Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon.de)
Ingo Schulze erzählt vom Spätsommer 1989 – und entdeckt in der Wendezeit die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis. Im Spiel mit dem biblischen Mythos von Adam und Eva gelingt ihm eine grandiose Tragikomödie.
Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen schöne Kleider schneidert. Und Adam liebt schöne Frauen. Abgesehen davon liebt er Evelyn. Die aber ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin an den Balaton. Und Adam fährt mit seinem alten Wartburg hinterher. Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist das Paradies zum Greifen nah – und alle müssen sich entscheiden.
Meine Meinung
Das Cover kann einen schon abschrecken. Mich hat es über lange Zeit vom Lesen abgehalten, zu süßlich, zu ostalgisch verklärt, das waren meine Vorurteile zu diesem Buch. Ich musste sie revidieren. Sehr dialoglastig, was aber nicht störend ist, erzählt der Autor die Geschichte von Adam, der von den Frauen geliebt wird, weil er ihnen schöne Kleider näht und dann die Anproben mitunter sehr individuell gestaltet. Als Evelyn ihn auf frischer Tat erwischt und ihm dann sagt, er solle doch abhauen, bekommt dieser Satz in Anbetracht der Zeit gleich noch eine ganz andere Bedeutung. Auf sehr unterhaltsame und amüsante Weise, immer mit einem Augenzwinkern, erzählt Ingo Schulz die Liebesgeschichte von Adam und Evelyn und ihren Verlockungen. Seine Protagonisten hat er sehr realistisch und sehr menschlich gezeichnet. Sie haben Schwächen und Stärken, sie sind liebenswert normal.
Ingo Schulzes Schreibstil ist fast schon minimalistisch. Oft reißt er Szenen nur an, kurze knappe Sätze reichen ihm dafür aus. Immer lässt er Raum für eigene Gedanken. Trotzdem gelingt es ihm ein beeindruckendes, wenn auch manchmal künstlerisch überspitztes Bild der Wendezeit zu zeichnen. Dabei spart er nicht an Details und kleinen witzigen, manchmal auch traurigen Begebenheiten aus dem Leben seiner Protagonisten.
Sein hohes Erzähltempo hält der Autor ziemlich konsequent bis zum Schluss durch, einzig in der Mitte gibt es ein wenig Zeit zum Durchatmen. So ist die 320 Seiten umfassende Erzählung über die Vertreibung aus dem Paradies (oder eher ins Paradies?) schnell gelesen.
Über den Autor (Quelle: Amazon.de)
Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte von 1983 bis 1988 klassische Philologie in Jena. Anschließend war er bis 1990 als Dramaturg am Landestheater Altenburg, dann in einer Zeitungsredaktion tätig. Diese Arbeit führte ihn 1993 für ein halbes Jahr nach Sankt Petersburg. Seither lebt er als freier Autor in Berlin. 2006 erhielt Ingo Schulz den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum und 2008 den Samuel-Bogumil-Linde-Preis für Literatur.

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