Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

Nichts
Was im Leben wichtig ist
Janne Teller
Originaltitel: Intet
Broschiert: 139 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-13: 978-3446235960
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

„Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.“ Mit diesem, die Schüler der 7. Klasse einer dänischen Kleinstadt, schockierenden Satz, verlässt Pierre Anthon die Schule und sitzt von nun an auf einem Pflaumenbaum, beschimpft seine ehemaligen Schulkameraden, wirft ihnen seine Wahrheiten an den Kopf, lacht sie aus und provoziert. Sind die Schüler zunächst irritiert, steigert sich das über Beunruhigung bis hin zur Angst. Dann aber werden sie aktiv. Sie beginnen in einem alten Sägewerk die Dinge zusammenzutragen, die für sie im Leben wichtig sind. So wollen sie einen Berg von Bedeutung sammeln, um Pierre zu beweisen, dass er Unrecht hat. Aber dann gerät die Situation außer Kontrolle, sie eskaliert. Und am Ende des Buches steht die Erkenntnis: „Ich weiß, dass man mit der Bedeutung nicht spaßen soll.“

Auf dieses Buch wurde ich zunächst durch „Die Vorleser“ aufmerksam, kurz darauf bekam ich die Empfehlung dafür auch von anderen Seiten. Die Idee für das Buch fand ich sehr gelungen. Janne Teller ließ die Sammlung der für die Jugendlichen bedeutsamen Sachen mit eigentlich recht belanglosen Dingen beginnen, um sie dann aber konsequent so zu steigern, dass die Schüler sich gegenseitig existentiell Bedeutungsvolles abverlangten. Als das Experiment dann letzten Endes immer brutaler wurde und schließlich aus dem Ruder lief, kamen unweigerlich Assoziationen zu Morton Rhue’s „Die Welle“ auf.

Als recht unbefriedigend empfand ich die Zeichnung der Personen. Ich weiß nicht, ob sich die Autorin bewusst zurückgehalten hat, Charaktere herauszuarbeiten, um eben das Augenmerk auf den eigentlichen Kern der Geschichte zu lenken, oder ob es ihr einfach nicht gelungen ist, lebensnahe Figuren zu beschreiben. Ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Buch mehr als nur 139 Seiten umfasst, um mehr Raum für eine philosophisch fundierte Tiefe zu haben. Als philosophisches Werk sehe ich das Jugendbuch von Janne Teller nicht an, dafür genügt es nicht, Bedeutung als Begriff nur anzureißen. Eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung liefert sie damit allemal. Schon die Widersprüchlichkeit des Titels bietet für eine ausgiebige Diskussion die Grundlage.

Aber auch sprachlich hat mich dieses Buch nicht überzeugt. Besonders die sich ständig wiederholenden Steigerungen störten mich.

Dieses Buch ist es durchaus wert, kontrovers diskutiert zu werden. Es ist für junge Leser ab 14 Jahre geeignet, es wäre aber in jedem Fall empfehlenswert, mit den Jugendlichen nach oder während der Lektüre Grundzüge und Geschehnisse des Buches gemeinsam mit Erwachsenen zu erörtern.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Janne Teller wurde 1964 geboren. Die ehemalige UN-Mitarbeiterin und gelernte Ökonomin lebt derzeit in Paris.Sigrid Engeler, geboren 1950 in Wolfenbüttel, lebt heute in Kiel. Sie übersetzte aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen.

 

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3 Antworten zu Janne Teller – Nichts. Was im Leben wichtig ist

  1. Julia schreibt:

    Dieses Buch wird tatsächlich überall sehr kontrovers besprochen. Ich habe es mal auf meine Merkliste gesetzt, schwanke aber jedes Mal, ob ich es mir wirklich zulegen sollte… Wahrscheinlich warte ich damit noch ein Weilchen.

  2. mona lisa schreibt:

    Habe das Buch auch vor einiger Zeit gelesen und rezensiert. Ich stimme dir in der Beurteilung der literarischen Qualität zu, denke aber doch, dass es im Hinblick auf die Frage nach der Bedeutung, dem Sinn von etwas, wertvolle anstöße gibt. Insofern ein wichtiges Buch!

    • Karthause schreibt:

      Ja, es gibt wertvolle Anstöße, das meinte ich mit „eine gelungene Anregung zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und den Begriff Bedeutung“. Aber nur wenn man weiterdenkt, wird es in meinen Augen zu einem wertvollen Buch. Genau das ist der Punkt, an dem ich es als notwendig ansehe, dass Eltern, Pädagogen oder wer auch immer als Gesprächspartner agiert, diesen Gedanken einen Rahmen und eine klare Linie geben sollten.

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