Sabine Weiß – Die Wachsmalerin

Paris zur Zeit der französischen Revolution. Ihre frühe Kindheit verbrachte Marie Grosholtz in der Scharfrichterfamilie in Straßburg. Dann ging sie mit ihrer Mutter nach Paris zu ihrem Onkel, der aus Wachs kleine und große Kostbarkeiten schuf. Bereits in den Kindertagen war Marie sehr an der Arbeit des Onkels interessiert. Was erst kindliches Interesse war, wurde später für sie zur Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Onkel fertigte sie Ebenbilder der Großen ihrer Zeit. Besonders zur Zeit der Revolution war Aktualität unablässig. Es gab viel zu tun und die Zeiten waren auch für sie nicht ungefährlich. Stand beispielsweise das Abbild Ludwig XVI. zum falschen Zeitpunkt in falscher Dekoration, konnte das Leben bedroht sein, da leicht der Verdacht aufkam, königstreu zu sein.

Die Wachsmalerin“ ist der Roman über die Kindheit und Jugend der Madame Tussaud. Er führt den Leser zurück in die Zeit der französischen Revolution Marie ist eine zielstrebige, willensstarke junge Frau, die schon in frühester Jugend ihre Liebe zur Wachskunst entdeckte. Angeleitet vom Onkel erreicht sie die Meisterschaft auf diesem Gebiet. Sie muss jedoch ständig gegen Widerstände und Vorurteile kämpfen, denn als Frau, die die Arbeit Mann, Heim und Herd vorzog, entsprach nicht sie den Vorstellungen der damaligen Zeit. Ob Künstler, Politiker, die Königsfamilie, oder auf der Guillotine hingerichtete, von allen schufen sie Abbilder und das Volk besuchte gern die Ausstellungsräume. Marie lebte in historisch bewegten Zeiten, die die Autorin sehr gekonnt und detailgetreu in ihrem Roman aufleben lassen konnte. Der Sturz des Königs, der Sturm auf die Bastille und Wirren nach der Revolution arbeitete Sabine Weiß authentisch in die Romanhandlung ein. Sie verwob das Leben der historischen verbürgten Persönlichkeiten – und dazu zählt auch Marie Tussaud – mit gesicherten geschichtlichen Fakten zu einem gelungenen Roman. Dieser ist sehr flüssig und angenehm zu lesen und vermittelt dem Leser gleichzeitig ein interessantes Zeit- und Sittenbild. Dieser Roman hebt sich sehr wohltuend von vielen anderen „Die …in“-Romane ab, weil sich die Autorin an die geschichtlichen Vorgaben hielt. Sie stellte die Protagonistin nicht als Superheldin dar, sondern als Frau, die zwar ihren eigenen Weg geht, unter den Widerständen und den Widrigkeiten der Zeit aber auch leidet. Sie muss für ihren Lebenstraum kämpfen und auch ihre Grenzen erkennen. Ein wenig habe ich bedauert, dass die kunsthandwerkliche Seite dieses Romans nicht so intensiv wie die geschichtliche beleuchtet wurde. Ich hätte gern noch etwas mehr über diese Kunst erfahren.

Mein Fazit: „Die Wachsmalerin“ ist der Debütroman von Sabine Weiß und dieser ist äußerst beachtenswert. Ein Besuch bei Madame Tussaud in Berlin ist bereits geplant und die inzwischen erschienene Fortsetzung dieses Romans „Das Kabinett der Wachsmalerin“ werde ich mit Gewissheit lesen, ich bin sicher, unterhaltsame und interessante Lesestunden vor mir zu haben.

Über den Autor

Sabine Weiß, geboren 1968, studierte in Hamburg Germanistik und Geschichte, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Seit 1995 arbeitet sie als freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur und Medien. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nordheide.

Broschiert: 416 Seiten * Verlag: List Tb. * ISBN-13: 978-3548608457

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