Juliette Morillot – Die roten Orchideen von Shanghai

Die roten Orchideen von Shanghai

Juliette Morillot

OT: Les Orchidées Rouges de Shanghai
Taschenbuch: 477 Seiten
Verlag: Goldmann
ISBN-13: 978-3442459384

 

 

 

 

 

 

 

Viel zu lange stand dieses Buch unbeachtet in meinem Regal. Der Titel hatte es mich eher in das Genre des Liebesromans einordnen lassen. Weit gefehlt. Juliette Morillot erzählt in ihren Buch die Lebensgeschichte der Koreanerin Sangmi Kim. Sangmi wuchs in einer wohlhabenden Seouler Familie auf. Hätte ihre Großmutter ihr nicht alle ihre Liebe gegeben, wäre schon die Kindheit des Mädchen einsam verlaufen. Sie fühlt im tiefsten Inneren, dass sie anders ist, irgendwie eine Außenseiterin. Auch die Mutter schaut sie scheinbar anders als ihre Geschwister an. Sie erfährt aber erst Jahre später von ihrem Großvater genaueres. Eines Tages, Sangmi ist 14 Jahre alt, wird sie von japanischen Besatzern entführt und ins chinesische Mukden gebracht. Von nun an durchlebt sie die Hölle. Als Trostfrau muss sie japanischen Soldaten und Offizieren zu Willen sein. Die Grausamkeiten und die Brutalität, die ihr als chosen pi (koreanische Hure) widerfährt, sind unvorstellbar. Aber auch medizinische Versuche musste sie über sich ergehen lassen. Noch unvorstellbarer ist es wie ein so junges Mädchen diese Gräuel überleben kann.

Die Autorin lernte Sangmi Kim 1995 in Seoul kennen. Mit einfachen, einfühlsamen, aber kraftvollen Worten schildert Juliette Morillot deren erschütternde Lebensgeschichte. Dabei verzichtet sie darauf, durch besondere Emotionalität Mitleid erhaschen zu wollen. Durch die klare Ausdrucksweise zeigt sie, dass Sangmi Kim nur durch die Loslösung von eigenen Emotionen überleben konnte. Während des Lesens war ich immer wieder am Rand der Fassungslosigkeit angelangt. Oft musste ich daran denken, dass dies keine von einem kreativen Autor erfundene Geschichte ist, sondern das, was eine junge Frau, eigentlich noch ein Kind, wirklich erlebt hat. Dieses Buch war einerseits so erschreckend und abstoßend, andererseits so ergreifend und berührend. Der Hass den Sangmi den Japanern gegenüber empfindet wird immer wieder deutlich. Aber dieses Buch ist keine generelle Abrechnung mit Feinden, sie berichtet auch mit Dankbarkeit über die Hilfe, die ihr von japanischer Seite entgegengebracht wurde.

Das Buch enthält neben einer Zeittafel und einem Glossar, das mir beim Lesen der fremden Begriffe sehr geholfen hat, auch eine Karte, auf der man Sangmis Weg verfolgen kann. Dieses Buch hat mich in eine Zeit und eine Region versetzt, die mir eher fremd war. Ich habe viele interessante Informationen gewonnen und kann dieses Buch nur empfehlen.

 

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