Günter de Bruyn – Preußens Luise

Preußens Luise
Günter de Bruyn
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Siedler Verlag
ISBN-13: 978-3886807185

Auf unsere Gemüter können Mythen nur so lange wirken, wie sie als Wahrheiten gelten; wenn wir wissen warum sie entstanden sind und welchem Zwecken sie dienten, sind wir ihrer Macht schon entflogen.“ (S.128, Preußens Luise, Günter de Bruyn)

Die am 10. März 1776 geborene Luise war die 7. von insgesamt 11 preußischen Königinnen. Sie war eine in Hannover geborene Mecklenburgische Prinzessin, die ihre Jugend in Darmstadt verbrachte. So war sie also auch persönlich mit vielen außerpreußischen Ländern verflochten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Friederike heiratete sie in der Weihnachtszeit des Jahres 1793 in die Königliche Familie ein. De Bruyn weist in seinem Buch ausdrücklich auf ihre Natürlichkeit hin, sie gehorchte ihren Gefühlen, widersetzte sich dem Hofzeremoniell und verhielt sich auch gelegentlich unschicklich. Die Ehe mit dem Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm III. galt als mustergültig. Schon in jungen Jahren war sie für den Hofbildhauer Schadow ein beliebtes Modell, Friedrich von Hardenberg und Jean Paul priesen in ihren Werken ihre Schönheit und Güte. Viele Dichter haben schon zu ihren Lebzeiten unzählige Verse ihr zu Ehren gedichtet. De Bruyn beleuchtet aber auch die tragische Seite ihres Lebens. Nach Napoleons Sieg bei Jena flüchtete sie gemeinsam mit ihren Kindern nach Ostpreußen. Nach ihrer Flucht wurde immer weniger ihre Schönheit und mehr ihre Leidensfähigkeit thematisiert. Im Alter von nur 34 Jahren starb sie. Luisenstätten existierten bereits zu Lebzeiten der Königin, aber nach ihrem Tod wurden diese zu Pilgerstätten. Auch die Dichter, wie u.a. Achim von Arnim, fertigten Schriften zu ihrem Leben. Friedrich Wilhelm III. machte das Andenken an Luise zur Staatsangelegenheit, die Stiftung des Eisernen Kreuzes wurde nachträglich auf den Geburtstag der Königin gelegt. Die Erneuerung der Stiftung durch Friedrich I., erfolge an ihrem Todestag. Die Kaiserzeit war die Hochzeit der Luisenverehrung, aber auch die Zeit, in der ihre Person besonders differenziert betrachtet wurde. Die immer volkstümlichere Verehrung glitt immer mehr ins sagenhafte und pseudosakrale ab, dem stand die um historische Wahrheit bemühte wissenschaftliche Betrachtungsweise gegenüber. Zu Zeiten des 3. Reiches geriet Luise beim Volk langsam in Vergessenheit. Zu Propagandazwecken wurde sie kaum benutzt und auch ihr Kinderreichtum fand keine Beachtung. Nach dem 2. Weltkrieg, kamen kaum noch Besucher nach Paretz, wo Luise die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte. Die Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen geplündert, blieben aber von den Abrissbirnen der DDR verschont. Das Schlösschen wurde erst zur Bauernhochschule, dann beherbergte es das Institut für Landwirtschaft, später war es Sitz des VEB Tierzucht. Luise war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kaum im Bewusstsein der Bevölkerung vorhanden, sie war eine historische Figur, wie viele andere auch.

Wer an dieses Buch mit dem gleichen Anspruch wie an eine Biografie herangeht, wird sicher enttäuscht sein. Günter de Bruyn betrachtet die Lebensetappen von Preußens Luise nur in dem Maße, wie sie zur Mythenbildung beitrugen. Mit zahlreichen Bildern und Zitaten aus Zeitdokumenten unterstreicht der Autor sein umfangreiches Studium der historischen Quellen. Er schreibt einfach und auch für den Geschichtslaien leicht verständlich, erläutert die politischen Situationen und die höfischen Gepflogenheiten. Allerdings hätte ich gern noch ein wenig ausführlicher zu der Entstehung der Luisenverehrung gelesen. Vollkommen schlüssig empfand ich hingegen das Vergehen des Luisen-Mythos’. “Preußens Luise“ ist mit seinen 142 Seiten ein Buch, das schnell gelesen ist. Es gibt die wichtigsten Lebensstationen der preußischen Königin wieder und ist ein guter Einstieg, will man sich dieser Thematik intensiver widmen.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Günter de Bruyn, 1926 in Berlin geboren, lebt heute als freier Schriftsteller in einem märkischen Dorf. Seine beiden autobiografischen Bücher „Zwischenbilanz“ und „Vierzig Jahre“ machten Furore. „Preußens Luise“ wurde 2002 mit dem Deutschen Literaturpreis ausgezeichnet. Zu Günter de Bruyns zahlreichen Auszeichnungen zählen der Heinrich-Mann-Preis, der Thomas- Mann-Preis, der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, der Jean-Paul-Preis und, 2002 verliehen, der Deutsche Nationalpreis.

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