Wolfram Fleischhauer – Der gestohlene Abend

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Matthias ist als Stipendiat für ein Jahr an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest und studiert dort Literaturwissenschaften. Diese ist das Mekka für all jene, die sich den Theorien des anerkannten Literaturwissenschaftlers de Vander widmen möchten. Am Pool lernt der Deutsche die Studentin Janine kennen und verliebt sich in sie. Janine erwidert seine Gefühle und trennt sich wegen dieser neuen Beziehung schon bald von David, dem Fakultätsprimus, der von einer Europareise so verändert zurückkehrte. Als Davids Interesse an Matthias zunimmt, ist dieser zunächst verwundert, aber auch neugierig und so begleitet er David auf einen Ausflug, nach dem sich für Matthias sehr vieles ändert. Immer mehr beschäftigt ihn dieser „gestohlene Abend“.

Nachdem ich etwa ein Drittel des Buches gelesen hatte, dachte ich mir, eine Dreiecksgeschichte ist es also, was Wolfram Fleischhauer seiner Leserschaft präsentiert. Ich war verwundert, dieses Buch war bis auf die sehr schöne Sprache des Autors so gar nicht fleischhauertypisch, sie war mir zu einfach gestrickt und leichte Enttäuschung machte sich trotz des sehr ansprechenden Stils breit. Aber Wolfram Fleischhauer wäre nicht er selbst, wenn er den Leser auf so einfache Art und Weise abspeisen würde. Schon ein paar Seiten weiter begann die Geschichte zu leben, sie nahm Tempo auf und die zuvor monierte Dreiecksgeschichte bildete nur noch die Rahmenhandlung, im Zentrum standen Davids Nachforschungen über eben jenen Literaturwissenschaftler de Vander, der in Hillcrest so verehrt wurde. Ungeheuerliches wurde über ihn aufgedeckt.

In einem Interview der Allgemeinen Zeitung mit dem Autor las ich, dass dieser Roman einen autobiografischen Hintergrund habe. Es ist wohl sein persönlichster.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, das belegt auch die Tatsache, dass ich mir für ihn eine Nacht um die Ohren geschlagen habe, weil ich ihn nicht mehr zur Seite legen mochte. Und trotzdem fehlte mir in diesem wirklich guten Buch die Einzigartigkeit, die ich bisher in jedem Buch Wolfram Fleischhauers fand.

Mein Fazit: „Der gestohlene Abend“ ist ein sehr gutes, interessantes und sehr lesenswertes Buch über Verantwortung und Wahrheit, Lüge und Verschweigen, Liebe und Entfremdung, dem das letzte bisschen Brillanz fehlt um ein fantastisches Buch zu sein. Ich habe diesen Roman sehr gern und sehr schnell gelesen. Meine Leseempfehlung erhält er allemal.

 

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten * Verlag: Piper * ISBN-13: 978-3492048477

 

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