Joyce Carol Oates – Zombie

Zombie
Joyce Carol Oates
Gebundene Ausgabe: 213 Seiten
Verlag: DVA
ISBN-13: 978-3421051783

Quentin ist 31 Jahre alt, er ist einsam. Für seine Eltern, der Vater ist Professor, ist er DIE Enttäuschung. Im Ort stößt er wegen seiner Homosexualität auf Ablehnung, nur für seine Großmutter ist er wegen der gelegentlichen Gefälligkeiten ein großartiger Enkel. So gerät er ins Abseits, ist von dem Wunsch beseelt, sich einen Zombie zu schaffen, der ihm hörig ist und wird so zum Serienmörder. Seine Opfer sucht er sich in anderen Ortsteilen oder unter Anhaltern, die in seinem Haus wohnenden Studenten sind tabu. Deren Verschwinden wäre zu auffällig. Er führt an seinen Opfern chirurgische Versuche zur frontalen Lobotomie durch, eine unglaubliche Grausamkeit – auf nähere Erläuterungen möchte hier verzichten.

Joyce Carol Oates hat mit diesem Psychogramm eines Serienmörders ein Buch vorgelegt, das aufgrund der Länge, der Kapiteleinteilung und der eingefügten Skizzen recht schnell zu lesen ist, das aber den Leser auch noch nach der Lektüre beschäftigt. Sie hat den Schwerpunkt ihres Buches nicht auf Effekthascherei und blutige Szenen gerichtet. Es hat mir keine schlaflosen Nächte bereitet, in Gedanken war ich jedoch, wie so oft auch in der Realität, mit der Frage beschäftigt, warum hat keiner etwas bemerkt. Die Autorin schreibt dieses Portrait vollkommen nüchtern, emotionslos und wertungsfrei. Die 57 relativ kurzen Kapitel erinnern an Tagebucheinträge. Teilweise schreibt Quentin P. von sich selbst auch in der 3. Person. So kommt es dazu, dass man als Leser das Gefühl hat, wirklich in die Gedankenwelt einen Psychopathen einzutauchen. Die eingefügten Skizzen, die kindlich und nur flüchtig hingeworfen erscheinen, runden den Eindruck, dem man von dem Protagonisten hat, ab. Stilistisch ist es kein Meisterwerk, aber gute, nachhaltige und interessante Unterhaltung bietet Joyce Carol Oates auf jeden Fall.

Mein Fazit: „Zombie“ ist das hervorragend gezeichnete Portrait eines kranken Kopfes. Einzig die recht kurzen Kapitel haben mich etwas gestört. Es war das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe, ich bin neugierig auf weitere geworden.

Über die Autorin (Quelle: Wikipedia)

Joyce Carol Oates (* 16. Juni 1938 in Lockport im US-Bundesstaat New York) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Gelegentlich publiziert Oates auch unter den Pseudonymen Rosamond Smith und Lauren Kelly.
Oates stammt aus einfachen Verhältnissen der weißen unteren Mittelschicht. Ihr Vater war Werkzeugmacher und Farmer. Ihre Schwester Lynn musste wegen Autismus in ein Heim.1956 erhielt Oates ein Stipendium und studierte in Syracuse und an der University of Wisconsin Englisch und Philosophie. Sie erwarb 1960 den B.A. und 1961 den M.A. Von 1961 bis 1967 war sie Anglistik-Dozentin an der University of Detroit, von 1967 bis 1978 wirkte sie an der Universität im kanadischen Windsor. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence an der Princeton University (New Jersey) gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Kreatives Schreiben.
Seit 1961 war Joyce Carol Oates mit Raymond J. Smith (1930–2008) verheiratet, der als Professor für Literaturgeschichte in Princeton lehrte. Das Paar hatte keine Kinder. Gemeinsam gaben sie die „Ontario Review of Books“ heraus. Im März 2009 heiratete Oates den Neurowissenschaftler Charles Gross.

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