Eric Walz – Die Schleier der Salome

Judäa um Christi Geburt. Am Tag der Geburt von Prinzessin Salome ließ König Herodes aus Angst vor der angekündigten Geburt eines Messias alle männlichen Neugeborenen töten, auch Salomes Zwillingsbruder, seinen Enkel. Die jüdische Prinzessin wuchs in einem von Neid, Missgunst, Intrigen, Ränkespielen und Angst geprägten Umfeld auf. Schnell erkannte sie, dass sie als Mädchen in der von Männern dominierten Gesellschaft ohne Bildung kaum eine Chance auf eine herausragende Position am Königshof hat. Den Thora-Unterricht erkämpfte sie sich durch eine List und machte sich damit Kephallion zum Feind. Gleichzeitig wurde aber auch Ihre Tante Akme, die einflussreiche Tetrachin von Ashdod, auf sie aufmerksam und förderte die ehrgeizige Prinzessin. Dann kam Timon, ein junger Grieche auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters, an den Hof. Von ihm erfuhr Salome wie wichtig es für sie wäre, auch Kenntnisse in anderen Wissenschaften zu erlangen. Beide kamen sich näher und verliebten sich ineinander, aber Timon hatte inzwischen herausgefunden, wer die Schuld am Tode des Vaters trug…

Eric Walz nimmt den Leser mit auf eine gedankliche Zeitreise. Er schildert Judäa, wie es vor 2000 Jahren ausgesehen haben mag, ein fruchtbares, blühendes und reiches Land. Er beschreibt aber auch die historische Situation am Hof, berichtet von Intrigen, Morden, politischen Strömungen, Machtkämpfen und Revolten. In diese authentische Kulisse bettet er die Lebensgeschichte der jüdischen Prinzessin Salome von deren Geburt, über deren betörenden Tanz vor ihrem Stiefvater Antipas, der ihr dafür den Kopf von Johannes dem Täufer präsentierte, bis hin zu ihrer Zeit als Königin ein. Geschickt baut er ein dazu Gerüst aus historisch verbürgten und fiktiven Personen, die er alle sehr lebensecht charakterisiert, so dass sich letztlich dieser historische Roman wie eine Biografie liest. In einem ausführlichen Nachwort erklärt Eric Walz dem Leser wie weit die Realität reicht und wo die Fiktion einsetzt. Die der Fantasie des Autors entsprungene Liebesgeschichte Salomes mit dem jungen Griechen hätte ich mir etwas weniger vordergründig vorstellen können, störend empfand ich sie jedoch nicht. In „Die Schleier der Salome“ wird der Leser mit zahlreichen Informationen zur Geschichte und Kultur Judäas konfrontiert. Das geschieht aber immer auf eine ganz unaufdringliche und nie dozierende Art und Weise. So verbanden sich in dem Roman die Wissensvermittlung, der sehr angenehm zu lesende Stil des Autors und die interessante und zugleich unterhaltsame Geschichte zu einem wirklichen Leseerlebnis, das mich dazu anregte, mehr über diese bewegte Zeit, um die ich im Roman bisher immer einen Bogen machte, erfahren zu wollen. Sehr interessant fand ich auch die Beschreibungen der strengen Sitten und Bräuche der Juden, des Einflusses der Römischen Besatzer auf das Volk sowie die sich aus dem aufkommenden Christentum ergebenden Veränderungen.

Mein Fazit: „Die Schleier der Salome“ ist ein rundum gelungener historischer Roman von dem man sagen kann, wenn sich die Geschichte so nicht zugetragen hat, hätte es auf jeden Fall aber so gewesen sein können. Das ist in meinen Augen das größte Lob, das man einem Roman aus diesem Genre machen kann. Für mich war dieser Autor eine Entdeckung. Auf seine anderen bereits veröffentlichten Romane bin ich sehr neugierig geworden. Ich empfehle dieses Buch gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Eric Walz wurde 1966 in Königstein im Taunus geboren. Im Jahr 2002 erfüllte er sich den Jugendtraum, Bücher zu schreiben. Sein Debütroman Die Herrin der Päpste wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. Zuletzt erschien von ihm im Oktober 2007 Die Glasmalerin, ein historischer Kriminalroman, der vor dem Hintergrund des Konzils von Trient spielt. Eric Walz lebt nach vielen Jahren in Berlin heute als Schriftsteller im Umland von Stuttgart.

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