpunkt ihres Buches nicht auf Effekthascherei und blutige Szenen gerichtet. Es hat mir keine schlaflosen Nächte bereitet, in Gedanken war ich jedoch, wie so oft auch in der Realität, mit der Frage beschäftigt, warum hat keiner etwas bemerkt. Die Autorin schreibt dieses Portrait vollkommen nüchtern, emotionslos und wertungsfrei. Die 57 relativ kurzen Kapitel erinnern an Tagebucheinträge. Teilweise schreibt Quentin P. von sich selbst auch in der 3. Person. So kommt es dazu, dass man als Leser das Gefühl hat, wirklich in die Gedankenwelt einen Psychopathen einzutauchen. Die eingefügten Skizzen, die kindlich und nur flüchtig hingeworfen erscheinen, runden den Eindruck, dem man von dem Protagonisten hat, ab. Stilistisch ist es kein Meisterwerk, aber gute, nachhaltige und interessante Unterhaltung bietet Joyce Carol Oates auf jeden Fall.

Mein Fazit: „Zombie“ ist das hervorragend gezeichnete Portrait eines kranken Kopfes. Einzig die recht kurzen Kapitel haben mich etwas gestört. Es war das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, ich bin neugierig auf weitere geworden.

Über die Autorin (Quelle: Wikipedia)

Joyce Carol Oates (* 16. Juni 1938 in Lockport im US-Bundesstaat New York) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Gelegentlich publiziert Oates auch unter den Pseudonymen Rosamond Smith und Lauren Kelly.
Oates stammt aus einfachen Verhältnissen der weißen unteren Mittelschicht. Ihr Vater war Werkzeugmacher und Farmer. Ihre Schwester Lynn musste wegen Autismus in ein Heim.1956 erhielt Oates ein Stipendium und studierte in Syracuse und an der University of Wisconsin Englisch und Philosophie. Sie erwarb 1960 den B.A. und 1961 den M.A. Von 1961 bis 1967 war sie Anglistik-Dozentin an der University of Detroit, von 1967 bis 1978 wirkte sie an der Universität im kanadischen Windsor. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence an der Princeton University (New Jersey) gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Kreatives Schreiben.
Seit 1961 war Joyce Carol Oates mit Raymond J. Smith (1930–2008) verheiratet, der als Professor für Literaturgeschichte in Princeton lehrte. Das Paar hatte keine Kinder. Gemeinsam gaben sie die „Ontario Review of Books“ heraus. Im März 2009 heiratete Oates den Neurowissenschaftler Charles Gross.

7. Januar 2010

Greg Iles – Leises Gift

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:29
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Leises Gift
Greg Iles
Originaltitel: True Evil
Broschiert: 604 Seiten
Verlag: BasteiLübbe
ISBN-13: 978-3404159673

Klappentext

Dr. Chris Shepard hat die junge Frau, die in seine Arztpraxis kommt, nie zuvor gesehen. Alex Morse gibt sich als Agentin des FBI zu erkennen. Sie sei, so sagt sie, auf der Spur eines Scheidungsanwalts, der seinen Klienten einen ganz besonderen Dienst bietet: Ihre Ehepartner sterben auf unerklärliche Weise. “Okay. Aber warum erzählen Sie mir das?” Zum ersten Mal blickte Agentin Morse unbehaglich drein. “Weil …”, sagte sie schließlich zögernd, “vor genau einer Woche Ihre Frau nach Jackson gefahren ist und zwei Stunden im Büro dieses Anwalts verbracht hat.”

Meine Meinung

Greg Iles lässt diesen Thriller mit einem unglaublichen Verdacht beginnen. FBI-Agentin Alex Morse wird am Sterbebett ihrer Schwester mit dem Verdacht konfrontiert, deren Tod sei nicht Folge einer heimtückischen Krankheit, sondern Mord. Als sie auf eigene Faust ermittelt, kommt sie unglaublichen Dingen auf die Spur.

Dieser Thriller beginnt eher bedächtig – jedenfalls für mich, die bei diesem Genre gern zu den etwas blutigeren Stories greift. Aber so unvorstellbar wie diese beginnt, so glaubwürdig-subtil nimmt sie ihren Lauf. Greg Iles versteht es meisterhaft, die Spannung zu halten, den Leser zu fesseln und an der Geschichte zu halten, dabei ist die Mordmethode so originell wie selten, fast schon perfekt. Die Charaktere der Hauptpersonen überzeugen, wenn auch in der üblichen Rollenverteilung von gut und böse, wie (fast) immer in dieser Art Buch fehlt auch hier die Grauzone. Aber darauf kann ich mich problemlos einlassen. Einzig der Schluss kam mir (mal wieder) zu actionlastig daher. Aber Thrillerautoren lieben wahrscheinlich als Ende das groß aufgebotene Finale.

Von Greg Iles habe ich bereits folgende Bücher gelesen:

Blackmail

24 Stunden

29. Dezember 2009

Colum McCann – Die große Welt

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 17:08
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Die große Welt
Colum McCann
Gebundene Ausgabe: 537 Seiten
Verlag: Rowohlt, Reinbek
ISBN-13: 978-3498045111

New York. August 1974. Auf einem zwischen den Twin Towers gespannten Seil balanciert im 110. Stockwerk, etwa 500 Meter über der Erde ein Hochseilartist. Für die Passanten scheint in diesem Moment die große Welt stillzustehen. Fasziniert und wie gebannt schauen sie an den Himmel und betrachten diesen Balanceakt.

Aber unten auf der Erde geht das Leben weiter. Es ist für viele ein nicht weniger riskanter Drahtseilakt. Da ist Corrigan. Der gläubige Ire, hilfsbereit und aufopferungsvoll bis zur Selbstaufgabe. Selbst keusch und in Armut lebend, unterstützt er die Prostituierten der Bronx. Sein Bruder ist gekommen und bemüht sich, Corrigans Leben in andere Bahnen zu lenken, versucht ihn aus diesem gefährlichen Viertel zu holen. Aber dessen Weg ist durch seine Kindheit vorgezeichnet. Tillie, die 38jährige Großmutter und Jazzlyn, ihre Tochter, sind Straßenhuren und nehmen Corrigans Hilfe wie selbstverständlich an. Ihr Leben ist hart und nicht immer bewegen sie sich auf legalen Gebiet. Eine Geschichte von Huren und eine von Heiligen, beide eng verknüpft. Aber auch das Künstlerpärchen Lara und Blain sind durch die Geschehnisse um Corrigan in diese Handlung involviert und stehen ebenso wie alle anderen am Scheideweg.

Eine weitere Geschichte führt den Leser zu den New Yorker Müttern, die ihre Söhne im Vietnamkrieg verloren. Sie haben ein gemeinsames Schicksal, Claire allerdings fühlt sich zu der Gruppe nicht so ganz dazugehörig, sie gehört zur New Yorker Oberschicht. Claires Ehemann ist Richter, und er verhandelt just an diesem Tag den Prozess, in den Tillie und Jazzlyn verstrickt sind und wünscht sich nicht mehr als den Prozess um den Artisten zu übernehmen.

Immer wieder, zwischen den fiktiven Einzelschicksalen, greift Colum McCann die Rahmenhandlung, die auf dem realen Hochseilakt des Philippe Petit fußt, auf und verwebt die einzelnen Handlungsstränge miteinander. Das verbindende Element ist der Abgrund, vor dem alle Protagonisten in ihrer speziellen Situation stehen. Wer stürzt ab, wer kann sich halten? Lest selbst.

Colum McCann ist ein begnadeter Erzähler. Noch kein Buch von ihm hat mich enttäuscht. Schon nach wenigen Seiten bin ich gefangen von seinem Stil, seiner Sprache, seinen Stories, seinen lebensechten Protagonisten. In seinem Roman „Die große Welt“ hat er es geschafft, den Blick des Lesers vom Mikrokosmos der einzelnen Personen auf das Große alles Verbindende zu lenken. Er lässt gezielt Gegensätze aufeinander prallen, die schon angesprochene Konstellation von Hure und Heilige, aber auch Reich und Arm, Gesetzeshüter und Gesetzesbrecher und nicht zuletzt Leben und Tod. All dies wird stimmig, mit einem guten Auge fürs Detail, geradlinig, sehr feinfühlig, intensiv und authentisch erzählt.

Mein Fazit: Ich wünschte, es würde mehr Bücher dieser Art geben, für die ich eher Feierabend mache, nur schnelle Mahlzeiten zubereite und die Nacht lesend verbringe. All das habe ich für dieses Buch getan. Leider hatte das Buch nur 537 Seiten und die waren viel zu schnell gelesen. Es war mein ganz persönliches Highlight im Jahr 2009.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. für seine Erzählungen erhielt McCann, der heute in New York lebt, zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award for Irish Literature sowie den Rooney Prize.

Von Colum McCann las ich bisher:

Der Tänzer (2005)
Zoli (2007)

2. Dezember 2009

Armistead Maupin – Stadtgeschichten I.

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 17:53
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Stadtgeschichten I.
Armistead Maupin
Originaltitel: Tales of the City
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb
ISBN-13: 978-3499239694

Hätte ich dieses Buch nicht geschenkt bekommen, wäre ich wohl im Buchladen immer daran vorbei gegangen. Ein Jammer. Auch so zierte es noch über ein Jahr ungelesen mein Bücherregal, denn ich wusste nicht, was für eine unterhaltsame und spritzige Lektüre ich noch vor mir hatte.

Amistead Maupin lässt in dem 1. Band seiner Stadtgeschichten, die in der Barbary Lane ihren Mittelpunkt finden, ein Vielzahl von Menschen zu Wort kommen, die alle auf der Suche nach dem großen Glück sind und es in San Francisco finden wollen. Jeder einzelne Charakter wurde detailliert und liebevoll gezeichnet und so dauerte es nicht lange, bis bei mir das Gefühl aufkam, ich würde die Geschichte guter Freunde lesen. Ich fühlte mich als stiller Beobachter einer turbulenten Szene. Da ist Mary Ann Singelton, die nicht nach Cleveland zurückkehren will, ihre Vermieterin, Anna Madrigal, aufgewachsen in einem Bordell, heißt sie mit einem Joint in ihrem Haus willkommen. Ihre Mieter betreut sie überaus fürsorglich, fast so wie eigene Kinder. Das Spektrum der Protagonisten reicht weiter von der bisexuellen Hippiefrau, über den bizarren Gynäkologen, hin zur überdrehten DeDe Halcyon-Day. Alle führen auf ihre Art ein scheinbar oberflächliches Leben. Aber mit der Begegnung von Anna Madrigal und Edgar Halcyon kommt dann spürbar Tiefe in das Buch.

Der Autor gewährt dem Leser in seinem Roman einen tiefen Einblick in das Leben Ende der 70er Jahre in San Francisco. So manche Vorstellung, die ich hatte, fand ich bestätigt. „Stadtgeschichten“ ist ein leicht zu lesender, temporeicher Roman. Einzig die Vielzahl der Personen hatte mich zu Beginn ein wenig irritiert. Aber schon bald wurde das Beziehungsgeflecht verständlich und das Lesen machte nur noch Spaß. Dieses Buch lebt von der Vielzahl der geführten Dialoge, was es einem schwer macht, es zur Seite zu legen. Die Frage „Wie geht es weiter?“ lässt sich nicht verdrängen und am Ende wird auch deutlich, das nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ich freue mich nun schon auf die noch ungelesenen „Stadtgeschichten“ des Autor und hoffe mit ihnen ebenso viel Lesespaß zu haben.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Armistead Maupin (* 13. Mai 1944 in Washington, D.C.) ist US-amerikanischer Schriftsteller.

Armistead Maupin studierte Englisch an der University of North Carolina und arbeitete als Reporter und für eine Nachrichtenagentur. Maupin wurde bekannt durch seine Stadtgeschichten („Tales of the City“), die zunächst als Fortsetzungsgeschichten im San Francisco Chronicle erschienen und später als Romanreihe veröffentlicht wurden.

Weitere Werke von Maupin neben den Stadtgeschichten sind „The Night Listener“ und „Maybe the Moon“.

Stadtgeschichten-Zyklus

  1. Tales of the City. 1981 (deutsch: Stadtgeschichten 1993)
  2. More Tales of the City. 1980 (deutsch: Mehr Stadtgeschichten 1993)
  3. Further Tales of the City. 1982 (deutsch: Noch mehr Stadtgeschichten 1993)
  4. Babycakes. 1984 (deutsch: Tollivers Reisen 1993)
  5. Significant Others. 1987 (deutsch: Am Busen der Natur 1993)
  6. Sure of You. 1989 (deutsch: Schluss mit Lustig 1994)
  7. Michael Tolliver Lives. 2007 (deutsch: Michael Tolliver lebt. Die neuesten Stadtgeschichten 2008)

29. September 2009

Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 16:03
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Ein König für Deutschland Andreas Eschbach Gebundene Ausgabe: 491 Seiten Verlag: Lübbe ISBN-13: 978-3785723746
Ein König für Deutschland
Andreas Eschbach
Gebundene Ausgabe:
491 Seiten Verlag: Lübbe
ISBN-13: 978-3785723746

Entscheidend ist nicht, ob wirklich alle Stimmen korrekt gezählt werden; entscheidend ist, dass alle glauben, dass sie korrekt gezählt werden.“

Vincent Wayne Merrit (21) ist ein talentierter Programmierer. In Florida arbeitet er bei einer kleinen Softwarefirma mit einer ambitionierten Chefin und steigt schnell zum 1. Programmierer auf. Dann bekommt er im Jahr 2000 den Auftrag, für einen Abgeordneten ein Programm zu Test- und Studienzwecken zu schreiben, dass die Abstimmungsergebnisse der Wahlcomputer verändern kann. Bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, hat er zunächst Skrupel. Seine Chefin zerstreut seine Bedenken und Vincent erfüllt seinen Auftrag. Als er das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen sieht, kommen Zweifel in ihm auf, ob sein Programm wirklich nur zu Testzwecken genutzt wurde.

Zanetti, der Geliebte der Firmenchefin, erpresst ihn 8 Jahre später mit seinem Wissen über dieses Programm. Vincent soll noch einmal ein solches Programm schreiben. Dieses Mal aber kein zu Testzwecken bestimmtes, sondern ein einsatzfähiges Programm, das bei den Landtagswahlen in Hessen eine Patt-Situation herbeiführen soll.

Vincent gelingt die Flucht, er will sein Programm nicht an Zanetti liefern. Deshalb schickt er es seinem in Deutschland lebenden Vater, Simon König, den er persönlich gar nicht kennt, weil dieser mit Vincents Mutter nur eine sehr kurze Affäre hatte. Simon ist Lehrer an einem Gymnasium, lebt sehr zurückgezogen und weiß von Computern im Prinzip nur, dass es sie gibt. Er soll die CD, die ihm sein Sohn schickte, sicher aufbewahren. Das gelingt ihm nicht einmal einen Tag lang. Und eine Geschichte, die so unvorstellbar gar nicht ist, nimmt ihren Lauf.

Andreas Eschbach setzt seinem Roman das Zitat Stalins voran: „Diejenigen, die wählen, entscheiden gar nichts. Diejenigen, die die Stimmen auszählen, alles.“, das den Leser gedanklich schon auf die hochaktuelle und brisante Handlung vorbereitet.

In gewohnter Manier führt der Autor den Leser auch in seinem neuesten Roman an ein heikles Thema, die Manipulierbarkeit von Wahlen, demokratischen Wahlen mit geheimer Abstimmung mittels Wahlcomputer. Auch in diesem Roman schafft er es, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. So gefangen ist man in der logisch aufgebauten Handlung und der kontinuierlich gesteigerten Spannung.

Zum besseren Verständnis für die Computerlaien und die normalen Wahlurnenbesucher hat er mittels Fußnoten entsprechende Erklärungen eingebaut, die gleichzeitig die exakte Recherche belegen und die Realitätsnähe dokumentieren. Das gilt auch für die theoretische Möglichkeit, in Deutschland die Monarchie wieder einzuführen.

Andreas Eschbach erzählt seinen Roman in zwei Haupthandlungssträngen, die in den USA angesiedelte Geschichte um Vincent Merrit und den in Deutschland spielenden Teil um den Normalbürger Simon König.

Der einzige Kritikpunkt in diesem Buch ist für mich die Rolle Vincents im letzten Drittel dieses Romans. Für meinen Geschmack hatte der Zufall Vincent den Zugang zum Computer ein bisschen einfach ermöglicht. Diese zusätzliche Action hätte die Romanhandlung nicht erfordert.

Alles in Allem ist es Andreas Eschbach wieder einmal gelungen, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, mit denen ich an diesen Roman ging. Ein flüssig geschriebener und spannend zu lesender Thriller entschädigten mich für eine zweieinhalbjährige Wartezeit auf den neuen Eschbach. Ich kann diesen Roman an die Liebhaber dieses Genres ruhigen Herzens empfehlen.

Das Bundesverfassungsgericht urteilte über den Einsatz von Wahlcomputern am 03. März 2009.

Weitere von mir gelesene Bücher des Autors
Quest
Das Jesus-Video
Ausgebrannt
Eine Billion Dollar

28. Juli 2009

Jeffery Deaver – Der Täuscher

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 19:02
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Der Täuscher

Jeffery Deaver

OT: The Broken Window

Gebundene Ausgabe: 544 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

ISBN-13: 978-3764502966

In diesem 8. Fall des Ermittler-Duos Lincoln Rhyme/Amelia Sachs wird es für den gelähmten Ermittler Rhyme persönlich. Sein Cousin Arthur Rhyme wurde wegen Mordverdacht inhaftiert. Auf den ersten Blick erscheint die Beweislast erdrückend zu sein. Bei näherer Betrachtung, wird deutlich, dass es mehrere ähnlich gelagerte Fälle gibt. Den wahren Mörder gilt es nun schnellstens zu finden. Doch das erweist sich als äußerst kompliziert, denn der perfide Täter tarnt sich, indem er durch Datendiebstahl fremde Identitäten annimmt. So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn das Morden geht weiter…

Jeffery Deavers Thriller sind für mich ein Garant für gute und spannende Unterhaltung und diesem Anspruch wird auch dieser 8. Fall um die Ermittler Rhyme/Sachs gerecht. Vom Aufbau sind die einzelnen Fälle sehr ähnlich. Es gibt einerseits die Ermittlerperspektive, dem gegenüber steht die des Täters, der dabei aber nicht identifiziert wird und in diesem Part des Thrillers in der Ich-Form erzählt. Darüber hinaus taucht der Leser mit jedem neuen Fall der Reihe etwas tiefer in das Privatleben und die Vergangenheit der beiden Ermittler ein. Aber jeder Fall ist anders, sowohl von der Thematik als auch vom Spannungsaufbau. In diesem steht der Diebstahl, der Missbrauch und die Manipulation von persönlichen Informationen im Mittelpunkt. Dabei wird aufgezeigt, wie Daten aus dem Gebrauch von Rabatt-, Geld- und Kreditkarten, Spuren im Internet, Informationen aus verschiedensten Verträgen Lebensgewohnheiten widerspiegeln und den Menschen gläsern werden lassen. Ein brisantes Alltagsproblem, bei dem jeder darauf baut, dass seine persönlichen Daten nicht in falsche Hände kommen.

Auch sprachlich ist dieser Thriller ein echter Deaver, dessen Stil durch eine flüssige Schreibweise und den konsequenten Aufbau eines Spannungsbogen unter Verwendung jeder einzelnen Spur gekennzeichnet ist. So wird der Leser förmlich von Kapitel zu Kapitel getrieben. Es gibt immer wieder neue Wendungen, schnell taucht ein Verdacht auf, nur, um ein paar Seiten später wieder verworfen zu werden. Die Charaktere werden brillant beschrieben und der Aufbau des Thrillers ist gewohnt intelligent. Er spielt mit den Ängsten der Menschen und ist absolut nachvollziehbar.

Mein Fazit: „Der Täuscher“ ist für mich der beste – weil auch aktuellste – Deaver, den ich bisher gelesen habe. Dem Leser wird Spannung und Unterhaltung auf höchstem Niveau geboten. Ich kann diesen Thriller uneingeschränkt jedem Liebhaber dieses Genres empfehlen.

Lincoln-Rhyme-Reihe

1. Fall Die Assistentin/Der Knochenjäger – 1997 – OT: The Bone Collector

2. Fall Letzter Tanz – 1998 – OT:The Coffin Dancer

3. Fall Der Insektensammler – 2000 – OT: The Empty Chair

4. Fall Das Gesicht des Drachen – 2002 OT: The Stone Monkey

5. Fall Der faule Henker – 2003 – OT: The Vanished Man

6. Fall Das Teufelsspiel – 2005 – OT: The Twelfth Card

7. Fall Der gehetzte Uhrmacher – 2006 – OT: The Cold Moon

8. Fall Der Täuscher – 2008 – OT: The Broken Window

Über den Autor (www.amazon.de)

Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt und haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans “Die Assistentin” unter dem Titel “Der Knochenjäger” (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

25. Mai 2009

Simon Beckett – Obsession

Einsortiert unter: 2009,Krimi/Thriller — Karthause @ 10:53
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Obsession

Simon Beckett

OT: Owning Jacob

Rowohlt-Taschenbuch

ISBN: 978-3499248863

9,95 EUR

Als Sarah starb, blieb Ben nur noch ihr autistischer Sohn Jacob. Als er beim Aufräumen eine Schatulle mit Zeitungsartikeln über eine Kindesentführung fand, wird Ben nachdenklich. Denn der Säugling wurde genau an dem Tag entführt, an dem Sarahs Sohn geboren wurde. Auf eigene Faust beginnt er sich mit Ermittlungen, die ihn bis zur Obsession treiben…

Obsession“ ist der erste Roman den ich von Simon Beckett las und gleich vorweg, ich fand ihn nicht schlecht. Der Thriller entwickelte sich zügig, war actionreich geschrieben und spannend. An manchen Stellen war die Handlung ein wenig an den Haaren herbeigezogen und somit auch nicht ganz schlüssig. Bens Abneigung allen im Roman vorkommenden Frauen gegenüber konnte ich bis zum Schluss nicht begreifen, aber auch ein Thriller-Held hat halt manchmal ein unbewusstes Feindbild neben dem eigentlichen Gegner. Das Hin und her um den autistischen Jungen hat sehr berührt, Die Rolle, die die Behörden dabei spielten, war keine gute, aber gerade das Festhalten an Paragraphen und Vorschriften empfand ich als sehr realitätsnah.

Mein Fazit: „Obsession“ ist ein kurzweiliger Thriller für zwischendurch, der gut unterhält. Der allgemeinen Meinung nach zu urteilen sollen ja seine aktuelleren Thriller um Längen besser sein. Ich bin gespannt.

Über den Autor (www.amazon.de)

Simon Beckett, geboren 1968, versuchte sich nach Abschluss eines Englischstudiums als Immobilienhändler, lehrte Spanisch und war Schlagzeuger. 1992 wurde er freier Journalist und schrieb für bedeutende britische Zeitungen wie “Times”, “Daily Telegraph” oder “Observer”. Im Laufe seiner journalistischen Arbeit spezialisierte Beckett sich auf kriminalistische Themen. Als Romanautor trat er zuerst 1994 an die Öffentlichkeit. Simon Beckett ist verheiratet ist und lebt in Sheffield. Andree Hesse wurde 1966 in Braunschweig geboren und wuchs bei Celle auf. Nach einer Sattlerlehre studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Er lebt als Schriftsteller und Übersetzer englischsprachiger Literatur in Berlin.

29. Januar 2009

Elinor Lipman – Als sie mich fand

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 21:34
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April Epner wurde als Säugling adoptiert, sie liebte ihre Adoptiveltern und hat sich über ihre leibliche Mutter nie besondere Gedanken gemacht. Diese jedoch hat die Entwicklung ihrer Tochter aus der Ferne verfolgt. Nach dem Tod der Adoptiveltern meldet sie sich bei April und will nun alles nachholen, was sie in den vergangenen dreißig Jahren versäumt hat. Die leibliche Mutter ist die extrovertierte Bernice Graverman, ein Fernsehsehstar. Zurückhaltung und Feingefühl kennt sie nicht, für ihre Begriffe erscheint ihr der Beruf der Tochter, diese ist Lateinlehrerin, ziemlich bieder und gern möchte sie Aprils Lebensumstände von Grund auf umkrempeln. Bernice überschüttet die Tochter mit Aufmerksamkeiten und Geschichten aus der Vergangenheit. Sie schönt ihre Lebensgeschichte, lange bleibt offen, was ist wahr und was der besseren Wirkung wegen erfunden. Die beiden Frauen sind grundverschieden und es ist über weite Strecken des Buches ungewiss, ob beide sich finden werden oder auf welcher Ebene sie sich arrangieren.

Dieses Buch las ich als Zwischenlektüre, weil ich bei einem Krimi ins Stocken gekommen bin. Für mich war es in diesem Moment das richtige Buch zur richtigen Zeit. In einen locker leichten Stil geschrieben, hat es sich wunderbar schnell weggelesen. Es war unterhaltsam und amüsant die Annäherung der beiden Frauen zu verfolgen. Schließlich kommt noch eine Liebesgeschichte ins Spiel, aber das gehört bei solchen amerikanischen Stories dazu. Der Titel „Als sie mich fand“ ist bezeichnend für das Buch. Ich habe es gern gelesen. Es gehört sicher nicht zur großen Literatur, mich hat es aber gut unterhalten.

Dieses Buch wurde bereits 1994 unter dem Titel „Lieber ohne meine Mutter“ veröffentlicht.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Elinor Lipman ist Autorin vieler erfolgreicher Romane und veröffentlicht in allen wichtigen Presseorganen der USA. Außerdem unterrichtete sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges. Sie lebt mit Mann und Sohn in Massachusetts.

Broschiert: 363 Seiten * Verlag: Dtv * ISBN-13: 978-3423210874

13. Januar 2009

Jodi Picoult – 19 Minuten

Einsortiert unter: 2009,Belletristik — Karthause @ 18:27
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In neunzehn Minuten kann man den Rasen vor dem Haus mähen, sich die Haare färben, Brötchen backen, sich vom Zahnarzt eine Füllung machen lassen oder die Wäsche für eine fünfköpfige Familie zusammenlegen.
Neunzehn Minuten dauert die Fahrt mit dem Auto von der Grenze Vermonts nach Sterling in New Hampshire. In neunzehn Minuten kann man einem Kind eine Gutenachtgeschichte vorlesen oder einen Ölwechsel machen lassen. Man kann eine Meile gehen. Man kann einen Saum nähen.
In neunzehn Minuten kann man die Welt anhalten oder einfach von ihr abspringen.
In neunzehn Minuten kann man Rache nehmen.“

Der Tag in Sterling in New Hampshire begann wie viele andere zuvor auch, nur Peter Houghton wusste bereits am Morgen, dass dieser Tag allen in Erinnerung bleiben würde. Der 17jährige wurde vom ersten Schultag an von anderen Schülern gemobbt. Er hatte keine Freunde, Josie Cormier, in die er verliebt war, gehörte zur Gruppe der Angesehen an der Sterling High School und hatte sich von ihm abgewendet. Von seinen Eltern wurde er geliebt. Aber auch dies stellte er in Frage, denn nach dem Unfalltod seines älteren Bruders hatte dieser in den Herzen der Eltern einen ganz besonderen Platz. So kam es, dass innerhalb von 19 Minuten aus einem ganz normalen Morgen ein grauenhaften Tag werden konnte. Peter lief Amok. 10 Menschen starben, 19 wurden zum Teil schwer verletzt.

19 Minuten“ hat mich schnell in seinen Bann gezogen, allerdings kann ich nicht so richtig erklären, warum. Viele der Protagonisten sind nicht besonders fein charakterisiert, sondern eher skizziert. Die Autorin nähert sich diesem Amoklauf auf verschiedenen Zeitebenen. Sie betrachtet die Entwicklung Peters vom Kind zum Jugendlichen, die Tat selbst und die Zeit danach. Sie berichtet von der Gerichtsverhandlung, denn der Täter wurde lebend gestellt. Aus Kenntnis anderer Bücher dieser Autorin war mir jedoch klar, so einfach kann die Story nicht ausgehen, sie muss noch einen Haken haben, den hatte sie dann auch, sogar in der Richtung, die ich vermutete. Trotzdem konnte ich von dem Buch nur schwer Finger und Augen lassen, so dass ich es in kurzer Zeit ausgelesen hatte. Wahrscheinlich ist es der Stil von Jodi Picoult, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu schildern, der mich immer bei der Sache bleiben ließ. Sie schaffte es die Gefühlswelt der betroffenen Personen so zu schildern, dass der Leser versteht´und nicht pauschal verurteilt. Es gibt bei ihr nicht nur schwarz oder weiß, sondern vorwiegend Grautöne und diese in allen Schattierungen. Besonders beeindruckt hat mich die Schilderung von Lacy Houghton, Peters Mutter. Ihre Gedanken und Gefühle und auch die Selbstvorwürfe konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ein bisschen flach fand ich, dass dieses Buch nicht ohne die Liebesgeschichte zwischen der Richterin Alex Cormier und dem Ermittler Patrick DuCharme auskommen konnte, aber das ist sicher reine Geschmackssache.

Mein Fazit: „19 Minuten“ ist ein packender Roman, der mich irgendwo zwischen Verstehen und Verurteilen gepackt hat und der mir einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt dieses jungen Amokläufers gab. Wie bisher in allen Büchern von Jodi Picoult bleibe ich mit ein paar Fragen zurück, zu denen ich gern noch Antworten gehabt hätte. Aber alles in allem wurde ich gut unterhalten und hatte spannende Lesestunden.

Über den Autor

Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, veröffentlichte 1992 ihren ersten Roman, der sofort zu einem großen Erfolg wurde. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Mit dem Roman »Beim Leben meiner Schwester«, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, gelang ihr der Durchbruch in den USA. Sie gehört inzwischen zu den erfolgreichsten amerikanischen Erzählerinnen weltweit und wurde 2007 in England zur Autorin des Jahres gewählt. Zuletzt erschienen auf Deutsch »Die Wahrheit meines Vaters« und »Neunzehn Minuten«.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Piper – ISBN-13: 978-3492050807

31. Dezember 2008

Jodi Picoult – In einer regnerischen Nacht

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 13:35
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Maggie MacDonald hat Krebs im Endstadium. Als ihr Ehemann, Jamie, das Leiden seiner Frau nicht mehr ertragen kann, erfüllt er ihr ihren letzten Wunsch, er tötet sie. Nach seiner Tat stellt er sich der Polizei. Dazu fährt er in den Ort, in dem sein Cousin Cameron MacDonald Polizeichef ist. Cameron verhaftet Jamie, er kann den Mord auf Verlangen nicht akzeptieren. Seine Frau Allie versteht das Handeln des Familienangehörigen und ergreift offen für Jamie Partei. So kommt es zu einem tiefen Riss in der vorher scheinbar intakten Beziehung. Als Allie dann noch erfährt, dass Cameron mit ihrer Angestellten ein Verhältnis hat, ist die Beziehung am Ende. Sehr kontrovers verläuft auch die Gerichtsverhandlung. Denn es galt für Jamie und seinen Anwalt klar zumachen, dass sich Mord und und Tötung auf Verlangen durch eine Sache unterscheiden – durch die Liebe.

Wieder hat Jodi Picoult für ihren Roman ein brisantes Thema aufgegriffen, Tötung auf Verlangen. Dabei hat sie alle Seiten der Problematik sehr gut dargestellt. Die Charaktere werden realistisch und lebensnah gezeichnet. So gelingt es ihr auch die Protagonisten zu diesem Thema argumentieren zu lassen, ohne dass dem Leser eine endgültige Meinung präsentiert wird. Es bleibt ausreichend Platz für eigene Gedanken und am Ende des Buches steht fest, es gibt darin weder Richtig noch Falsch. Es gibt weder Belehrungen noch wird der moralische Zeigefinger erhoben. Als Leser wird man unauffällig gedrängt sich zu positionieren – egal wie. Der Schreibstil der Autorin war wie gewohnt gut. Allerdings fehlte es der Handlung ein wenig an Schwung. Da der Klappentext auch wieder deutlich mehr verriet als ihm zuträglich war, ging ein Stück der Spannung verloren und so hat das Buch auch die eine oder andere Lesepause vertragen.

Mein Fazit: „In einer regnerischen Nacht“ ist ein gut zu lesendes Buch zu einer interessanten Thematik. Es ist eine schöne Liebesgeschichte mit einem tragischen Ausgang. Mir hat es Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Broschiert: 504 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492250603

 

3. September 2008

Jeffery Deaver – Der gehetzte Uhrmacher

Einsortiert unter: 2008,Krimi/Thriller — Karthause @ 18:06
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Kurzbeschreibung (www.amazon.de)

Er mordet mit der unfehlbaren Präzision eines Schweizer Uhrwerks

“Der kalte Vollmond scheint die Erde an: Das Ende der Reise, die mit der Geburt begann.” Der Uhrmacher

Blutige Handabdrücke auf einem Pier – die Leiche fortgerissen von den eiskalten Fluten des Hudson River. Ein toter Mann in einer dunklen Seitengasse des Broadway – sein Brustkorb zerquetscht von einem tonnenschweren Eisenquader … Lincoln Rhyme und Amelia Sachs können zwar kein Motiv für die quälend grausamen Morde entdecken, doch dafür hat der Täter an beiden Tatorten deutliche Spuren hinterlassen: kleine, laut tickende Standuhren, die unerbittlich die letzten Sekunden im Leben der Opfer herunter zählten – die unverwechselbare Visitenkarte des “Uhrmachers”. Fieberhaft machen sich die beiden Ermittler auf die Jagd und erhalten dabei unschätzbare Hilfe von einer neuen Kollegin: Kathryn Dance, eine weltweit anerkannte Spezialistin für Körpersprache, entlarvt Falschaussagen präziser als jeder Lügendetektor. Und tatsächlich scheint mit ihrer Unterstützung der Täter schon bald entlarvt. Doch dann wird klar: Der Uhrmacher ist seinen Verfolgern längst einen entscheidenden Schritt voraus, und irgendwo im Verborgenen tickt ein Zeitzünder unerbittlich gegen Null … Der siebte Fall für den genialen gelähmten Ermittler Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs!

Meine Meinung

“Nichts ist, wie es scheint.”

Der gehetzte Uhrmacher“ ist der 7. Fall des Ermittlerduos Rhyme/Sachs.

In New York treibt ein Mörder sein Unwesen, der seine Opfer scheinbar willkürlich auswählt und an jedem Tatort eine laut tickende Uhr als persönliches Markenzeichen hinterlässt. Lincoln Rhyme ist wieder gefordert und in altbekannter Manier lässt Deaver den Leser direkt an den Ermittlungen teilnehmen. Die Ermittlungslisten werden von Kapitel zu Kapitel umfangreicher, aber dem Täter scheinen weder Rhyme noch der Leser näher zu kommen. Gleichzeitig ist Amelia Sachs dabei, ihren ersten eigenen Fall als Ermittlerin zu bearbeiten. So steht sie Rhyme nicht in dem Maße zur Verfügung, wie er sie benötigt. Dafür kommt ihm Kathryn Dance zu Hilfe, sie ist Spezialistin für die Analyse der Körpersprache. Rein zufällig stehen die beiden Fälle, dann aber doch in einem direkten Zusammenhang. Der Thriller nimmt noch einige unverhoffte, manchmal auch unnötige Wendungen, aber am Ende kommen Rhyme und Sachs ans Ziel und beide Fälle werden gelöst.

Jeffery Deavers Thriller um das Ermittlerpaar Rhyme/Sachs standen für mich immer als Garanten für Spannung und gute Unterhaltung. In dieser Hinsicht war ich von diesem etwas enttäuscht. Der Thriller hatte unerwartete Längen und auch der Spannungsbogen konnte nicht durchweg gehalten werden. Immer wieder flachte die Geschichte ab, obwohl der Plot an sich gut war. Einige Seiten weniger hätten die Handlung gestrafft und wären sowohl für das Buch als auch für mich als Leser von Vorteil gewesen. Etwas gestört haben mich auch die manchmal einfach zu durchschauenden Handlungskonstrukte. Überzeugt hat mich dieser Thriller nicht. Vielleicht hat sich nach den 7 Fällen die Story um die beiden Ermittler auch einfach nur abgenutzt. Vieles von der Genialität, mit der die beiden in den vorherigen Fällen brillierten, war unauffindbar.

Mein Fazit: „Nichts ist, wie es scheint.“ Und nicht in jedem Deaver ist die erwartete Spannung drin, die der Klappentext verspricht. Leider. Vielleicht bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Aber der nächste Thriller „Die Menschenleserin“ ist schon in der Warteschleife. Ich bin gespannt.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten * Verlag: Blanvalet * ISBN-13: 978-3764502027

30. Oktober 2007

Louis Begley – Ehrensachen

Einsortiert unter: 2007,Belletristik — Karthause @ 17:36
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Harvard zu Beginn der 50er Jahre. Sam, Henry Archie beziehen eine gemeinsame, zum Harvard College gehörende Wohnung. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft, des ungleichen Werdeganges werden die drei grundverschiedenen jungen Männer Freunde fürs Leben.

Der Ich-Erähler Sam Standisch stammt aus den Berkshires und war bereits lange Jahre in Internaten, das wurde ihm durch den Bruder seines Großvaters ermöglicht, der für den Jungen Trust zur Finanzierung seiner Ausbildung einrichtete. Sam wurde adoptiert, seine wirklichen Wurzeln findet er nie. Zu seinen Eltern hat er ein recht loses Verhältnis, schon früh hatte er sich von ihnen gelöst, dafür war nicht zuletzt das Alkoholproblem der beiden die Ursache.

Henry White ist ein aus Polen stammender Jude. Die Nazi-Zeit überlebten er und seine Eltern dank mutiger Freunde, die sie versteckten. Nach dem 2. Weltkrieg wanderte die Familie nach Amerika aus, wo sie den Familiennamen von Weiß in White änderten und der Vater eine Textilfabrik gründete. Henrys Bindung an das Elternhaus ist sehr eng, hauptsächlich begründet durch die Ängste seiner traditionsbewussten Mutter, die weiß, dass es doch in Amerika zu dieser Zeit noch mehr als ein erheblicher Makel ist, Jude zu sein und deshalb fürchtet, Henry könnte seine jüdische Abstammung verleugnen, denn sein eigenes Selbstverständnis ist ein anderes. Er sagt über sich selbst:

Solange es Leute gibt, die es kümmert, ob ich ein Jude bin, der vorgibt, keiner zu sein, so lange muss ich Jude bleiben, auch wenn ich mir innerlich nicht jüdischer vorkomme als ein geräucherter Schweineschinken. Wenn jemand mich fragt, muss ich sagen, dass ich Jude bin – es sei denn, diese Wahrheit bringt mich in ein Konzentrationslager oder kostet mich das Leben. Das bin ich mir schuldig, sonderbar für einen wie mich, der nicht glaubt, dass er irgendwem irgendwas schuldet. Aber es ist eine Ehrensache für mich.“ (Seite 49)

Archibald P. Palmer III. entstammt einer texanischen Offiziersfamilie. Er genießt das Leben und die Mädchen. Das Studium beschäftigt ihn eher nebenbei.

Louis Begley legt die Geschichte der Freundschaft der drei Männer, in deren Mittelpunkt eigentlich immer Henry steht , über einen Zeitraum an, der fast bis zur Gegenwart reicht. Da bekannt ist, dass auch Begley in Harvard studierte, drängten sich bei mir Parallelen zu seinem Leben auf, die der Autor aber in Interviews jedoch verneint hat. Zumindest verfügt er einen großen Erfahrungsschatz Harvard betreffend, aus dem er beim Schreiben seines Romans schöpfen konnte. Er zeichnet ein grandioses Bild dieser jungen, aufstrebenden und erfolgshungrigen Männer, jeder träumte seinen american dream und realisiert ihn auf ganz individuelle Weise. Sam wird ein erfolgreicher Autor. Henry und Archie gehen nach dem College zur Army. Daran anschließend studiert Henry Jura in Harvard und Archie beginnt ein Studium in Philadelphia, das er jedoch abbricht, um einen Job bei einer Investmentbank an der Wallstreet anzunehmen.

Dieses Buch ist Begley’s Hommage an Amerika, aber trotz aller Ehrerbietung findet auch gesellschaftskritische Worte. „Ehrensachen“ ist ein fantastischer Roman, der mich sehr beeindruckt hat, besonders weil er so vielfältig in den Handlungssträngen ist und die Charaktere der Protagonisten so brillant beschrieben wurden, dass sie mit Leben erfüllt waren. Der gesamte Roman findet seinen uneingeschränkten Bezug zur Realität durch die geschickt in die Handlung integrierten historischen Begebenheiten.

“Ehrensachen“ ist ein Zeitzeugnis und ein Loblied an die Freundschaft. „Ehrensachen“ ist ein Roman über das Amerika des ausgehenden 20. Jahrhundert, der hervorragend geschrieben ist und nachdenklich macht, der von tiefen Gedanken geprägt ist, aber den Leser auch schmunzeln lässt.

OT: The Matter of Honor
Gebundene Ausgabe: 444 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-10: 351841870X
ISBN-13:
978-3518418703
Gelesen: August 2007

28. Oktober 2007

Truman Capote – Sommerdiebe

Einsortiert unter: 2007,Belletristik — Karthause @ 21:03
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Frühstück bei Tiffany“ ist eines der Bücher, die ich besonders gern mag. „Sommerdiebe“ ist das Jahrzehnte lang verschollene Erstlingsfragment des gleichen Autors. Und genau das ist es in meinen Augen, ein Fragment, auf eine ganz eigentümliche Art unfertig.

Dabei fehlt es nicht an sprachlicher Gewandtheit oder gelungenen Beschreibungen. Grady ist ein Charakter, der dem Autor besonders gut gelungen ist. Die anderen blieben mir etwas farblos. So gefielen mir die Abschnitte, in denen die rebellische 17jährige in Erscheinung tritt besonders. In diesen Abschnitten war die Sprache ausgezeichnet, die gesellschaftlichen Unterschiede waren fein gezeichnet und man konnte das Können des Autors, mit dem er in späteren Werken brillierte, spüren. Dann kam es häufiger zu Brüchen in Sprache und Handlung. Meines Erachtens lässt der Roman zum Ende hin deutlich nach. Der abrupte Schluss ist dafür symptomatisch.

Alles in allem war dieses Buch eine nette Unterhaltung, die sich an einem Nachmittag flüssig und leicht lesen ließ. Ich fand es etwas naiv, aber der Autor war ja zu dem Zeitpunkt, als er „Sommerdiebe“ schrieb, erst 19 Jahre alt. Ob es in seinem Sinn war, dass dieses Fragment veröffentlicht wurde?

Gebundene Ausgabe: 145 Seiten
Verlag: Kein & Aber
ISBN-13: 978-3036951577

Anna Tyler – Im Krieg und in der Liebe

Einsortiert unter: 2007,Belletristik — Karthause @ 20:58
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Der Leser begleitet Pauline und Michael Anton auf ihrem Lebensweg von 1941 bis in die 1990er Jahre. Wären die beiden auch ein Paar geworden, wenn sie sich nicht im Krieg kennen gelernt hätten? Wohl eher nicht, sie sind einfach zu unterschiedlich. Für Pauline ist die Ehe die Verschmelzung zweier Menschen, Michael sieht in der Lebenspartnerschaft eine gemeinsame Reise zweier Menschen. So ist die Ehe der beiden auch eher ein 30jähriger Krieg, der durch diverse Waffenstillstände unterbrochen wurde. Zu Beginn des Buches kam ich in Versuchung, abzubrechen. Es waren mir einfach zu viele Streitigkeiten, die aus dem Nichts kamen und ins Nichts führten. Aber die Autorin schaffte es, eine Bindung zwischen mir und den Protagonisten aufzubauen. Gefühlsmäßig gehörte ich bald schon zur Anton-Familie. Ich wurde zum stillen Beobachter, der sowohl Pauline als auch Michael gern gelegentlich geschüttelt hätte, um sie zur Vernunft zu bringen. Es war aber auch die schöne Sprache, derer sich Anne Tyler bedient, die mich bei diesem Buch hielt. Und ich habe das Durchhalten nicht bereut. Jetzt, nachdem ich den Roman beendet habe, kann ich sagen, dass mir „Im Krieg und in der Liebe“ recht gut gefallen hat. Denn selten habe ich an einer Alltagsgeschichte, die ich persönlich mit Krieg begann und die im Verlauf der Handlung in Liebe zum Buch umschlug, so gehangen. Die Charaktere der Antons wurden so klar und facettenreich herausgearbeitet, ich hatte oft das Gefühl, sie wären gute Bekannte von mir, die ich schon lange kenne.

Mein Fazit: „Im Krieg und in der Liebe“ ist eine sehr schön geschriebene Alltagsgeschichte, wie es sie in der Realität häufig geben mag. Aber der lebensnahe Erzählstil und die wunderbare Sprache haben aus dem Buch etwas Besonderes gemacht. (Die ständigen Streitereien und die Art wie beide sich in die Ehe einbrachten, haben mich aber hin und wieder an den Rand der Fassungslosigkeit gebracht.)

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag:List
ISBN-13:978-3471789445

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