Umberto Eco – Die Geschichte der Häßlichkeit

Die Geschichte der HäßlichkeitUmberto EcoGebundene Ausgabe: 456 SeitenVerlag: Hanser BelletristikISBN-13: 978-3446209398

Fragt eine Kröte, was Schönheit ist, das wahrhaft Schöne, das to kalón. Dann wird sie antworten, das sei das Weibchen mit den schönen runden Augen, die aus dem kleinen Kopf hervorstehen, dem breiten, platten Maul, dem gelben Bauch und dem braunen Rücken. … Fragt den Teufel: Er wird euch sagen, das Schöne sind zwei Hörner, vier Pfoten mit Krallen und ein Schwanz.“ (Voltaire)

Was ist schön und was empfinden wir als hässlich? Ist Hässlichkeit einfach nur die Umkehrung der Schönheit oder lediglich deren Abwesenheit? In seinem Buch widmet Eco sich diesen Fragen. Dabei thematisiert er unter anderem das Hässliche in der Antike, Apokalypse, Tod, Hölle und Teufel, die hässliche Frau, Hexerei und Satanismus, die Hässlichkeit der Industrie, Dekadenz und Kitsch.

Anders als für die Schönheit gibt es für die das Hässliche keine klare Definition oder Regel. Auch Eco definiert sie nicht, er betrachtet sie aus kulturgeschichtlicher Sicht und zeigt dem Leser und Betrachter die unterschiedlichen Sichtweisen in den einzelnen Epochen. Denn eines ist die Hässlichkeit auf jeden Fall, sie ist in Abhängigkeit zu ihrer Zeit zu sehen. Um dies zu belegen, bedient sich der Autor einer Vielzahl von Zitaten von Zeitzeugen und Dokumenten. Er bezieht sich immer wieder auf die „Ästhetik des Häßlichen“ von Karl Rosenkranz, vergleicht und diskutiert dessen Thesen. Besonders wird dieses Buch jedoch erst durch die Auswahl des Bildmaterials. Deshalb ist „Die Geschichte der Häßlichkeit“ neben seinen interessanten Texten auch (oder vor allem) ein sehr schöner Bildband, der eindrucksvoll die Fülle an Hässlichem, Ordinärem, Missgestaltetem und Unförmigem wiedergibt, aber trotzdem kein Gruselkabinett ist und nur durch eine aufwändigere Gestaltung, wie z. B. aufklappbare Seiten für große Abbildungen, aufgewertet werden könnte. Aber auch so ist das Äußere von Eco’s Werk alles andere als hässlich. Es ist ein Schmuckstück in dem gutes Papier auf Fadenheftung trifft.

Ich habe dieses Buch am Stück gelesen. Nicht als Zweitbuch oder häppchenweise. Es war eine hervorragende und lehrreiche Lektüre. Nun wandert es zurück ins Regal, aber ich bin mir sicher, es noch häufig in die Hand zu nehmen, um einzelne Abschnitte erneut auf mich wirken zu lassen und zu vertiefen.

„Die Geschichte der Häßlichkeit“ ist trotz des nicht unerheblichen Preises jeden Cent wert. Es ist ein Buch zum Lesen, zum Genießen, zum Vor- und zum Zurückblättern, zum Nachdenken, zum längeren Betrachten und Verweilen bei einzelnen Seiten. Es ist ein Buch, das man ein Leben lang hat, um immer wieder reinzuschauen, um Neues zu entdecken und Bekanntes aufzufrischen. Bereits 3 Jahre vor diesem Band erschien „Die Geschichte der Schönheit“, ich freue mich jetzt schon darauf, es zu lesen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Umberto Eco wurde 1932 in Alessandria geboren und lebt heute in Mailand. Er studierte Pädagogik und Philosophie und promovierte 1954 an der Universität Turin. Anschließend arbeitete er beim Italienischen Fernsehen und war als freier Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation in Turin, Mailand und Florenz tätig. Seit 1971 unterrichtet er Semiotik in Bologna. Eco erhielt neben zahlreichen Auszeichnungen den Premio Strega (1981) und wurde 1988 zum Ehrendoktor der Pariser Sorbonne ernannt.

Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Seine Romane ‚Der Name der Rose‘ und ‚Das Foucaultsche Pendel‘ sind Welterfolge geworden.

 

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2 Antworten zu Umberto Eco – Die Geschichte der Häßlichkeit

  1. Krümel schreibt:

    Du hast eine richtig gute Rezi zum Buch geschrieben, und obwohl ich das Buch häppenchenweise gelesen habe 😉 , habe ich es ganz genauso gesehen, vom Inhalt und auch vom Preis her, klasse Buch!

    LG
    Heidi

    • Karthause schreibt:

      Danke, Heidi! Häppchenweises Lesen ist ja nicht schlecht, für den, der es kann , sicher sogar eine Bereicherung, mir liegt das nur nicht so. 😉 LG Heike

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