James Carlos Blake – Das Böse im Blut

Das Boese im Blut von James Carlos Blake Quelle: Heyne Verlag

Das Boese im Blut von James Carlos Blake
Quelle: Heyne Verlag

Originaltitel: In the Rogue Blood
Übersetzer: Matthias Müller
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453676848

Der Verlag über das Buch
Edward und John Little wachsen im Amerika der 1840er-Jahre auf. Nachdem ihre Eltern im Wahn die Familie zerstört haben, ziehen die gewaltbereiten Halbwüchsigen Richtung Texas. Wie viele Siedler im herrenlosen Grenzgebiet gieren die Brüder nach Wohlstand und nehmen sich rücksichtslos, was sie wollen. Als zwischen Amerika und Mexiko ein Krieg um die Vorherrschaft im Territorium ausbricht, greifen Edward und John zu den Waffen. Doch sie kämpfen auf unterschiedlichen Seiten. Würden sie für Land und Macht sogar den eigenen Bruder töten?

Der Verlag über den Autor
James Carlos Blake, 1947 in Mexiko geboren, verbrachte seine Kindheit in Texas. Nach der Highschool ging er zur Armee und schrieb sich dann an der Universität von Florida ein. Er unterrichtete fast zwanzig Jahre lang am College, bevor er Mitte der Neunzigerjahre nach Texas zurückkehrte und sich dort als Schriftsteller niederließ. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Los Angeles Times Book Prize für Das Böse im Blut. James Carlos Blake lebt in Arizona.

Meine Gedanken zum Buch
Amerika 1840er-Jahre. Edward und John Little wachsen unter dem Regime eines gewalttätigen Vaters auf. Alle leiden darunter. So ist es nicht verwunderlich, dass es eines Tages zur Katastrophe kommt. Ohne Familie machen sich beide auf den Weg nach Texas. Unterwegs verlieren sie sich aus den Augen und als der Krieg zwischen Mexiko und Texas ausbricht, kämpfen sie auf verschiedenen Seiten.

Dieser Roman gehört zum Heyne Hardcore Programm. Und er hält, was der Name verspricht – Hardcore in Reinkultur. Lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der so hoffnungslos, düster und brutal ist. Messerstechereien, Schießereien, Vergewaltigungen, brutale Morde prägen diesen Roman. Mütter verkaufen ihre Töchter für ein paar Münzen, Vätern bedienen sich ihrer wie selbstverständlich. Das Gesetz ist weit weg, es gilt das Faustrecht, das Recht des Stärkeren. Alle sind auf der (verzweifelten) Suche nach einem besseren Leben, nach Wohlstand und so nimmt sich jeder das, von dem er denkt, es stünde ihm zu.

James Carlos Blake zeigt ein Bild des Wilden Westens, zu einer Zeit, als er noch wild war. Westernromantik und Ritte in den Sonnenuntergang wird der Leser vergeblich suchen. Trotzdem schafft es der Autor, stimmungsvolle Bilder zu zeichnen und Charaktere zu schaffen, die weitgehend glaubwürdig und zeitgemäß sind. Edward und John wurden von der Zeit, aber ganz besonders von der Brutalität in der Familie geprägt. Aber sie stehen damit nicht allein, alle kämpfen tagtäglich ums Überleben, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zahl der Getöteten und Verletzten in diesem Roman bleibt ungezählt, nicht nur wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen.

Stellenweise war diese dem Roman innewohnende Gewalt und Metzelei selbst mir hartgesottenem und erfahrenem Thrillerleser zu viel, lassen konnte ich von dem Buch aber bis zur letzten Seite nicht. Vor allem deshalb nicht, weil die Gewalt nicht Selbstzweck war, sondern in erster Linie der Zeit, der Abwesenheit von Recht und Gesetz und der Gier nach Wohlstand geschuldet war.

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Renee Knight – Deadline

Deadline von Renee Knight  Quelle: Goldmann Verlag

Deadline von Renee Knight
Quelle: Goldmann Verlag

Originaltitel: Disclaimer
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442314065

Der Verlag über das Buch:

Diesen einen Tag vor zwanzig Jahren wird Catherine nie vergessen. Was damals geschah, sollte für immer ein Geheimnis bleiben, bis zum Ende ihres Lebens. Doch dann hält sie plötzlich diesen Roman in den Händen, in dem ihre geheime Geschichte bis ins Detail erzählt wird. Bestürzt blättert sie eine Seite nach der anderen um. Wer kann so genau von den damaligen Ereignissen wissen, und was will der mysteriöse Verfasser des Buches von ihr? Als sie die letzte Seite aufschlägt, findet sie die grausame Antwort: Die Geschichte endet mit ihrem gewaltsamen Tod. Catherine gerät in Panik – und das ist genau das, was Stephen Brigstocke gewollt hat. Er kennt Catherine nicht, aber er weiß von ihrem Geheimnis. Und er hat sich geschworen – sie soll büßen für das, was sie getan hat, bis zu ihrem letzten Atemzug …

Der Verlag über den Autor

Renée Knight hat Dokumentationen für die BBC produziert, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Fernseh- und Filmdrehbücher wurden von der BBC, Channel Four und Capital Films erworben. Sie absolvierte den renommierten Schreibkurs der Faber Academy und legt mit »Deadline« ihren ersten Roman vor. Renée Knight lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in London.

Meine Gedanken zum Buch

„Deadline“ ist der erste Roman der britischen Autorin Renée Knight, die sich zuvor mit BBC-Dokumentationen einen Namen gemacht hat. In diesem Debüt erzählt sie die Geschichte von Catherine, die auf subtile Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Ein von ihr streng gehütetes Geheimnis findet sie sehr detailliert in einem Roman niedergeschrieben. Nach und nach wird dieses Buch Catherines erwachsenem Sohn, ihrem Mann und ihren Kollegen zugespielt.

Es dauert recht lange, ehe man als Leser einen kleinen Lichtschein in seinem Lesetunnel erkennt und erahnen kann, worin das Geheimnis Catherines besteht, wessen der Autor des sie belastenden Buches sie bezichtigt und was wirklich geschah. Viele Rückblenden lassen das Bild der Vergangenheit nach und nach komplexer erscheinen. Mich hat dieser Stil einerseits gestört, andererseits bin ich nur deshalb dem Buch treu geblieben, weil ich wissen wollte, ob das Ende, das der Autor des ominösen Buches ihr vorherbestimmt, letztlich von Renée Knight ebenso umgesetzt wird. Darüber hinaus fand ich „Deadline“ nicht außergewöhnlich spannend.

So ganz konnte ich mit diesem Buch nicht warm werden, es war aber wiederum auch nicht wirklich schlecht. Für weitere Thriller der Autorin sehe ich durchaus Entwicklungspotential, wenn sie ein paar mehr Wendungen einbauen und die Figuren ein wenig diffiziler charakterisieren würde.

Kurzum, mit „Deadline“ habe ich einen soliden Erstling gelesen, der mich etwas zwiegespalten zurücklässt.

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Jeffrey Archer – Das Spiel der Zeit

Spiel der Zeit von Jeffrey Archer Quelle: Heyne Verlag

Spiel der Zeit von Jeffrey Archer Quelle: Heyne Verlag

Die Clifton Saga Teil 1
Übersetzter: Martin Ruf
Originaltitel:
Only Time Will Tell (The Clifton Chronicles 1)
Taschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453471344

Der Verlag über das Buch

England um 1930: Der junge Harry Clifton wächst an den Hafendocks von Bristol heran, seine Mutter Maisie muss sich mit harter Arbeit durchschlagen. Um den Tod von Harrys Vater, der angeblich im Krieg gefallen ist, rankt sich ein Geheimnis. Harrys Leben nimmt eine Wendung, als er das Stipendium für eine Eliteschule erhält. Er tritt ein in die Welt der Reichen und lernt Giles Barrington sowie dessen Schwester Emma kennen, Erben einer Schifffahrts- Dynastie. Harry verliebt sich in Emma, ohne zu ahnen, dass die Schicksale ihrer Familien auf tragische Weise miteinander verknüpft sind …

Der Verlag über den Autor

Jeffrey Archer, geboren 1940 in London, verbrachte seine Kindheit in Weston-super-Mare und studierte in Oxford. Archer schlug eine bewegte Politiker-Karriere ein, die bis 2003 andauerte. Weltberühmt wurde er als Schriftsteller. Archer verfasste zahlreiche Bestseller und zählt heute zu den erfolgreichsten Autoren Englands. Sein historisches Familienepos Die Clifton-Saga stürmte die englischen und amerikanischen Bestsellerlisten und begeistert eine stetig wachsende Leserschar. Archer ist verheirat, hat zwei Söhne und lebt in London und Cambridge.

Meine Gedanken zum Buch

Jeffrey Archer ist ein Autor, der bei mir ein wenig in Vergessenheit geraten war. Mit “Spiel der Zeit“ lag nun der erste Teil der Clifton Saga, die als Trilogie angelegt ist, vor mir.

Der Protagonist, Harry Clifton, wächst ohne Vater auf. Er sei im Krieg gestorben, sagt seine Mutter. Dass dies so nicht sein kann dürfte auch Harry klar werden, wenn er auf sein Geburtsdatum schaut. Aber wen er auch fragt, er stößt auf eine Mauer des Schweigens. Aufgrund seiner hervorragenden Stimme erhält er ein Stipendium für die St. Bede’s Chorschule. Dort freundet er mit Giles Barrington an. Als Harry die Familie des Freundes anlässlich dessen 12. Geburtstages besucht lernt er auch Giles Schwester Emma kennen. Nur Hugo Barrington, Oberhaupt der Familie, brüskiert ihn…

Es dauerte einige Kapitel, bis ich mich so richtig in das Buch eingelesen hatte. Langsam und behutsam führt Jeffrey Archer seine Figuren in die Handlung ein, das hat mich unter dem Gesichtspunkt, dass die Clifton Saga mit rund 1600 Seiten konzipiert ist, auch nicht gestört. Als dann die Handlung Fahrt aufnahm habe den Roman nur noch ungern aus der Hand gelegt. Die Spannung nahm stetig zu. Zudem beschrieb Archer die Unterschiede im sozialen Umfeld auf sehr anschauliche Weise. Auch die politischen Entwicklungen und die zunehmende Kriegsgefahr prägten die sich entwickelnde Handlung.

Die Ereignisse, die das Leben des heranwachsenden Harry beeinflussten, werden vom Autor aus den Perspektiven der einzelnen Hauptfiguren betrachtet. Dadurch gibt es zwar einzelne Wiederholungen, aber auch immer neue Erkenntnisse.

„Spiel der Zeit“ zog mich langsam, aber kontinuierlich in seinen Bann. Dieser Roman ist leicht und flüssig zu lesen und hat mich gut unterhalten. Der erste Teil endete, wie nicht anders erwartet, mit einem Cliffhanger. So fiebere ich dem nächsten Teil schon mit Ungeduld entgegen. Schließlich will ich wissen wie es mit den Cliftons und den Barringtons weitergeht und wie sich das Verhältnis beider Familien zueinander entwickelt.

Die Teile 2 und 3 sollen am 09. November 2015 bzw. am 09. Mai 2016 erscheinen.


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Antonin Varenne – Die sieben Leben des Arthur Bowman

Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne  Quelle: C. Bertelsmann Verlag

Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne Quelle: C. Bertelsmann Verlag

Originaltitel: Trois mille chevaux vapeur
Übersetzung: Anne Spielmann
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570102350
Leseprobe

Der Verlag über das Buch

1852: Arthur Bowman, einer der härtesten Söldner der Ostindienkompanie in Birma, hat eine gefährliche Expedition tief in indigenes Gebiet geführt; ein Himmelfahrtskommando, das mit der Gefangensetzung der zehn Überlebenden endet. Sechs Jahre später ist er ein gebrochener Mann im viktorianischen London während der Jahrhunderthitze. Alkohol- und opiumsüchtig verdingt er sich als Polizist. Da wird in der Kanalisation eine verstümmelte Leiche entdeckt – und Bowman des Mordes verdächtigt. Denn der Tote trägt Narben wie er – Folge der Folter in Birma. Also bricht er auf, die neun Mitinhaftierten zu finden. Die Suche führt ihn in den Wilden Westen, wo weitere bestialische Morde geschehen. Bis er den Mörder findet, hat er sich durch seine Erlebnisse und die Liebe einer Frau zu einem geläuterten Menschen gewandelt …

Der Verlag über den Autor

Antonin Varenne, geboren 1973, studierte Philosophie in Paris. Er war Hochhauskletterer und Zimmermann, arbeitete in Island, Mexiko und in den USA, wo er seinen ersten Roman schrieb. Seine Romane wurden mit den wichtigsten französischen Krimipreisen ausgezeichnet.

Meine Gedanken zum Buch

Antonin Varenne führt den Leser zunächst zurück in das Jahr 1852. Arthur Bowman ist Söldner der Ostindienkompanie in Birma und wird zu einer risikoreichen Mission abberufen. Diese überleben lediglich zehn Männer und diese kommen dabei in Gefangenschaft. Nach einem Zeitsprung ins Jahr 1859 trifft der Leser wieder auf Arthur Bowman. Er ist schwer von der Gefangenschaft, von Drogen und Alkohol gezeichnet und ist nun für die Londoner Polizei tätig. Als in der Kanalisation eine übel zugerichtete Leiche entdeckt wird, gerät er selbst unter Verdacht, denn er trägt die gleichen Narben der in der Gefangenschaft erlebten Folter wie das gefundene Opfer.

Es geht also um einen Mordfall, den Arthur Bowman aufklären will und muss, wenn er den auf ihn gefallenen Verdacht entkräften will. Dabei bleibt er auf seiner Suche nach den in Frage kommenden Verdächtigen nicht in London, seine Recherche führt ihn bis in den damals noch wilden Westen. So erschien mir dieser Roman auch weniger als ein Kriminalroman. Für mich war er eher ein Abenteuerroman, dessen Handlung ich gern folgte. Trotzdem gab es Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hättet. Das machte die Lektüre noch einmal interessanter.

Die Idee des Buches ist sehr gelungen. Bis auf ganz wenige Stellen, an denen ich Längen empfand, liest es sich sehr flüssig. Die Charaktere sind nicht zu stark überzeichnet, die von ihnen verkörperte Geschichte nimmt man ihnen problemlos ab. Besonders der vom Leben und der Gefangenschaft gezeichnete Protagonist, der eigentlich nur noch ein menschliches Wrack ist, hat mir in seinem Tun und Lassen sehr gefallen.

„Die sieben Leben des Arthur Bowman“ ist ein gelungener Genremix, der mich sehr gut unterhalten hat. Ich hoffe auf weitere Werke aus der Feder von Antonin Varenne.

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Oliver Hilmes – Ludwig II. Der unzeitgemäße König

Ludwig II von Oliver Hilmes

Ludwig II von Oliver Hilmes Quelle: Pantheon Verlag

Broschiert: 448 Seiten

Verlag: Pantheon Verlag

ISBN-13: 978-3570552728

Der Verlag über das Buch

König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) war und ist ein Mythos. Millionen Menschen besuchen jährlich seine Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Erstmals legt Bestsellerautor Oliver Hilmes nun eine Biographie des »Märchenkönigs« vor, die ihn als Herrscher und historische Gestalt ernst nimmt. Denn Ludwig, so Hilmes, wusste trotz aller scheinbaren Widersprüche seines Lebens genau, was er wollte – ein absoluter König sein.

Der Verlag über den Autor

Oliver Hilmes, 1971 geboren, hat Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam studiert und mit einer Arbeit über die politische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts promoviert. Er ist Autor zahlreicher Bestseller, bei Pantheon sind von ihm u.a. erschienen „Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner“ (2008), „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“ (2010) sowie zuletzt „Liszt. Biographie eines Superstars“ (2012).

Meine Gedanken zum Buch

Oliver Hilmes ist als Autor von Biografien für mich längst kein Unbekannter mehr, seine Biografien gehören für mich schon fast zur Pflichtlektüre. So kam es auch, dass ich, als an Blaublütern eigentlich uninteressierter Leser, auch zu der von ihm verfassten Biografie König Ludwig II. von Bayern griff. Der Märchenkönig war für mich längst kein Unbekannter und besonders die nicht immer ungetrübte Beziehung zu Richard Wagner interessierte mich.

Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über den Lebensweg Ludwigs von der Kindheit, über seine Zeit als Regent bis hin zum Tod, dessen Ursache bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Ludwig wird in all seinen Facetten und Widersprüchen beschrieben. Auch geht Hilmes anhand von Zeitdokumenten Gerüchten nach, die er entsprechend belegt erhärten oder auch verwerfen kann.

Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein sehr umfassendes Bild von Ludwig II. zu zeichnen. Dieses wird durch eine Vielzahl an in der Biografie zitierten Zeitdokumenten untermauert. So wird nicht nur Bekanntes vertieft, sondern auch bislang unbekanntere Seiten werden dem Leser offenbart. Mich hat sehr seine Rolle im Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 interessiert. Dabei war er zunächst sehr auf Neutralität bedacht, wurde dann aber im Rahmen der Bündnispflichten zur Mobilmachung gezwungen. Seine eigentlichen Kriegspflichten überließ er jedoch seinen Ministern, während er sich in der Schweiz mit Richard Wagner traf.

Hilmes hat sich aber auch intensiv mit der Krankengeschichte und dem geistigen Zustand Ludwigs befasst und versucht seine Krankheit nach den heutigen Wissensstand von Psychiatrie und Medizin zu ergründen.

Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder ein wenig zuzuwenden.

Mich hat diese Biografie sehr beeindruckt, sie zeigt mir den Menschen Ludwig, der die Schönheit und das Vollkommene liebte und sich damit umgab, um von den ungeliebten Pflichten in die Märchenwelt von Lohengrin und Co. zu entfliehen.

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Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im “Islamischen Staat”

Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer

Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer Quelle: Verlag C. Bertelsmann

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570102763

Der Verlag über das Buch

Im Sommer 2014 führte Jürgen Todenhöfer mehrere Monate lang Gespräche mit deutschen Islamisten (via Skype), die sich dem IS-Staat angeschlossen haben. Die Erkenntnisse, die er in diesen Gesprächen gewann, sind mehr als erschreckend und enthüllen die mörderischen Absichten des sogenannten Kalifats, das einen weltweiten Gottesstaat errichten will und dabei auch vor Massenmorden nicht zurückschreckt, selbst unter Muslimen. Nach der Erweiterung Ihres Staates im Nahen Osten, bei der sie die Nachbarstaaten unterwerfen wollen, haben sie Europa und den Westen im Visier.

Im November 2014 fuhr er als bislang weltweit einziger westlicher Journalist in das Zentrum des IS-Staats, nach Mossul, hielt sich dort 10 Tage lang auf und führte weitere Interviews. In seinem Buch beschreibt er eindringlich seine Erlebnisse vor Ort.

Der Verlag über den Autor

Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, saß 18 Jahre im deutschen Bundestag. Er war Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Anschließend arbeitete er 22 Jahre an der Spitze eines großen europäischen Medienunternehmens. Immer wieder hat er die Kriegsschauplätze des Mittleren Ostens bereist, vor allem Afghanistan, Irak, Syrien und Palästina. Davon hat er in bewegenden Büchern wie »Wer weint schon um Abdul und Tanaya?«, »Andy und Marwa« und »Warum tötest du, Zaid?« berichtet. Zuletzt erschienen seine Bestseller »Teile dein Glück« (2010) und »Du sollst nicht töten« (2013). Mit seinen Buchhonoraren finanzierte er u. a. ein Waisenhaus in Afghanistan, ein HIV-Kinderkrankenhaus im Kongo und ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt. Das Honorar für sein letztes Buch spendete er schwer verletzten syrischen Kindern. Das Honorar dieses Buches geht an syrische und irakische Flüchtlinge sowie an Kinder in Gaza.

Meine Gedanken zum Buch

In den Nachrichten begegnen sie einem täglich, Meldungen über kriegerische Auseinandersetzungen mit dem “Islamischen Staat”. In Deutschland ist diese Organisation seit 2014 verboten. Nun legte Jürgen Todenhöfer einen Bericht über die Vorbereitung und den Besuch des IS im Dezember 2014 vor. Jürgen Todenhöfer hat mich mit vielen seiner Bücher überzeugt und berührt. Ich schätze ihn als sachlichen Journalisten, der immer beide Seiten eines Konfliktes zu betrachten bemüht ist.

„Inside IS“ liegt eine 10-tägige Reise mitten in das Kriegsgebiet und damit ins Herz des “Isalamischen Staates” zugrunde. Dieser Reise wurde akribisch vorbereitet und geplant, es wurden stundenlange Gespräche via Skype mit IS-Kämpfern geführt. Trotz seiner bekannt kritischen Meinung zum IS wurde ihm der Besuch im Kriegsgebiet gestattet und eine Sicherheitsgarantie ausgestellt. Dennoch war diese Reise alles andere als eine gewöhnliche Recherchereise, Tödenhöfer und seine Begleiter begaben sich in Lebensgefahr und auch der Kontakt zur Außenwelt brach für den Großteil des Aufenthalts ab. Die vom IS veröffentlichten Videos von getöteten westlichen Journalisten sind immer unterschwellig parat.

Schon bei den im Buch wiedergegebenen Protokollen der mittels Skype geführten Gespräche mit dem deutschen IS-Kämpfer wurde deutlich, dass es DIE Wahrheit nicht geben wird. Beide Seiten haben ihre Ansichten, die an sich unvereinbar sind. So kommt es immer wieder zu Redundanzen, da die konträren Standpunkte beider gebetsmühlenartig wiederholt und nicht wirklich diskutiert werden. So wird seitens des IS versucht, das Leben innerhalb ihres Einflussbereiches als vollkommen normal zu beschreiben. Der Grund der Einladung Jürgen Todenhöfers sei:

weil man zeigen wollte, dass der „Islamische Staat“ nicht nur Staat heiße, sondern auch Staat sei. Dass es hier ein ganz normales Leben gebe. Dass Verletzte und Kranke gut behandelt werden. Dass der Staat sich um die Armen kümmere. Dass man bei Gericht sein Recht bekomme. „Die Menschen fühlen sich bei uns sicher. Auch wenn manche uns nicht mögen, mögen sie unsere Sicherheit. Wir wollten Ihnen einfach zeigen, wie wir leben. Und dass man mit der Sharia leben kann und dass sie funktioniert“. (Aus einem Gespräch mit Abu Loth S. 263/264)

So habe ich dieses Buch mit viel Interesse gelesen. Trotzdem lege ich es mit etwas zwiegespaltenen Gefühlen zur Seite. Mir sind jetzt zwar der Standpunkt des Westens und die Ziele des IS hinlänglich bekannt. Aber mir fehlt ein wenig die globale Sicht der Dinge. Es wird zwar mehrfach betont, dass in dem „Islamischen Staat“, jeder seiner Religion ausleben könne, sofern er Jizya (eine Art Schutzgeld) bezahlt und nicht missioniert. Die Bedrohung, die der IS aber insbesondere für Israel darstellt, vor dessen Haustür der gegenwärtige Kampf tobt, wurde nach meinem Empfinden nicht ausreichend dargestellt. Außerdem wird mit diesem Buch dem IS eine Plattform geboten, sich zu erklären. Das finde ich ja eigentlich auch sehr informativ, besonders weil Jürgen Todenhöfer immer wieder unsere westlichen Werte dagegensetzt. Trotzdem bleibt ein etwas fragwürdiger Eindruck bei mir zurück und die Frage, hat es sich unter dem Strich für Jürgen Todenhöfer und seinen Sohn wirklich gelohnt, ein solches Risiko einzugehen.

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lesenswert quartett am 25.Juni 2015

Morgen, Donnerstag, 25. Juni 2015, gibt der SWR von 23.15 bis 00.15 Uhr für die Nachtschwärmer unter den LeserInnen Lesetipps für die Urlaubszeit. Für die Frühaufsteher wird diese Sendung am Sonntag, 28. Juni 2015, um 8.45 Uhr wiederholt.

 

Das Kritikerquartett des SWR, moderiert von Denis Scheck, lädt ein nach Sizilien, Israel, Afghanistan – und in die Salzwüsten Nevadas. Folgende Bücher werden besprochen:
“Flammenwerfer” – Rachel Kushners Hochgeschwindigkeits-Künstler-Roman lockt uns in die Salzwüsten Amerikas.
Stefano d’Arrigo: “Horcynus Orca” – Das monumentale Werk erzählt die fünf Tage einer Heimreise von Neapel nach Sizilien.
Amos Oz: “Judas” – War Judas ein Verräter? Und sind Verräter notwendigerweise verachtenswert? Amos Oz wagt eine ganz andere Sichtweise auf die biblische Geschichte wie auf die Gründung Israels.
Steffen Kopetzky: “Risiko” – Bericht einer Geheimexpedition ins Afghanistan am Beginn des ersten Weltkriegs. Deutsche gegen Engländer – Ein Abenteuerroman in einer Gegend, in der auch Karl May unterwegs war. Aber wesentlich realistischer.

Quelle für Grafik und Textzitat: SWR lesenswert

 

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