Sabine Weigand – Die silberne Burg

Die silberne Burg
Sabine Weigand
Gebundene Ausgabe: 572 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt
ISBN-13: 978-3810526649

1390 – 1428. Infolge des Judenschuldenerlasses wurde der jüdische Geldverleiher Levi Lämmlein über Nacht mittellos und musste Nürnberg verlassen. In Köln fand er mit seiner Frau und der Tochter Sara eine neue Heimat. Bereits in ihrer Kindheit freundeten sich Sara und Salo an. Als sie dann Jahre später heirateten, schien das Glück nahezu perfekt und sie waren ihrer silbernen Burg als Ort des Schutzes und des Friedens sowie Stätte des Seelenglücks sehr nahe. Doch schon ein halbes Jahr später starb Salo und nach einem Jahr musste Sara Chajim, den älteren Bruder Salos, heiraten, wie die Tradition es erforderte. Als sie seine Misshandlungen nicht mehr ertragen konnte, floh Sara nach München zu ihrem Onkel Jehuda, der dort ein anerkannter Medicus war. Auch in Sara erwachte das Interesse an der Medizin und nach einigem Zögern wurde Jehuda für seine Nichte zum Lehrmeister.

Ezzo ist der illegitime Sohn des Grafen von Rieden. Nach dessen unerwartetem Tod erhob der Bruder des Grafen Anspruch auf den Besitz, er verbrannte das Testament, woraufhin Ezzo die Burg verließ und sich als Ritter in die Dienste der ungarischen Königin stellte, aber den Kampf um sein Erbe gab er nicht auf.

Ciaran, der irische Mönch, der lange Zeit im Ungewissen über seine Herkunft war, wurde von den Lollarden in die Bestrebungen um eine Reform der katholischen Kirche hineingezogen. Mit einem geheimen Papier von John Wyclif, das seine Eltern hinterließen, machte er sich auf den Weg zu Jan Hus.

Die Wege der drei Protagonisten kreuzten sich. Gemeinsam mit fahrenden Gauklern traten sie die gemeinsame Reise zum Konzil von Konstanz an.

Zu Beginn dieses historischen Romans verlaufen die Handlungsstränge um die Medica, den Ritter und den Mönch parallel. So war ich eine ganze Weile gespannt, was die Drei verbinden könnte. Dieser Ausgangspunkt wurde von Sabine Weigand sehr geschickt gewählt. Der Leser wird Zeuge von christlicher Gewalt bei den Judenpogromen, von Vorurteilen aufgrund des unterschiedlichen Glaubens und von der vorlutherischen Reformationsbewegung innerhalb der katholischen Kirche. Die Autorin gibt aber auch einen sehr guten Einblick in die mittelalterliche Medizingeschichte. So kämpft die jüdische Ärztin Sara, sie ist historisch verbürgt, gegen überlieferte, aber unwirksame Heilmethoden an, die nur dem Geldbeutel der sogenannten Heiler gut taten und setzt mutig und erfolgreich auf Neues. Ausführlich werden jüdische Rituale beschrieben und die Unterschiede und Ähnlichkeiten von jüdischem und christlichem Glauben herausgearbeitet. Aber auch die Geschichte des unter dem Eindruck von John Wyclif’s Lehren stehenden Jan Hus, der für seine offene Kritik an der verweltlichten Kirche und der Lasterhaftigkeit der Kirchenmänner während des Konzils von Konstanz als Ketzer verbrannt wurde, ist in diesem Roman vortrefflich erzählt worden. Wie bereits in den anderen mir bekannten Romanen von Sabine Weigand sind in diesem die Personen sehr natürlich und menschlich mit Stärken und (nicht immer liebenswerten) Schwächen ausgestattet und passen sich auch sprachlich sehr gut ihrer Zeit an. Neben fiktiven Figuren bereicherten zahlreiche historisch verbürgte die Handlung. Aber alle wirkten real und lebensecht und in ihren Gefühlen sehr glaubhaft und nachvollziehbar. Zwischen den einzelnen Kapitel waren immer wieder Zeitdokumente, Behandlungsanweisungen für die Ärzte und Gedichte eingeschoben. Das lockerte die Handlung nicht nur auf sonder erhöhte die Authentizität des Romans. Besonders gut hat mir das Ende des Romans gefallen. Nachdem im Titel und auch zu Beginn der Handlung die silberne Burg thematisiert wurde, findet sich dieses Motiv zum Ende hin wieder und schließt somit den Handlungskreis. Ungewöhnlich, aber sehr gut , fand ich die Erzählperspektive. Die einzelnen Handlungsstränge berichten in der 3. Person von ihren Protagonisten. Die Erzählart wechselt aber in den eingeschobenen Kapiteln, in denen Sara in der Ich-Form direkt ihre Sicht der Dinge schildert.

„Die silberne Burg“ ist ein wirklich hervorragend komponierter und sehr ausgewogener Roman, der alle Anforderungen, die ich an einen wirklich historischen Roman stelle, voll erfüllt. Er ist unterhaltend, spannend, äußerst informativ und historisch korrekt.

Diese Bücher von Sabine Weigand habe ich schon gelesen:

Seelen im Feuer

Die Markgräfin

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