Lea Korte – Die Maurin

Die Maurin
Lea Korte
Broschiert: 663 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur
ISBN-13: 978-3426502303

Andalusien zum Ende des 15. Jahrhunderts. Das Land wird beherrscht von erbitterten Kämpfen zwischen Mauren und Kastiliern, ein Kampf der Religionen und Kulturen, die letzte Zeit der Reconquista. In diese historische Handlung ist das Schicksal der jungen Maurin Zahra as-Sulami, enge Vertraute der Sultanin Aischa, eingebaut. Ihre Familie, alter maurischer Adel, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Moslems, Christen und Juden sind durch Familienbande miteinander verbunden. So kommt es durch die unterschiedlichen politisch-religiösen Ansichten zu familiären Spannungen, bei denen ihr Halbbruder Yazid schon radikal fanatisch für den Heiligen Krieg, auch innerhalb der Familie, eintritt. Aber auch Zahra kämpft ihren ganz eigenen Kampf. In alter maurischer Tradition erzogen, begehrt sie gegen Sitten, Bräuche und Zwänge auf und will sich mit der ihr gebührenden Rolle als Frau in der Familie nicht abfinden. Sie ist eine beherzte und mutige junge Frau, aber immer wieder wird auch deutlich, dass sie doch in ihren muslimischen Traditionen verwurzelt ist. Wiederholt überschreitet sie Grenzen und auch der vom Vater verhängte Hausarrest zeigt nicht die erwartete Wirkung. So bleibt dem Familienoberhaupt nur noch, die geplante Hochzeit vorzuziehen. Zahras Herz schlägt aber nicht für den für sie ausgewählten Mann. So muss sie viele persönliche Kämpfe und Abenteuer bestehen und wird immer wieder von den religiösen Auseinandersetzungen ihrer Zeit eingeholt.

Lea Korte lässt den Leser in die letzten Jahre der maurischen Herrschaft in Spanien reisen. Und eine Zeitreise ist es wirklich. Sehr anschaulich und historisch fundiert beschreibt sie das Leben von Kastiliern und Mauren und lässt den Leser an Glücksmomenten wie auch am Augenblicken großer Trauer und Not teilhaben. Der Leser begleitet die junge Maurin Zahra, Tochter eines maurischen Vaters und einer zum Islam konvertierten Christin, über 15 Jahre. Sie setzt sich durch, auch in schwierigen Situationen. In nur wenigen Passagen erschien sie mir etwas zu tough. In „Die Maurin“ agieren neben fiktiven Personen historisch verbürgte. Alle sind liebevoll mit viel Detailgenauigkeit in Szene gesetzt. Aufschluss darüber, welche Personen wirklich existierten, gibt dem Leser das Personenverzeichnis. Dies war für mich ebenso hilfreich, wie die sich im Buch befindenden Stammbäume, die Zeittafel und das Glossar.

Die Reconquista war alles andere als eine friedliche Zeit. Auch in Lea Kortes Roman kommt man um diverse Schilderungen von Kampfhandlungen nicht herum. Aber diese oft auch brutalen Szenen dienen nicht dem Selbstzweck, sie untermauern die historische Lage und lassen den Leser auch ein Gefühl für das Leben in dieser Zeit bekommen. Auf der einen Seite stehen die kriegerischen Auseinandersetzungen, auf der anderen Seite die davon betroffene notleidende Bevölkerung, die eigentlich auch den Frieden herbei sehnt. Diese Friedenssehnsucht ist sowohl bei Christen als auch bei den Mauren deutlich spürbar. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Autorin keine Partei ergreift und sowohl Christen als auch Moslems in ihren Standpunkten wertungsfrei darstellt.

Abschließend kann ich sagen, „Die Maurin“ ist ein sehr gelungener historischer Roman, den ich sehr gern gelesen habe und den ich ebenso gern weiter empfehle. Das Ende lässt sogar auf eine Fortsetzung hoffen, darüber würde ich mich freuen.

Über den Autor

Lea Korte, geboren 1963, wanderte nach Abschluss ihres Studiums nach Spanien aus, wo sie zuerst in Katalonien und später im Baskenland und in Valencia als Übersetzerin und Autorin lebte. Von Anfang an setzte sie sich intensiv mit der Geschichte und Kultur ihrer Wahlheimat auseinander. Zusammen mit ihrem französischen Mann und ihren beiden Kindern lebt sie heute in Südspanien.

Lea Kortes Blog

Lea Kortes Homepage

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