Anita Nair – Das Salz der drei Meere

Das Salz der drei Meere
Anita Nair
Originaltitel: Ladies Coupe
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3423135078

Akhila hat ihr Leben der Familie geopfert. Als der Vater starb, verdiente sie das Geld und verheiratete die jüngeren Geschwister. Für einen Ehemann und die Liebe hatte sie nie Zeit. Als 45-Jährige ist sie immer noch unverheiratet, fühlt sich nun an einem Scheideweg und macht sich deshalb auf die Suche nach sich selbst. Um Abstand zu ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, begibt sie sich auf die Reise nach Kanyakumari, dem Küstenort, an dem sich drei Meere treffen.

Den Damen-Schafwagen, wie in Indien zur Zeit der Handlung noch üblich, teilt sie sich mit fünf weiteren Frauen. Alle Frauen berichten freimütig über ihr Leben, von Wünschen und Träumen, erzählen von Höhen und Tiefen ihrer Ehen, oder gar wie es sich als Frau allein ohne männlichen Schutz lebt. Wäre das eine Alternative für Akhilas Zukunft?

In Anita Nairs Roman wird der Blick des Lesers auf das Alltagsleben und die Lebenssituation der Frauen in Indien gelenkt. Wer eine blumige Liebesgeschichte im Bollywoodstyle erwartet, wird sicher bitter enttäuscht sein, in diesem Buch wird vom realen Leben und Erleben der sechs ganz unterschiedlichen Frauen berichtet. Nacheinander schildern sie ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Die Berichte werden nur von Akhilas Gedanken unterbrochen, so dass in dem Romanaufbau die innere Logik schnell ersichtlich ist, da die Kapitel immer abwechselnd von Akhila und einer der Frauen handeln.

„Das Salz der drei Meere“ ist ein sehr gefühlvolles, melancholisches und nachdenklich machendes Buch, in die einzelnen Frauen konnte ich mich gut hinein versetzen. Ihre Erzählungen wirkten auf mich nachvollziehbar und authentisch. Mit den erzählten Geschichten erfuhr ich von unterschiedlichen Traditionen, Moralvorstellungen und Lebensumständen. So wurde nicht nur Ahilas Horizont während dieser Reise erweitert. Auch ich habe einen tiefen Einblick in die indische Gesellschaft und den schwierigen Stand der Frauen in dieser bekommen. Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb von zwei Tagen gelesen.

An sich ist dieses Buch gut und flüssig lesbar, allerdings fehlt diesem Buch ein Glossar, das die häufig verwendeten landestypischen Begriffe erklärt. Nicht immer war aus dem Text heraus ersichtlich, welche Bedeutung diese haben. Das störte dann stellenweise den Lesefluss. Nicht so glücklich gewählt, empfinde ich den Titel der deutschen Ausgabe des Romans. „Das Salz der drei Meere“ ist zwar nicht an den Haaren herbeigezogen, aber der englische Titel „Ladies Coupe“ erscheint mir passender.

Mein Fazit: „Das Salz der drei Meere“ ist ein schöner (Frauen)Roman, der dem Leser ein anderes Indien erschließt, als es in vielen Filmen und Büchern beschrieben wird. Wer sich an den unübersetzten Begriffen nicht stört und keinen oberflächlichen Liebesroman erwartet, wird mit einem interessanten, vielschichtigen Buch mit gedanklicher Tiefe belohnt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Anita Nair lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Bangalore. Geboren und aufgewachsen in Shoranur in der Provinz Kerala, studierte sie englische Sprache und Literatur und lebte danach eine Zeit lang in den USA, bevor sie nach Indien zurückkehrte. Sie arbeitete zunächst als Journalistin, veröffentlichte 1997 ihren ersten Erzählungsband »Satyr of the Subway and eleven other stories« und 2000 ihren ersten Roman, »Ein besserer Mann«. 2001 folgte bereits ihr zweiter Roman, »Ladies Coupé«, der auf Anhieb in sieben Länder verkauft wurde und im Herbst 2002 beim Hoffmann & Campe Verlag unter dem Titel »Das Salz der drei Meere« erscheinen wird. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Anita Nair als Werbetexterin.

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5 Antworten zu Anita Nair – Das Salz der drei Meere

  1. Winterkatze schreibt:

    Ui, das hört sich nach einem Buch für mich an! Naja, abgesehen davon, dass ich doch keine Extratitel kaufen will … Aber ein Roman, der ein realistischen Bild der Frau in Indien liefert – und gut zu lesen ist … Klingt wirklich verlockend! 🙂 Danke für die schöne Rezension!

    • Karthause schreibt:

      Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Es kam aber auch zu mir als Wanderbuch. Nicht alles, was ich lese, kann ich kaufen. Das ist auch ein Platzproblem. 😉 LG Heike

      • Winterkatze schreibt:

        Ohja, Geld, Platz und Zeit sind die Feinde einer Buchsüchtigen. 😉 Allerdings haben Leihbücher zwei Nachteile: Ich muss sie so schnell wie möglich lesen, auch wenn ich gerade keine Lust auf das Thema habe, und wenn es mir richtig gut gefällt, dann landet es ja doch in meinem Bestand. 😀 Trotzdem habe ich erst einmal geguckt, ob da Buch in der örtlichen Bibliothek vorhanden ist …

  2. Flug schreibt:

    Ich finde die Geschichte die das Buch erzählt sehr ansprechend und interessant. Allerdings bin ich mir fast sicher, dass es bereits 2004 mit einem anderen Einband erschienen ist. Aber wie das so ist, oft dauert es seine Zeit bis eine Geschichte ihre Leser findet.

  3. Steffi schreibt:

    Wunschliste!! Wanderbuch klingt gut … ich muss bald wieder Regale anbauen 😛

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