Titus Müller – Der Tag X

Der Tag X von Titus Mueller Quelle: Blessing Verlag

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896675040

Der Verlag über den Roman

Der große Roman über den Aufstand am 17. Juni 1953, als 24 Stunden alles möglich schien.

Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.

Der Verlag über den Autor

Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Mittelalterliche Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Mit 21 Jahren gründete er die Literaturzeitschrift Federwelt. Seine historischen Romane begeistern viele Leser. Titus Müller ist Mitglied des PEN-Club und wurde u.a. mit dem C. S.-Lewis-Preis und dem Sir-Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

Meine Gedanken zum Buch

Nelly Findeisens Vater war Wissenschaftler und wurde im Oktober 1946 in die Sowjetunion abkommandiert, besser gesagt verschleppt. Sieben Jahre später, im Frühjahr 1953, ist sie kurz davor, ihr Abitur zu machen. Aber sie ist Christin, geht regelmäßig zur Jungen Gemeinde, einer christlichen Jugendorganisation und unmittelbar vor den Prüfungen wird sie deshalb der Schule verwiesen. Dann lernt sie Wolf Uhlitz kennen. Der ist ein junger Uhrmacher, der seinen Beruf und bald auch Nelly liebt. Allerdings wurde er von der Stasi gezwungen, Informationen über diese Treffen weiterzugeben.

Weitere Handlungsstränge drehen sich um Lotte, Katerina und Marc in Halle und um den sowjetischen Spion Ilja.

Rund um die Geschehnisse des 17. Juni 1953 in der DDR baut Titus Müller seine Geschichte aus Liebe, Spionage, Verrat und einen niedergeschlagenen Arbeiteraufstand auf. Gekonnt erzählt er von den Geschehnissen, die letzten Endes zum Aufstand der Arbeiter führten. Dabei verwebt er gekonnt die familiären Situationen, die sich anbahnenden Romanzen und Zerwürfnisse mit der großpolitischen Lage. Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen, kenne diese Zeit aber auch nur aus Erzählungen. Die im Buch geschilderten Stimmungen und die mir in Erinnerung gebliebenen Berichte sind jedoch weitgehend identisch.

Das für diesen Roman gewählte Thema finde ich großartig, denn diese Zeit wird auch in den Schulen häufig nur sehr flüchtig behandelt, wenn überhaupt. Zudem stellt der Autor auch unter Beweis, dass er auch über die neuere Zeit erkenntnisvermittelnd zu unterhalten weiß.

„Der Tag X“ ist ein faszinierender Roman mit Personen, die lebensecht erscheinen und den Leser in eine spannende Handlung hineinziehen. Der Roman wird durch einen umfangreichen hochinteressanten Anhang abgerundet.

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Sabine Thiesler – Nachts in meinem Haus

Nachts in meinem Haus von Sabine Thiesler Quelle: Heyne Verlag

Nachts in meinem Haus von Sabine Thiesler
Quelle: Heyne Verlag

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453269699

Der Verlag über das Buch

Tom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . .

Der Verlag über die Autorin

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern Hexenkind, Die Totengräberin, Der Menschenräuber, Nachtprinzessin, Bewusstlos, Versunken und zuletzt Und draußen stirbt ein Vogel.

Meine Gedanken zum Buch

Tom bringt während eines Unwetters seine Frau zum Flughafen und will die Nacht mit seiner Affäre verbringen. Alles läuft wie geplant, bis auf einmal Geräusche im Haus zu hören sind. Ein Einbrecher wird vermutet. Wegen des vom Wetter verursachten Stromausfalls schleicht Tom mit einer Harpune bewaffnet durch das Haus. Dann nimmt er einen Schatten wahr, drückt ab und tötet seine überraschend heimgekehrte Frau. In Panik schickt er die Geliebte nach Hause und bittet deren Ehemann, der nicht nur Anwalt sondern auch Toms bester Freund ist, um Hilfe. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, der ebenso unlogisch wie abstrus ist, um Tom ein Alibi zu verschaffen und ihn aus den zu erwartenden Ermittlungen herauszuhalten. Tom flüchtet in das Ferienhaus seines Freundes nach Italien. Aber der findet, während er den Tatort für die Polizei vorbereitet, einen Ohrring seiner Frau. Nun will er Toms Problem auf seine Art lösen.

Der Einstieg in den Roman, als Krimi möchte ich nicht bezeichnen, ebenso wenig als Thriller, ist temporeich und vielversprechend. Aber schon, nachdem Tom seine Ehefrau getötet hat, stellte sich mir die Frage, die durchgehend Bestand hat, warum tut er das? Toms Panik lässt ihn völlig unlogische und nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Jedem Laien ist klar, dass er sich damit nicht vom Verdacht des Mordes befreien kann. Aber auch das Verhalten der anderen in das Geschehen involvierte Personen ergibt wenig Sinn. So war dann meine Motivation, das Buch nicht unvollendet zur Seite zu legen, die Neugier auf weitere Ideen der Protagonisten zum Verschleiern, Vortäuschen, Rächen. Die Autorin machte es mit aber auch nicht besonders schwer, am Buch zu bleiben. Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere der Personen waren, so sonderlich sie auch erschienen, gut beschrieben.

Ach ja, der aus vorherigen Werken der Autorin bekannte italienische Ermittler Neri kam auch wieder zum Zuge. Aber er war selbst in einer schwierigen persönlichen und familiären Situation, die im Buch ein wenig isoliert stand, da sie in den Handlungsrahmen nicht so recht passte.

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Corina Bomann – Sturmherz

sturmherz

Quelle: Ullstein Verlag

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548288390

 

Der Verlag über das Buch

Alexa Petri hat schon seit vielen Jahren ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Cornelia. Doch nun liegt Cornelia im Koma, und Alexa muss ihre Vormundschaft übernehmen. Sie findet einen Brief, der Cornelia in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt: als leidenschaftliche junge Frau im Hamburg der frühen sechziger Jahre. Und als Opfer der schweren Sturmflutkatastrophe. Alexa beginnt zu ahnen, wer ihre Mutter wirklich ist. Als ein alter Freund von Cornelia auftaucht, ergreift Alexa die Chance, sich von der Frau erzählen zu lassen, die sie schließlich auch verstehen und lieben lernt.

Der Verlag über die Autorin

Corina Bomann ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und lebt mittlerweile in Berlin. Sie hat bereits erfolgreich Jugendbücher und historische Romane geschrieben, bevor ihr mit Die Schmetterlingsinsel der absolute Durchbruch gelang. Seither gehört sie zur ersten Garde der deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen.

Mehr über die Autorin findet man auf ihrer Homepage: www.corina-bomann-online.de

Meine Gedanken zum Buch

Seit frühester Jugend ist das Verhältnis zwischen Alexa und ihrer Mutter kompliziert. Als diese wegen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus kommt und Alexa die Unterlagen nach einer Patientenverfügung durchsucht, kommt sie langsam hinter das Geheimnis der Mutter, durch das auch ihr Leben nachhaltig geprägt wurde. Sie findet aber nicht nur Unterlagen, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten, sie lernt auch den Mann kennen, der die große Liebe der Mutter war.

Eigentlich ist „Sturmherz“ ja nach einem altbekannten Muster gestrickt. Ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis nach einem geheimnisvollen, wochenlangen Verschwinden der Mutter und einer Katastrophe, die zwei Liebende trennt. Aber trotzdem unterscheidet sich dieser Roman, von ähnlich thematisierten. Er weist lebendig agierende Personen auf, deren innere Zerrissenheit spürbar und nachvollziehbar wird. Die Charaktere sind fein gezeichnet, weisen Stärken und Schwächen auf, durch die sie sehr menschlich und natürlich wirken. Darüber hinaus sind es die alltäglichen Szenen, die mich gerührt haben. Die Sorge um die Mutter, trotz all der ungeklärten Fragen, dem Gefühl nicht geliebt zu werden und all dem gegenseitigen Unverständnis. Die Vorbehalte gegen den Mann, der immer das Leben der Mutter beeinflusste, ohne je wirklich für sie greifbar zu sein. Die Sorge der Tochter, all den neuen Herausforderungen nicht entsprechen zu können.

Die Fragen, die neben der Protagonistin auch die Leser beschäftigen, werden nicht in einer großen Lebensbeichte sondern nach und nach geklärt. Dadurch bekommt dieser Roman einen durchgehenden Spannungsbogen, der auch nicht durch die sich langsam entwickelte Liebesgeschichte beeinträchtigt wird, deren Ende ebenso schlüssig wie absehbar ist.

„Sturmherz“ ist ein sehr unterhaltsamer und sehr angenehm zu lesender Roman. Er wirft Alltagsfragen auf, macht nachdenklich und berührt zugleich. Die sich vorsichtig anbahnende Beziehung, die Alexa eingeht, passt sehr gut in den Roman. Ohne diese wäre der Roman um einiges ärmer. Sie ist nicht rosarot kitschig, lässt den Roman aber etwas heller und leichter erscheinen. Ich habe „Sturmherz“ sehr gern gelesen.

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Richard Dübell – Der Jahrhunderttraum

jahrhunderttraum

Quelle: Ullstein Verlag

Broschiert: 736 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548288277

Der Verlag über das Buch

Das Ende der Bismarckzeit: Die Geschwister Otto, Amalie und Levin von Briest sehen der Wende zum neuen Jahrhundert entgegen und allen Verheißungen, die es mit sich bringt. Die Menschheit erobert den Himmel, die Flugpioniere begeistern die Massen. Gleichzeitig spalten politische Entwicklungen und nationalistische Tendenzen die Nation. Frauen treten jetzt für ihre Rechte ein, wollen ihre Zukunft selbst gestalten. Auch die Geschwister von Briest müssen sich entscheiden, welche Wege sie einschlagen. Als sie von einem geplanten Attentat auf die preußische Regierung erfahren, sind sie die Einzigen, die diesen Plan durchkreuzen können, und halten plötzlich das Schicksal des neuen Jahrhunderts in ihren Händen …

Der Verlag über den Autor

Richard Dübell, geboren 1962, lebt in Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerliste. Inzwischen ist er aber auch als Krimi-Autor bekannt.

Meine Gedanken zum Buch

Die Romanhandlung setzt im Jahr 1891 ein und endet mit einem Epilog im Jahr 1909. Zwanzig Jahre sind vergangen, seit der Leser die Familie von Briest im ersten Teil der Jahrhundertsturm-Trilogie verlassen. Obwohl für die den Vorgängerroman nicht kennenden Leser die wichtigsten Zusammenhänge erklärt werden, ist es für das Verständnis und die umfassende Lesefreude vorteilhaft, diesen zuerst zu lesen. Hauptfiguren in „Jahrhunderttraum“ sind die Enkel Alvin von Briests. So wie einst Alvin für die Eisenbahn brannte, sind seine Enkel von der sich gerade entwickelnden Luftfahrt begeistert. Doch der Traum vom Fliegen bleibt lange eben nur ein Traum. Neben anderen Entwicklungen werden Lilienthals erste Flugversuche und Projekte Graf Zeppelins werden ebenso spannend wie interessant beschrieben. Dabei wird der Leser nicht mit technischen Details bombardiert, alles wird zwar hinreichend erklärt, gewinnt jedoch nie die Oberhand im Romangeschehen, sondern ist immer nur Beiwerk.

Aber nicht nur die technischen Entwicklungen der Zeit werden thematisiert. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die gesellschaftliche Analyse der ausgehenden Bismarckzeit. Der Antisemitismus greift zunehmend um sich, angefeuert durch geschickte Propaganda und gestreute Tatsachenverfälschungen. Schuldzuweisungen sorgen für eine angeheizte Stimmung. Das Verknüpfen von historischem Geschehen, technischem Fortschritt, Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklung und fiktiver Romanhandlung ist Richard Dübell auch in diesem Roman ausgesprochen gut gelungen. Er hat meisterlich erzählt und in dem über 700 Seiten umfassenden Roman keine Längen aufkommen lassen. So baute sich vor meinem inneren Auge ein umfassendes authentisches Zeitbild auf.

Aber auch Liebesgeschichten würzen die Romanhandlung. Am hervorstechendsten ist dabei wohl die Beziehung zwischen Amalie von Briest und Emma von Schley. So, wie ich die gesellschaftliche Akzeptanz der Ménage-à-trois im ersten Teil der Trilogie anzweifelte, fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Liebe, die ja nicht wirklich geheim gehalten wurde, nicht mehr Anfeindungen ausgesetzt war. Nichts desto trotz bietet sie das Fundament, für die Thematisierung der aufstrebenden Frauenbewegung in Deutschland.

Die Personen wurden sehr treffend und glaubwürdig charakterisiert. Ihr Tun und Denken war einleuchtend und nachvollziehbar.

„Der Jahrhunderttraum“ ist ein sehr interessanter und ebenso unterhaltsamer Roman, gut durchdacht und intelligent aufgebaut, dazu ist er nicht nur leicht zu lesen, sondern auch noch sehr lesenswert. Wer wie ich die Verbindung von erzählter und erdachter Geschichte und einem faktischen historischen Rahmen sehr mag, wird bei diesem sehr gut aufgehoben sein.

Nun warte ich gespannt auf den letzten Teil dieser Trilogie und fiebere schon der neuen Thematik entgegen. Was könnte es sein? Die Entwicklung der Raumfahrt um Wernher von Braun, der Beginn der Computertechnik um Conrad von Zuse? Nun ja, ich werde mich überraschen lassen müssen.

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Bernhard Aichner – Totenrausch

Totenrausch von Bernhard Aichner

Totenrausch von Bernhard Aichner (Quelle: btb Verlag)

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: btb Verlag
ISBN-13: 978-3442756377

Der Verlag über das Buch

Brünhilde Blum. International gesuchte Mörderin. Liebevolle Mutter zweier Töchter. Seit Monaten auf der Flucht. In Hamburg will sie zur Ruhe kommen, einen Neuanfang wagen, und fast, so scheint es, gelingt es ihr auch. Ausgestattet mit einer neuen Identität und etwas Geld wohnt sie mit ihren Töchtern in einem wunderschönen Fischerhäuschen an der Elbe und arbeitet als Aushilfe in einem Bestattungsinstitut. Alles ist gut. Bis zu dem Tag, an dem sie für ihr neues Leben bezahlen muss – denn der Mann, dem sie das neue Glück zu verdanken hat, fordert ein, was sie ihm versprochen hat. Sie soll für ihn jemanden töten. Das Problem dabei ist nur, dass es sich um einen Menschen handelt, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist …

Der Verlag über den Autor

Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck/Österreich. Aichner schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. „Totenrausch“ ist nach „Totenfrau“ und „Totenhaus“ das große Finale der Trilogie, in deren Mittelpunkt die Bestatterin Brünhilde Blum steht. Die Bücher wurden weltweit verkauft, eine mehrteilige internationale Fernsehserie ist in Vorbereitung.

Meine Gedanken zum Buch

Ihre Mission war erfüllt, das Morden sollte der Vergangenheit angehören, Brünhilde Blum wollte ein ganz normales Leben mit ihren Töchtern führen. Nach der Fluch nach Norwegen will sie in Deutschland unter falscher Identität Fuß fassen. Dabei ist sie auf die Hilfe eines skrupellosen Zuhälters angewiesen, dem sie ein folgenschweres Versprechen macht und der sich nicht scheut, die Einlösung einzufordern.

Vieles in diesem Thriller ist unwahrscheinlich, am unwahrscheinlichsten ist jedoch, dass die Ermittlungsbehörden so gar keine Rolle spielen. Da findet der alte Freund und Helfer Reza sie problemlos, wogegen die Polizei das nicht schafft. Nun liest man ja einen Thriller nicht, um sich an einer realistischen, aus dem Alltag gegriffenen Story zu erfreuen. Man erwartet Unterhaltung, Spannung und das Abtauchen in eine eben nicht alltägliche Welt. Und das bietet Bernhard Aichner seinen Lesern mit dem Abschluss der Reihe um die Bestatterin Brünhilde Blum. Zwar empfand ich ihn als weniger rasant als die Vorgängerromane, dafür lernt man die etwas mütterlichere Brünhilde kennen. Sie würde weit gehen um ihre Kinder und ihre neue Identität zu schützen, sehr weit.

„Totenrausch“ habe ich mit viel Spannung gelesen. Meine doch recht hohen Erwartungen wurden weitgehend erfüllt. Bernhard Aichner ist damit ein schlüssiger und die gesamte Geschichte abrundender Abschluss dieser Reihe gelungen.

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Robert Harris – Konklave

Quelle: Heyne Verlag

Quelle: Heyne Verlag

Originaltitel: Conclave
Übersetzer:
Wolfgang Müller
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453270725

Der Verlag über das Buch

Der Papst ist tot. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner … Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror – oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen? Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt

Der Verlag über den Autor

Bevor Robert Harris Romanautor wurde, war er als Reporter und Redakteur tätig. Nach seinem Studium in Cambridge arbeitete er als Reporter für die BBC und als Redakteur für den „Observer“. Der 1957 in Nottingham geborene Autor wurde 2003 als bester Kolumnist mit dem „British Press Award“ für seine Arbeit beim „Daily Telegraph“ und der „Sunday Times“ ausgezeichnet. Neben seinen Romanen, darunter Bestseller wie „Vaterland“, „Enigma“ und „Imperium“, schreibt er auch Sachbücher. In seinen Büchern verbindet er Fiktion und historische Fakten, sie entführen ihre Leser so in andere Welten und Zeiten. Heute lebt der Autor mit seiner Frau und vier Kindern in Berkshire.

Meine Gedanken zum Buch

Der Papst ist tot – Habemus Papam. Die ist die Zeitspanne, in der Robert Harris seinen Roman um die fiktive Wahl eines Papstes ansiedelt. Die Zeit ist unbenannt und auch für die Handlung nicht ausschlaggebend. Wichtig allein ist das Prozedere an sich. Wie oft vermutet, gibt es hinter den Mauern des Vatikans Intrigen, Verschwörungen, Klüngeleien. So beschreibt Harris gekonnt, wie die Fäden gezogen und Allianzen geschlossen werden. Dabei erklärt er Beweggründe, Erwartungen und nicht zuletzt auch die persönlichen Konflikte und Verpflichtungen sowie die Zweifel der Kardinäle. In der Realität findet all das hinter verschlossenen Türen statt, Robert Harris öffnet diese für seinen Leser einen Spalt breit und zeigt wie es hinter den Mauern des Vatikans zugehen könnte, aber keinesfalls muss. Denn „Konklave“ ist ein Roman der vom Autor erdacht wurde, dem aber fundierte Sachkenntnis zugrunde liegt.

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Ulrike Renk – Das Lied der Störche

lied-der-stoerche

Quelle: Aufbau Verlag

Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN-13: 978-3746632469

Der Verlag über das Buch

Alte Heimat

Ostpreußen 1920: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihre Zukunft mehr als ungewiss ist: Ihr Erbe ist nach dem großen Krieg verloren gegangen, sie hat weder Auskommen noch Mitgift. Während ihre Freundinnen sich in Berlin vergnügen und ihre Jugend genießen, fühlt sich Frederike ausgeschlossen. Umso mehr freut sie sich über die Aufmerksamkeit des Gutsbesitzers Ax von Stieglitz. Wäre da nur nicht das beunruhigende Gefühl, dass den deutlich älteren Mann ein dunkles Geheimnis umgibt …

Ein berührende Familien-Saga die auf wahren Begebenheiten beruht.

Der Verlag über die Autorin

Ulrike Renk lebt als freie Autorin in Krefeld. Bei Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Die Frau des Seidenwebers“, „Die Heilerin“, „Die Seidenmagd“ sowie die Bestseller „Die Australierin“, „Die australischen Schwestern“ und „Das Versprechen der australischen Schwestern“ erschienen. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Meine Gedanken zum Buch

Frederike ist 11 Jahr alt als sie gemeinsam mit ihren Halbgeschwistern ihrer Mutter und deren 3. Ehemann auf das ostpreußische Gut Fennhusen folgt. Sie lebt sich in den ländlichen Verhältnissen schnell ein und vermisst ihre alte Heimat in Potsdam nur noch selten. In ihrem Hinterkopf bohrt aber immer wieder der Gedanke, was wohl in Zukunft aus ihr wird, denn sie ist das Kind aus erster Ehe der Mutter und hat somit keinerlei Ansprüche. 8 Jahre später hat sie die Gartenbauschule in Bad Godesberg absolviert und kehrt nach zweijähriger Ausbildung zurück nach Ostpreußen. Auch die Mutter macht sich ernste Gedanken um die Zukunft der Tochter und sucht einen Ehemann für Frederike. Aber da ist auch der geheimnisvolle 15 Jahre ältere Ax von Stieglitz, der Frederike zugeneigt ist.

Ulrike Renks Roman „Das Lied der Störche“ basiert auf einer wahren Begebenheit. Mit der Zeit und dem Ort der Handlung hat sie von vornherein meinen Geschmack getroffen. Aber nicht nur das, es ist ihr auch ausgezeichnet gelungen, diese Zeit im Roman mit Leben zu erfüllen. Sehr deutlich werden die ländlichen Lebensumstände beschrieben und auch Vergleiche zum üblichen Lebensstandard der besseren Gesellschaft in den Städten des Reiches gezogen. So müssen beispielsweise die Kinder der Gutsbesitzer auch mit anpacken, was für die gleichaltrigen Freunde aus der Stadt unvorstellbar ist. Auch die politischen Gegebenheiten ließ die Autorin nicht unerwähnt. Die gesamte Szenerie wurde so lebendig beschrieben und mit unzähligen liebevollen Details ausgeschmückt, dass ich nach dem beenden des Buches das Gefühl hatte, einen Urlaub bei guten Freunden gemacht zu haben.

Auch die Charaktere der handelnden Personen sind äußerst facettenreich beschrieben. Das gilt sowohl für die Hauptpersonen und – was ich besonders erwähnenswert finde – ebenso für die Personen, die nur kurzzeitig in der Handlung auftreten, stellvertretend hierfür seien die Sommerzwillinge genannt. Die Person, die mir neben Frederike besonders sympathisch war, ist die Köchin Schneider. Sie ist einzigartig, ein Unikum, die dem Roman ein ganz besonderes Kolorit verleiht.

Mir hat „Das Lied der Störche“ sehr angenehme Lesestunden beschert. Dieser Roman hatte alles, was ich von einem Wohlfühlbuch erwarte, eine gute Geschichte, Charaktere mit menschlichen Zügen, ein gutes Zeit- und Sittenbild und eine sehr angenehm und flüssig zu lesende Sprache, die mit der Mundart ein wenig an Ort und Zeit angepasst ist.

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