Anita Shreve – Die Nacht am Strand

Die Nacht am Strand
Anita Shreve
Originaltitel: Body Surfing
Broschiert: 339 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-13: 978-3492258807

Sydney ist 29 Jahre alt und ihr Leben ist aus den Fugen geraten. Ihre erste Ehe mit dem Piloten wurde geschieden, weil sie ständig um sein Leben fürchtete. Ihr zweiter Mann, ein Arzt, starb ganz überraschend im Dienst. Um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen, nimmt sie an der Küste New Hampshires den Job einer Privatlehrerin bei den Edwards an. Julie, die Tochter, soll es mit Sydneys Hilfe schaffen an DEM College aufgenommen zu werden. Wenig später kommen die erwachsenen Söhne der Edwards, Ben und Jeff, zu Besuch. Gemeinsam mit ihnen verbringt Sydney eine ausgelassene Nacht am Strand und sie bemerkt recht schnell, dass sie sich zu Jeff, dem Jüngeren der Brüder, hingezogen fühlt, während sie zu Ben stets eine gewisse kühle Distanz hält. Die Dinge entwickeln sich recht zügig. Jeff trennt sich von seiner Freundin Victoria, kommt mit Sydney zusammen und die Hochzeitsplanungen laufen auf Hochtouren. Aber unter Oberfläche brodelt es, in der Familie haben sich Spannungen aufgebaut. Und so nimmt eine Geschichte eine Wendung, die man in dieser Art nicht erwartet hätte.

Als ich zu diesem Buch griff erwartete ich einen Liebesroman mit typisch amerikanischen Touch, eine heile Welt, eine Prise Kitsch, süßliches Liebesgeflüster und Protagonisten ohne Fehl und Tadel. Schnell bemerkte ich, von fast allen Vorurteilen muss ich mich trennen. Eine heile Welt fand ich nur zu Beginn des Romanes vor. Sehr schnell spürte ich die unterschwelligen Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, die eigentlich kaum thematisiert wurden, sondern eher zwischen den Zeilen zu finden waren. Ich empfand es auch als sehr auffällig, dass die Autorin das Geschehen sehr distanziert, von einer Art Außenperspektive her schildert. Dadurch war eine Identifikation mit den Hauptpersonen kaum möglich, was aber den Vorteil hat, dass man als Leser dem Geschehen mit größerer Neutralität gegenüber steht. Mit hat diese Sicht der Dinge sehr gut gefallen. Allerdings bediente sich Anita Shreve auch einiger Klischees, so gab es den liebenswerten, netten und verständnisvollen Vater und als Gegenstück dazu die ständig unzufriedene, mürrische und mäkelnde Mutter, oder die gut geratenen Söhne und den Sorgen bereitenden Nachkömmling. Was ich aber am positivsten in Erinnerung behalten werde, „Die Nacht am Strand“ ist keine der typischen Herz-Schmerz-Geschichten. Es ist eine schöne Liebesgeschichte, eine Alltagsgeschichte, die nicht kitschig wirkte und auch nicht auf die Tränendrüsen drückte. Anita Shreve legte mit diesem Buch einen leichten, gut und flüssig zu lesenden, aber keineswegs seichten Roman vor. Durch die immer nur angedeuteten innerfamiliären Schwierigkeiten erhielt dieser Roman schon ein gewisses Maß an Tiefe.

Mein Fazit: „Die Nacht am Strand“ habe ich gern gelesen. Wer Spaß an klaren und schnörkellosen Liebes- und amerikanischen Familiengeschichten hat, wird mit diesem Buch gut unterhalten werden.

Über den Autor (Quelle: Amazon)

Anita Shreve, geboren 1947, gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der USA. Sie lebt mit ihrem Mann in Boston/ Massachusetts. Mit ihren Romanen, die von der Kritik für ihre kühle Eleganz gefeiert werden, erreicht sie weltweit ein Millionepublikum. Zu ihren größten Erfolgen gehören »Das Gewicht des Wassers«, »Die Frau des Piloten« und »Olympia« sowie »Eine Hochzeit im Dezember«. Zuletzt erschien von ihr »Die Nacht am Strand«.

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