Sabine Thiesler – Hexenkind

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Mitten im toskanischen Wald in der Casa della strega wird die Leiche der deutschen Sarah Simonetti gefunden. Sie war mit dem Besitzer der Trattoria des nahegelegenen Dorfes verheiratet. In dieses alte Gemäuer zog sie sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit zurück, um ihrem Alltag zu entfliehen.

Die Polizei kommt und beginnt ihre Untersuchungen. Aber schon nach wenigen Seiten spielt die Aufklärung des Mordes zunächst keine Rolle mehr. Die Autorin schildert wie es zu dieser Bluttat kommen konnte. In Rückblenden wird nun das Leben von Sarah erzählt. Der Leser erfährt von ihrer früheren Beziehung zu Franky, dem Vater ihrer Tochter Elsa. Wir lernen Romano, Sarahs Ehemann kennen. Mit ihm geht sie nach Italien, um Franky zu entkommen. In ihrer neuen Heimat wird der gemeinsame Sohn Edi geboren, ein niedlicher aufgeweckter Junge, der im Alter von 2 Jahren einen schrecklichen Unfall hat. Damit beginnen Schuldzuweisungen, Selbstvorwürfe und Missverständnisse. Nichts ist mehr wie es war und mit dem Wissen, was zu Beginn des Buches geschah, merkt man als Leser immer deutlicher, dass sich verdeckt und zuerst ganz unterschwellig etwas zusammenbraut. Sarah ist verändert, sie stürzt sich in Affären. Darunter leidet nicht nur die Beziehung zu ihrem Mann, das belastet besonders ihr Verhältnis zu Elsa.

Je näher diese Rückblicke dem aktuellen Geschehen kommen, desto mehr wird die Spannung aufgebaut und die Ereignisse werden dramatischer.

Hexenkind“ hat außer dem Handlungsort keine Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängerroman der Autorin. Um beiden Büchern gerecht zu werden, bin ich ohne Erwartungen an dieses Buch gegangen und versuchte, Vergleiche zu vermeiden. Mir gefällt der Erzählstil von Sabine Thiesler sehr gut. „Hexenkind“ ist flüssig, wenn auch mit ein paar Konstrukten, geschrieben und zog mich schnell in seinen Bann. Während der Schilderung der Ereignisse vor dem Mord erinnerte mich dieser Krimi eher an eine Familiengeschichte. Mich störte das überhaupt nicht. Denn die Spannung war trotzdem vorhanden. Ich sammelte Puzzleteilchen zu Puzzleteilchen. Die Frage nach dem WARUM drängte sich bei mir immer mehr in den Vordergrund.

Die Charaktere waren gut beschrieben und jeden einzelnen empfand ich in seinen Eigenarten als glaubwürdig. Das Verhältnis der Personen untereinander war für mein Empfinden hervorragend beschrieben. Da waren die Vorbehalte der Schwiegermutter Teresa gegen die junge Deutsche, die der Sohn ins Haus brachte; Romanos Festhalten an der Ehe mit Sarah, trotz deren Eskapaden und die Wut von Elsa über die Lügen und den Verrat der Mutter. Das Ende war atemberaubend, entsetzlich und erschütternd.

Mein Fazit: „Hexenkind“ ist ein eher ungewöhnlicher Krimi. Einer, der den Leser einlullt mit beinahe alltäglichen Ereignissen, die aber ein ungutes Gefühl im Bauch entstehen lassen und den Leser an das Buch fesseln. Mir hat dieser Krimi – und doch noch der Vergleich mit „Der Kindersammler“ – mindestens ebenso gut gefallen, denn er war wesentlich raffinierter im Aufbau.

Broschiert: 576 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453432741
Gelesen: November 2007

 

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