Iris Kammerer – Varus

Varus
Varus
Iris Kammerer
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3453470897

9 n. Chr. – Germanien ist unbefriedet und von den Römern unterworfen worden. Der Statthalter Publius Quinctilius Varus soll Teile des römischen Heeres vom Sommerlager zurück in das Winterquartier in der Nähe des heutigen Xanten führen. Im Vorfeld erhält er mehrere konkrete Hinweise, dass sein Vertrauter Arminius, aus einem germanischen Fürstengeschlecht stammend und unter Römern aufgewachsen, einen Verrat plant. Er hat zu seinem Schützling blindes Vertrauen und schlägt überheblich alle Warnungen in den Wind.

Als dann die ersten Angriffe auf die von ihm angeführten drei Legionen und deren Trosse erfolgen, ist Varus noch immer nicht gewarnt. Das Wetter ist schlecht, das Gelände ist unwegsam und für die Römer nicht geeignet in Stellung zu gehen. Aber in nicht nachvollziehbarer Selbstüberschätzung sieht Varus den Gegner sowohl kampfkraft- als auch zahlenmäßig als unterlegen an. Das entpuppt sich als eine fatale Fehleinschätzung der Situation, die den fast vollständigen Verlust der drei Legionen samt Nachhut zur Folge hat.

Zum 2.000. Mal jährt sich in diesem Jahr die Varusschlacht, die das politische Gesicht Mitteleuropas dauerhaft veränderte. Grund genug zu diesem historischen Roman von Iris Kammerer zu greifen. Sie schildert das historische Geschehen aus der Sicht der Römer. Sie nutzt gekonnt verschiedene Handlungsstränge und Perspektiven, um sich diesem Thema zu nähern. Da gibt es zum einen Caldus, der den Statthalter vor dem Verrat warnt und dafür rangniedrigere Dienste ausführen muss. Dann wird die Geschichte des Titus Annius erzählt, der die Sklavin Thiudgif aus einer Laune heraus durch ein Würfelspiel gewinnt, um die Iris Kammerer ebenfalls eine Handlung aufgebaut hat. Und es gibt den Erzählstrang um die Figur des Varus, in dem deutlich wird, wieso es zu dieser verheerenden Niederlage kommen konnte.

In ihrem Roman lässt Iris Kammerer sowohl historisch verbürgte Figuren als auch fiktive in die Handlung eingreifen, die, grob gesehen, die Handlungsstränge des Romans ausmachen. Sie schildert das Geschehen im Teutoburger Wald vor 2.000 Jahren äußerst glaubwürdig und realistisch. Dabei ist nicht sicher zu belegen, ob es sich in Wirklichkeit so und nicht anders zugetragen hat. Aber es wäre genau so, wie die Autorin es beschrieb, sehr gut vorstellbar.

Besonders hervorheben möchte ich, dass es Iris Kammerer, trotz der allgemein bekannten Geschichte der Schlacht, gelang, einen spannenden und fesselnden Roman zu schreiben. Dies ist aber auch darauf zurückzuführen, dass ihr Augenmerk nicht auf Varus und Arminius, sondern eher auf den historischen Helden der 2. Reihe lag. Die Sprache ist bestechend, klar und der Zeit gemäß. Ein dem Roman beigefügtes Glossar hilft dem Leser über die eine oder andere Klippe hinweg. Das Buch enthält ein ebenfalls sehr nützliches Namensverzeichnis, in dem die historischen Personen gekennzeichnet sind. Das half mir die anfängliche Verwirrung bei den sich ähnelnden römischen Namen zu überwinden.

Mein Fazit: „Varus“ ist einer der besten historischen Romane, die ich in der letzten Zeit las. Das bekannte Thema wurde hervorragend in einen spannenden Roman verpackt. Ich bin beeindruckt von der Detailtreue der Autorin und werde in absehbarer Zeit ihre Cinna-Trilogie lesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Iris Kammerer, 1963 in Krefeld geboren, arbeitete nach dem Studium der Klassischen Philologie und Philosophie als Texterin, Redakteurin und Beraterin. Seit 2004 ist sie freie Autorin. Bisher erschien die erfolgreiche Trilogie um den römischen Offizier Cinna („Der Tribun“, „Die Schwerter des Tiberius“ und „Wolf und Adler“) sowie der im Mittelalter angesiedelte Roman „Der Pfaffenkönig“. Iris Kammerer lebt zusammen mit ihrem als Sachbuchautor tätigen Mann Helmut Kammerer in Marburg.

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5 Antworten zu Iris Kammerer – Varus

  1. Nerolaan schreibt:

    Hi,
    da bin ich mal gespannt wie ich am Ende über das Buch denken werde…mir fehlen noch 180 Seiten (und leider fehlt mir auch irgendwie ein wenig die Zeit). Im Moment kann ich sagen, dass es ein gut recherchierter und umgesetzter Roman ist. Allerdings fehlt mir irgendwas. Aber was genau kann ich leider nicht sagen 😦

    LG
    Nerolaan

    • Karthause schreibt:

      Kann es sein, dass dir die Tiefe der Charaktere und eine bessere Beschreibung des Arminius fehlt? Das hatten wir in unserer LR im Büchertreff auch kurz diskutiert. Ich habe das nicht wirklich vermisst, weil ich das Buch eher als eine Art lebendigen Geschichtsunterricht angesehen habe. Über Arminius ist aus historischer Sicht so viel bekannt, es wäre also in Richtung Spekulation gegangen. Ich glaube, das hätte dem Roman nicht gut getan. Ich hatte ja mit „Pfaffenkönig“ so ein paar Probleme und war deshalb um so überraschter über dieses Buch.
      LG
      Heike

  2. Nerolaan schreibt:

    Hi,
    mhm, ne, das ist es nicht wirklich, da ich letzten Endes das Buch auch eher als „Geschichtsbuch“ ansehe.
    Naja, ich werde ja sehen. Im Moment pausiere ich bis Mittw nächster Woche notgedrungen und bin gespannt wie mir die letzten (immernoch) 180 Seiten gefallen werden.

    LG
    Nerolaan

    P.S.: Hab mich über die Rezi zum „Englischen Harem“ sehr gefreut 🙂

  3. herzgedanke schreibt:

    Komisch das Buch hatte ich heute bei amazon durch Zufall angeklickt und die vielen positiven Meinungen ließen es mich auf die Wunschliste setzen und nun lese ich hier noch eine positive Resonanz. Ich MUSS es dann wohl bald haben!!

  4. Karthause schreibt:

    Ich bin ja mit einer ganzen Reihe von Vorurteilen an der Lesestart gegangen. „Der Pfaffenkönig“ von I. Kammerer war nichts für mich. Mit „Varus“ hat mich die Autorin überzeugt. Unterhaltung und Wissensvermittlung in einem Buch, das mag ich.

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