Peter Prange – Der letzte Harem

Der letzte Harem
Peter Prange
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Weltbild
ISBN-13: 978-3828992573

Die Handlung des Romans umfasst den Zeitraum 1895 bis 1923. Elisa, armenische Christin, und Fatima, muslimische Kurdin, waren gegen den Willen der Eltern beste Freundinnen. Nach einem Massaker in ihrem Heimatdorf wurden sie an den Harem von Abdülhamid II., des letzten Sultans des Omanischen Reiches, verkauft. Fatima avancierte zur Favoritin des Herrschers und Elisa, die ihm ihre Liebesdienste verweigerte, wurde seine Vorleserin. Als Fatima schwanger wurde, fiel sie den Intrigen und Machtkämpfen im Harem zum Opfer, die sie fast nicht überlebte. Nur der von Elisa in den Harem geschmuggelte deutsche Arzt konnte das Schlimmste abwenden. Fatima brachte einen gesunden Knaben zur Welt. Währenddessen gab es außerhalb der Palastmauern Unruhen. Die Jungtürken formierten sich und Zeit des Sultans aller Sultane lief erbarmungslos ab. Für die beiden Frauen begann eine schwierige Zeit.

Peter Prange wurde mir von vielen Lesern als Autor besonders guter historischer Romane ans Herz gelegt. Mit seinem Roman „Der letzte Harem“ hat er den Leser in eine sehr interessante und für mich weitgehend unbekannte Zeit versetzt. Das Osmanische Reich ist im Untergang begriffen und die Türkei steht vor ihrer Gründung. Mit großer Detailtreue und Kenntnis der historischen Begebenheiten schildert er den historisch wahren Hintergrund für seine größtenteils in Konstantinopel angesiedelte Handlung. Dabei beschreibt er die Stadt als eine lebendige, multikulturelle Metropole, in der Angehörige aller großen Religionen zu finden sind. Er schreibt sehr informativ vom Aufbegehren der türkischen Nationalbewegung, was schließlich zum Zerfall des Reiches führte, geht detailliert auf die Massaker an den Armeniern ein und berichtet von den Anfangsjahren der heutigen Türkei. Diesen historischen Rahmen als Hintergrund für einen fundierten Roman zu wählen, fand ich nahezu genial. Allerdings enttäuschte mich die eigentliche Romanhandlung. Zwei Frauen, die eine mehr, die andere weniger in ihr Kismet ergeben, durchleben die Wirren dieser Zeit und die Auflösung des letzten Harems des real existierenden Abdülhamid II., dessen innere Zerrissenheit vom Autor auch gut in Szene gesetzt wurde.

Obwohl der Autor versuchte, die Schwierigkeiten des Lebens für die beiden Hauptfiguren herauszuarbeiten, löste er diese oft durch Zufälle. So hatte der in den Harem geschleuste deutsche Arzt (auch das verlief unerwartet einfach) zur Behandlung von Vergiftungen lediglich ein Gegenmittel gegen Schlangengift dabei, seine Behandlung war trotzdem erfolgreich. Die Charaktere der beiden Protagonistinnen blieben mir über weite Strecken des Buches fremd, sie wirkten mitunter klischeehaft und ihr Handeln inszeniert. Sie traten kaum aus den gut-böse-Schablonen heraus. Alles erschien sehr oberflächlich, teils vorhersehbar und sehr bemüht, um dem historischen Ablauf der Dinge ein passendes Gesicht zu geben. Allesamt waren die Protagonisten schön anzusehen und besonders die Herren waren prächtig gebaut, worauf der Autor immer wieder hinwies, so oft, dass es schon fast lächerlich wurde. Die in der Handlung enthaltenen Liebesgeschichten berührten mich kaum. Die Massaker beschrieb er, wie sie waren, blutig, grausam, unmenschlich. Zu zart besaitet sollte man beim Lesen dieser Passagen nicht sein.

Bemerkenswert fand ich wiederum das Ende das Buches, bei dem nicht das von mir Erwartete eintrat.

Mein Fazit: „Der letzte Harem“ ist ein leicht zu lesender Roman, der den historischen Hintergrund hervorragend schildert und daneben eine Handlung mit dem Charme einer Soap Opera vor exotischer Kulisse aufweist.

Über den Autor

Peter Prange, geboren 1955, promovierte mit einer Arbeit zur Philosophie und Sittengeschichte der Aufklärung. Nach seinem Durchbruch als Romanautor mit „Das Bernstein-Amulett“ folgte die grandiose Weltenbauer-Trilogie: „Die Principessa“, „Die Philosophin“ und „Die Rebellin“. Zuletzt erschien 2007 bei Droemer sein Bestseller „Der letzte Harem“. Peter Prange lebt als freier Schriftsteller in Tübingen.

Homepage des Autors

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