Karthauses Bücherwelt …

6. Oktober 2011

Wolfram Fleischhauer – Torso

Einsortiert unter: 2011,Krimi/Thriller — Karthause @ 17:10
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Torso
Wolfram Fleischhauer
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN-13: 978-3426198537

In einem Abrisshaus im Osten von Berlin findet die Polizei einen grausig mit Tierteilen dekorierten zur Schau gestellten Frauentorso. Hauptkommissar Zollanger hat so etwas in seiner langjährigen Laufbahn als Kripo-Beamter, sowohl in der ehemaligen DDR als auch im vereinten Deutschland, noch nicht gesehen. Während er mitten in den Ermittlungen steckt, kämpft Elin Hilger darum, die Ermittlungen um den als Selbstmord abgetanen Tod ihres Bruders Eric, er war IT-Spezialist, wieder aufrollen zu lassen. Dazu braucht sie Zellangers Unterstützung, er war mit diesem Fall betraut. Gleichzeitig verschwindet die Bankierstochter Inga Zieten, deren Vater unter allen Umständen die Polizei aus den Ermittlungen heraushalten will.
Wolfram Fleischhauers Genre-Palette ist weit gefächert. Mit „Torso“ gab er sein Debüt als Thriller-Autor. Mit viel Thrill begann er auch die Handlung, die um das Jahr 2002 in Berlin angesiedelt ist. Die Beschreibung des makaber in Szene gesetzten Torsos ist sicher nichts für Zartbesaitete und Leser mit schwachen Nerven, sie ist ungeschönt, grauenhaft und dabei sehr gut vorstellbar. Dann baut er um die drei Handlungsstränge eine intelligent konstruierte, vielschichtige und gleichzeitig komplexe Geschichte auf. So werden Machenschaften in der Finanzwelt, Korruption, organisiertes Verbrechen, Stasivergangenheit thematisiert, ohne den Thriller damit zu überladen. Im Mittelpunkt von „Torso“ steht nicht wie üblich die Ermittlungsarbeit der Polizei, sie wird zwar nie aus dem Auge verloren, es geht aber um mehr, es geht um Moral, Ethik und Verantwortung. So ist auch die auf den ersten Blick recht skurril erscheinende Elin Hilger für diesen Roman in ihrer Andersartigkeit ein Glücksgriff. Weitgehende Konsumverweigerung steht konträr zu der Skrupellosigkeit und der maßlosen Gier der Banker. Auch an anderen Stellen kommt Fleischhauer in seinem Thriller – ungewohnt für dieses Genre, aber deshalb um so bemerkenswerter – ins Philosophieren. Die Charakterisierung der Personen fand ich sehr gelungen. Alle wirkten in ihrem Auftreten ehrlich, echt und glaubwürdig, wenn auch mitunter kauzig, sonderbar und bizarr. Ein wenig vermisst habe ich diesem Thriller den von mir so geschätzten ausgefeilten Sprachstil des Autors, das ist aber wohl eher dem Genre anzulasten als der Schreibkunst Wolfram Fleischhauers. Mich hat dieser Thriller, einschließlich des Nachwortes, sehr gut unterhalten. Lediglich das Ende fand ich etwas zu konstruiert und auch etwas zu schnell herbeigeführt. Nicht alle Fragen wurden direkt geklärt, aber da sei es der Fantasie des Lesers überlassen, die eigenen Schlüsse zu ziehen.

Über den Autor (Quelle amazon.de)
Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (“Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller. Mehr Informationen zum Autor unter: www.wolfram-fleischhauer.de

3. November 2008

Wolfram Fleischhauer – Der gestohlene Abend

Einsortiert unter: 2008,Belletristik — Karthause @ 17:17
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Matthias ist als Stipendiat für ein Jahr an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest und studiert dort Literaturwissenschaften. Diese ist das Mekka für all jene, die sich den Theorien des anerkannten Literaturwissenschaftlers de Vander widmen möchten. Am Pool lernt der Deutsche die Studentin Janine kennen und verliebt sich in sie. Janine erwidert seine Gefühle und trennt sich wegen dieser neuen Beziehung schon bald von David, dem Fakultätsprimus, der von einer Europareise so verändert zurückkehrte. Als Davids Interesse an Matthias zunimmt, ist dieser zunächst verwundert, aber auch neugierig und so begleitet er David auf einen Ausflug, nach dem sich für Matthias sehr vieles ändert. Immer mehr beschäftigt ihn dieser „gestohlene Abend“.

Nachdem ich etwa ein Drittel des Buches gelesen hatte, dachte ich mir, eine Dreiecksgeschichte ist es also, was Wolfram Fleischhauer seiner Leserschaft präsentiert. Ich war verwundert, dieses Buch war bis auf die sehr schöne Sprache des Autors so gar nicht fleischhauertypisch, sie war mir zu einfach gestrickt und leichte Enttäuschung machte sich trotz des sehr ansprechenden Stils breit. Aber Wolfram Fleischhauer wäre nicht er selbst, wenn er den Leser auf so einfache Art und Weise abspeisen würde. Schon ein paar Seiten weiter begann die Geschichte zu leben, sie nahm Tempo auf und die zuvor monierte Dreiecksgeschichte bildete nur noch die Rahmenhandlung, im Zentrum standen Davids Nachforschungen über eben jenen Literaturwissenschaftler de Vander, der in Hillcrest so verehrt wurde. Ungeheuerliches wurde über ihn aufgedeckt.

In einem Interview der Allgemeinen Zeitung mit dem Autor las ich, dass dieser Roman einen autobiografischen Hintergrund habe. Es ist wohl sein persönlichster.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, das belegt auch die Tatsache, dass ich mir für ihn eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, weil ich ihn nicht mehr zur Seite legen mochte. Und trotzdem fehlte mir in diesem wirklich guten Buch die Einzigartigkeit, die ich bisher in jedem Buch Wolfram Fleischhauers fand.

Mein Fazit: „Der gestohlene Abend“ ist ein sehr gutes, interessantes und sehr lesenswertes Buch über Verantwortung und Wahrheit, Lüge und Verschweigen, Liebe und Entfremdung, dem das letzte bisschen Brillanz fehlt um ein fantastisches Buch zu sein. Ich habe diesen Roman sehr gern und sehr schnell gelesen. Meine Leseempfehlung erhält er allemal.

 

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492048477

 

28. Oktober 2007

Wolfram Fleischhauer – Die Frau mit den Regenhänden

Einsortiert unter: 2007,Belletristik — Karthause @ 20:19
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Ein Buch, eine Stadt, zwei verschiedene Jahrhunderte, zwei ergreifende Schicksale und die Frage, was die beiden Frauen verbindet.

Im Frühjahr 1867 wird Marie Lazès in Paris unter dem Verdacht verhaftet, ihr Kind in der Seine ertränkt zu haben. Sie beteuert jedoch unbeirrt ihre Unschuld. Für die Ankläger scheint ihre Schuld aber erwiesen, denn dies ist kein Einzelfall zu dieser Zeit. Antoine, ihr Pflichtverteidiger, hat Zweifel an ihrer Schuld. Was ist an diesem Fall so bedeutend, dass sich sogar die Geheimpolizei damit befasst? So beginnt er selbst mit Nachforschungen.

Im Jahr 1992 recherchiert Bruno in einer Pariser Bibliothek für seine Doktorarbeit über die Architektur zur Zeit der Weltausstellung. Dort lernt er Gaëtane kennen, die Recherchen zur gleichen Zeit anstellt. Warum forscht die junge Frau in den Akten eines Kindermordes, der 125 Jahre zurück liegt?

Wolfram Fleischhauer gelingt es ausgezeichnet, beide Handlungsstränge so miteinander zu verweben, dass sie am Ende verschmelzen. Das geschieht wieder in der ihm eigenen wunderbaren Sprache, mit der er den Leser an seinen Roman fesselt. Auch jetzt, Tage nach dem ich dieses Buch beendet habe, beschäftigt mich dieses Buch. Ausführungen zur Geschichte des 2. Kaiserreiches und zur Medizingeschichte runden die Handlung ab und machen Geschichtsunterricht zur Freude. Die Charaktere fand ich sehr gelungen, sie waren facettenreich und menschlich. Auch von der Schilderung der Lebensumstände im Paris des Jahres 1867 war ich sehr beeindruckt. Es war erschütternd zu lesen, wie die Menschen in ihrer bitteren Armut leben mussten. Die Zustände, die in dem Krankenhaus herrschten, waren erschreckend. Konnten die Menschen dort überhaupt gesund werden, oder gingen sie nur zum Sterben dorthin? Letztlich blieb die Erkenntnis zurück, dass sich die Handlungsstränge zwar zeitlich von einander unterscheiden, Geld aber damals wie heute der alles entscheidende Faktor ist und Gewinn und Ansehen wichtiger sind als alles andere.

Bisher wurde ich von noch keinem Roman Wolfram Fleischhauers enttäuscht, obwohl meine Erwartungshaltung bei jedem seiner Bücher sehr hoch war. “Die Frau mit den Regenhänden” ging mir aber besonders unter die Haut. Vielleicht lag es daran, dass die Thematik so aktuell war.

Gebundene Ausgabe:488 Seiten
Verlag:Droemer Knaur
ISBN-13: 978-3426617274

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