Andrea Busfield – Mauertänzer

Mauertänzer
Andrea Busfield
OT: Born Under a Million Shadows
Gebundene Ausgabe: 334 Seiten
Verlag: Atrium-Verlag
ISBN-13: 978-3855350438

Kabul nach 2001. Nachdem Taliban das Haus der Familie zerstört hatten, Vater und Bruder töteten und die Schwester verschleppten, fanden Fawad und seine Mutter Unterschlupf bei der Tante. Sie hatten nun zwar ein Dach über dem Kopf, aber das Leben war schwierig und die Schwester der Mutter trug nichts dazu bei, es einfacher werden zu lassen. Von der Arbeit der Mutter konnten sie nicht überleben. So war der 11jährige Fawad gezwungen, den Reichtum der Ausländer umzuverteilen. Dann bekam die Mutter Arbeit und Unterkunft im Haus von drei in einer Wohngemeinschaft lebenden Ausländern. Fortan bildeten James, ein dem Alkohol nicht abgeneigter Journalist, Georgie, die sich als Aufbauhelferin um die Kashmirziegen kümmert und die lesbische May ihre Nachbarn und Arbeitgeber. Fawad lernte eine völlig neue, sehr freizügige Welt kennen. Mit Georgie, die seine Sprache sprach, führte er intensive Gespräche und schnell entwickelte der Junge eine Schwärmerei für die Engländerin, die mit einem einflussreichen Paschtunen liiert war.
Andrea Busfield hat über Jahre hinweg in Afghanistan gelebt, sie kennt das Land und die Mentalität der Menschen. Der Erzähler der Geschichte ist der 11jährige Fawad, der Mauertänzer. Mit seinen Augen und den kindlichen Gedankengängen öffnet die Autorin dem Leser ein Fenster in das gerade von den Taliban befreiten Afghanistan. Der Charme der Naivität eines Kindes ist es dann auch, der das Buch zu etwas Besonderem macht. So wie Fawad in seiner Wohngemeinschaft zwischen Tradition und Moderne steht, ist es ein Sinnbild für das heutige Afghanistan. Alte und bewährte Werte wie Tradition, Familienzusammengehörigkeit und Solidarität werden mit dem unbekümmert freien westlichen Leben gemessen und am Beispiel von Georgies Beziehung zu dem Paschtunen wird aufgezeigt, wie schwierig die Verknüpfung beider Welten ist.
Fawad erzählt viele Anekdoten aus dem Leben der afghanischen Familie und wenn es dann zu Missverständnissen in seinem neuen Lebensumfeld kommt entbehrt das nie einer gewissen Komik. Andererseits werden auch die Auswirkungen der langjährigen Kriege, der Drogen und der ärmlichen Lebensverhältnisse thematisiert.
In dieses Buch wurden sehr viele Themen angerissen und nicht alle logisch bis zum Ende geführt. Über die Authenzität des Buches wage ich nicht zu urteilen. Ich habe es als fiktive Geschichte einer Autorin gelesen, die Land und Leute gut kennt und entsprechend in ihrem Roman verarbeitet.
Ich habe das Buch, dass sich sehr leicht lesen lässt, in einem Rutsch durchgelesen und habe es sehr unterhaltsam gefunden.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Andrea Busfield, Jahrgang 1970, ist britische Journalistin. 2005 erfüllte sie sich einen Traum: Sie zog nach Kabul und arbeitete als Redakteurin bei Sada-e-Azadi (Stimme der Freiheit), von der International Security Assistance Force gegründet. Im Anschluss schrieb sie für die Gulf Times in Qatar, bis sie nach Europa zurückkehrte, um in Wien zu leben.

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