Louis Begley – Schmidt

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Albert Schmidt, von allen seit der Kindheit Schmidtie genannt, hat sich als Anwalt einer renommierten New Yorker Kanzlei wegen der Krebserkrankung seiner Frau frühpensionieren lassen. Danach brach seine Welt zusammen. Seine Frau starb und nur ein halbes Jahr später eröffnete ihm seine Tochter Charlotte, den jungen Anwalt Jon Riker zu heiraten. Schmidt hatte diesem jungen Mann zwar den Weg in der Kanzlei geebnet. Aber als Schwiegersohn lehnt er ihn rigoros ab. Für Schmidt ist er ein banaler Streber und unkultivierter Karrierist, was aber für ihn noch schwerer wiegt, Riker ist Jude. Charlotte passt sich sehr schnell der neuen Familie an und schon bald haben sich Vater und Tochter nichts mehr zu sagen, es bleiben nur noch unerfreuliche Diskussionen über Charlottes Geldforderungen. Schmidt steckt mitten in einer tiefen Lebenskrise als er die junge Kellnerin Carrie kennen lernt.

Zu Beginn des Buches hatte ich ein paar Schwierigkeiten, mich an dieses Buch zu gewöhnen. Es war mir zu finanz- und steuerlastig. Aber nach dem ersten Drittel las es sich fast von allein. Wie von Begley nicht anders gewöhnt, ist auch „Schmidt“ ein eher ruhiges Buch. Die Einsamkeit des Protagonisten nach seiner Pensionierung stellte er überzeugend und einfühlsam dar. Schmidts Lebenskrise ist für mich sehr nachvollziehbar, er ist einsam, die sozialen Kontakte pflegte früher seine Frau, er hat Probleme diese Kontakte aufrecht zu erhalten. Seine Einsamkeit war teilweise fast körperlich zu spüren, ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Es hat mich sehr berührt.

Schmidts Unscheinbarkeit, seine Unentschlossenheit, seine Passivität, überhaupt sein ganzes Verhalten kommen nicht immer sympathisch rüber, werden von Begley aber sehr lebendig und greifbar geschildert.

Auch Schmidts Tochter, Charlotte, wurde von Louis Begley sehr eindrucksvoll beschrieben. Ihr Vater existiert für sie nur noch als Finanzier ihrer geplanten Hochzeit. Dabei erwartet sie, dass er keine Schwierigkeiten macht, alle ihre Wünsche akzeptiert und letztendlich auch finanziert. Sie war für mich die Antiperson des Romans.

Das Ende hat mit gut gefallen. Ich empfand es nicht als hoffnungslos. Nun bin ich auf „Schmidts Bewährung“ gespannt.

Taschenbuch: 311 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13: 978-3518395004
Gelesen: November 2007 in Krümels Book-Club

 

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