Günter Grass – Katz und Maus

Günter Grass
Katz und Maus

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Gebundene Ausgabe: 195 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN-13: 978-3518223321

 

 

 

 

Der Ich-Erzähler Pilenz berichtet im Jahr 1959, aus seinem schlechtem Gewissen heraus, über Joachim Mahlke, seinen Schulfreund aus Danzig zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. War er doch daran beteiligt, dass die Katze auf Mahlkes ständig zuckenden Adamsapfel angesetzt wurde und diesen der Lächerlichkeit preisgab.

Joachim Mahlke, durch seinen übergroßem Kehlkopf gezeichnet, war zu Beginn des Krieges 14 Jahre alt. Er lebte als einziger Mann mit seiner Mutter und deren Schwester zusammen. Sein Vater, ein Lokomotivführer, kam schon Jahre vorher bei einem Unfall ums Leben. Weil Joachim ein kränkelndes Kind war, wurde er erst ein Jahr später eingeschult und hatte aus dem gleichen Grund eine Turnbefreiung. Er war ein guter Schüler, aber kein Streber. Wurde er damals gefragt, was er werden wolle, antwortete er: Clown.

Als er dann für seine Mitschüler überraschend Schwimmen lernte, wurde er der beste Schwimmer und überlegener Taucher. Während eines Kriegssommers verbrachten die Jugendlichen viel Zeit auf einem gesunkenen polnischen Minensuchboot. Mahlke brachte diverse Gegenstände aus dem unter Wasser liegenden Rumpf des Bootes ans Tageslicht, darunter Orden, ein englischer Schraubenzieher und eine Kette mit Marien-Medaillon. Schraubenzieher und Medaillon trug Mahlke von nun an um den Hals, um von der Größe seines Adamsapfels abzulenken.

Mahlke hatte an Mädchen nur wenig Interesse, lediglich für die Jungfrau Maria schwärmte er. Am pubertären Imponiergehabe beteiligte er sich nur, wenn es unumgänglich war.

Eines Tages hielt ein Absolvent des Conradiums, das Danziger Gymnasium, das auch Mahlke besuchte, einen kriegsverherrlichenden Vortag. Dieser war inzwischen Kapitänleutnant eines U-Bootes und Träger des Eisernen Kreuzes. Dem Vortrag folgte eine gemeinsame Turnstunde, nach der dem Kriegshelden das EK fehlte. Mehr möchte ich zum Inhalt an dieser Stelle nicht verraten.

Die erste Hälfte von Grass’ Novelle (bis zum Diebstahl des Ordens) konnte mir noch gefallen. Die auf den ersten Blick oberflächlich erscheinende Geschichte des Joachim Mahlke ließ Platz für Interpretationen. Im zweiten Teil des Buches fand ich deutlich weniger Zugang zu der Lektüre. Längen wechselten mit Wiederholungen und Andeutungen. Hätte ich „Katz und Maus“ nicht gemeinsam mit anderen Lesebegeisterten gelesen, hätte ich mir wohl die letzten 50 Seiten erspart. Denn was mich am meisten störte, war die Sprache, sie war für mich mehr als gewöhnungsbedürftig. Die Harmonie im Klang der Sätze fehlte mir. Es häuften sich Sätze, die aus rein grammatikalischer Sicht, diese Bezeichnung nicht verdienten. Mag es als künstlerisches Stilmittel bezeichnet werden, oder auch als künstlerische Freiheit. Mir als Leserin hat der Stil nicht gefallen. Das Thema der Novelle dagegen hat mir zugesagt.

Was bleibt nach dieser Lektüre? Es bleibt ein gewisse Ratlosigkeit, was wollte Grass wirklich aussagen? Habe ich die Grundaussagen herausgefunden? Auf jeden Fall habe ich wieder einmal etwas von einem Literatur-Nobelpreisträger gelesen. Einige meiner Vorurteile konnte ich abbauen, aber Sehnsucht nach einem weiteren Grass verspüre ich momentan nicht.

 

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