Edlef Köppen – Heeresbericht

Heeresbericht
Edlef Köppen
Taschenbuch: 401 Seiten
Verlag: List Tb
ISBN-13: 978-3548605777

Adolf Reisinger ist Student als der Erste Weltkrieg beginnt. Voller Freude und Euphorie meldet er sich freiwillig an die Front. Dem Soldat sein haftet in seinen Augen etwas heroisches an, er muss unbedingt dabei sein, er will nicht nur davon hören, er will es erleben. Und er erlebt es; unter anderem erfährt er am Frontabschnitt 96 am eigenen Leib, wie es sich Krieg anfühlt. Endloses Hocken im Schützengraben, Dauerbeschuss durch die Artillerie, Stellungskrieg, Sperrfeuer, Trommelfeuer, Schnellfeuer, Gasangriffe, Verwundung und Tod der Kameraden.

Durch Zufall bin ich zu diesem Buch gekommen, ein glücklicher Zufall. Denn dieses Buch dokumentiert das Leben zu dieser Zeit, weit ab von Kriegsverherrlichung und patriotischem Geschwafel. Es braucht den Vergleich mit Remarques „Im Westen nichts Neues“ in keiner Weise scheuen. Edlef Köppen hat selbst den 1. Weltkrieg miterlebt, das Schicksal des Protagonisten Adolf Reisinger ist dem des Autors ähnlich. So schildert Köppen sehr anschaulich das Soldatenleben. Er berichtet von der Langeweile und vom Warten, als über Wochen an der Front Ruhe herrscht. Aber er schildert auch die Angriffe unverblümt, erzählt von sich überschlagenden Ereignissen, Ängsten, Gräueln, Verstümmlungen und Sterben ohne den Leser zu schonen. In die Handlung wurden Zeitdokumente eingefügt, Zitate des Kaisers und hoher Militärs, Zensurverfügungen und Zeitungsausschnitte. Diese zeigen auf, in welchem Maße Manipulationen erfolgten und wie perfide die Menschen benutzt wurden. Dadurch wird die authentische Wirkung des Romans deutlich gesteigert. Der Gegensatz zum Erleben des Adolf Reisinger wird offensichtlich, welcher Lügen und Beschwichtigungen sich die Heeresberichterstatter bedienten. Ist Reisinger noch begeistert, enthusiastisch, und voller jugendlicher Unbesorgtheit in den Krieg gezogen, so wird er im Verlauf des Buches immer mehr und nachvollziehbar zum Realisten. Aber Köppen schreibt nicht nur über den Kriegsalltag an der Front. Er zeichnet auch ein Bild vom Leben an der Heimatfront, an der Frauen längst Männerarbeiten übernahmen und die Lebensmittel rationiert waren. „Heeresbericht“ ist in einer klaren, knappen eindringlichen Sprache geschrieben. Schade, dass dieses Buch in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Ich kann es all jenen empfehlen, die an realistischer Literatur über diese Zeit interessiert sind.

Über den Autor (Quelle: Wikipedia)

Edlef Köppen wurde 1893 in Genthin als Sohn eines Arztes geboren. 1907 zog die Familie nach Potsdam, wo er das Viktoria-Gymnasium besuchte, das er 1913 abschloss.

Nachdem Köppen drei Semester Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zuerst an der Universität Kiel und anschließend an der Universität München studiert hatte, trat er als Kriegsfreiwilliger ins preußische Heer ein und nahm von Oktober 1914 bis Oktober 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Bei Kriegsende war er Reserveoffizier.

Nach dem Krieg beendete er sein Studium und arbeitete seit 1921 als Lektor im Gustav Kiepenheuer Verlag. Nebenher schrieb er Romane.

Seit 1925 war Edlef Köppen literarischer Mitarbeiter der Funk-Stunde Berlin, dem ersten deutschen Radiosender, an dem er sich auch als Regisseur der Hörspiele Hermann Kasacks einen Namen machte. 1932 wurde Köppen Leiter der Funk-Stunde.

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde Köppen als Leiter der Funk-Stunde Berlin abgesetzt. Er schlug sich in der Folgezeit mit Rezensionen und Kurzgeschichten durch. Als Chefdramaturg der Filmfirma TOBIS wurde er erneut in politische Auseinandersetzungen verstrickt, nachdem die Firma dem Reichspropagandaministerium unterstellt wurde.

1934 verarbeitet Köppen humoristisch seinen Hausbau in Wilhelmshorst am Friedensplatz 6-9 in dem Buch Vier Mauern und ein Dach. 1935 wird sein Roman Heeresbericht von den Nazis verboten. Köppen lehnt es ab der NSDAP beizutreten und sich für ein antisemitisches und pronazistisches Filmprogramm zu engagieren.

Edlef Köppen starb 1939 in Gießen an den Folgen seiner Kriegsverletzung. Sein Grabstein ist auf dem Waldfriedhof in Wilhelmshorst zu finden.

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