Louis Begley – Mistlers Abschied

Krebs im Endstadium. Inoperabel. Medikamente können das Leben verlängern, sie können ihn aber nicht heilen. Ohne medizinische Hilfe bleiben ihm nur noch Monate zu leben. Mit dieser Diagnose wird der erfolgreiche Chef einer Werbeagentur bei seinem Arztbesuch konfrontiert. Ohne die Familie zu informieren, nutzt Mistler eine Europareise, um noch einmal Venedig zu besuchen. Unverhofft trifft er dort auf ein flüchtige Bekannte. Eine kurze, aber intensive Affäre ist die Folge dieses Zusammentreffens. Mistler ist aber zu sehr in seiner Gedankenwelt verstrickt, als dass er sich völlig auf die junge Frau einlassen könnte. Das schnelle Ende dieser Beziehung ist unumgänglich. Mistlers Tagträume geben viel von ihm und seiner Gedankenwelt preis. Ehrgeizig, war er, rücksichtslos, berechnend und in seinen Augen ein ganz passabler Liebhaber. So hat er nur noch zwei Wünsche: Schmerzfrei zu sterben und keine Rechenschaft über Sünden abgeben zu müssen.

„Mistlers Abschied“ ist ein sehr berührendes Buch. Mistler, ein Leben lang erfolgreich, wird seinen letzten Kampf, den gegen den Krebs, verlieren. Er tritt eine Reise an, um zu sich zu finden, lässt in Venedig sein Leben Revue passieren und genießt noch einmal die Liebe. Familiäre Unstimmigkeiten sieht er nun aus einem anderen Blickwinkel. Er kann sogar seinen Sohn bitten, nach Hause zu kommen und auch die ungeliebte Schwiegertochter mitzubringen. Es war wieder der bekannte Stil von Begley, der mich gefangen genommen hat und doch ist dieses Buch anders alle anderen, die ich von diesem Autor bisher las, es ist ruhiger, nachdenklicher. Bereits zu Beginn dieses Buches machte ich mir Gedanken, wie Begley die Handlung letztendlich auflösen würde. Ich hatte Angst vor großem Pathos. Aber auch das hat er sehr einfühlsam und mit großer Symbolkraft gelöst. Einen Begley lese ich immer wieder gern.

Taschenbuch: 283 Seiten * Verlag: Suhrkamp * ISBN-13: 978-3518396131

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