Antonin Varenne – Die sieben Leben des Arthur Bowman

Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne  Quelle: C. Bertelsmann Verlag

Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne Quelle: C. Bertelsmann Verlag

Originaltitel: Trois mille chevaux vapeur
Übersetzung: Anne Spielmann
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570102350
Leseprobe

Der Verlag über das Buch

1852: Arthur Bowman, einer der härtesten Söldner der Ostindienkompanie in Birma, hat eine gefährliche Expedition tief in indigenes Gebiet geführt; ein Himmelfahrtskommando, das mit der Gefangensetzung der zehn Überlebenden endet. Sechs Jahre später ist er ein gebrochener Mann im viktorianischen London während der Jahrhunderthitze. Alkohol- und opiumsüchtig verdingt er sich als Polizist. Da wird in der Kanalisation eine verstümmelte Leiche entdeckt – und Bowman des Mordes verdächtigt. Denn der Tote trägt Narben wie er – Folge der Folter in Birma. Also bricht er auf, die neun Mitinhaftierten zu finden. Die Suche führt ihn in den Wilden Westen, wo weitere bestialische Morde geschehen. Bis er den Mörder findet, hat er sich durch seine Erlebnisse und die Liebe einer Frau zu einem geläuterten Menschen gewandelt …

Der Verlag über den Autor

Antonin Varenne, geboren 1973, studierte Philosophie in Paris. Er war Hochhauskletterer und Zimmermann, arbeitete in Island, Mexiko und in den USA, wo er seinen ersten Roman schrieb. Seine Romane wurden mit den wichtigsten französischen Krimipreisen ausgezeichnet.

Meine Gedanken zum Buch

Antonin Varenne führt den Leser zunächst zurück in das Jahr 1852. Arthur Bowman ist Söldner der Ostindienkompanie in Birma und wird zu einer risikoreichen Mission abberufen. Diese überleben lediglich zehn Männer und diese kommen dabei in Gefangenschaft. Nach einem Zeitsprung ins Jahr 1859 trifft der Leser wieder auf Arthur Bowman. Er ist schwer von der Gefangenschaft, von Drogen und Alkohol gezeichnet und ist nun für die Londoner Polizei tätig. Als in der Kanalisation eine übel zugerichtete Leiche entdeckt wird, gerät er selbst unter Verdacht, denn er trägt die gleichen Narben der in der Gefangenschaft erlebten Folter wie das gefundene Opfer.

Es geht also um einen Mordfall, den Arthur Bowman aufklären will und muss, wenn er den auf ihn gefallenen Verdacht entkräften will. Dabei bleibt er auf seiner Suche nach den in Frage kommenden Verdächtigen nicht in London, seine Recherche führt ihn bis in den damals noch wilden Westen. So erschien mir dieser Roman auch weniger als ein Kriminalroman. Für mich war er eher ein Abenteuerroman, dessen Handlung ich gern folgte. Trotzdem gab es Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hättet. Das machte die Lektüre noch einmal interessanter.

Die Idee des Buches ist sehr gelungen. Bis auf ganz wenige Stellen, an denen ich Längen empfand, liest es sich sehr flüssig. Die Charaktere sind nicht zu stark überzeichnet, die von ihnen verkörperte Geschichte nimmt man ihnen problemlos ab. Besonders der vom Leben und der Gefangenschaft gezeichnete Protagonist, der eigentlich nur noch ein menschliches Wrack ist, hat mir in seinem Tun und Lassen sehr gefallen.

„Die sieben Leben des Arthur Bowman“ ist ein gelungener Genremix, der mich sehr gut unterhalten hat. Ich hoffe auf weitere Werke aus der Feder von Antonin Varenne.

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Oliver Hilmes – Ludwig II. Der unzeitgemäße König

Ludwig II von Oliver Hilmes

Ludwig II von Oliver Hilmes Quelle: Pantheon Verlag

Broschiert: 448 Seiten

Verlag: Pantheon Verlag

ISBN-13: 978-3570552728

Der Verlag über das Buch

König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) war und ist ein Mythos. Millionen Menschen besuchen jährlich seine Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Erstmals legt Bestsellerautor Oliver Hilmes nun eine Biographie des »Märchenkönigs« vor, die ihn als Herrscher und historische Gestalt ernst nimmt. Denn Ludwig, so Hilmes, wusste trotz aller scheinbaren Widersprüche seines Lebens genau, was er wollte – ein absoluter König sein.

Der Verlag über den Autor

Oliver Hilmes, 1971 geboren, hat Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam studiert und mit einer Arbeit über die politische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts promoviert. Er ist Autor zahlreicher Bestseller, bei Pantheon sind von ihm u.a. erschienen „Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner“ (2008), „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“ (2010) sowie zuletzt „Liszt. Biographie eines Superstars“ (2012).

Meine Gedanken zum Buch

Oliver Hilmes ist als Autor von Biografien für mich längst kein Unbekannter mehr, seine Biografien gehören für mich schon fast zur Pflichtlektüre. So kam es auch, dass ich, als an Blaublütern eigentlich uninteressierter Leser, auch zu der von ihm verfassten Biografie König Ludwig II. von Bayern griff. Der Märchenkönig war für mich längst kein Unbekannter und besonders die nicht immer ungetrübte Beziehung zu Richard Wagner interessierte mich.

Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über den Lebensweg Ludwigs von der Kindheit, über seine Zeit als Regent bis hin zum Tod, dessen Ursache bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Ludwig wird in all seinen Facetten und Widersprüchen beschrieben. Auch geht Hilmes anhand von Zeitdokumenten Gerüchten nach, die er entsprechend belegt erhärten oder auch verwerfen kann.

Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein sehr umfassendes Bild von Ludwig II. zu zeichnen. Dieses wird durch eine Vielzahl an in der Biografie zitierten Zeitdokumenten untermauert. So wird nicht nur Bekanntes vertieft, sondern auch bislang unbekanntere Seiten werden dem Leser offenbart. Mich hat sehr seine Rolle im Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 interessiert. Dabei war er zunächst sehr auf Neutralität bedacht, wurde dann aber im Rahmen der Bündnispflichten zur Mobilmachung gezwungen. Seine eigentlichen Kriegspflichten überließ er jedoch seinen Ministern, während er sich in der Schweiz mit Richard Wagner traf.

Hilmes hat sich aber auch intensiv mit der Krankengeschichte und dem geistigen Zustand Ludwigs befasst und versucht seine Krankheit nach den heutigen Wissensstand von Psychiatrie und Medizin zu ergründen.

Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder ein wenig zuzuwenden.

Mich hat diese Biografie sehr beeindruckt, sie zeigt mir den Menschen Ludwig, der die Schönheit und das Vollkommene liebte und sich damit umgab, um von den ungeliebten Pflichten in die Märchenwelt von Lohengrin und Co. zu entfliehen.

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Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im “Islamischen Staat”

Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer

Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer Quelle: Verlag C. Bertelsmann

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570102763

Der Verlag über das Buch

Im Sommer 2014 führte Jürgen Todenhöfer mehrere Monate lang Gespräche mit deutschen Islamisten (via Skype), die sich dem IS-Staat angeschlossen haben. Die Erkenntnisse, die er in diesen Gesprächen gewann, sind mehr als erschreckend und enthüllen die mörderischen Absichten des sogenannten Kalifats, das einen weltweiten Gottesstaat errichten will und dabei auch vor Massenmorden nicht zurückschreckt, selbst unter Muslimen. Nach der Erweiterung Ihres Staates im Nahen Osten, bei der sie die Nachbarstaaten unterwerfen wollen, haben sie Europa und den Westen im Visier.

Im November 2014 fuhr er als bislang weltweit einziger westlicher Journalist in das Zentrum des IS-Staats, nach Mossul, hielt sich dort 10 Tage lang auf und führte weitere Interviews. In seinem Buch beschreibt er eindringlich seine Erlebnisse vor Ort.

Der Verlag über den Autor

Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, saß 18 Jahre im deutschen Bundestag. Er war Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Anschließend arbeitete er 22 Jahre an der Spitze eines großen europäischen Medienunternehmens. Immer wieder hat er die Kriegsschauplätze des Mittleren Ostens bereist, vor allem Afghanistan, Irak, Syrien und Palästina. Davon hat er in bewegenden Büchern wie »Wer weint schon um Abdul und Tanaya?«, »Andy und Marwa« und »Warum tötest du, Zaid?« berichtet. Zuletzt erschienen seine Bestseller »Teile dein Glück« (2010) und »Du sollst nicht töten« (2013). Mit seinen Buchhonoraren finanzierte er u. a. ein Waisenhaus in Afghanistan, ein HIV-Kinderkrankenhaus im Kongo und ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt. Das Honorar für sein letztes Buch spendete er schwer verletzten syrischen Kindern. Das Honorar dieses Buches geht an syrische und irakische Flüchtlinge sowie an Kinder in Gaza.

Meine Gedanken zum Buch

In den Nachrichten begegnen sie einem täglich, Meldungen über kriegerische Auseinandersetzungen mit dem “Islamischen Staat”. In Deutschland ist diese Organisation seit 2014 verboten. Nun legte Jürgen Todenhöfer einen Bericht über die Vorbereitung und den Besuch des IS im Dezember 2014 vor. Jürgen Todenhöfer hat mich mit vielen seiner Bücher überzeugt und berührt. Ich schätze ihn als sachlichen Journalisten, der immer beide Seiten eines Konfliktes zu betrachten bemüht ist.

„Inside IS“ liegt eine 10-tägige Reise mitten in das Kriegsgebiet und damit ins Herz des “Isalamischen Staates” zugrunde. Dieser Reise wurde akribisch vorbereitet und geplant, es wurden stundenlange Gespräche via Skype mit IS-Kämpfern geführt. Trotz seiner bekannt kritischen Meinung zum IS wurde ihm der Besuch im Kriegsgebiet gestattet und eine Sicherheitsgarantie ausgestellt. Dennoch war diese Reise alles andere als eine gewöhnliche Recherchereise, Tödenhöfer und seine Begleiter begaben sich in Lebensgefahr und auch der Kontakt zur Außenwelt brach für den Großteil des Aufenthalts ab. Die vom IS veröffentlichten Videos von getöteten westlichen Journalisten sind immer unterschwellig parat.

Schon bei den im Buch wiedergegebenen Protokollen der mittels Skype geführten Gespräche mit dem deutschen IS-Kämpfer wurde deutlich, dass es DIE Wahrheit nicht geben wird. Beide Seiten haben ihre Ansichten, die an sich unvereinbar sind. So kommt es immer wieder zu Redundanzen, da die konträren Standpunkte beider gebetsmühlenartig wiederholt und nicht wirklich diskutiert werden. So wird seitens des IS versucht, das Leben innerhalb ihres Einflussbereiches als vollkommen normal zu beschreiben. Der Grund der Einladung Jürgen Todenhöfers sei:

weil man zeigen wollte, dass der „Islamische Staat“ nicht nur Staat heiße, sondern auch Staat sei. Dass es hier ein ganz normales Leben gebe. Dass Verletzte und Kranke gut behandelt werden. Dass der Staat sich um die Armen kümmere. Dass man bei Gericht sein Recht bekomme. „Die Menschen fühlen sich bei uns sicher. Auch wenn manche uns nicht mögen, mögen sie unsere Sicherheit. Wir wollten Ihnen einfach zeigen, wie wir leben. Und dass man mit der Sharia leben kann und dass sie funktioniert“. (Aus einem Gespräch mit Abu Loth S. 263/264)

So habe ich dieses Buch mit viel Interesse gelesen. Trotzdem lege ich es mit etwas zwiegespaltenen Gefühlen zur Seite. Mir sind jetzt zwar der Standpunkt des Westens und die Ziele des IS hinlänglich bekannt. Aber mir fehlt ein wenig die globale Sicht der Dinge. Es wird zwar mehrfach betont, dass in dem „Islamischen Staat“, jeder seiner Religion ausleben könne, sofern er Jizya (eine Art Schutzgeld) bezahlt und nicht missioniert. Die Bedrohung, die der IS aber insbesondere für Israel darstellt, vor dessen Haustür der gegenwärtige Kampf tobt, wurde nach meinem Empfinden nicht ausreichend dargestellt. Außerdem wird mit diesem Buch dem IS eine Plattform geboten, sich zu erklären. Das finde ich ja eigentlich auch sehr informativ, besonders weil Jürgen Todenhöfer immer wieder unsere westlichen Werte dagegensetzt. Trotzdem bleibt ein etwas fragwürdiger Eindruck bei mir zurück und die Frage, hat es sich unter dem Strich für Jürgen Todenhöfer und seinen Sohn wirklich gelohnt, ein solches Risiko einzugehen.

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lesenswert quartett am 25.Juni 2015

Morgen, Donnerstag, 25. Juni 2015, gibt der SWR von 23.15 bis 00.15 Uhr für die Nachtschwärmer unter den LeserInnen Lesetipps für die Urlaubszeit. Für die Frühaufsteher wird diese Sendung am Sonntag, 28. Juni 2015, um 8.45 Uhr wiederholt.

 

Das Kritikerquartett des SWR, moderiert von Denis Scheck, lädt ein nach Sizilien, Israel, Afghanistan – und in die Salzwüsten Nevadas. Folgende Bücher werden besprochen:
“Flammenwerfer” – Rachel Kushners Hochgeschwindigkeits-Künstler-Roman lockt uns in die Salzwüsten Amerikas.
Stefano d’Arrigo: “Horcynus Orca” – Das monumentale Werk erzählt die fünf Tage einer Heimreise von Neapel nach Sizilien.
Amos Oz: “Judas” – War Judas ein Verräter? Und sind Verräter notwendigerweise verachtenswert? Amos Oz wagt eine ganz andere Sichtweise auf die biblische Geschichte wie auf die Gründung Israels.
Steffen Kopetzky: “Risiko” – Bericht einer Geheimexpedition ins Afghanistan am Beginn des ersten Weltkriegs. Deutsche gegen Engländer – Ein Abenteuerroman in einer Gegend, in der auch Karl May unterwegs war. Aber wesentlich realistischer.

Quelle für Grafik und Textzitat: SWR lesenswert

 

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Druckfrisch am 14. Juni 2015

Am Sonntag, 14. Juni 2015, gibt es wieder Druckfrisches aus der ARD um 23.35 Uhr.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

  • Denis Scheck empfiehlt: Michael Psellos “Leben der byzantinischen Kaiser (976-1075) – Chronographia”
  • Johannes Willms: “Waterloo – Napoleons letzte Schlacht”
  • Andreas Maier: “Der Ort”
  • Außerdem: Denis Schecks wie immer pointiert meinungsfreudiger Kommentar zur aktuellen Spiegel-Bestseller-Liste  – diesmal: Belletristik.

Danach geht Druckfrisch in die Sommerpause, die nächste Sendung wird am 15. September 2015 ausgestrahlt.

Quelle für Foto und Inhalt: Das Erste/Newsletter Druckfrisch

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Susan Abulhawa – Als die Sonne im Meer verschwand

Quelle: Diana Verlag

Quelle: Diana Verlag

OT: The Blue Between Sky and Water

Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

Verlag: Diana Verlag

ISBN-13: 978-3453291706

Der Verlag über das Buch

In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.

Nach ihrem internationalen Bestseller »Während die Welt schlief« erzählt Susan Abulhawa auch in ihrem neuen Roman voller Poesie von einer Familie ohne Heimat, von Krieg, Frieden und Hoffnung.

Der Verlag über die Autorin

Geboren als Kind palästinensischer Flüchtlinge wuchs Susan Abulhawa in Kuwait, Jordanien und Jerusalem auf. Als Teenager ging sie in die USA, wo sie heute gemeinsam mit ihrer Tochter lebt. Die Autorin engagiert sich aktiv für die Menschenrechte und die Lebensumstände von palästinensischen Kindern in besetzten Gebieten. Ihr Debüt »Während die Welt schlief« wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt und zum internationalen Bestseller. »Als die Sonne im Meer verschwand« ist ihr zweiter Roman.

Meine Gedanken zum Buch

Der Nahostkonflikt hat mich seit meiner Jugend sehr beschäftigt. Unzählige Dokumentationen habe ich zu diesem Thema gesehen, Sachbücher gelesen und ich habe mich diesem literarisch genähert, weil ich eigentlich nur eines will, verstehen – und zwar die Sicht aller Beteiligten.

Mit viel Spannung erwartete ich diesen Roman von Susan Abulhawa. Ihren Erstling „Während die Welt schlief“ hatte ich mit viel Interesse und Begeisterung gelesen und so erhoffte ich mir wieder informative und unterhaltsame Lesestunden.

So lernte ich die in den USA lebende und dort geborene Palästinenserin Nur kennen. Von ihren Wurzeln erfährt sie aus den Erzählungen ihres Großvaters. Als dieser stirbt, beginnt eine Odyssee für das damals noch kleine Mädchen, die sie schließlich nach Palästina und zufällig in den Kreis ihrer Familie führt.

Diese Familien- und letztendlich auch Liebesgeschichte wird zu Beginn stark durch die historischen Ereignisse im Nahen Osten geprägt. Diese traten aber im Verlauf der Lektüre ein wenig in den Hintergrund. Die Verteilung von Gut und Böse, Opfer und Täter war sehr eindeutig verteilt und die Autorin, selbst Palästinenserin, ergreift in diesem Roman sehr eindeutig Partei. Dieses Recht möchte ich ihr auch keinesfalls absprechen, allerdings leidet der Roman dadurch etwas unter der einseitigen Sichtweise.

Sprachlich ist der Roman recht einfach gestaltet, er ist leicht und flüssig zu lesen. Die ein wenig mystisch angehauchten Passagen haben mich keineswegs gestört, sie stellten für eine interessante und gelungene Form der Erzählperspektive dar. Die Personen sind hinreichend charakterisiert, um beim Leser Verständnis für deren Tun und Lassen zu entwickeln.

Wenn mich „Als die Sonne im Meer verschwand“ auch bezüglich einer komplexen historischen Betrachtungsweise nicht überzeugte, habe ich diesen Roman doch recht gern gelesen. Denn besonders die Frauen der Familie erlaubten tiefe Einblicke in das Leben im Gazastreifen. Sie sind es, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, der Familie Halt und Zuversicht geben und mit ihren starken Charakteren dem Roman Leben einhauchen.

Auch weiterhin werde ich literarisch den Nahen Osten bereisen. Zur Zeit lese ich Leon Uris „Exodus“, das große Epos um die Gründung Israels, ein Buch das mich sehr berührt und emotional fordert.

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Glendon Swarthout – The Homesman. Es führt kein Weg zurück

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Quelle: Heyne Verlag

OT: The Homesman
Übersetzer: Kollektiv Druck-Reif
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453418172

Der Verlag über das Buch

Amerika 1862 – irgendwo in Missouri: Das Leben der Siedler ist unerträglich hart. In diesen dunklen Zeiten zerbrechen vier Frauen an Einsamkeit und Hunger. Man beschließt, sie in den Osten zurückzubringen, in ein besseres Leben. Die resolute Mary Bee Cuddy wird ausgewählt, um den Treck zu führen. Doch sie weiß, dass sie allein keine Chance hat, und muss sich auf die Unterstützung des Abenteurers Briggs verlassen. Entschlossen treten sie den gefahrvollen Weg an, der durch die Weiten der gnadenlosen Wildnis führt …

Der Verlag über den Autor

Glendon Fred Swarthout, 1918 in der Nähe von Pinckney, Michigan geboren, schrieb 16 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten. Berühmt wurde er vor allem durch seine großen Western, die heute als Klassiker gelten. Viele seiner Bücher wurden erfolgreich in Hollywood verfilmt, u. a. mit John Wayne und Paul Newman. Swarthout verstarb 1992 in Scottsdale, Arizona, und wurde 2008 posthum in die Western Writers Hall of Fame aufgenommen.

Meine Gedanken zum Buch

„The Homesman“ ist ein Roman über die Pioniere der Besiedelung des amerikanischen Westens im Jahr 1862. Man lebte noch in Sodenhäusern und das Leben verlangte den Menschen viel, sehr viel ab, manchmal mehr, als sie zu ertragen in der Lage waren. Voller Hoffnungen begannen sie ihr Leben in der Wildnis. Dort waren die Siedler nicht nur den Naturgewalten ausgesetzt, auch Krankheiten und die Einsamkeit machten das Leben mitunter nur schwer erträglich. Besonders die Frauen litten unter den Bedingungen und nicht alle waren den Widrigkeiten gewachsen. Von vier dieser Frauen, die daran zerbrachen, erzählt Glendon Swarthout in seinem Roman. Die Frauen waren aber nicht besonders zart besaitete Wesen, das Leben verlangte ihnen einfach mehr ab, als sie psychisch verkraften konnten. Ihre Männer wussten keinen anderen Rat, als einen Treck gen Osten zu organisieren.

Zugegeben, ein wirklich glühender Liebhaber von Wild-West-Romanen bin ich nicht. Trotzdem habe ich diesen unglaublich gern gelesen. Was war nun genau so fesselnd an diesem Roman?

The Homesman ist keiner der üblichen von Wild-West-Romantik, Revolverhelden und Indianerüberfällen strotzenden Western. In ihm geht es vorrangig um das Leben und Leiden der Pioniere und die lange, beschwerliche und gefährliche Reise der Gescheiterten zurück in die Zivilisation. So grundverschieden die Schicksale der vier Frauen sind, so sehr ähneln sie sich auch. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert Glendon Swarthout das Geschehen, das zum Erkranken der Frauenseelen führte. Er hat damit das Bild einer Gesellschaft geschaffen, das weit entfernt von jener gängigen Western-Idylle a la Karl May oder John Wayne ist. So kommt dieser Roman (fast) völlig ohne Schießereien aus, was nicht bedeutet, dass er nicht hart ist. Die darin vorkommende Härte ist anders, es ist die des Lebens der amerikanischen Pioniere, die sehr authentisch wirkend und intensiv beschrieben wurde.

The Homesman hat mich stark beeindruckt, weil er auf mich so real und glaubhaft wirkte, so intensiv war und über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt. Mit den geschilderten Problemen und Grausamkeiten, auch besonders denen im Umgang mit den psychisch kranken Frauen, konnte ich gut umgehen, wurden diese doch nicht des Effektes wegen beschrieben, sondern gehörten untrennbar zur Besiedelung des Westens. Es war zwar nicht immer leicht, davon zu lesen, doch öffnete sich damit auch ein völlig neuer Blick auf die damalige Zeit, die von Pioniergeist, Mut und unbändigem Willen geprägt war.

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