Zora Del Buono – Big Sue

Big Sue
Zora del Buono
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Mare
ISBN-13: 978-3866481350

Mit dem Rechercheauftrag zur Sprache westafrikanischer Einwanderer, Gullah, im Gepäck reist die Erzählerin, eine unbenannte deutsche Journalistin, die des Schreibens müde geworden ist und nun Rechercheaufträge ausführt, nach Savannah. Bereits auf dem Flug dorthin lernt sie den schweizer Kunsthistoriker Carl Fenner kennen, der einerseits den Auftrag hat, die Geschichte der Villa auf Humphrey Island und somit die der gesamten Familie aufzuschreiben, andererseits Unannehmlichkeiten in der Heimat aus dem Weg gehen will. Besagte Villa ist, in einem Sumpf liegend, seit Generationen im Besitz der Familie und auch Carl Fenner findet dort Unterkunft. Allerdings muss er mit der Beschränkung leben, die untere Etage nicht zu betreten, auch Bewohner des Hauses trifft er nicht. Nachts dringen aber Geräusche, die eindeutig sexuellen Ursprungs sind, zu ihm durch und er beobachtet das Kommen und Gehen diverser Männer. Die Familiengeschichte der Humphreys erweist sich deutlich komplexer als erwartet.

Mit „Big Sue“ legte Zora del Buono ihren zweiten Roman vor. Auf nur 192 Seiten schafft sie es, eine vielschichtige Familiengeschichte auszubreiten, die manch eine Überraschung für die Beteiligten und die Leser aufweisen kann. Dabei gelingt es ihr , die stickig-schwüle Südstaatenatmosphäre zu transportieren. So ist der Leser schnell gefangen in einem diffizilen Geflecht aus familiären Abgründen, Rache und Leidenschaft. Der Erzählstil ist gefällig und sehr gut lesbar. Sie deutet Irrationales an, das ganz rational erklärt wird. Gezielt eingesetzte Ironie, das Quäntchen Erotik und gelungene Naturbeschreibungen runden das Buch ab. Einzig die Figur des Carl Fenner blieb für mich unzugänglich, farblos, und fremd. Er weckte in mir keinerlei Emotionen, sein Schicksal blieb mir merkwürdig gleichgültig. Da dies aber in totalem Gegensatz zu der Romanhandlung steht, bin ich mir ziemlich sicher, dass dies von der Autorin so beabsichtigt war.

Mit „Big Sue“ wurde ich auf eine mir bisher unbekannte Autorin aufmerksam (gemacht), deren weiteres Schaffen ich mit Interesse verfolgen werden. Dieses atmosphärisch so dichte Buch habe ich mit viel Freude gelesen. Nach dieser Lektüre bleibt mir noch, mich bei meiner lieben Lesefreundin zu bedanken, die mir damit so schöne Lesestunden bescherte.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Zora del Buono, geboren 1962, wuchs in Zürich auf und lebt seit 1987 in Berlin. Nach ihrem Architekturstudium an der ETH Zürich arbeitete sie mehrere Jahre als Architektin und Bauleiterin, bevor sie sich zu einem Berufswechsel entschloss und mit dem Schreiben begann. Sie ist Gründungsmitglied der Zeitschrift mare und betreut das Kulturressort. 2008 erschien im mareverlag ihr erster Roman Canitz Verlangen.

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