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3. März 2015 / Karthause

Arno Geiger – Selbstporträt mit Flusspferd

Quelle: Hanser LiteraturVerlage

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag

ISBN-13: 978-3446247611

Gedanken zum Buch

Wien 2004. Der 22-jährige Julian, Student der Veterinärmedizin, wird von Judith verlassen, das kam nicht unverhofft, sondern deutete sich schon über längere Zeit an. Nur jetzt zog Judith den Schlussstrich, weil die Zeit günstig war und momentan für keinen Prüfungen anstanden, deren Vorbereitung durch eine solche Entscheidung gestört werde könnte. Julian muss die Wohnung verlassen, für deren Nutzung Judiths Vater nachträglich noch einen Mietanteil von ihm fordert. Nun muss er schauen, wie er über die Runden kommt, seine Schulden bezahlt und sein Leben neu ausrichtet. Zunächst kommt er bei einem Freund unter, der ihm auch gleich, weil er mehr Lust auf Urlaub hat, seinen Job überlässt, der darin besteht, das Zwergflusspferd von Professor Beham zu versorgen. Sein Tagesablauf wird schnell durch den des Flusspferdes bestimmt. Im Gleichklang der Sommertage reflektiert Julian über sich und seinen Standort in der Welt. Er lernt aber auch Aiko, die Tochter des Professors kennen und verliebt sich in sie.

Ein wenig war ich irritiert, wie unreif und unfertig der Protagonist Julian mit seinen 22 Jahren war. Er war ein durchaus intelligenter und kluger Kopf, seinen Platz im Leben hat er allerdings noch nicht gefunden, davon war er sogar noch weit entfernt. So reihten sich zunächst auch banale Gedanken aneinander und und mit dem Jüngelchen und sein Gehangel zwischen Liebeskummer, Entscheidungslosigkeit, Weltschmerz und Orientierungslosigkeit konnte ich mich nur schwer erwärmen. Auch die sich langsam entwickelnde Beziehung zu Aiko, die ihm immer wieder bescheinigt, noch die Eierschalen hinter den Ohren zu haben, kam mir ebenso skurril vor wie die Beziehung, die er zu dem Zwergflusspferd entwickelt. Obwohl der Roman von Julian, dem Ich-Erzähler recht persönlich erzählt wird, blieb sie für mich deutlich spürbar eine Fiktion, auf die ich mich nur schwer einlassen konnte. So wie dem Protagonisten die Orientierung fehlte und er danach, bzw. nach einer Person, die sie ihm geben konnte, suchte, so suchte ich etwas die Originalität des Helden. Er war mir zu blass und austauschbar. Aber wahrscheinlich, ist das genau das Bild, das Julian von sich auch hat.

Erst die letzten einhundert Seiten des Romans versöhnten mich mit meiner Entscheidung, das Buch nicht vorzeitig zur Seite gelegt zu haben. Dann wurde die Geschichte runder, Julian begann mehr zu agieren, ließ sich weniger treiben und seine Gedanken wurden tiefer. So machte er wirklich noch eine Entwicklung durch, mit der ich nicht mehr gerechnet hätte.

„Gehe ich rechts oder links? Mache ich mein Studium fertig oder nicht? Wird eine stabile Persönlichkeit aus mir oder ein Niemand, der nichts auf die Reihe kriegt und von allen herumgeblasen wird? Finde ich meinen Platz oder gehe ich unter.

An allen Möglichkeiten bin ich nahe dran. Wenn mir ein, zwei Fehler unterlaufen und ich einmal richtig Pech habe, befinde ich mich im freien Fall. Denn alle Wege, die mir lohnenswert erscheinen, sind gefährlich -“ (S. 276)

Auch wenn ich mit dem Buch zunächst sehr fremdelte, lag dies nicht an der sprachlichen Gestaltung des Romans, sondern an den Problemen, die ich generell mit Mitmenschen habe, die sich dermaßen treiben lassen, im Selbstmitleid suhlen und die Unentschlossenheit leben.

So lässt mich „Selbstporträt mit Flusspferd“ etwas zwiegespalten zurück. Nein, ich musste mich nicht wirklich durch den Roman quälen. Eher hätte ich Julian gern auf den richtigen, besser gesagt auf einen Weg gebracht. Aber eigentlich haben bereits die ersten Seiten dieses Romans gezeigt, dass er diesen schlussendlich auch selbst gefunden haben muss, was mich dann doch wieder versöhnlich stimmt.

Der Verlag über de Autor (Quelle: hanser-literaturverlage.de)

Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wolfurt und Wien. Sein Werk erscheint bei Hanser, zuletzt Alles über Sally (2009) und Der alte König in seinem Exil (2011). Er erhielt u. a. den Deutschen Buchpreis (2005), den Hebel-Preis (2008), den Hölderlin-Preis (2011) und den Literaturpreis der Adenauer-Stiftung (2011).

Weitere Informationen

Autorenwebsite

Termine

27. Februar 2015 / Karthause

Druckfrisch am 01. März 2015 um 23.35 Uhr

Am kommenden Sonntag, 01.03.2015, gibt es wieder Druckfrisches aus der ARD um 23.35 Uhr.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

  • Jan Weiler: “Kühn hat zu tun”
  • Gila Lustiger: “Die Schuld der anderen”
  • Julian Barnes “Lebensstufen”
  • Denis Scheck kommentiert die aktuelle SPIEGEL-Bestsellerliste Belletristik

Für alle, die diese Literatursendung nicht zu später Stunde sehen können, hier noch die Wiederholungstermine:

EinsPlus, Mo, 02.03.2015| 15:00 Uhr
ARD-alpha, Di, 03.03.2015| 19:30 Uhr
ARD-alpha, Mi, 04.03.2015 | 16:00 Uhr
3SAT, So, 15.03.2015| 13:40

 

(Quelle für Text und Foto: Newsletter vom 27.02.2015)

22. Februar 2015 / Karthause

Achtung – Buchtipp!

“Stoner” von John Williams habe ich vor gut einem Jahr mit sehr viel Freude gelesen. Nun erscheint am 1. März 2015 im Deutscher Taschenbuch Verlag ein weiteres Buch des vor 2 Jahrzehnten verstorbenen Autors, das es sofort auf meinen Wunschzettel geschafft hat.

 

Der Verlag über das Buch:

Das Paradies der Schöpfung macht der Mensch zur Hölle auf Erden

Es war um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«. In Butcher’s Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, am Rande von Nirgendwo, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten: Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen – und entfesseln eine Tragödie. Ein Roman darüber, wie man im Leben verliert und was man dabei gewinnt.

18. Februar 2015 / Karthause

Ulla Lenze – Die endlose Stadt

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3627002107

Der Verlag über das Buch

Holle ist Künstlerin, sie fotografiert Städte, deren verborgene Energie sie auf leeren Plätzen einfängt. Ein Stipendium führt sie nach Istanbul, einer schmerzhaft schönen Stadt, wo sie eine Affäre mit dem Türken Celal beginnt. Doch existenziell wird für Holle die Begegnung mit Christoph Wanka. Der reiche Geschäftsmann repräsentiert alles, was Holle ablehnt, und doch kann sie sich nicht von ihm lösen, schwankt ständig zwischen Anziehung und Abstoßung. Als Holle schließlich einwilligt, dass Wanka ihr eine Reise nach Mumbai finanziert, beginnt ein Kräftemessen, das sie zwingt, ihren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen.

Hals über Kopf verlässt Holle Mumbai. Theresa bezieht Holles überstürzt verlassene Wohnung. Die deutsche Journalistin kennt die kontrastreiche Metropole, in der das Überleben für viele Menschen nur am Zufall hängt. Und sie trifft auf Christoph Wanka. Während Theresa in Mumbai nach und nach in eine Stellvertreterrolle gleitet, die weiter reicht, als es in ihrer Absicht liegen könnte, möchte Holle im labyrinthischen Körper Istanbuls am liebsten verloren gehen und entdecken, wie sich all das neu zusammensetzt, was sie ihr Leben nennt. Als die Demonstrationen im Gezi-Park die Strukturen der Stadt selbst zum Bröckeln bringen, scheint die Gelegenheit günstig …

Im neuen großen Roman von Ulla Lenze begeben sich zwei Frauen auf Spurensuche in der abenteuerlichen Fremdheit zweier ferner Städte, Istanbul und Mumbai. Die endlose Stadt ist ein Roman voller wunderbarer Spiegelungen und geheimer Verflechtungen. Eine schwebend leichte Konstruktion, in der Zeiten, Orte und Identitäten ineinander tauchen, ein vielschichtiges Kunstwerk von unendlicher Schönheit.

Der Verlag über die Autorin

Ulla Lenze, 1973 in Mönchengladbach geboren, studierte Musik und Philosophie in Köln. Für ihren Debütroman Schwester und Bruder (2003) erhielt sie den Ernst-Willner-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, den Jürgen-Ponto-Preis für das beste Romandebüt und das Rolf-Dieter Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln. Ihr dritter Roman Der kleine Rest des Todes erschien 2012 in der Frankfurter Verlagsanstalt und wurde auf Platz 5 der SWR-Bestenliste gewählt. Ulla Lenze war Writer-in-residence in Istanbul und verbrachte neun Monate in Mumbai auf Einladung des Goethe-Instituts und der Kunststiftung NRW. Ulla Lenze lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr neuer Roman Die endlose Stadt erscheint im Februar 2015.

Meine Meinung

Berlin – Hannover – Mumbai – Istanbul, das sind die Stationen der Künstlerin Holle. Dabei schlägt das Herz des Romans eindeutig in Istanbul, der quirligen Stadt am Bosporus, an dem zwei Welten aufeinandertreffen, der Orient auf den Okzident, ebenso wie Holle auf Celal, nah und doch so weit voneinander entfernt. Zwischen der deutschen Fotokünstlerin und dem türkischen Imbissinhaber entwickelt sich eine Affäre mit Höhen und Tiefen und wie ein Schatten tritt Christoph Wanka in Holles Leben. Der reiche Geschäftsmann führt ein gänzlich anderes Leben als Holle und lässt in ihr Zweifel über ihren Lebensentwurf und ihre Sicht der Dinge aufkommen. So ist er auch der Grund für Holles überstürzte Abreise aus Mumbai, obwohl er ihr diese Reise finanzierte. Ihre Wohnung dort vermietet sie an Theresa, eine Journalistin, die mehr oder weniger bewusst in eine Art Stellvertreterrolle für Holle schlüpft.

„Die endlose Stadt“ ist ein Roman, der von seinen Gegensätzen lebt. Orient trifft auf Okzident, Holle fotografiert Städte ohne Menschen und gerät in den Bann eines Mannes, der völlig konträr zu ihrer eigenen Lebensauffassung steht. Aber auch ihre Beziehung zu den jungen Türken Celal ist nicht frei von Differenzen. Dieses Konträre ist aber nicht nur in den zuvor genannten Aspekten zu finden, es lässt sich in jeder Stadt, in jedem Leben finden und regt zum Überdenken eigener Lebensvorstellungen an. Dabei gelingt es Ulla Lenze diese Widersprüchlichkeit hervorragend durch ihrer Erzählweise darzustellen. Mit einer poetischen, aber trotzdem kraftvoll kraftvollen Sprache bringt die Autorin dem Leser ihre Protagonistinnen nahe, die letztlich aber doch nicht ganz in ihrem Wesen erklärbar oder nachvollziehbar bleiben, so dass man das Gefühl hat, sie bewahren einen Rest eines Geheimnisses für sich.

Man merkt dem Roman an den Beschreibungen der Eigenheiten und Widersprüchlichkeiten der Metropolen deutlich an, dass die Autorin sowohl Mumbai als auch Istanbul kennt. So stehen die Veränderungen, die das Leben von Holle und Theresa prägen, letztlich auch für die in der Gesellschaft und so ist es nur logisch, dass auch die Proteste auf dem Istanbuler Taksim Platz thematisiert werden.

„Die endlose Stadt“ ist ein intelligent geschriebener Roman, der mit Leichtigkeit von Gegensätzlichem erzählt. Er hat mir besonders Istanbul und die Mentalität der Bewohner nahegebracht, hat mich schmunzeln lassen und nachdenklich gemacht, aber vor allem hat er mich sehr gut unterhalten.

12. Februar 2015 / Karthause

T. C. Boyle – Hart auf Hart

Quelle: Carl Hanser Verlag

Originaltitel: The Harder They Come
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN-13: 978-3446247376

Der Verlag über das Buch

Gegen die Gesellschaft – für die Freiheit: Der große Amerika-Roman von T. C. Boyle.

Absoluter Freiheitsanspruch und Verfolgungswahn – T. C. Boyle erkundet in seinem neuen Roman die dunkle Seite der USA. Adam, den seine Eltern nach etlichen Schulverweisen und Therapiesitzungen aufgegeben haben, ist eine wandelnde Zeitbombe: In der Wildnis, wo er ein Schlafmohnfeld angelegt hat, führt er ein Einsiedlerleben und hortet Waffen gegen imaginäre Feinde. Aber es gibt jemanden, der sich in ihn verliebt. Sara hat ebenfalls ausreichend Feindbilder: Spießertum, Globalisierung, Verschwörer und die Staatsgewalt. Als sie Adam am Straßenrand aufgabelt, beginnt eine leidenschaftliche Liaison. Doch bald merkt Sara, dass Adam es ernst meint mit den Feinden, sehr ernst.

Der Verlag über den Autor

T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren, unterrichtete an der University of Southern California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen zuletzt Willkommen in Wellville (Roman, 1993), América (Roman, 1996), Riven Rock (Roman, 1998), Fleischeslust (Erzählungen, 1999), Ein Freund der Erde (Roman, 2001), Schluß mit cool (Erzählungen, 2002), Drop City (Roman, 2003), Dr. Sex (Roman, 2005), Talk Talk (Roman, 2006), Zähne und Klauen (Erzählungen, 2008), Die Frauen (Roman, 2009), Das wilde Kind (Erzählung, 2010), Wenn das Schlachten vorbei ist (Roman, 2012), San Miguel (Roman, 2013) und die Neuübersetzung von Wassermusik (Roman, 2014).

Meine Meinung

T. C. Boyles Roman „Hart auf Hart“ unterscheidet sich stilistisch etwas von seinen jüngsten Werken. Er ist härter und die Figuren sind skurriler. Fast scheint es, der Autor hat eine Art schriftstellerische Verjüngungskur durchlebt. Seine Figuren wirken unangepasster, eigenwilliger und wütender. Adam, der sich selbst als eine Art Waldläufer sieht und sich nach seinem Idol Coulter nennt, sieht um sich herum fast nur Alien. Feinde, die ihn nicht verstehen, die er bekämpfen muss, mit allen Mitteln. Dabei schreckt er auch vor Mord nicht zurück. Schon in seiner Kindheit zeigt er Anzeichen einer psychischen Störung, deren Behandlung verweigert er sich aber inzwischen. So wird er zum Gejagten, der die Polizei lange Zeit zum Narren hält. Trotz allem beginnt Sara mit ihm eine Affäre. Auch sie lehnt sich gegen die Staatsgewalt und das kleinbürgerliche Denken auf und sieht in der ersten Zeit ihres Verhältnisses zu Adam auf. Doch schon nach kurzer Zeit reduziert sich ihre Beziehung in erster Linie auf das Sexuelle, bis auch ihr bewusst wird, dass Adam eine tickende menschliche Zeitbombe ist, die zu explodieren droht. Er ist gegen fast alles, aber für eines, die Freiheit.

So fremd einem die Charaktere der Protagonisten zu Beginn auch sein mögen, kann man sich sehr schnell in sie hinein versetzen und ihre Form der Gesellschaftskritik nachvollziehen. Sie wirken auf ihre Art glaubwürdig. Man muss sie nicht mögen und auch die Wahl ihrer Mittel nicht unbedingt gut heißen, um sie verstehen zu können. Beide sind Wutbürger im amerikanischen Stil. Die Konstruktion des Romans ist beeindruckend. Die Sicht von Adams Eltern auf die Szenerie würde fast den bürgerlichen Gegenpol bilden, wären da nicht die Ereignisse auf der Kreuzfahrt. Von der ersten Seite an entwickelte sich eine spannende Handlung, die bis zum Ende hin nicht schwächelte. Sprachlich ist dieser Roman auf einem sehr ansprechenden Niveau angesiedelt, auch wenn einige Szenen durchaus etwas vulgärer erscheinen, was aber gut mit dem Bild, das Adam abgibt, harmonisiert.

T. C. Boyles Roman zeichnet das umfassende Bild zweier gesellschaftlicher Rebellen, die ihren persönlichen Feindbildern mehr oder minder entschlossen entgegentreten und die damit für eine düster-bedrohliche Atmosphäre sorgen, die der Lektüre durchgängig eigen ist. „Hart auf Hart“ ist ein fesselndes Buch, das seinen Titel vollkommen zu Recht trägt. T. C. Boyle ist ein Meister seines Fachs, der es versteht, den Leser auf (s)eine ganz besondere Art und Weise zu unterhalten.

An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, mich bei der lieben Mara von Buzzaldrins Bücher für den Gewinn dieses tollen Romans zu bedanken.

9. Februar 2015 / Karthause

Marlen Suyapa Bodden – Der Himmel über Alabama

Quelle: Blanvalet Verlag

Quelle: Blanvalet Verlag

Originaltitel: The Wedding Gift
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3442383092

Der Verlag über das Buch

In dunklen Zeiten ist ihre Freundschaft wie ein helles Licht …

Alabama, 1853. Als Clarissa Allen, Tochter eines reichen und grausamen Plantagenbesitzers, heiratet, erhält sie von ihrem Vater Cornelius ein Hochzeitsgeschenk: Sarah, die junge Sklavin, mit der sie aufgewachsen ist. Nach der Geburt ihres Sohnes behauptet Clarissas Ehemann, nicht der Vater des Neugeborenen zu sein. In Schande kehren Clarissa und Sarah zurück auf die Plantage der Allens und setzen damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die für die einstmals so einflussreiche Familie unvorhersehbare Konsequenzen haben wird.

Der Verlag über die Autorin

Dr. Marlen Suyapa Bodden studierte an der New York University School of Law und der Tufts University Jura und ist als Anwältin für die Legal Aid Society in New York City tätig. Seit über zwanzig Jahren setzt sie sich für die Rechte benachteiligter und unterbezahlter Arbeiter und Immigranten ein. 2012 verlieh die University of Rhode Island ihr den Ehrendoktortitel. Der Himmel über Alabama ist Marlen Suyapa Boddens erster Roman.

Meine Meinung

Marlen Suyapa Bodden führt ihre Leser in die us-amerikanischen Südstaaten zu Zeiten, in denen noch die Sklaverei herrschte, aber schon leise der Geist einer neuen Zeit an den Türen der Plantagenbesitzer rüttelte. Clarissa, die Tochter eines solchen, wächst sorglos auf und bekommt zur Hochzeit Sarah, Tochter von Clarissas Vater und einer Sklavin, geschenkt. Obwohl auch Sarah für ihren Stand erstaunliche Privilegien genießen kann, macht sie sich schon in Kindertagen Gedanken über Freiheit und Flucht. Sie spricht aus, was andere Sklaven nur heimlich zu denken wagen, aus Angst vor drakonischen Strafen. Dieser Traum begleitet Sarah durch ihr Leben und den Leser durch das gesamte Buch.

Sehr bildhaft werden die Lebensumstände, sowohl auf Seiten der Sklaven als auch auf der der Herrschaft beschrieben. Dabei werden die unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen beleuchtet und auch auf den „Wirtschaftsfaktor Sklavenhaltung“ und die Möglichkeiten der rechtskonformen Erlangung der Freiheit eingegangen. Abgesehen davon, dass der Klappentext ein bisschen zu viel verrät, ahnt der Leser schon zeitig, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Die Autorin zeigt verschiedene Lebenswege in beiden Gesellschaftsschichten auf, ihr Herz schlägt aber spürbar für die unterdrückten und ihrer Freiheit beraubten Sklaven.

„Der Himmel über Alabama“ ist ein kurzweilig zu lesender und sehr interessanter historischer Roman. Der anschauliche Stil sorgte dafür, dass ich mich schnell in die Szenerie einfühlen konnte und vor meinem geistigen Auge Bilder entstanden, die schnell ein Eigenleben begannen. Die Charaktere waren facettenreich und lebendig beschrieben und waren Kinder ihrer Zeit.

Kurzum, Marlen Suyapa Bodden hat einen sehr ansprechenden Roman mit wunderbarem Südstaatenflair geschrieben, der den Leser gefangen nimmt und auf eine Art gefühlte Zeitreise schickt. Mich hat er sehr gut unterhalten.

7. Februar 2015 / Karthause

Druckfrisch am 8. Februar 2015 um 23.35 Uhr

Am morgigen Sonntag, 8.2.2015, gibt es wieder Druckfrisches aus der ARD um 23.35 Uhr.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

Für alle, die diese Literatursendung nicht zu später Stunde sehen können, hier noch die Wiederholungstermine:
EinsPlus, Mo, 09.02.2015 | 15:00 Uhr
ARD-alpha, Di, 10.02.2015 | 19:30 Uhr
EinsFestival, Mi, 11.02.2015 | 11:35 Uhr
ARD-alpha, Mi, 11.02.2015 | 16:00 Uhr
EinsFestival, So, 15.02.2015 | 08:00 Uhr
3SAT, So, 15.02.2015 | 13:30 Uhr

(Quelle für Text und Foto: Newsletter vom 06.02.2015)

 

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