Alex Capus – Léon und Louise

Léon und Louise Alex Capus Gebundene Ausgabe: 320 Seiten  Verlag: Hanser ISBN-13: 978-3446236301Nur weit weg von Dir bin ich ganz bei mir, nur fern von Dir kann ich es wagen, mich Dir zu öffnen ohne mich zu verlieren.“

 Die Familie nimmt in der Kathedrale Notre Dame de Paris Abschied von Léon, als eine Unbekannte dazu kommt, den aufgebahrten Léon küsst und wortlos wieder geht. Diese Situation ist Anlass für Léons Enkel die Lebensgeschichte des Großvaters zu erzählen.

1918 lernt Léon die lebenslustige Louise kennen. Beide verlieben sich ineinander. Auf der Heimfahrt von einem gemeinsamen Ausflug an den Atlantik werden sie von einem Luftangriff überrascht und schwer verletzt. Jeder glaubt, der andere sei tot. 10 Jahre später, Léon hat inzwischen mit Yvonne eine Familie gegründet und arbeitet im chemischen Labor der Polizei, trifft er seine Jugendliebe wieder. Sie verleben eine gemeinsame Nacht und trennen sich, nachdem Louise von ihm das Versprechen verlangte nicht nach ihr zu suchen

Vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erzählt Alex Capus die Liebesgeschichte von Léon und Louise, die mich so ein wenig an die durch das tiefe Wasser getrennten Königskinder erinnerte. Zwei junge Menschen, die sich ineinander verliebten und doch nicht zueinander finden konnten. Capus zeichnet ein feines Bild von Léon, den der Leser schon in dessen Kindheit kennen lernt und dann durch sein Leben begleitet. Er ist facettenreich charakterisiert, sein Handeln ist nachvollziehbar, wenn auch nicht immer zu verstehen. Anders ergeht es dem Leser mit den weiblichen Protagonisten des Romans. Da Léons Enkel der Erzähler dieser Geschichte ist und er diese schließlich nur durch den Großvater kennt, blieben sowohl Yvonne als auch Louise stets nur konturenhaft dargestellt. Ihre Gedanken und die Beweggründe für ihr Tun mussten oft mehr erahnt als erlesen werden. So lag über die gesamte Handlung der Fokus fast ausschließlich auf Léon und der Wunsch, mehr über die beiden Frauen zu erfahren, blieb unerfüllt.

Trotzdem hat Alex Capus mit diesem Roman eine Liebesgeschichte vorgelegt, wie ich sie mag, schnörkellos, kitschfrei und trotzdem in einem fast poetischen Erzählstil mit einer Prise Humor und sehr gelungenen Dialogen, leicht zu lesen und dabei nicht ohne Anspruch. Viele Gedanken, die es wert waren weitergesponnen zu werden, wurden nur angerissen. Diese hätten auch im Buch gern weitergeführt werden dürfen, 100 Seiten mehr hätten mich nicht gestört, aber wahrscheinlich hätte ich diesen Roman dann als vollkommener empfunden.

Mein Fazit: „Léon und Louise“ ist eine sehr schöne Dreiecksgeschichte über Liebe und Verantwortung. Die wenigen Kritikpunkte schmälerten meine Lesefreude nur wenig. Ich empfehle dieses Buch gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Alex Capus, geb. 1961 in Frankreich, Studium der Geschichte und Philosophie in Basel. Journalist bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen. Der Autor lebt heute als freier Schriftsteller in Olten.

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