Jeannette Walls – Schloss aus Glas

Schloss aus Glas
Jeannette Walls

Gebundene Ausgabe: 382 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN-13: 978-3455080049

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Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für diese Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte.“

Mit diesem ersten Satz fängt Jeannette Walls den Leser ein und nimmt in mit auf eine Reise in ihre eigene Vergangenheit. Sie berichtet aber nicht von einer wohl behüteten und umsorgten Kindheit, ihr Roman ist eine Art Schicksalsbewältigung.

Oft lebte die Familie Walls mit ihren vier Kindern ohne festen Wohnsitz. Hatten sie einen, mussten sie oft bei Nacht und Nebel fliehen, weil Rechnungen unbezahlt blieben oder der Vater wieder einmal in dubiose Geschäfte verwickelt war. Das Nichtvorhandensein von Lebensmitteln war an der Tagesordnung, ebenso der damit verbundene Hunger. Häufig mussten sich auch die Kinder ihre Nahrung in Mülleimern und Abfallkübeln suchen. Die Mutter scheute vor jeder Arbeit zurück. War es unumgänglich für sie arbeiten zu gehen, suchte sie schnell nach Ausflüchten, um ihr Leben als Möchte-gern-Künstlerin wieder aufzunehmen. Die Kinder blieben sich in jeder Beziehung selbst überlassen. Und doch hingen sie an ihren Eltern. Besonders die innige Liebe, die Jeannette ihrem trinkenden Vater entgegenbrachte, war für mich nicht immer nachvollziehbar. Ich empfand die geschilderte Lebenssituation der Familie stellenweise unerträglich. Des Öfteren schwankte ich zwischen Verwunderung und Entsetzen und stellte mir die Frage, kann das wirklich wahr sein? Was für die Kinder anfangs noch mit einem Hauch Abenteuer begann, die Aufenthalte in der Wüste und der Unterricht durch die Eltern hatten zweifelsohne ihre schönen Seiten, endete in chaotischsten Verhältnissen. Aber immer hatte der Vater den Traum, der Familie ein Schloss Glas zu bauen, den er jedoch nie realisieren konnte. Es war ihm oft schon unmöglich die Miete für das Haus, das nicht mehr als ein baufälliger Schuppen war, zu zahlen. Um so erstaunlicher ist es, wie die Kinder den Absprung von ihrem Außenseiterdasein schafften.

Jeannette Walls beschreibt ihre Kindheit mit sehr großer Distanz und für meinen Geschmack zu unpersönlich. Die Ereignisse wirkten wie aneinander gereiht. Das hatte zur Folge, dass ich besonders im Mittelteil des Buches ein paar Probleme hatte, Emotionen aufzubauen. Im letzten Teil war das dann wieder anders. Mit der wachsenden Hoffnung der Kinder, dem Elend zu entkommen, kam auch meine Lesefreude zurück.

Alles in Allem ist „Schloss aus Glas“ ein flüssig zu lesendes Buch mit einer interessanten Sprache, zwischen Lachen und Weinen, die aber nie weinerlich wird.

 

 

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