Per Olov Enquist – Kapitän Nemos Bibliothek

Kapitän Nemos Bibliothek
Per Olov Enquist
Originaltitel: Kapten Nemos bibliotek
Broschiert: 236 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN-13: 978-3596176366

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

In einem kleinen nordschwedischen Dorf, in dem die Armut das Regiment führt, werden 1934 an einem Tag zwei Jungen geboren. Jahre später kommt heraus, dass die beiden vertauscht wurden und bei den falschen Eltern aufwuchsen. Die Kinder werden an die leiblichen Eltern zurückgegeben, was sich aber als Tragödie erweist. Einer der beiden versucht als Erwachsener, sich Klarheit über das tragische Geschehen zu verschaffen. Er hält sich in einer Heilanstalt auf und sieht in seiner verzweifelten Rekonstruktion der Ereignisse einen letzten Versuch zur Selbstrettung.

Meine Meinung

„Kapitän Nemos Bibliothek“ ist die Geschichte zweier Jungen, die nach der Geburt vertauscht und Jahre später aus ihren Familien herausgerissen wurden, damit das Versehen rückgängig gemacht wurde.

Aus Erinnerungsfetzen aneinandergereiht, so setzt sich, je weiter man sich durch dieses Buch liest, Puzzleteil mit Puzzleteil zusammen und erst am Ende des Romans ergibt sich ein (fast) vollständiges Bild. Zu Beginn haderte ich etwas mit dieser Erzählweise, weil ich zu schnell viel mehr erfahren wollte. Man musste sich bewusst auf diesen Stil einlassen und seinen Gedanken Zeit geben. Im Nachhinein betrachtet, finde ich diese fragmentarische Erzählweise genial, spiegelt sie doch nicht zuletzt die innere Zerrissenheit des Erzählers auch Jahre nach dem Rücktausch wider.

Immer wieder flüchtet sich der Ich-Erzähler in seine Suche nach Gott und in seine Fantasiewelt, die Bibliothek von Jules Vernes Kapitän Nemo, weil er sonst das Leben nicht aushalten würde.

Der gesamte Roman war durch eine äußerst bedrückende Atmosphäre gekennzeichnet. Es war kein bisschen Frohsinn oder Hoffnung darin zu finden. Das machte es mir auch schwer eine gewisse Lesefreude zu entwickeln, zumal dieses unendlich traurige, auf mich sehr intensiv und verstörend wirkende Buch seine geballte Wirkung auch erst nach der Lektüre entfaltet. Es hat mich lange, nachdem ich es zurück ins Regal gestellt habe, noch sehr bewegt und wird keineswegs das letzte Buch des Autors gewesen sein, dem ich meine Aufmerksamkeit schenken werde.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Per Olov Enquist, geboren 1934 in Nord-Schweden, lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Europas. Für seinen international erfolgreichen Roman „Der Besuch des Leibarztes“ (Bd. 15404) wurde er in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis 2002 ausgezeichnet.

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