André Pilz – Bataillon d’Amour

Mayra ist eine lebenslustige und –hungrige junge Kolumbianerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrer schwerkranken Mutter und ihrer Schwester in einer elenden Behausung im Slum von Bogotá und träumt von einem besseren Leben. Deutsch hat sie von ihrem Vater gelernt, der zwischenzeitlich aber aus ihrem und dem Leben der Familie verschwunden ist. In einem Internetchat lernt sie einen jungen Deutschen kennen und verliebt sich in ihn. Als sie dann auf eine Stellenanzeige stößt, über die Bedienungen für das Oktoberfest gesucht werden, sieht sie darin eine doppelte Chance, sie könnte den Mann, den sie sie so liebt, kennen lernen und mit diesem Job dem Elend entfliehen. Völlig blauäugig fliegt sie nach Deutschland, dort erfährt sie schmerzhaft, dass sie nicht auf dem Oktoberfest, sondern im d’Amour, einem berühmt-berüchtigten „Club“, arbeiten wird. Sie ist in die Hände skrupelloser Mädchenhändler geraten.

André Pilz ist mit seinem Roman über Mädchenhandel und Zwangsprostitution an die Grenzen des Erträglichen gegangen. Schonungslos, offen und ungeschönt wird dem Leser dieses Milieu nahegebracht. Er scheut sich nicht grausamste Misshandlungen zu beschreiben und dem Leser das Leiden der modernen Sklavinnen nahezubringen. Leider funktionierte der antrainierte Schutz, ‚Es ist ja nur eine fiktive Geschichte’ bei diesem Buch nicht. Dazu waren die Szenen zu lebensecht und unter die Haut gehend. Sicher wird es Leser geben, die diesen Thriller wegen der unmenschlichen Grausamkeiten, der Brutalität, den Vergewaltigungen und den Misshandlungen nicht lesen wollen und nicht lesen können. Lange habe ich überlegt, ob Pilz dieses Thema anders hätte anfassen können und habe mich dann zu einem klaren NEIN durchgerungen. Pilz will bewusst schockieren, er will anklagen und die Augen öffnen.

Auch sprachlich ist das Buch der Thematik angepasst, in einfachem Stil, absichtlich derb, direkt und offen. Nichts wird angedeutet, alles wird beim Namen genannt. Eine besonders schöne und ausgefeilte Sprache würde hierbei nur beschönigen und verdecken. Die Geschichte wird aus der Perspektive Mayras in der Ich-Form erzählt, daneben leitet den Leser ein in der 3. Person berichtenden Erzähler durch die Handlung und deren Hintergründe. Damit erreicht der Autor, dass alle Aspekte ihre Beachtung finden. Die Charaktere passen schon recht gut in die gut-böse-Schablone. Aber ehrlich, ich hatte auch nicht das Bedürfnis die guten Seiten dieser menschlichen Bestien zu erfahren

Mein Fazit: „Bataillon d’Amour“ ist ein unheimlich aufwühlender Thriller, der tief unter die Haut geht, berührt und absolut schonungslos ist. Selten habe ich so viele Unmenschlichkeiten in einem Buch gelesen wie in diesem. Darüber sollte man sich vor der Lektüre im Klaren sein und sich fragen, ob man dazu bereit ist.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

André Pilz, geboren 1972, lebt in München und Vorarlberg. Student, Gitarrist, Briefträger, Museumswärter und Flughafenarbeiter, seit 2007 freier Schriftsteller.

Broschiert: 336 Seiten * Verlag: Haymon Verlag * ISBN-13: 978-3852188478

 

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