Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Wasser für die Elefanten
Sara Gruen
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.
ISBN-13: 978-3499248450

Jacob Jankowski ist 90 Jahre alt oder ist er doch schon 93? Aber das ist für ihn auch nicht wichtig. Als eines Tages ein Zirkus seine Zelte vor dem Heim aufbaut, werden Erinnerungen in Jacob geweckt, der tapfer und kauzig zugleich gegen den Einheitsbrei im Altenheim aufbegehrt, der die junge Pflegerin Rosemarie (auch sie hat die 40 schon eine Weile hinter sich gelassen) in sein Herz geschlossen hat und der sehnsüchtig auf die Besuche seiner Angehörigen wartet, obwohl er nie weiß, wer nun eigentlich kommt. Aber an diesem Tag, an dem der Zirkus da ist, wartet er besonders ungeduldig. Und immer wieder gehen seine Gedanken zurück in die Vergangenheit.

Als Jacob mit 23 Jahren kurz vor der Abschlussprüfung zum Tierarzt stand, verunglückten seine Eltern tödlich. Planlos ging er an den Bahngleisen entlang und sprang aus Verzweiflung ohne groß zu überlegen auf den erstbesten Zug auf. So kam er zu „Benzini`s spektakulärster Show der Welt“, einem Wanderzirkus, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Da er ja fast Tierarzt war, der Abschluss war für Onkel Al nur eine reine Formsache, konnte er bleiben. Er fasste schnell Fuß und nach ein paar anfänglichen Problemen fand er auch Freunde. So lernte er die Dressurreiterin Marlena und deren paranoid schizophrenen und äußerst eifersüchtigen Ehemann August kennen, diesen näher als es ihm lieb sein konnte. Eines Tages kaufte Al aus der Konkursmasse eines anderen Zirkus die Elefantendame Rosie. Damit begannen aber erst die richtigen Probleme im Zirkus.

Sara Gruen erzählt die Geschichte des Jacob Jankowski auf zwei Zeitebenen. Sie schildert gegenwärtig sein Leben im Altenheim und blickt immer wieder 70 Jahre zurück und berichtet von Jacobs Leben im Zirkus. Beide Erzählstränge hat sie glaubwürdig mit Leben gefüllt. Die Eintönigkeit des Heimalltages wird so eindringlich geschildert, dass man sich als Leser freut, wenn Jacob seine Lieblingspflegerin zu Gesicht bekommt. Die kleinen Zänkereien zwischen den Heimbewohnern, seine fühlbare Einsamkeit und seine Sehnsucht nach Abwechslung belegen das auf eine sehr einfühlsame Weise. Aber auch das Vergangene wird mit einem sehr ausgeprägten Gespür für die damalige Zeit erzählt. Die Weltwirtschaftskrise und die Prohibition sind mit ihren Auswirkungen auf den um sein Überleben kämpfenden Wanderzirkus überzeugend dargestellt. Als dann noch die verfressene Rosie aufgenommen wurde, die sich zunächst jeder Zurschaustellung ihrer Kunststücke entzog und auch durch August’s Gewaltausbrüche nicht zu Kunststücken bewegt werden konnte, wurden die finanziellen Mittel immer weniger, so dass nicht nur die Arbeiter sondern auch die Artisten nicht mehr bezahlt werden konnten und die Stimmung unter den Zirkusleuten immer angespannter wurde. So werden die Standesunterschiede, die Härten des Zirkusleben, und der Alltag unter wirklich einfachsten, um nicht zu sagen primitivsten, Bedingungen eindringlich dargestellt.

Mit viel Liebe zum Detail lässt die Autorin den Leser am Leben ihres Protagonisten teilhaben, dabei kam aber nie irgendwelche sentimentale Zirkusromantik auf. Sie verstand es gut die gesamte Bandbreite der Emotionen bei mir anzuregen. Das Ende erscheint auf den ersten Blick zwar etwas konstruiert, mir hat es aber trotzdem sehr gefallen. Der Kreis hat sich geschlossen.

Mein Fazit: „Wasser für die Elefanten“ ist ein sehr detailreicher Roman der glaubwürdige Einblicke in das Leben des Jacob Jankowski gibt. Sara Gruen hat es geschafft, mich mit dieser Geschichte zu unterhalten und zu informieren. Für mich war es in diesem Jahr ein erstes Highlight, ein Buch das gern ein paar Seiten hätte mehr haben dürfen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Sara Gruen schrieb vor »Wasser für die Elefanten« zwei Jugendromane. Sie lebt mit Mann, drei Kindern, vier Katzen, zwei Ziegen, zwei Hunden und einem Pferd in North Carolina. Derzeit arbeitet sie an ihrem vierten Roman.

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2 Antworten zu Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

  1. Caia schreibt:

    Jach, das liegt bei mir auf dem SuB, da kann ich mich ja richtig drauf freuen!

    • Karthause schreibt:

      Ich bin auf deine Meinung gespannt. Zuerst hatte ich ja ein paar Bedenken, ich vermutete Zirkusromantik in Reinform, wurde aber eines Besseren belehrt.

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