David Ball – China Run

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China Run“ ist die Taschenbuch-Ausgabe von „Nacht über dem Yangtse“.

In diesem Roman begegnete ich Korruption, Mord, Folter Menschen- und Organhandel, alles geschah aber auf die subtile chinesische Art. Mafiöse Strukturen waren deutlich erkennbar. Die organisierte Kriminalität blühte hinter der Kulisse des modernen sich öffnenden China. Ein bedeutendes Thema in diesem Buch war die in China geforderte Ein-Kind-Ehe. Mädchen waren nicht erwünscht, sie tragen den Familiennamen nicht weiter und verlassen als Erwachsene das Haus. Da musste frühzeitig Abhilfe geschaffen werden, entweder durch Abtreibung, bereits geborene Kinder wurden ausgesetzt oder in den Fluss geworfen oder bestenfalls in einem Waisenhaus abgegeben. Solche unerwünschten Kinder sollten amerikanischen Paaren zur Adoption übergeben werden. Auch Claire, Ruth und Allison hielten ihre Babys schon in den Armen, als das Schicksal, besser gesagt die chinesischen Behörden eine andere Entscheidung trafen, die eine rasante Flucht der Adoptiveltern zur Folge hatte.

Diesem Roman gegenüber entwickelte ich etwas gemischte Gefühle. Auf der einen Seite las ich einen spannenden, mitreißenden und emotionalen Roman. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen und wollte wissen, wie es weitergeht. Die Gefühlsebene wurde stark angesprochen, weil man mit den Frauen mitfieberte und mit ihnen und den Babys litt. David Ball baute in seinen Roman sehr schöne Landschaftsbeschreibungen ein. Darüber hinaus ließ er mich eine Kultur erleben, die mir recht fremd war, er schilderte die Besonderheiten der chinesischen Mentalität und des ganzen chinesischen Systems nachvollziehbar und glaubhaft.

Auf der anderen Seite störten mich diese typischen Thrillerelemente etwas. Besonders die letzte Verfolgungsjagd war mir persönlich zu dick aufgetragen. Außerdem war während der geschilderten langen Flucht der Mütter immer ein frisches Fläschchen oder eine saubere Windel für die Kleinen parat, egal welche Eile gerade geboten war. Bis auf diese Kritikpunkte wirkte „China Run“ recht authentisch. Die Vorstellung, dass solch ein Menschenhandel stattfinden könnte, liegt nicht außerhalb meiner Phantasie. Aber dieser Roman wurde aus rein amerikanischer Sichtweise geschrieben und da sind die Rollen von gut und böse recht klar verteilt.

Insgesamt gesehen hat mir das Buch gefallen, das Ende kam gemäß meinen Erwartungen. Aber es hat mich berührt, mitgerissen und gefesselt. David Ball ist ein guter Erzähler, ihm hätte ich noch ein paar Stunden folgen können.

Was mich jedoch immer wieder ärgert ist, dass Verlage Taschenbüchern einen anderen Titel geben als den entsprechenden Hardcover-Ausgaben. Das ist eine Sache, die ich wohl nie begreifen werde.

Broschiert: 541 Seiten
Verlag:
Droemer/Knaur (April 2007)
ISBN-10:
3426635275
ISBN-13:
978-3426635278
Gelesen:
April 2007

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