Gerhard J. Rekel – Der Duft des Kaffees

Der Duft des Kaffees ist würzig und viel versprechend. Voller Spannung wartet man darauf, dass sich die Geschmacksvielfalt auf der Zunge entfaltet und anregende Wirkung des Getränks eintritt. Dann, nach dem Genuss eines guten Kaffees, spürt man das Wohlbefinden. Ebenso verhält es sich mit diesem Buch.

Die Geschichte vor der Geschichte macht neugierig auf das, was noch kommen mag, ein gelungener Einstieg. Dann las ich die erste Seite und war gleich mittendrin in der Handlung. In verschiedenen deutschen Städten kam es zu Anschlägen. Aber es wurden keine Bomben gezündet, Unbekannte haben Kaffee vergiftet. Zahlreiche Menschen wurden mit Herzrhythmusstörungen in Krankenhäuser eingeliefert. Unter ihnen befand sich auch Jakob, der Sohn von Hans Brioni, einem kleinen Kaffeeröster aus Berlin, dessen ganze Leidenschaft, seit ihn seine Frau verließ, den braunen Bohnen gilt. In den vergangenen Jahren engagierte er sich gegen die Machenschaften der großen Kaffeekonzerne, die minderwertige Robusta-Bohnen durch fragwürdige Verfahren „aufbessern“. Im Keller hat Brioni ein Labor und etliche Vorräte an Kaffee von den großen Konkurrenzanbietern. Das macht ihn in den Augen der Polizei verdächtig. Eine rasante Verfolgungsjagd beginnt. Brioni hat die Unterstützung einer jungen und ehrgeizigen Journalistin gefunden und beide recherchieren nach den wahren Tätern. Doch wer steckt hinter den Anschlägen? Was sind die Motive? Möglich wäre Erpressung, die Taten eines Psychopaten, die Rache eines kleinen Kaffeerösters wie Brioni oder doch eine Verschwörung mit politischem Hintergrund. Denn zur gleichen Zeit soll in Deutschland das größte Reformpaket aller Zeiten verabschiedet werden.

In die gut mit Spannung gewürzte Handlung wurden geschickt Informationen rund um den Kaffee, den „Wein des Orients“ eingebaut, die nicht einen lehrbuchmäßigen Eindruck vermittelten oder gar den Spannungsbogen unterbrochen haben. So erfuhr ich ganz nebenbei noch einiges über die Geschichte, die Bedeutung, die äthiopische Kaffeezeremonie und die unterschiedlichen Sorten des Kaffees. Ohne dies wäre „Der Duft des Kaffees“ nur ein durchschnittlicher Krimi.

Der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Die Charaktere haben ein realistisches lebendiges Gesicht bekommen. Sie hatten ihre Eigenheiten und Macken. Besonders der Protagonist Hans Brioni, der schon ein Sonderling war, ist mir schnell ans Herz gewachsen und ich habe mit ihm gefiebert und ihm alles Glück gewünscht.

Wer einen blutigen Krimi mit Superdetektiven lesen will, sollte dieses Buch im Regal lassen. Wer aber an einem facettenreichen, spannenden und kurzweiligen Kriminalroman interessiert ist, der sollte an diesem Buch nicht vorbei gehen. Ich empfehle diesen Roman nicht nur den Kaffeeliebhabern.

Übrigens, die Geschichten rund um den Kaffee und der Krimi passen zusammen wie ein guter Espresso und seine Crema.

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Dtv
ISBN-13: 978-3423245050

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