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22. Mai 2015 / Karthause

Sigge Eklund – Das Labyrinth

Quelle: Dumont VerlagOriginaltitel: In i labyrinten

Broschiert: 384 Seiten

Verlag: DuMont Buchverlag

ISBN-13: 978-3832197582

 

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Martin und Åsa Horn sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass für ihre elfjährige Tochter Magda kaum Aufmerksamkeit übrig bleibt. Als Magda plötzlich vermisst wird und der Verdacht die Eltern trifft, begeben sie sich auf eine nervenaufreibende Spurensuche ebenso wie Tom, Martins loyaler Kollege, und die Schulkrankenschwester Katja, die vor Magdas Verschwinden Narben und blaue Flecken am Körper des Mädchens entdeckt hatte. Vier unzuverlässige Erzählerstimmen entführen den Leser in ein Labyrinth aus Schuldbekenntnissen und Indizien. Immer neue Irrwege tun sich auf, bis am Schluss eine überraschende Entdeckung wartet …

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sigge Eklund, 1974 geboren, ist in Schweden vor allem als Blogger, Webjournalist und Fernsehproduzent bekannt und hat sich nicht zuletzt durch seinen preisgekrönten Podcast mit Axel Schulman einen Namen gemacht. >Das Labyrinth< ist sein fünfter Roman, der in insgesamt zehn Sprachen erscheint. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er in Stockholm.

Meine Meinung

Die Handlung. dieses Romans wird von vier Personen getragen. Martin und Åsa Horn sind die Eltern der vermissten Magda. Beide sind recht stark mit sich selbst beschäftigt, ein Wir existiert nur scheinbar. Auch bei der Suche nach ihrer Tochter stehen sie nicht zusammen, sondern entfernen sich noch mehr von einander . Tom ist Martins untertäniger und kriecherischer Mitarbeiter und Katja ist als Schulkrankenschwester an Magda Schule tätig und bemerkt einige Auffälligkeiten an dem Mädchen. Zwischen diesen vier Personen gibt es etliche Querverbindungen, zu viele für meinen Geschmack. So wird das Konstrukt des Romans sehr deutlich.

Der Autor legt den Fokus in den einzelnen Abschnitten immer auf eine einzige Person und lässt den Leser durch den Blick derer das Geschehen erleben. Jeder der Protagonisten tritt in diesem Roman zweimal in den Mittelpunkt. Dabei ist der Titel des Romans Programms. Man las sich wie durch ein Labyrinth, allerdings verspürte ich mit jeder erreichten Sackgasse immer weniger den Wunsch, weiterzulesen und den richtigen Weg aufzuspüren. Ich fand nichts Fesselndes an dem Roman. Die Personen blieben mir trotz aller psychologischer Detailfülle fremd und eigentlich wollte ich sie und ihre Motivationen zu Handeln irgendwann auch nicht mehr näher erkunden.

Sprachlich ist „Das Labyrinth“ sehr einfach gehalten, die Dialoge empfand ich oft als oberflächlich.

Mit skandinavischen Romanen tue ich mich oft es schwer, aber diesen hätte ich nicht zu Ende gelesen, wäre er nicht als Rezensionsexemplar zu mir gekommen. Dabei kann ich keinen Hauptgrund für mein Missfallen nennen, es ist eher die Fülle der Kleinigkeiten, die meine Lesefreude bremsten.

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16. Mai 2015 / Karthause

Titus Müller – Berlin Feuerland

Berlin Feuerland von Titus Mueller

Berlin Feuerland von Titus Mueller Quelle: Blessing Verlag

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

Verlag: Karl Blessing Verlag

ISBN-13: 978-3896675033

Der Verlag über das Buch

Zwischen Schloss und Barrikaden: eine Geschichte voller Liebe und Abenteuer, minutiös recherchiert, packend und atmosphärisch dicht erzählt.

Hannes Böhm lebt in dem Industrieviertel, das die Berliner Feuerland nennen, weil hier die Schornsteine der Industrie qualmen. Als eine Art selbst ernannter Fremdenführer verdient er sich ein kleines Zubrot, indem er neugierigen Bürgern die Armut und die Not in den Hinterhäusern zeigt. Bei einer solchen Gelegenheit lernt er Alice kennen, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss wohnt, der Frühlingsresidenz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Alice ist schockiert über das Ausmaß der Verelendung – und zugleich tief beeindruckt von Hannes, der voller Ehrgeiz und Fantasie zu sein scheint.

Doch als die Märzunruhen 1848 ausbrechen, als sich der Konflikt zwischen dem preußischen König und den Aufständischen zuspitzt und gemäßigte Kräfte nur schwer Gehör finden, scheint es für die Gefühle, die Hannes und Alice füreinander entwickeln, keine Zukunft mehr zu geben.

Der Verlag über den Autor

Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 gründete er die Literaturzeitschrift “Federwelt”. 2002 veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten Roman: “Der Kalligraph des Bischofs”. Es folgten weitere historische Romane wie “Die Brillenmacherin” (2005). Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis-Preis und dem Sir Walter Scott-Preis ausgezeichnet. 2011 erschien im Blessing Verlag sein Roman über den Untergang der Titanic: “Tanz unter Sternen”. Für den Roman “Nachtauge” (Blessing, 2013) wurde Titus Müller 2014 im Rahmen einer Histo-Couch-Umfrage zum Histo-König des Jahres gewählt.

Zur Website von Titus Müller

Meine Gedanken zum Buch

Diese Tage, die wir gerade erleben, wird man wieder und wieder betrachten, später einmal. Weil sie die Welt verändern werden.“ S. 289

Berlin 1848. In den Berliner Industrievierteln brodelt es. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der wie in Ghettos zusammengepferchten Arbeiterfamilien sind katastrophal. Sie kämpfen tagtäglich ums Überleben. Die Industrialisierung und zunehmende Massenproduktion fordert ihre Opfer.

Hannes Böhm lebt in einem dieser Armenviertel Berlins, das wegen des ständigen Qualms aus den Industrieschloten auch Feuerland genannt wird. Aber Hannes ist clever. Er ist als „Touristenführer“ im Feuerland unterwegs. Auf seinen damals durchaus üblichen Touren zeigt er den reichen Damen das Elend der Arbeiter, die Damen lassen dann mit dem Gewissen der guten Tat, die eine oder andere Münze bei den Armen. Während einer solchen Führung lernt er die Tochter des Kastellans des Berliner Stadtschlosses, Alice, kennen. Sie verlieben sich ineinander und für beide tun sich völlig fremde Welten auf. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf Liebesgeschichten schnell allergisch reagiere. Diese in diesem Roman erzählte ist aber weder kitschig noch romantisch verklärt. Im Gegenteil. Sie trägt den Roman, weil sie dem Autor die Möglichkeit gibt, die sehr gegensätzlichen Lebensverhältnisse zu verdeutlichen.

Der historische Hintergrund war mir nicht völlig fremd. Aber ich fand es beeindruckend, wie geschickt der Autor diese Vielzahl an historischen Persönlichkeiten in „Berlin Feuerland“ nicht nur agieren, sondern auch zu Wort kommen ließ. Er legte ihnen ihre eigenen, aus Briefen und anderen Zeitdokumenten überlieferten Worte in den Mund und versetzt den Leser schon durch die sprachliche Gestaltung in die damalige Zeit. Titus Müller verwob die fiktive Romanhandlung geschickt mit den wirklichen Ereignissen des März 1848 in Berlin und schaffte somit ein sehr reales historisches Flair. So ermöglichte dem Leser ganz nebenbei einen Einblick in die Deutsche Geschichte. Dadurch wirkt der Roman nicht nur sehr authentisch, er ist es auch. Daran haben nicht zuletzt seine Protagonisten einen bedeutenden Anteil, sie sind lebensnah mit Stärken und Schwächen ausgestattet, wirken glaubhaft und als Leser habe sie auf ihrem Weg sehr gern begleitet.

Alle Romane, die ich bisher von Titus Müller gelesen habe, bereiteten mir angenehme und unterhaltsame Lesestunden. Dieser Roman begeisterte mich jedoch von er ersten bis zur letzten Seite. Er hat alles, was einen guten historischen Roman ausmacht, er zeigt an keiner Stelle Längen, der Sprachstil ist der Zeit angepasst und die Charaktere sind lebendig und wirken nicht gekünstelt. Ihn zu lesen ist wie eine Zeitreise. Allen Liebhabern des historischen Romans, die auf Herz-Schmerz-Geplänkel verzichten können, sei „Berlin Feuerland“ ans Herz gelegt.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

12. Mai 2015 / Karthause

John Williams – Butcher’s Crossing

Quelle: dtv

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3423280495

Der Verlag über das Buch

Es war um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«. In Butcher’s Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, am Rande von Nirgendwo, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten: Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen – und entfesseln eine Tragödie. Ein Roman darüber, wie man im Leben verliert und was man dabei gewinnt.

Über den Autor (Quelle: Deutscher Taschenbuch Verlag)

John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

Meine Gedanken zum Buch

Kansas/Rock Mountains, 1870. Will Andrews verlässt die Enge der Harvard Universität, will die wahre, reine Natur erleben und sich dabei selbst finden. So gelangt er nach Butcher’s Crossing, eine Kleinstadt in Kansas. Die Bewohner sind eigenwillig, sie suchen das Abenteuer und das schnelle Geld. Andrews ist mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet und möchte an einer Büffeljagd teilnehmen. Von Miller, dem erfahrenen Büffeljäger, hört er die Geschichte von einer der letzten unermesslich großen Büffelherden, die sich in ein schwer zugängliches Tal weit ab in die Rockys zurückgezogen hat. Gemeinsam mit Fred Schneider und Charley Hoge machen sie sich auf den beschwerlichen Weg zur großen Jagd. Dort angekommen beginnt das große Schlachten, dass schon an eine Art Blutrausch erinnert. Sie sind so besessen davon, immer mehr Büffelfelle zu ernten, dass sie vom Winter überrascht werden und sie erst im nächsten Frühjahr in die Zivilisation zurückkehren können. Aber dort wartet eine handfeste Überraschung auf die Männer.

„Butcher’s Crossing“ ist ein Western der ganz besonderen Art. So wie die Männer dem Sog der Büffeljagd erlagen, zog es mich immer tiefer in diesen Roman, ich mochte ihn nicht mehr aus der Hand legen. Dabei war er weder actionreich noch vor Spannung strotzend. Es war die Ruhe mit der John Williams diese Geschichte erzählte und damit einen ganz einzigartigen Spannungsbogen schuf, der den Leser tief in die Seele der Schlächter blicken ließ.

Doch während der Schmerz in seinem Körper wuchs, schien sich sein Geist vom Schmerz zu lösen, sich darüber zu erheben, bis er sich und Miller deutlicher als zuvor sehen konnte. Während der letzten Stunde ihrer Jagd hatte er gelernt, in Miller einen Mechanismus zu erkennen, einen Automaten, in Gang gehalten von der getriebenen Herde; und er lernte, Millers Vernichtung der Büffel nicht als Blutrausch zu begreifen, nicht als ein Verlangen nach ihren Fellen oder dem, was die Felle einbringen mochten, nicht einmal als einen Ausdruck der dunklen, blinden Wut, die in Miller tobte – er begriff die Vernichtung als kalte, hirnlose Reaktion auf das Leben, auf das Miller sich eingelassen hatte. Und er sah sich selbst, wie er stumm hinter Miller durch das flache Tal kroch, leere Patronenhülsen sammelte, das Wasserfass mitschleppte, sich um das Gewehr kümmerte, es sauber machte und Miller gab, sooft nötig – er sah sich und wusste nicht, wer er war oder wohin er wollte.“ S. 183/184

John Williams Schreibstil ist beispiellos. Das massenhafte Schlachten, die Grausamkeit, die Abgestumpftheit der Männer und auch die Härte ihrer Situation beschreibt er betont ruhig und trotzdem, oder auch gerade deswegen, so eindringlich. Das Innerste der Männer wird vor dem Lesen offengelegt, man erkennt, sie können nicht anders handeln, als sie es tun. Dazu kommen die eindrucksvollen Beschreibungen der Landschaft, die ebenso gewaltig wirken, und einen genialen Gegenpol zum Töten darstellen.

„Butcher’s Crossing“ ist ein sehr beeindruckender Roman, der trotz aller Härten und Grausamkeiten, die Mensch und Tier durchleiden müssen, eine ungeheuer dichte und tiefe Atmosphäre bietet. Er ist eine beeindruckende Parabel über das Leben und ein Buch der mir wunderbare Lesestunden bescherte, es war ein echtes Leseerlebnis.

10. Mai 2015 / Karthause

Druckfrisch am 10. Mai 2015

(Quelle für Text und Foto: Newsletter vom 09.05.2015)

Am heutigen Sonntag, 10.5.2015, gibt es wieder Druckfrisches aus der ARD um 23.50 Uhr.

Allerdings kann diese Sendung bereits vorab heute ab 18 Uhr in der ARD-Mediathek gesehen werden.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

  • Steffen Kopetzky über Grausamkeit und Absurditäten des Krieges
  • Lea Linster feiert das Gemeinschaftserlebnis eines guten Essens
  • Emily Dickinson beschwört das Drama der Liebe und des Lebens
  • Denis Schecks wie immer pointiert meinungsfreudiger Kommentar zur aktuellen Spiegel-Bestseller-Liste (diesmal: Sachbuch.
  • Und mit etwas Glück kann man”Risiko” von Steffen Kopetzky gewinnnen, wenn eine Frage richtig beantwortet wird.
30. April 2015 / Karthause

Auf dem blauen Sofa wird nicht mehr gelesen….

Wieder wird eine Literatursendung zu Grabe getragen. Im Herbst 2011 wurde “Das blaue Sofa” erstmals ausgestrahlt. Morgen gibt es die letzte Sendung. Schade, ich schaue zwar eher selten Fernsehen, aber diese Sendung stand immer auf meinem Programm. Laut ZDF ist eine Nachfolgesendung geplant. Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass von den TV-Machern die Literatur als Konkurrenz zum Fernsehen angesehen und deshalb etwas stiefmütterlich behandelt wird.

Am Freitag, 01. Mai 2015 , strahlt das ZDF die letzte Folge der Literatursendung „Das blaue Sofa“ um 22.45 Uhr aus. Wolfgang Herles stellt zu später Stunde noch einmal interessante Bücher nach seiner ganz persönlichen Auswahl vor. Auf der Website habe ich folgende Bücher gefunden, die Wolfgang Herles den Lesern präsentieren wird:

James Ellroy
“Perfidia

Ullstein, 2015
ISBN: 978-3-550-08897-1
25,00 Euro

Paul Theroux
“Der Fremde im Palazzo d’Oro
Hoffmann und Campe, 2015
ISBN: 978-3-455-40523-1
18,00 Euro

Rebecca Miller
“Jacobs wundersame Wiederkehr”

S. Fischer, 2015
ISBN: 978-3-10-402761-6
19,99 Euro

Rachel Kushner
“Flammenwerfer

Rowohlt, 2015 (2. Auflage)
ISBN: 978-3-49-803419-1
22,9 Euro

Lea Singer
“Anatomie der Wolken”

Hoffmann und Campe, 2015
ISBN: 978-3-455-40519-4
20 Euro

 

 

 

 

24. April 2015 / Karthause

Thilo Bode – Die Freihandelslüge

Quelle: DVA

Quelle: DVA

Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

ISBN-13: 978-3421046796

Kurzbeschreibung (Quelle: Deutsche Verlags-Anstalt)

Der Staatsstreich der Konzerne

In Deutschland und Europa wächst der Widerstand gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Thilo Bode schildert anschaulich und mit analytischer Schärfe, wie TTIP Verbraucherrechte und Umweltstandards gefährdet. Die Konzerne drohen über unsere Zukunft zu bestimmen – stärkere Arbeitnehmer- und Verbraucherrechte hängen ebenso wie ein wirkungsvoller Umweltschutz von ihrer Gnade ab. Dies gilt es mit aller Macht zu verhindern. Thilo Bode zeigt, was sich bei den Geheimverhandlungen zwischen der Europäischen Union und den USA ereignet und was für uns alle auf dem Spiel steht.Deutsche Verlags-Anstalt

Über de Autor (Quelle: Deutsche Verlags-Anstalt)

Thilo Bode, geboren 1947, studierte Soziologie und Volkswirtschaft. 1989 wurde er Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, 1995 von Greenpeace International. 2002 gründete er die Verbraucherorganisation Foodwatch.

Meine Gedanken zum Buch

Derzeitig laufen die Verhandlungen zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (engl. Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP). Dabei geht es offiziell um die Reduzierung von Handelshemmnissen. Das soll die Wirtschaft beider Seiten stärken. Soweit so gut, aber nach und nach wurden immer mehr kritische Stimmen laut und dann fiel auf, dass die offizielle Informationspolitik zu diesem Thema nicht die beste ist, um es vorsichtig auszudrücken. Nun bringt Thilo Bode mit seinem Buch „Die Freihandelslüge“ Licht ins Dunkel.

Mit TTIP, so wie es jetzt geplant ist und derzeit verhandelt wird, wollen globale Konzerne ein Regelwerk etablieren, das fast ausschließlich ihren Interessen dient, das zu Lasten der großen Mehrheit geht, zu Lasten von Verbrauchern, Arbeitnehmern und vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, zu Lasten der Umwelt, der Souveränität der Länder, der Demokratie. TTIP wäre ein weiterer Schritt in Richtung jener „marktkonformen Demokratie“ in der sich alles den Freiheits- und Gestaltungsansprüchen globaler Konzerne unterordnen soll.“ S. 223

Auf den ersten einhundert Seiten wird ausführlich erklärt, was sich hinter TTIP überhaupt verbirgt. Das geschieht durchaus allgemeinverständlich, sodass sich jeder, der sich ein bisschen dafür interessiert, ein gutes Rüstzeug bekommt, den zweiten Teil der Abhandlung, wie TTIP uns im Alltag betreffen wird, zu verstehen. Dass es dabei um weit mehr geht als um die schon breit geführte Chlor-Hähnchen-Diskussion, wird schnell jedem klar. Natürlich geht es darum, unbelastete Lebensmittel auf den Teller zu bekommen, aber auch der Schutz vor Giften ist mindestens ebenso bedeutsam. Eine gegenseitige Anerkennung der Chemiestandards ist nahezu unmöglich, zu weit liegen diese auseinander. Ein Beispiel verdeutlicht das. In Europa gilt das Vorsorgeprinzip als Kompromiss zwischen den Schutzinteressen von Mensch und Umwelt einerseits und den Wirtschaftsinteressen andererseits. Deshalb muss in Europa ein Unternehmen, welches eine Chemikalie auf den Markt bringen will, die Unschädlichkeit dieser für Mensch und Umwelt nachweisen. In den USA gilt weitestgehend das Nachsorgeprinzip, das darauf basiert, dass die Schädlichkeit eines Stoffes im Nachhinein wissenschaftlich nachgewiesen werden muss. Man sieht, schon die grundlegende Herangehensweise ist konträr.

Die Auswirkungen von TTIP auf unser Alltagsleben werden gewaltig sein, es wird kaum ein Lebens- Wirtschafts- und Industriebereich nicht davon tangiert werden. Kernpunkte werden aber die Chemikalien, Lebensmittel, Landwirtschaft, Tierschutz und nicht zuletzt die Arbeitnehmerrechte sein. (vgl S. 9) Der Verbraucher wird letztlich auf der Strecke bleiben und sich den dann in Gesetzesform gebrachten Konzerninteressen beugen müssen.

Wollen wir dieses Freihandelsabkommen so wie es jetzt verhandelt wird? Nein. Deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und dazu trägt das von Thilo Bode vorgelegte Sachbuch in einem beachtlichen Maße bei. Denn nur wer informiert ist, kann sich (s)eine Meinung bilden und auch vertreten.

Wir brauchen starke Zivilgesellschaften und starke Parlamente, die auf der Grundlage eines fairen Interessenausgleichs transparent debattieren und dann entscheiden, nach welchen Regeln internationaler Handel funktionieren soll.“ S 223

Bis wir an diesem Punkt angelangt sind, fehlen neben starken Zivilgesellschaften, die ihren Unmut äußern, vor allem noch die starken Parlamente, die Transparenz in die Verhandlungen bringen und die jeden Verdacht von Lobbywirtschaft von vornherein entkräften können. Darum informiert Euch!!!

23. April 2015 / Karthause

Franz-Olivier Giesbert – Ein Diktator zum Dessert

Quelle: carl's books

Quelle: carl’s books

Ein Diktator zum Dessert

Franz-Olivier Giesbert

Originaltitel: La cuisinière d’Himmler

Broschiert: 336 Seiten

Verlag: carl’s books

ISBN-13: 978-3570585382

 

Kurzbeschreibung (Quelle: carls’s books)

Rose ist 105 Jahre alt, eine begnadete Köchin mit einem kleinen Restaurant in Marseille. Sie hat den Genozid an den Armeniern, die Schrecken der Nazizeit und die Auswüchse des Maoismus erlebt. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Für den Fall, dass ihr jemand blöd kommt, trägt sie immer einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von Mamadou, ihrem jugendlichen Gehilfen im Restaurant, auf dem Motorrad durch Marseille kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und denkt auch im biblischen Alter immer nur an das Eine. Und sie meint, dass sie nun alt genug ist, ihre Memoiren zu schreiben: Um das Leben zu feiern und die Weltgeschichte das Fürchten zu lehren.

Über den Autor (Quelle: carl’s books)

Franz-Olivier Giesbert, 1949 in Wilmington (USA) geboren, lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Frankreich. Nach der Ausbildung zum Journalisten arbeitete er zunächst im Feuilleton von Paris-Normandie, bis er sich 1971 mit dem Nouvelle Observateur dem politischen Journalismus zuwandte. Ab 1998 war er Chefredakteur von Le Figaro, ab 2000 von Le Point. Außerdem moderiert er literarische Sendungen im Fernsehen. Seit 1977 schreibt er Romane und Biografien, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde und die in viele Weltsprachen übersetzt wurden.

Meine Gedanken zum Buch

Das zwanzigste Jahrhundert sah die Vernichtung der Juden, der Armenier und der Tutsis. Die Blutbäder der Kommunisten und der Antikommunisten, der Faschisten und der Antifaschisten. Die politischen Hungersnöte in der Sowjetunion, der Volksrepublik China und in Nordkorea, die die angeblich so widerspenstigen Bauern dezimierten. Den zweiten Weltkrieg mit seinen 60 oder 70 Millionen Opfern, ausgelöst von Adolf Hitler, dem Erfinder des industriellen Massenmordes. Dazu die Schandtaten in Belgisch-Kongo, Biafra und Kambodscha.“ S. 307/308

Die 1907 geborene Rouzane, später Rose genannt, hat fast das gesamte 20. Jahrhundert miterlebt. Die Geschichte meinte es nicht gut mit ihr. Ihre Eltern, ihre Lieben, ihre Kinder und auch ihre Katze wurden ihr genommen. Den Genozid an den Armeniern bekam sie am eigenen Leib zu spüren und überlebte nur mit viel Glück. Aber auch Himmler und Mao beeinflussten ihren Lebensweg nicht unwesentlich. Nun, im Jahr 2012, findet Rose, die es als Köchin und Inhaberin des „La Petite Provence“ zu Achtung und Anerkennung in der Marseiller Gesellschaft und darüber hinaus brachte, es sei an der Zeit, auf ihr Leben zurückzublicken und ein Buch zu schreiben.

Ich fragte mich nachdem ich den Klappentext und die ersten Seiten dieses Romans gelesen hatte, wird das nicht ein bisschen viel? Werden die Gräuel des 20. Jahrhunderts ein einziges Leben nicht vollkommen überfrachten? Aber diese Klippe wurde von Franz-Olivier Giesbert erfolgreich umschifft. Zwar ist Roses Leben in der Realität schwer vorstellbar, aber mit diesen Roman ist dem Autor die Fiktion gelungen, ein Jahrhundert in ein Menschenleben zu verpacken, ohne dabei schwülstig, oberflächlich oder maßlos überladen daherzukommen, obwohl einige ihrer Bekannt- und Liebschaften mir dann doch ein wenig weit hergeholt vorkamen. Dennoch habe ich dieses Buch sehr gern und sehr schnell gelesen. Mit der Ich-Erzählerin Rose durch die Geschichte zu wandern, war abwechslungsreich, unterhaltsam und durchaus amüsant. Sie selbst bezeichnet dieses Jahrhundert als eines der Mörder. Sie passt ganz wunderbar hinein, denn nicht immer ist sie warmherzig und liebenswert, die Rache macht einen beachtlichen Teil ihres Wesens aus.

Franz-Olivier Giesbert hat es verstanden, den Leser auch durch die dunklen Momente der Historie leicht, mit Witz und Charme und trotzdem nicht auf Tiefe verzichtend zu geleiten. Ein Grund dafür ist sicher der Rose eigene Glaube an die Macht der Liebe, des Lachens und der Rache. Dabei entwickelt sie für letztere ein ganz besonderes Händchen.

Bemerkenswert sind auch noch die „Beigaben“ dieses Buches. Die beliebtesten Rezepte aus Roses Küche sind darin enthalten, ebenso wie ein Glossar und eine kleine Bibliothek des Jahrhunderts für alle Interessierten, die sich gerne weitergehend mit dieser Zeit befassen wollen.

Rose Geschichte endet mit den Worten:

Das Leben ist wie ein gutes Buch, wie eine Erzählung, ein Roman, ein Geschichtswerk. Man gewinnt die Figuren lieb und lässt sich mit der Handlung mitreißen. Und am Ende, ob man es nun schreibt oder liest, hat man nie Lust auf den Schlusspunkt.“
S. 314

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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