Michael Köhlmeier – Madalyn

Madalyn
Michael Köhlmeier
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235977

Sebastian Lukasser, erfolgreicher Schriftsteller, kennt die 14jährige Madalyn schon seit ihrer Geburt. Sie wohnt in der Wohnung unter ihm. Als sie fünf Jahre alt war, rettete er ihr nach einem Fahrradunfall das Leben. Das verbindet. Mit der Zeit entwickelt sich eine enge Freundschaft. Sebastian Lukasser hat für ihre Sorgen und Kümmernisse immer ein offenes Ohr und nimmt sich für die Heranwachsende Zeit, anders als ihre Eltern. Die sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und können (oder wollen) ihrer Tochter nur selten mit Wärme begegnen. Dann lernt Madalyn Moritz kennen und verliebt sich in ihn. Moritz hat schon schwere Zeiten durchlebt. Aber was von seinen Erzählungen ist Lüge und was nicht?

„Madalyn“ ist das zweite Buch, dass ich nach seinem großen Roman „Abendland“ von Michael Köhlmeier gelesen habe. Zwischen beiden Bücher gibt es als Verbindungsglied den Erzähler Sebastian Lukasser, den ich auch in diesem Buch sofort mit dem Autor selbst personifizierte. Aber anders als bei „Abendland“, wo Köhlmeier eine Fülle von Schauplätzen und Personen ins Spiel brachte, bleibt „Madalyn“ überschaubar, fast intim. Es erscheint geradliniger, weil Köhlmeier sich auf die Kerngeschichte beschränkt. In 34 teilweise kurzen Kapiteln berichtet er über die väterliche Freundschaft des Schriftstellers zu der Schülerin, die ihm vertraut, ihn aber auch ausnutzt und hintergeht. Sie schüttet ihm ihr Herz aus, erzählt ihm von ihrer ersten Liebe und ihrem Liebeskummer. Madalyn zieht ihn zu Rate, wenn es wieder einmal Schwierigkeiten mit ihren Eltern gibt, mit denen Lukasser nie richtig warm wurde. Er erwähnt schreckliche Streitereien, die für das Mädchen sehr qualvoll gewesen sein mussten. Es wird aber auch deutlich, wie überfordert Lukasser mitunter in diesen Situationen ist. Auch in diesem Buch zeigt sich welch großartiger Beobachter und Erzähler Michael Köhlmeier ist. Er beschreibt seine Protagonisten in ihrer Gesamtheit, mit all dem Guten und dem Negativen, dass ihren Charakter ausmacht und schnell hat man das Empfinden, die auf dem Papier skizzierten Wesen als Menschen wahrzunehmen und persönlich zu kennen. Schauplätze beschreibt er so bildhaft und klar, dass ich mich gleich nach Wien in die Nähe des Naschmarktes versetzt fühlte. Seinen Stil empfinde ich als unverkennbar. Das Ende des Buches kommt dann abrupt. Aber auch das ist wie aus dem Leben gegriffen, glaubhaft. In „Abendland“ (Seite 166 Hanser Verlag) schrieb Michael Köhlmeier: „Wann ist eine Geschichte eine gute Geschichte? Wenn sie gebaut ist wie das Leben.“ Genau das trifft auf diesen Roman zu.

Mein Fazit: Michael Köhlmeier erzählt mit Madalyn die Geschichte der ersten Liebe eines Teenagers, sehr gefühlvoll und berührend, aber gleichzeitig sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Allerdings ist dieser Roman viel mehr als eine einfache Liebesgeschichte, er ist ein Roman über Jugend und Alter, Wahrheit und Lüge und er ist äußerst lesenswert.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und trat sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Er erhielt für seine Bücher zahlreiche Auszeichnungen, u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Johann-Peter-Hebel-Preis, dem Manès-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

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3 Antworten zu Michael Köhlmeier – Madalyn

  1. Pingback: Buch der Woche (47. KW) « Karthause's Welt …

  2. Gertrude Heidl schreibt:

    Ich muss über Madalyn ein Portfolio machen und darin ist auch eine Inhaltsangabe enthalten und ich weiß nicht wie ich das anstellen soll…

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