Kirsten Schützhofer – Die Kapelle der Glasmaler

Frankreich im 13. Jh.. Clément ist ein angesehener Glasmaler. Er träumt davon einmal im Leben etwas zu schaffen, das der Schönheit Gottes angemessen ist. Nach der Beendigung seiner Arbeit in Rouen zieht er mit seiner Familie nach Paris, um als Glasmaler beim Bau der Sainte Chapelle zu arbeiten. Der Meister der dortigen Glasmaler ist Thomas. Beide kennen sich gut. Zu gut. Haben sie doch beide um Edwige geworben, die sich jedoch für Clément entschieden hat. Clément ist aber auf die Arbeit angewiesen und Thomas nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um ihm zu zeigen, wer der Meister auf dem Bau ist. Seine Zurückweisung durch Edwige hat er nie verwunden, in seinem verletztem Stolz und seinem unberechenbaren Jähzorn sinnt er nach Rache. Neben diesem Haupthandlungsstrang werden noch die Geschichten des als Kind allein aufgefundenen Ghislain, der sich als Jongleur über Wasser hält und die des Baumeisters Pierre de Monteuil erzählt.

 

Dies war der erste Roman, den ich von der Autorin Kirsten Schützhofer gelesen habe. Wieder ein historischer Roman, in dem es um die Errichtung einer Kathedrale geht. Da schweifen die Gedanken schon mal zu Folletts „Die Säulen der Erde“ ab. Aber diesen Vergleich braucht die Autorin nicht scheuen. Im Gegenteil, mir hat dieser Roman deutlich besser gefallen als der Weltbestseller. Atmosphärisch dicht, in einer sehr schönen Sprache schildert Kirsten Schützhofer den Bau der Kirche. Vor dem inneren Auge habe ich das Werden dieses Bauwerks gesehen. Wie nebenbei erklärt sie das Handwerk. Die Arbeit der Glasmaler beschreibt sie in einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Auch die gewöhnlichsten Alltagssituationen, wie Wasser holen oder heizen, weiß Kirsten Schützhofer in die Handlung einzubauen, so dass der Leser sich gut in die damalige Zeit einfühlen kann. Abgerundet wird das Buch durch die fein gezeichneten Charaktere, denen jede Schwarz-Weiß-Malerei fehlt. Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen, jeder hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Bei aller Erzählfreude der Autorin, die ich beim Lesen deutlich spüren konnte, gab es keine nennenswerten Längen in den Beschreibungen oder Handlungen.

 

Mein Fazit: „Die Kapelle der Glasmaler“ ist ein opulenter und farbenprächtiger Mittelalterroman. Kirsten Schützhofer hat es geschafft, diese Zeit für mich mit Leben zu füllen, ich konnte sowohl das Mittelalter sehen, riechen und hören, als auch mit den Protagonisten mitfiebern. Dies ist einer der besten historischen Romane, die ich bisher gelesen habe.

 

Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: Diana Taschenbuch
ISBN-13: 978-3453351523

 

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